BMW 430d Coupé: der wunderschöne Einheitsbrei zum Mitschwimmen

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Mehr als ein BMW 3er, weniger aber als ein 5er – und ein bisschen sportlich, überdurchschnittlich elegant und komfortabel, einen hohen Lifestyle-urban-Faktor (ohne diesen geht ja heute nichts mehr) sowie ein gehobener Seniorenluxus. Bei diesem Experiment konnte ein Fahrzeug ins Freie gelangen, das ein paar seiner Charakteristika mit dem CLK Coupé von Mercedes-Benz teilt, undefiniert zwischen allen BMW Baureihen umherschwankt und sein wirkliches zu Hause nicht so ganz findet.


Pure Formschönheit. Aber Legenden brauchen Eigenständigkeit.

BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk versteht es genauso perfekt wie sein Porsche-Kollege Michael Mauer einer Marke seine Identität und sein Gesicht zu geben. Jedoch ist auch genau dies ein Problem: mittlerweile hat die Marke BMW zwar ein Gesicht aber nicht die einzelnen Modelle.

Galerie: BMW 430d Coupé

BMW 430d Coupé
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Das ist in der (deutschen) Automobilindustrie schon seit ein paar Jahren Trend: sogar Porsche wird die Front des neuen Cayenne noch stärker an die des Macan anlehnen – wäre gegenwärtig eine größere Eigenständigkeit eigentlich notwendig, um eine klare Trennlinie zwischen die beiden SUV zu ziehen.

Mit solch einer Strategie kann zwar die Marke in Gesamtheit zu einer Legende werden, aber keine einzelne Baureihe, denn die optischen Unterschiede zur Differenzierung sind einfach zu gering. Die Chance, dass eine Marke mit einem Einheitsgesicht zur Legende wird – einerseits durch die einzelnen Fahrzeuge, andererseits durch eine gute Marketingstrategie und Modellpositionierung – ist zwar hoch, birgt aber (neben der Problematik des Verlustes einzelner bedeutsamer Baureihen, an denen Fans und Begeisterte hängen) ein weiteres Problem: wenn alles gleich aussieht aber doch verschieden sein soll – vor allem im Preis – gibt es in der Realität immer weniger Anreiz, sich das teurere Modell zu kaufen.

Das Ergebnis sind Kannibalisierungskäufe: die Käufer wechseln von den preislich höheren Baureihen zu den tieferen, denn diese sehen gleich gut aus, haben alle technischen Ausstattungen die man benötigt und sind zudem günstiger.

BMW 430d Coupé
BMW 430d Coupé

Die Zahl 4 ist größer als 3 – deswegen ist 4 auch teurer.

Das 4er Coupé tritt in die Fußstapfen des einst sehr erfolgreichen 3er Coupés. Im Jahr 2013 hat das 330d Coupé noch 44.750 Euro gekostet – das im Prinzip gleiche Fahrzeug heute als 430d kostet 49.300 Euro in der Grundausführung. Hier haben die Produktstrategen ganze Arbeit geleistet.

Es fährt sich zweifellos wie ein echter BMW. Nur fühlt sich alles etwas komfortabler an als gewohnt..

In Ordnung, der Vergleich vorhin mit einem Mercedes CLK war nicht in Ordnung. Das Bild jedoch bekommt man nur schwer wieder aus dem Kopf, denn die Grundform (BMW ist eindeutig schöner im Detail!) lässt einen optischen Vergleich zu.

Auf der Straße jedoch sind es Welten: die 258 Diesel-PS in Kombination mit der serienmäßigen 8-Gang-Steptronic sorgen für ausreichend guten Vortrieb. Im Regen fährt sich der Drehmomentstarke Hecktriebler überraschend unruhig – würden ihn seine Assistenzsysteme nicht permanent und zuverlässig in der Spur halten, würde jede Kurve zum Drift-Abenteuer (ja natürlich macht das Spaß, aber die Zielgruppe ist eine andere). Deswegen müsste man bei diesem Fahrzeug in Kombination mit dem starken Motor auf jeden Fall die Allrad-Version (XDrive) nehmen (Aufpreis: 2.500 Euro), sofern man nicht jedes Jahr die Hinterreifen wechseln möchte.

Nichtsdestoweniger muss man auf der anderen Seite sagen, dass die Balance dieses Autos perfekt ist: bricht es mit dem Heck einmal aus (Fahrassistenzsysteme bewusst ausgeschaltet, ansonsten bricht es nie aus) ist es vollkommen einfach zu kontrollieren. Nur mit einem kleinen Grundgespür für das Fahrzeug lässt es sich genauso schnell wieder fangen, wie es vorher ausgebrochen ist. Dennoch bleibt dieses Fahrzeug in der „Luxury-Ausstattung“ ein kleines Rätsel; als wären alle Komponenten aus allen Baureihen von BMW kunterbunt vermischt worden – am Ende passen sie aber vom Gefühl her nicht ganz zusammen. Es ergibt sich einfach eine psychologische Unstimmigkeit.

Mit dem 4er Coupé kann man als unentschlossener nichts falsch machen: es schwimmt formschön in der Masse mit und fällt weder negativ noch positiv auf. Eben wie ein schwarzer Boss-Anzug mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte.

BMW 430d Coupé im Halbschatten
BMW 430d Coupé im Halbschatten

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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