Ford Mustang GT: Power-Schaukel mit schwachem Sound.

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Fünf Liter Volumen verteilt auf acht Töpfe – keine Turbolader, damit ein ehrliches Drehmoment von 524 Nm und 421 PS Leistung. Um ihn zu zähmen, stehen Schaltwippen am Lenkrad sowie Vierkolben-Bremssättel und belüftete Bremsscheiben von Brembo zur Verfügung. Das Design ist seit dem 69er-Mustang Fastback endlich wieder einmal gelungen, vor allem das Heck brilliert durch seine klaren Formen in der perfekten Höhe und durch seine ausgefallenen Rücklichter. Wer sich ein Stück US-amerikanische Geschichte in Form des neuen Ford Mustang GT neu kaufen will, muss nur 44.000 Euro auf den Tisch legen; die Aufpreisliste ist sehr kurz. Das klingt doch alles nach einem absoluten Traumauto? Ist es auch. Mit ein paar Ausnahmen.


Ford Mustang GT mit starker Formensprache – innen wie außen.

Was wäre ein Mustang ohne lange Motorhaube und der typischen, nach hinten abfallenden Fastback-Dachlinie. Das Heck ist mit seinen angewinkelten Rücklichtern wunderschön und findet mit einem kleinen Diffusor an den Endrohren den perfekten Abschluss.

Galerie: Ford Mustang GT (2016)

Ford Mustang GT (2016)
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Ford Mustang GT (2016)

Die Seitenansicht ist glücklicherweise exakt vom 69er Fastback übernommen worden und die Front ist eine moderne Interpretation aller Mustang-Baujahre zusammen – auch wenn ein kleiner Akzent zu fehlen scheint, der das Gesicht des Ford Mustang GT vollständig macht.

Das Interieur ist die perfekte Symbiose aus Retro-Look und moderner Ergonomie. Gemütlich sind die optionalen Ledersitze (Luxus-Paket inkl. Multimedia, Lautsprecher, Armaturenbrett aus Leder uvm: 2.500,- Euro), das Lenkrad fühlt sich wertig an – mit Ausnahme der Kunststoff-Schaltpaddles – und das Multimedia-System lässt sich gut erreichen und bedienen. Schade ist, dass man am Wählhebel selbst nicht schalten kann.

Schönes Design und wertige Haptik: Das Lenkrad und Interieur des neuen Ford Mustang GT.
Schönes Design und wertige Haptik: Das Lenkrad und Interieur des neuen Ford Mustang GT.

Der Kofferraum ist sehr groß: er fasst 408 Liter – typisch amerikanisch. Man muss ja auch mal Leichen darin verstecken können.

Dem 5,0 Liter-V8 wurde das Temperament genommen.

Schon beim Anlassen merkt man, dass ein Revival der Siebzigerjahre ausbleibt. Stattdessen erwecken die Zündfunken ein vom Anschein hochtechnologisiertes Triebwerk, das brav seinen Dienst verrichtet und gut am Gas hängt. Wahrlich klingt der V8 auch noch wie ein V8, aber nicht mehr wie aus einem typischen Muscle-Car, denn auch das Blubbern und Brabbeln hat er leider verlernt.

Antrainieren könnte ihm das Igor Akrapovic, einer der berühmtesten und besten Abgasanlagen-Tüftler, ohne jeden Zweifel, doch das hat zum einen natürlich seinen Preis und zum anderen bieten die Slovenen noch keine an.

Drehen tut der V8 nicht so gern, soll heißen er läuft nicht wirklich leichtgängig. Meistens verlangt er schon bei 3.500 Umdrehungen nach einem Gangwechsel, denn Drehmoment hat der Hubraumstarke Ami ja.

Bitte nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe bestellen!

Es ist leider so, dass die SelectShift-Sechsgang-Automatik auf der Wandlertechnik beruht. Das ist prinzipiell nichts schlechtes, denn auch ein neuer Porsche Cayenne oder Jaguar F-Type haben noch Wandlergetriebe verbaut, doch die Schaltzeiten sowie Schaltvorgänge sind einfach nicht mehr zeitgemäß.

