Chiptuning & Leistungssteigerung: Wahre PS sind harte Arbeit – „X51“ für Porsche 911

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Die Tradition von Angeboten zur Motorleistungssteigerung bei Porsche Exclusive – unter dem Code X51 geführt – gibt es schon seit den 80-iger Jahren. Bevorzugtes Modell war dabei meist der 911 Turbo – aber auch für den 6-Zylinder Saugmotor wurden Leistungssteigerungen entwickelt und angeboten. Berühmt war in den 80-igern das „Turbo Dampfrad“ – ein zwischen den Vordersitzen eingebautes Drehrad, mit dem allein der Besitzer – so er die Befürchtung hatte, seine Partnerin könne womöglich mit der gesteigerten Motorleistung nicht zurecht kommen – die Leistung stufenlos auf das von ihm gewünschte Maß zurückdrehen konnte. So blieb dann ihm die höhere Leistung vorbehalten. Später war dies technisch nicht mehr möglich – das Exclusive Angebot beinhaltete die jeweils maximal mögliche Motorleistung. Der hierfür technisch notwendige Aufwand aber wuchs von Modelljahr zu Modelljahr – mit dem – vor allem bei Dieselfahrzeugen bekannten – Chiptuning allein ging hier gar nichts.


Anforderungen an Porsche Motorleistungssteigerungen – NARDO

In der Porsche Manufaktur „Exclusive“ – sie zeichnet verantwortlich für das Porsche Individualisierungsangebot – galt schon immer die Philosophie, daß alles (ohne Ausnahme), was der Porsche Kunde von Porsche bezieht, den gleichen Anforderungen an Qualität und Garantie zu genügen hat. Somit mußten auch die Leistungssteigerungs-Kits die gleichen Prüfungen durchlaufen und bestehen wie die Serienmotoren.

Galerie: Porsche 959 für eine Königsfamilie

Porsche 959 für eine Königsfamilie
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Dieser Porsche 959 war einer von mehreren 959 eines Auftraggebers - einer Königsfamilie. Für ihn wurde zum ersten und letzten Mal das Porsche Logo durch das Familienwappen ersetzt. Dies gab es bis dahin und seit diesem Zeitpunkt kein einziges Mal mehr.

Das bedeutet, daß der technische Aufwand und vor allem die Erprobungstiefe der Leistungssteigerungs-Kits  – bezogen vor allem auf die im Vergleich zur Serie geringen Stückzahlen bei Exclusive – zu deutlich höheren Aufwendungen und damit Kosten führen. Alleiniges verändern der Motorsoftware – heutiges Chiptuning – hätte hier nur sehr kurzfristigen Erfolg gebracht.

Für die Erprobung beziehungsweise Abnahme der Leistungskits am wichtigsten ist dabei der NARDO-Hochgeschwindigkeits-Dauerlauf. Die inzwischen Porsche gehörende schnellste Renn- beziehungsweise Teststrecke der Welt (im Süden Italiens gelegen und damit das ganze Jahr über nutzbar) weist einen mehr als 12 Kilometer langen Betonring mit rund umlaufender Steilkurve auf und läßt dadurch Geschwindigkeiten bis zu 500 km/h zu.

Hier müssen sowohl die Porsche Serienfahrzeuge als auch die mit dem Leistungskit ausgerüsteten Fahrzeuge eine vorgegebene Anzahl von Runden unter absoluter Vollast (man geht auf dieser Strecke tatsächlich nur zum Tanken vom Gas!) ohne Schaden bestehen. Bevor diese Prüfung nicht positiv abgeschlossen wird, erteilt die Entwicklung keine Freigabe für den Verbau durch Exclusive.

Erforderliche Änderungsumfänge an den Motoren mit Leistungskits (911)

Je nach Modell sind zum Teil tiefgreifende Änderungen gegenüber dem Serienmotor erforderlich. Der Grund liegt darin, daß die Serienmotoren mit ihrer Leistungsgrenze weitestgehend ausgereizt sind. Sowohl die Mechanik (Kolben, Ventile, Zylinderkopf etc.) als auch die Ansaug- und Abgasanlagen sowie die Motronic sind bereits für den Serienmotor optimal angepaßt.

Um noch höhere Leistungen aus diesem Serienmotor heraus zu kitzeln, sind zahlreiche Maßnahmen erforderlich, mit denen der leistungsgesteigerte Motor noch näher an seine maximalen Belastungsgrenzen geführt wird. Zudem müssen auch die Getriebeanforderungen überprüft werden – notfalls sind bestimmte Anpassungen auch hier vorzunehmen.

Zudem erhielt der leistungsgesteigerte 3,6l Motor des 993 TURBO (430 PS in der ersten Stufe, 450 PS in der zweiten und letzten Ausbaustufe) je zwei Turbolader pro Zylinderreihe (je 1 kleiner und 1 großer Lader). Damit konnte das sogenannte Turboloch weitestgehend abgebaut werden.

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Der ganz persönliche Porsche 911 Turbo S (Typ 993) von Dr. Wolfgang Porsche

Erfolgreiches Exclusivemodell 993 Turbo mit Leistungskit X51

1997 wurde eine eigenständige Kleinserie „911 Turbo S“ durch die Exclusive Manufaktur mit der Leistungssteigerung X51 des letzten luftgekühlten 3,6 l Boxermotors (450 PS; Serie 408 PS) angeboten. Von diesem Modell mit eigenständiger Optik (Front- und Heckspoiler aus dem Exclusive Angebot) wurden bis 1998 345 Fahrzeuge verkauft.

Die Bezeichnung X51 für diesen Leistungskit (es war einfach zunächst der Exclusive Bestellcode) war vor allem bei den Amerikanern äußerst beliebt – weckte diese Bezeichnung doch Erinnerungen an die berühmte raketengetriebene North American X-15, die wegen ihrer zahlreichen Geschwindigkeit- und Höhenrekorde noch heute einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Damit wurde X51 einfach mit „Leistung“ assoziiert – somit konnte dieses Leistungskit auch in den USA sehr erfolgreich verkauft werden.

Tilman Brodbeck

Er war der Assistent von insgesamt fünf Porsche-Vorstandsvorsitzenden nachdem er zuvor Entwicklungsingenieur in Weissach und Erfinder des Spoilers und sogenannten „Entenbürzels“ des legendären Porsche 911 Carrera RS 2.7 war. Später übernahm er die Leitung der Exclusive-Manufaktur in Zuffenhausen, wo er zu seinem Abschluss dem Sondermodell Porsche 911 Sport Classic zur erfolgreichen Markteinführung verhalf. 40 Jahre Porsche im Leben von Tilman Brodbeck bieten genügend Nährstoff für ganz persönliche Anekdoten, Hintergründe und Fun Facts der Traditionsfirma – jeden Sonntag.

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