Der Ford Focus Kombi (1.0l) fährt sich wie ein aufgeweichtes Baguette auf Rädern

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Manch Kollege lobt den normalen Ford Focus Kombi in den Himmel, als gäbe es keinerlei Alternativen. Wir mussten zwangsläufig konnten den kleinen Familienkombi mit dem relativ neuen 1.0 Liter EcoBoost-Motor mit 125 PS im Zuge eines Italienurlaubes und in Form eines normalen Mietwagens von Hertz über 2.000 Kilometer fahren und waren – vor allem von seiner Fahrdynamik – entsetzt.


Der Ford Focus Kombi hat Angst vor Kurven

Mittlerweile wissen wir: der Ford Focus Kombi muss dringend in Behandlung – so kann das nicht weitergehen. Der Problem-Patient ist zwar nicht unheilbar, jedoch gegenüber seinen Klassenkameraden aufgrund der Schwere seiner Probleme ein Fall für die geschlossene Entwicklungsabteilung.

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Einerseits ist er sehr komfortabel abgestimmt – das ist grundsätzlich gut so, denn gerade für Urlaube mit vier Personen und bis an das Limit beladenem Kofferraum ist dies angenehm. Ein adaptives Fahrwerk kann man bei diesem Preisniveau ohnehin nicht erwarten.

Andererseits muss ein komfortabel abgestimmter Kombi trotzdem über eine direkte Lenkung und eine hohe Verwindungssteifigkeit der Karosserie verfügen sowie eine ehrliche Rückmeldung von der Straße geben. Die Problem-Senfte hatte all dies eher weniger .. bis gar nicht.

Das Fahrwerk mit seiner Aufhängung in Kombination mit der Lenkung und der Karosserie vermittelt dem Fahrer einen solch instabilen Eindruck, dass jede Kurve zur Mutprobe wird und nach einer solchen die Erleichterung beim Fahrer erst dann eintritt, wenn sich aufgrund der Wank- und Schaukelkräfte keiner der Passagiere bzw. jener selbst übergeben muss. Eine Eigenschaft, die uns schon beim Ford Mustang 5.0 V8 aufgefallen ist, jedoch nicht in dieser Intensität. Den Insassen – und im Besonderen dem Fahrer – scheint es, als würde sich die Karosserie in den Kurven vom Chassis entkoppeln; das Fahrzeug tritt nicht als eine Einheit auf.

Der Fernpass von Österreich nach Italien war hier natürlich die ultimative Spielwiese für derartige Experimente.

Grandioser 1.0 Liter EcoBoost Motor, aber ein wenig zu schwach

Gut, fährt man mit einem Ford Focus Kombi mit einem 1,0 Liter großen Dreizylindermotor zu viert in den Urlaub? Nun, wir hatten keine Wahl – mussten sogar, denn Hertz holte statt der versprochenen Mondeo-Klasse jenes verbliebene Derivat für uns vom Hof. Doch warum nicht? Immerhin bietet er für fünf Passagiere Platz und verfügt über einen Kofferraum, der ja augenscheinlich die Funktion hat, beladen zu werden.

Doch waren vier Personen mit all ihren materiellen Anhängseln und italienischen Mitbringseln zu viel für den Antriebsstrang. Das 125 PS starke Aggregat schleppte die kleine Familienschaukel im zweiten Gang bei 4.000 Touren über Teile des Fernpasses, die Leichtlaufeigenschaften jener ökologisch auf dem Papier sinnvoll erscheinenden Antriebskreation ließen beim Abstieg die Bremsen arbeiten – und das im zweiten Gang bei 90 Km/h und über 5.000 Umdrehungen. Die Batterie wurde dadurch jedenfalls ausreichend geladen.

Der Insgesamt-Verbrauch über rund 2.000 Kilometer belief sich dennoch auf 6,1 Liter/100 Kilometer – bei zurückhaltender Fahrweise im Quadrat. Leute, das geht so nicht. Wenn schon der LKW auf der rechten Spur der Autobahn abbremsen muss, weil man sich am Drehzahlbegrenzer einfädeln möchte, läuft irgendetwas schief.

Er sieht ja ganz nett aus, doch von Außen sieht auch manch Serienkiller sympathisch aus.
Er sieht ja ganz nett aus, doch das reicht eben nicht.