Der neue Ford Mustang GT im Fahrtest-15

In keinem Fahrprogramm (Normal, Sport, Rundkurs) gleicht das Getriebe beim Zurückschalten die Drehzahl mittels Zwischengas an und in keinem Fahrprogramm verändern sich die Schaltzeiten spürbar. Das einzige was passiert ist, dass es im Trackmodus beim Schalten mehr ruckelt. Das ist unangenehm bei flottem Fahren – beim Cruisen fällt es kaum auf.

Wir fuhren zwar nicht das Sechsgang-Handschaltgetriebe, doch dieses ist von der Firma Getrag und sollte aufgrund deren immensen Erfahrungsschatz aufbauen. Außerdem macht ein Schaltgetriebe in einem Mustang doch viel mehr Spaß, oder?! Und es senkt den Neupreis um 2.000 Euro auf 42.000 Euro.

Der Ford Mustang GT scheut die Kurve wie der Teufel das Weihwasser – liegt es am Gewicht?

Wer sich selbst schon eimal am Steuer eines alten Mustangs wiederfinden durfte, weiß, dass man über Kurvengeschwindigkeiten bei einem Ford Mustang nicht reden muss, denn das Fahrverhalten eines historischen Mustangs auf kurvigen Landstraßen ist einfach konkurrenzlos schlecht.

An die neue Generation darf man nicht viel höhere Erwartungen haben (das hatten unglücklicherweise wir). Wenn man auf beim Abbiegen aus dem Stand sportlich (nicht übertrieben) Gas gibt, gleichzeitig einlenkt und die Reifen sofort anfangen zu quietschen, weiß man schon um die Konfiguration des Fahrwerks.

Auch die Wankneigung des Stahlfahrwerks wäre für einen Sportwagen absolut inakzeptabel – für einen Gran Turismo ist sie schon grenzwertig.

Für einen Gran Turismo ist die Wankneigung grenzwertig.
Für einen Gran Turismo ist die Wankneigung grenzwertig.

Natürlich liegt dies auch am unglaublich hohen Gewicht: 1.732 Kilogramm Leergewicht (EU) sind für Fahrwerk, eine angetriebene Achse und Antriebskomponenten natürlich eine Herausforderung und für einen 2+2-Sitzer (hinten können nur wenige Menschen gut sitzen, obwohl die Sitze gut ausgeformt sind, aber das Dach einfach viel zu niedrig ist) ziemlich viel.

Aber: wer sich einen Mustang kauft, fährt nicht schnell und will einen gemütlichen Gran Turismo. Dafür ist das weiche Fahrwerk „supercool“. Für alle anderen: Porsche Boxster oder H&R-Gewindefahrwerk.

Straffe, aber unpräzise Lenkung und exzellenter Druckpunkt bei den Bremsen.

Das Gefühl des Lenkrads und die Reaktion der Vorderräder durch das Lenken an sich ist sehr gut. Jedoch spürt man, dass man andauernd am Korrigieren ist – ganz leicht, aber nach ein paar Stunden Autofahrt raubt einem genau dies unterbewusst die Konzentration.

Der Wendekreis von 12,2 Metern ist sehr gut (man sieht dies auch am Ende des Videos) und macht das Schiff handlich im alltäglichen Straßenverkehr. Auch wenn die Motorhaube mit ihren beiden Powerdomes gefühlt fünf Meter lang ist, stört es die Übersicht nicht.

Der Druckpunkt der Bremsen ist perfekt und auch die Bremsen an sich (Brembo) sind exzellente Hochleistungsbremsen. Vier Kolben und innenbelüftet (nicht gelocht).

Leider teilweise veraltete Technik im Ford Mustang GT.

