Alfa Romeo 4C im Fahrbericht: Schwächen beim Fahrwerk und bei der Aerodynamik.

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Der Alfa Romeo 4C ist ein Phänomen: es ist selten, dass ein Automobil derart überzeugt, obwohl manch Wesenszug absolut ruhmlos und inakzeptabel ist. Er ist das Hoffnungssymbol der treuen Alfisti und damit der erste Teil einer Strategie, die sich mit fünf neuen Alfa-Modellen bis voraussichtlich 2018 verlorene Marktanteile zurückerobern will. Aufmerksamkeit dafür verschafft sich der 4C zweifellos spielend.


Unfertige Fahrwerksabstimmung in Kooperation mit einer schwachen Aerodynamik.

Die Karosserie ist aufgrund des Carbon-Monocoques extrem Verwindungssteif. Alle Funktionen, die dem Fahren direkt zugeordnet sind, fühlen sich extrem fest, direkt und glasklar an. Die Dimension ‚Fahren’ erreicht eine ursprüngliche und ungeahnte Intensität. Doch der 4C verzeiht nichts, folgt jeder noch so kleinen Spurrille und verzieht beim Bremsen im Grenzbereich so stark, dass kurzfristig eine zweite Fahrspur angemietet werden muss. Wenn man sich dessen bewusst ist, ist dies nur eine Herausforderung. Sollte es aber wirklich einmal eng werden, sieht es alles andere als gut aus.

Bei Fahrten über 190 Stundenkilometern wird die Front – ähnlich eines alten Porsche 911 ohne Blei in der Frontstoßstange – extrem leicht und beeinflusst den Geradeauslauf dementsprechend negativ. Zwar gibt es am Heck eine optionale Spoilerlippe in Wagenfarbe für mehr Anpressdruck (400,- €), doch an der Front kommt kein zusätzliches Flügelchen.

Schwierig wird es auch in Kurven, wenn die Vorderreifen schon während des sauberen Einlenkens anfangen zu quietschen. Zwar gibt es noch ein optional erhältliches Sportfahrwerk (1.100,- € – bislang konnte aber dem Redakteur niemand sagen, ob in dem Testwagen eines verbaut war oder nicht), doch alleine das unverhältnismäßig hohe Untersteuern ist bei so einem Fahrzeug mit diesen ansonsten idealen Grundvoraussetzungen absolut inakzeptabel und lässt die unschöne Prophezeiung zu, dass damit für manch unerfahrene 4C-Fahrer die Endstation ‚Graben’ rasch erreicht ist.

Man muss nicht Walter Röhrl sein um zu merken, dass dieses Fahrzeug nicht konsequent zu Ende entwickelt ist. Es ist auch ein absolutes Rätsel, warum die Fahrwerks-Entwickler der Konzernschwestern Maserati oder Ferrari hier den Alfa-Kollegen nicht helfen, denn nach vier Wochen konzentrierter Abstimmung auf holprigen Landstraßen könnte man ein völlig anderes Auto entstehen lassen. Und an holprigen Landstraßen mangelt es in Italien ja nicht.

Vergleich zu Porsche Cayman?

Der Porsche Cayman teilt sich mit dem Alfa Romeo 4C das Leistungsgewicht – mehr aber auch nicht, denn es ist einfach alles anders. Wenn man danach in einen solchen umsteigt, wird einem schnell klar, wie komfortabel und – bitte nicht falsch verstehen – weichgespült und brav ein Cayman doch eigentlich ist (in Relation!). Einen ernsthaft gemeinten Vergleichstest zwischen diesen beiden Modellen durchzuführen entzieht sich jeglichem Nährboden.

Der 4C ist in Sachen Emotion, Freude und Direktheit kaum zu überbieten.

Neue Modelle bei Alfa Romeo. Ein 6C?

Leider muss man gerade rund zwei Jahre auf den kleinen Italiener warten. Denn angeblich sind die Vorbestellungen so hoch, dass die Maserati-Manufaktur, in der Alfa Romeo seinen 4C fertigt, vollkommen überlastet ist.

Doch wie das bei Italienern so ist, scheint die Verbundenheit mit dem Fiat-Konzern bei einzelnen Händlern ein bisschen intensiver zu sein. Wer also ernsthafte Interessen pflegt und den feurigen Zweisitzer im Frühjahr nächsten Jahres live erleben möchte, findet im Raum Stuttgart einen authentischen Betrieb, der geschickte Finessen bereit hält und dazu mehr als nur im Interesse des Kunden handelt.

Auch werden bis zum Jahr Fünf neue Alfa-Modelle erwartet, darunter ein SUV und ein Sportwagen mit Sechszylinder-Motor (6C = ‚sei cilindri’), dessen Äußeres einem modernen Alfa 8C ähneln und der voraussichtlich 2017 erscheinen wird – rund ein Jahr später als der Maserati Alfieri, dessen Plattform er sich bedienen wird.

Die wichtigsten Daten des Alfa 4C im Überblick.

Leistung 240 PS (177 kw) bei 6000 U/min
Hubraum, Zylinder 1.742 cm3, 4 in Reihe
Abmessungen (l,b,h) 3.990 mm x 1.868 mm x 1.168 mm
Radstand 2.380 mm
Getriebe 6-Gang Doppelkupplung
Tankinhalt 40 Liter
Höchstgeschwindigkeit 258 Km/h
Beschleunigung 0-100 4,5 Sekunden
Kraftstoffverbrauch kombiniert 6,8 Liter/100 Km
Wartungsintervall 20.000 Kilometer
Kaskoeinstufung (Teil-/Voll) 26/31

>>> Zum Teil 1 des Artikels (Soundfiles): ein rassiger italienischer Rennwagen für nur 50.500 Euro.

 

Kontaktreferenz: Autohaus Braun in Leonberg, Herr Antonio Dianella

 

Weiterführende Informationen zum Alfa Romeo 4C auf der Herstellerseite

 

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

2 Gedanken zu „Alfa Romeo 4C im Fahrbericht: Schwächen beim Fahrwerk und bei der Aerodynamik.

  • 21. Februar 2016 um 18:27
    Permalink

    Na super Test aber mal eine Frage gefahren bist das Auto aber nicht wie es scheint es gibt unzälige Test von erfahren Testern die was völlig anderes sagen naja immer eine Ansichtssache wer von BMW uns gesponsort wird muss ja so schreiben echt arm so was

  • 7. März 2016 um 10:25
    Permalink

    Hallo Olaf,
    danke für Deinen Kommentar. Wir sind weder von BMW gesponsert, noch haben wir das Fahrzeug nicht gefahren.

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