Ein ganzer Toyota Aygo zum Preis der Bremse eines Porsche Panamera.

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Wofür einige ein ganzes Auto kaufen, ist für manche nur der Aufpreis zur besseren Bremsanlage. Denn beim Porsche Panamera GTS liegt alleine der Aufpreis von einer der besten zu wahrscheinlich der besten Serienbremse der Welt bei 9.186,80 Euro – der Grundpreis des dreitürigen Toyota Aygo liegt bei 9.950,- Euro, also nur rund 700,- Euro darüber. Natürlich entzieht sich ein Vergleich der beiden Automobile jeglicher Ratio, dennoch erfüllen beide auf Ihre Weise den gleichen Zweck: von A nach B zu kommen. Die Frage ist nur, wie. Auto gleich Auto? Bei weitem nicht.


Die Unterschiede in Karosserie und Optik.

Die Gegensätzlichkeit der beiden Automobile ist offensichtlich – doch an welchen Stellen genau sind die Unterschiede spürbar oder sogar merklich einschränkend? Neben dem Größenunterschied wirkt die Karosserie des Panamera fließender und bündiger, bietet deutlich mehr Oberflächenspannung und beruhigt das Auge aus jedem erdenklichen Winkel ohne überflüssige Designlinien in Form eines harmonischen und in sich stimmigen Monument, das in Verbindung mit der Straße unter den Rädern weitestgehend Sinn ergibt. Geschmack und Optik ist immer einer der größten Streitpunkte – auch das Design des Porsche Panamera bleibt davon nicht verschont.

Galerie: Toyota Aygo Fahrbericht

Toyota Aygo Fahrbericht
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Der Aygo bedient ein völlig anderes Klientel und drückt dies durch eine aufgeregt-extrovertierte Designsprache aus: die Front betont ein X-förmiger Kühlergrill und schmale, schnittige Scheinwerfer. Die Heckklappe ist – wie beim Volkswagen up! – aus Glas und erfordert aus Preisgründen die Trennung von Entriegelungsknopf und Haltegriff.

Toyota Aygo in der Seitenansicht
Toyota Aygo in der Seitenansicht

Was der Aygo mit den Linien an Front und Heck an Modernität gewinnt, vergibt er in der Seitenansicht wieder. Denn hier scheint er wir ein gewöhnlicher Kleinwagen vor einem Jahrzehnt, aber auch dies ist Geschmacksache. Fest steht, dass das Design unter Berücksichtigung des Grundpreises und der jungen und urbanen Zielgruppe entsprechend gelungen ist. Die Türen (insbesondere die Fondstüren) sind nicht mehr als ein geformtes Stück Blech und klingen beim Schließen auch genau so. Die hinteren Seitenfenster sind nur klapp- bzw. ausstellbar – dafür aber beidseitig.

Die ausklappbaren hinteren Seitenfenster  des Toyota Aygo
Die ausklappbaren hinteren Seitenfenster des Toyota Aygo

Beim Panamera hingegen ist jede Tür mit edelsten Materialien aufwendig verkleidet und Lichtapplikationen, elektronische Fensterheber, Lautsprecher sowie weitere Bordelektronik integriert.

Platz- und Qualitätsverhältnisse im Interieur.

Noch kein Artikel ging so schwer von der Hand, wie dieser hier. Denn die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Vergleichs stellt sich selbstverständlich auch beim Autor jede Sekunde. Doch lassen wir es einfach kein Vergleich sein – sagen wir: Gegenüberstellung in manchen Punkten zur Verdeutlichung der unterschiedlichen Preis- und Anspruchsgestaltung. Der Fahrbericht des Aygo soll im Vordergrund stehen.

Multimedia System im Zentrum des Cockpits des Toyota Aygo
Multimedia System im Zentrum des Cockpits des Toyota Aygo

Natürlich ist das Interieur bei einem 10.000-Euro-Auto nicht einmal annähernd so beeindruckend, ergonomisch und qualitativ hochwertig verarbeitet, wie das eines mit Preisfaktor 10. Doch im Aygo ist jeder Schalter an seinem Platz, ein 7 Zoll großes Farb-Touch-Display mit Smartphone-Anbindung, Audio- und Navigationssystem und Rückfahrkamera (600,-) liegt gut integriert und für den Fahrer zentral erreichbar in der Mitte des Cockpits.