Ja, neben Getriebe und Fahrwerk ist es schon fast komisch, wie Ford in seiner Fahrzeugbroschüre das einfache (!!!) Xenon-Licht als Errungenschaft vorstellt. Xenon-Scheinwerfer gab es schon vor der Jahrtausendwende, Bi-Xenon-Scheinwerfer kamen kurz darauf. Zwar ist das Xenon-Licht serienmäßig an Bord, doch die aktuelle LED-Technologie ist noch nicht einmal optional zu bestellen. Schade, es hätte sich bestimmt ein Zulieferer dafür gefunden und der Kunde hätte für die Lichtoption gerne gezahlt.

Abmessungen und Verbrauch des Ford Mustang GT.

Der Ford Mustang GT hat eine Länge von 4.784 mm bei einem Radstand von 2.720 mm. Die Breite beträgt 2.080 mm und die Höhe 1.381 mm.

Der kombinierte Verbrauch wird mit 12,0 Litern/100 Km angegeben. Wir konnten in der kürze der Zeit leider keinen seriösen Alltagsverbrauch messen.

 

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

2 Gedanken zu „Ford Mustang GT: Power-Schaukel mit schwachem Sound.

  • 22. August 2015 um 17:00
    Permalink

    Zugegebenermaßen als Mustang-Fan bin ich über einige Stellen im Testbericht gestolpert, die Fragen aufwerfen. Neben der Tatsache, dass der Mustang nun auch Einzelradaufhängung hinten hat und damit und den vielen weiteren Änderungen ganz sicher nicht annähernd so „schlecht“ fährt wie ein 196x-er Mustang, sollte man schon explizit darauf hinweisen, dass das getestete Modell US-Spezifikation nicht mit dem Performance Package ausgestattet ist. In Deutschland (EU-Spec) – und darauf beziehen sich die Preise offensichtlich – ist das Performance Package mit vielerlei Änderungen standardmäßig an Board: Sportlicheres Fahrwerk, 19″-Felgen, optimierte Kühlanlage, 6-Kolben-Brembo-Bremsen (vorne). Spätestens dann scheint die harsche Kritik an den Fahreigenschaften gar völlig unangemessen. Schon gar nicht sind die Fahreigenschaften etwa „konkurrenzlos schlecht“. Im Gegenteil decken sich die meisten anderen Berichte von Bloggern/Zeitschriften auch mit meiner persönlichen Erfahrung: Das Fahrwerk im EU-Mustang ist insgesamt sehr gelungen und durchaus Landstraßen-tauglich; Fahrwerke der deutschen Konkurrenz wie BMW M4 mögen etwas besser sein, ob des Preises wäre alles andere allerdings auch eine große Überraschung. Das hätte man wirklich besser recherchieren und mindestens einmal anmerken können und auch müssen!

  • 23. August 2015 um 11:15
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Harnisch,

    Vielen Dank für Ihren ausführlichen und hilfreichen Kommentar!
    Tatsächlich fährt er natürlich nicht so wie ein 19XX-Mustang – das ist klar und im Bericht dargelegt. Auch die harte Aussage „konkurrenzlos schlecht“ bezieht sich auf vergangene Modelle, nicht auf den aktuellen Mustang.

    Das getestete Fahrzeug war eine Jubiläums-Edition, die Brembo-Bremsen verbaut hatte. Selbst wenn dieses Modell nicht damit ausgestattet gewesen wäre, finde ich die Kritik nicht „völlig unangemessen“. Denn ein Auto in dieser Klasse sollte auch ohne Performance-Package ordentlich abschneiden. Und dass man eine Bemerkung über verbesserungsfähige Fahreigenschaften macht, ist völlig normal.

    Ein gutes Fahrwerk hat heutzutage nichts mehr mit dem Fahrzeugpreis zu tun. Eine gute Fahrwerksabstimmung beruht auf Erfahrung und Können der Entwicklung des jeweiligen Unternehmens.

    Es ist nun einmal so, dass auch dieser neue Mustang partout nicht durch die Kurve will. Und der Leser sollte diese Kernaussage einfach wissen. Was er mit dieser Information dann macht, bleibt ihm überlassen. Zum Cruisen ist der Mustang selbstverständlich Klasse.

    Freundliche Grüße,
    Benjamin Brodbeck

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