Insgesamt ist der Motor in Kombination mit dem Schaltgetriebe aber eine exzellent abgestimmte Angelegenheit – zumindest für diejenigen, die den Motor im Cockpit niemals hören und nie voll beladen in den Urlaub fahren wollen. Er dreht angenehm, die Leistungsabgabe ist konstant und angenehm dosierbar und das Schaltgetriebe lässt die Gänge ohne Probleme in ihre vorgesehenen Gassen. Doch im Fiesta oder normalen Focus scheint er gut aufgehoben zu sein; in den größeren Fahrzeugen wohl eher nicht.

Navigationssystem langsam und kompliziert

Neben der mäßigen Materialverarbeitung des wulstigen Interieurs machte das Navigationssystem nicht nur ein Mal Probleme, in dem es sich nicht mehr ausschalten ließ (auch bei Abschließen des Fahrzeuges), sondern hatte auch viel zu lange Berechnungszeiten beim Eingeben von Adressen, beim Zoomen oder Verschieben der Navigationskarte oder beim einfachen Bedienen der Entertainment-Funktion.

Darüber hinaus bietet es eine ziemlich eigenwillige Menüführung und Funktionsstruktur. Auch das nochmalige Bestätigen einer Adresse und das mehrmalige Leiten in Einbahnstraßen von der falschen Seite sorgten für einen Vertrauensentzug.

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Rückenschmerzen auf allen vier Sitzen

Zwar verfügt der Fahrersitz über eine über die Seitenwange per Kipphebel mechanisch verstellbare Lordosenstütze, doch diese billige Funktion hat nur eine zeitliche Verzögerung der Rücken- und Gesässschmerzproblematik gegenüber den anderen Mitleidenden zum Ergebnis.

Der untere Rücken fällt auf dem Beifahrersitz als auch auf den Sesseln im Fond in ein tiefes Loch ohne Gegenkraft. Das ist für Vielfahrer und Vielmitfahrer nicht nur ergonomisch der Tod auf vier Rädern, sondern auch zur Freude des lokalen Physio-Klemptners.

Egal was dieses Ding auch kostet, wir wollten es nicht geschenkt.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

4 Gedanken zu „Der Ford Focus Kombi (1.0l) fährt sich wie ein aufgeweichtes Baguette auf Rädern

  • 15. August 2016 um 14:42
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    Also mal ehrlich: Was ist denn das für ein unfundierter Erlebnisbericht? Ich nehme irgend einen Mietwagen, von dem niemand weiß, was dem zuvor passiert ist, lade den Wagen voll bis unter den Dachhimmel, setze vier Menschen hinein (vermutlich Erwachsene) und fabuliere wild drauf los. Wie stand es denn mit dem zulässigen Gesamtgewicht – mal gewogen? Wie sah denn die Gewichtsbalance aus zwischen Vorder- und Hinterachse aus? Und wie soll unter diesen Umständen ein 125-PS-Auto mit einem Liter Hubraum die acht Prozent Steigung des Fernpasses denn hochsprinten?

    Dass mit der Ladung etwas nicht gestimmt haben kann, beweisen für mich auch die Bemerkungen über die „entkoppelt“ wirkende Lenkung und ein angeblich schaukeliges Fahrverhalten. Klar, wenn die hintere Achslast überschritten wird, wundert mich das nicht. Bei den Ford Focus Turnier-Modellen, die wir kennen (und dazu gehört auch der 1,0-Liter mit 125 PS), äußern sich alle begeistert über das direkte Ansprechen der Lenkung und das präzise, sehr sportlich anmutende Fahrverhalten.

    Sorry, aber wenn der Autovermieter nicht den Traumwagen für den Urlaub bereitstellt, dann würde ich meinen Unmut an ihm auslassen. Das Auto kann nichts dafür.

  • 16. August 2016 um 15:30
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    So einen Bericht zu veröffentlichen finde ich unter aller Sau! Alle die schon einen Focus oder einen anderen Ford gefahren sind, werden vermutlich nur den Kopf schütteln. Hier kann nur, wie der Vorredner schon geschrieben hat, es sich um einen defekt oder ein Montagsauto handeln. So etwas unsinniges schreibt noch nicht einmal die Autobild.
    In diesem Sinne….. Allezeit gute Fahrt!

  • 16. Januar 2017 um 23:58
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    Genau meine Erfahrungen mit diesem Wagen. Der Bericht trifft es auf den Punkt.

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