Die Qualität der Freisprecheinrichtung ist sehr gut, Windgeräusche sind auch bei einer Autobahnfahrt mit Höchstgeschwindigkeiten von rund 170 Km/h bergabwärts mit Rückenwind kaum auszumachen. Die Kopplung mit verschiedenen Smartphones verlief einwandfrei – das Herstellen der Verbindung kurz nach dem Motorstart und das Abspielen der Musik sowie das Entgegennehmen oder Beantworten von Anrufen ging beim Toyota Aygo um ein Vielfaches schneller als bei Modellen von BMW oder Porsche.

Die Lautsprecher repräsentieren in hörbarer Form das Gesamtkonzept des Fahrzeugs wider – Blechbüchse eben. Nein! Das hatten wir schon: in Anbetracht des Preisniveaus des Fahrzeugs gibt es schlechtere Lautsprecher in höherpreisigen Automobilen. Hier erwartet ja auch keiner eine Burmester-HiFi-Anlage aus dem Panamera, die auch wieder so viel kostet wie ein halber Aygo.

Ein kleines Raumwunder?

Der kleine Toyota Aygo ist kein Raumwunder, aber immerhin ein Raumphänomen: zwar macht es auf langen Autofahrten keinen Spaß zu viert zu reisen; und schon gar nicht im Fonds, aber das Auto ist ja eigentlich auch kein Reisefahrzeug. Doch ist es auf jeden Fall kein größeres Problem als in vergleichbaren, teureren Fahrzeugen, wie beispielsweise einem Mini oder Fiat 500. Klar, der Ein- und Ausstieg wird durch die separaten Türen hinten begünstigt – mehr Platz im Fußraum schaffen sie trotzdem nicht.

Ist der Toyota Aygo ein kleines Raumphänomen?
Ist der Toyota Aygo ein kleines Raumphänomen?

Die Stoffsitze sind ordentlich, wenn auch ohne Seitenhalt. Interessant ist die Gestaltung aus einem „Guss“ – ohne separate Kopfstützen, ähnlich wie bei der Mercedes-Benz A-Klasse. Dies spart Produktionskosten und sieht zudem gut aus. Um noch mehr Beinfreiheit zu gewährleisten, fügen sich die Knie des Hintermanns leicht in die Vordersitze ein, ohne dass es dabei der Fahrer oder Beifahrer spürt.

Der Kofferraum mit 168 Litern – laut Toyota – erscheint kleiner als erwartet. Aber was sind auch schon 168 Liter Kofferraumvolumen. Trotzdem passen nebeneinander rund sechs Sixpacks Wasser – zudem kann man die Rückbank vollständig umklappen, um zumindest für den Stadteinkauf ausreichend Platz zu schaffen.

Kofferraum Toyota Aygo
Kofferraum Toyota Aygo

Eine Rückfahrkamera im Toyota Aygo…?

Die serienmäßigen Halogenscheinwerfer mit integrierter LED-Leiste und separatem LED-Tagfahrlicht sind deutlich besser als gedacht, vor allem das Fernlicht überzeugt – auch im starken Regen und bei Schnee. Im Testwagen fehlte leider die Einparkhilfe hinten (290,-), an die man sich mittlerweile bei jedem Fahrzeug so gewöhnt hat, dass man beim Rückwärtsfahren unterbewusst immer wieder auf den Piepton wartet, obwohl man auf die Rückfahrkamera achtet. Beides ist bei solch einem kompakten und überschaubaren Kleinstwagen nicht zwingend erforderlich, doch die Investition der Einparkhilfe hinten erhöht später einmal auch den Wiederverkaufswert – wahrscheinlich sogar mit höherem Faktor auf Basis des Einsatzes.

Toyota Aygo Halogenscheinwerfer mit LED-Leiste
Toyota Aygo Halogenscheinwerfer mit LED-Leiste
Die LED-Leiste in der Scheinwerfereinheit des Toyota Aygo
Die LED-Leiste in der Scheinwerfereinheit des Toyota Aygo

Die Rückfahrkamera, die schon nach kurzer Zeit schnell verschmutzt (vor allem jetzt im Winter bei Schnee und Matsch), ist nach unseren Informationen nicht separat zu ordern, sondern befindet sich im Paket des Multimedia-Audio-Systems (600,-). Das liegt wohl daran, dass Toyota langfristige Verträge mit Stückzahlgarantie mit den Lieferanten geschlossen hat und ein solches Feature in dieser Klasse wohl kaum bestellt würde. Freuen Sie sich darüber.

 

>>> Zum Teil 2 des Artikels: Vom links Fahren mit hohem Verbrauch.

>>> Zum Teil 3 des Artikels: Freude am Drehen, an den 69 PS.

>>> Zum Teil 4 des Artikels: Kleinstwagen im Schnee – ja klar!

>>> Preise, Abmessungen und Leistungsdaten des Toyota Aygo

 

 

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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