Warum haben von Mansory getunte Mercedes keinen Stern mehr auf der Haube?

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Bei der Suche nach interessanten Themen und Fragestellungen rund um die Automobilwelt lohnt sich immer wieder mal ein Blick in spezielle Foren und Frage-Antwort-Portale zu werfen. Hier schreiben User was sie bewegt und bringen damit immer wieder interessante Themen für die Redaktion zu Tage. Bei einem dieser Streifzüge sind wir bei auf folgende Frage gestoßen: Wieso haben von Mansory getunte Mercedes-Benz alle keinen Stern mehr auf der Haube? Eine gute Frage – dachten wir – und haben recherchiert, wie das Verhältnis zwischen Tunern und Hersteller denn eigentlich so ist.


Ein Mercedes ohne Stern?

Gehören Sie auch zu denjenigen, die sich darüber wundern, warum beispielsweise ein extrem getunter aber von der Form her deutlich zu erkennender Porsche 911 nicht das Wappen der Zuffenhausener Autoschmiede auf der Haube hat? Oder warum auf der klar erkennbaren Mercedes C-Klasse kein Mercedes-Benz Stern auf der Motorhaube blitzt sondern ein dickes „B“ oder „M“?

Der Grund dafür ist eine alte und fortwährende Auseinandersetzung zwischen Herstellern (OEM) und Fahrzeugtunern.

Dabei unterscheidet sich die Herangehensweise der Hersteller oft deutlich untereinander. Porsche würde aktuell am liebsten gar keine Tuner auf dem Markt sehen, die ihre Sportwagen und SUV veredeln. Mercedes-Benz geht es dabei ähnlich, denn die Tuner werden zunehmend als Konkurrenz für den Fang gut betuchter Kunden vorwiegend aus Russland und China gesehen. Deswegen bietet die hauseigene Schmiede AMG für immer mehr Fahrzeuge Optik- und Technik-Upgrades an.

BMW hingegen geht recht offen mit dem Thema um, zumindest wenn es um die Fahrzeugveredelung durch Alpina geht. Nicht selten werden Fahrzeuge von Alpina – trotz eigenständigen Wappens – bei der BMW Niederlassung vor Ort verkauft.

Doch selbst innerhalb eines Konzerns ändert sich die Umgangsweise mit TechartGemballaBrabus und Co. über die Zeit hinweg erheblich. Beispiel Porsche: Vor gerade einmal 20 Jahren war Porsche ein Hersteller, der jährlich nur etwa 15.000 bis 20.000 Fahrzeuge an den Mann bringen konnte. Da waren die zusätzlich bestellten Karosserien, Motoren und Bauteile durch die bekannten Tuner aus Leonberg (TechArt und Gemballa) oder Pfaffenhausen (Ruf) durchaus gerne gesehen. Doch seit einigen Jahren beschreiten Porsche und weitere OEM einen anderen Weg.

Verpflichtungserklärung für Porsche Vertriebspartner

Seit einigen Jahren untersagt Porsche es seinen Vertriebspartnern, mit Tunern zusammenzuarbeiten. Demnach werden Vertriebspartner dazu aufgefordert, gewerblichen Kunden – zu denen auch Fahrzeugveredler gehören – eine Verpflichtungserklärung vorzunehmen. Darin heißt es unter anderem:

„… dass von einem Porsche-Zentrum gelieferte Original-Porsche-Ersatzteile und Austauschteile ausschließlich zur Instandsetzung und Instandhaltung von Porsche-Serienfahrzeugen verwendet werden dürfen. Auch die Verwendung der Teile „zur Herstellung von Tuning-Fahrzeugen oder zum Umbau, zur Leistungssteigerung oder zur Veredlung von Porsche-Fahrzeugen“ wird untersagt, ebenso die Verwendung der Teile zur Herstellung oder Reparatur von Tuning-Komponenten.“ (Quelle: Automobilwoche 4. Feb. 2013 Seite 7)

Verstößt ein Vertriebspartner oder gewerblicher Kunde gegen diese Verpflichtungserklärung, riskiert jener eine empfindliche Vertragsstrafe von – nicht selten – vier- bis fünfstelligen Beträgen.

TechArt zu Folge ist diese Verpflichtungserklärung veraltet und nicht mehr aktuell – zumindest treffe diese nicht auf TechArt zu. Auch habe sich der Veredeler aus Leonberg nach langwierigen, aber erfolgreichen Gerichtsverhandlungen eine Sonderrolle erkämpfen können, die jene Restriktionen auflockere. In einer Porsche Niederlassung werde man wohl nach wie vor keine TechArt Optionen bestellen können. Ob ein Vertragshändler hier Ausnahmen macht, wissen wir nach wie vor nicht.

Trotzdem sind bei TechArt-eigenen Show-Fahrzeugen keine Porsche-Wappen auf der Haube zu sehen. Auch wenn ein von TechArt veredeltes Fahrzeug grundsätzlich immer ein Porsche bleibt – in den Fahrzeugpapieren steht das nach wie vor, egal wie extrem ein Umbau ist – sieht es das Werk nicht gern.

Denn: schon Aerodynamik-Pakete oder Heckspoiler verändern die originelle Silhouette einer Porsche-Design-Form so maßgeblich, dass Porsche – unabhängig vom individuellen Geschmack – nur als originaler Porsche wiedererkannt werden und in Erinnerung bleiben möchte.

Fahrzeughersteller anstelle von Tuner

Ein genauer Blick in die Prospekte der Autotuner zeigt die Tendenz schon seit längerem: sprach man früher beispielsweise von einem Porsche 911, der von TechArt getunt wurde, steht heute, dass es sich bei dem gezeigten Fahrzeug beispielsweise um einen TechArt GTstreet auf Basis eines Porsche 997 handelt.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Wieso haben von Mansory getunte Mercedes-Benz alle keinen Stern mehr auf der Haube?

Nachdem sich eine Tuningfirma um ein Fahrzeug gekümmert hat, ist das Auto im Grunde genommen kein Mercedes-Benz mehr, sondern ein Mansory. Auch alle Haftungsansprüche seitens des Kunden gegenüber dem Originalherstellter (bspw. Mercedes-Benz) erlischen, sobald ein Veredeler seine Hände im Spiel hat.

Selbstverständlich kommt dies auf die Schwere des individuellen Umbaus an. Wird an einem Mercedes-Benz etwa nur das Lenkrad oder die Felgen von einem Drittanbieter verändert, ist es natürlich nach wie vor ein Mercedes-Benz. Alle Haftungsansprüche bleiben bestehen.

Wird aber – so wie auf dem Titelbild – ein ganzes Fahrzeug umgebaut, der Motor derart verändert und das komplette Interieur ausgetauscht, gelten ganz klar keine Haftungsansprüche gegenüber dem OEM mehr. Oftmals werden die dann vom jeweiligen Veredeler übernommen.

Da stellt sich natürlich auch die Frage: wo fängt ein „Komplett-Umbau“ an – wo hört er auf? Das liegt nach wie vor im Ermessen eines jeden Herstellers.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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