SUV-Hybrid Outlander und VW Tiguan: Vorstadt-Held oder Langstrecken-Meister?

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Viele Wege führen nach Rom. Doch momentan schaut es so aus, als würde sich die Automobilwelt für einen Weg entscheiden: Elektrifizierung. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird aber so langsam auch im privaten Alltag immer relevanter. Beim Nachbarn surrt es beim morgendlichen Verlassen der Garage schon – bei Freunden tankt man bereits Ökostrom vom Dach. Wer sich noch nicht für einen Vollstromer entscheiden möchte, kann vorerst die hybride Schiene – zum Beispiel in Form von Deutschlands beliebtestem SUV-Hybrid – Mitsubishi Outlander – fahren. Doch lohnt sich das bereits jetzt? Oder fährt man mit Deutschlands beliebtestem SUV – VW Tiguan mit 2.0 Liter Dieselmotor – entspannter und ruhiger?


Elektro wird langsam cool

Langsam, Freunde – jetzt mal nichts überstürzen. Elektro ist cool, aber bislang nur im Form von Musik oder High-Performance.

Galerie: Mitsubishi Outlander PHEV

Mitsubishi Outlander PHEV
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Mitsubishi Outlander PHEV

Schon wenn wir nur an die Optik von iMiev oder Zoe denken wird uns ganz schlecht. Vor die Eisdiele im Sommer fährt man damit eher weniger. Und ganz ehrlich: wenn man ein so schwieriges Thema wie die – auch für Endkunden – sehr teure Elektrifizierung von Automobilen vornimmt, muss der Anteil der Emotionen an solch einem Auto ein extrem hoher sein.

Bei dem von uns am häufigsten gefahrenen BMW i3 ist das schon eher der Fall. Wenn auch jener keine Schönheit ist, unterscheidet sich das Fahren ähnlich einer Lounge mit einem wunderbaren Raumgefühl von konventionellen Fahrzeugen doch deutlich. Und das macht es spannend – das macht es, für einige sicherlich, auch emotional.

Führen wir einmal in die Zukunft mit einem SUV-Hybrid

Wer sich aber noch nicht so schnell von seinem klassischen Auto verabschieden will, kann durch einen Hybrid – wie zum Beispiel den Mitsubishi Outlander PHEV in Form eines schweren SUV – sachte in die rein elektrische Zukunft geführt werden. Betrachten wir einmal – neben dem Fahrbericht – die möglichen Beweggründe für solch einen Umstieg.

Stellen wir uns einmal folgende klassische Familien-Situation vor: Papa fährt jeden Morgen rund 20 Kilometer zur Arbeit, während Mama die beiden Kinder zur Schule bringt. Aber danach passiert noch viel Unvorhergesehenes: Wochenmarkt, von Supermarkt zu Supermarkt – weil, nicht überall gibt es alles zum Besten Preis und in bester Qualität – zur Schneiderin und dann vielleicht noch zu einer Freundin, die aber etwas weiter außerhalb wohnt.

Am nächsten Tag bleiben die Kinder vielleicht zu Hause, weil krank oder schulfrei – oder was auch immer. Also ein vollkommen offener Tagesablauf, jedes Mal aufs Neue. Am Wochenende aber möchte die Familie auch entspannt Tagesausflüge in die rund 300 Kilometer entfernte Natur machen. Oder sie besuchen Großmutter.

Ein SUV-Hybrid also perfekt für die klassische Familie?

Für all diese Situationen erscheint der Mitsubishi Outlander PHEV ziemlich perfekt: das Familienoberhaupt kann zur Arbeit hin und wieder zurück rein elektrisch fahren, denn die angegebene Reichweite von 51 Kilometern ist dafür ausreichend. Außer er ist so ein Warmduscher und gleichzeitig Gaspedal-Junkie wie Redakteur Stefan, der in seinem Test mit dem Outlander PHEV nur 39 Kilometer weit kam – die Heizung aber dazu noch auf ordentliche 22 Grad aufdrehte.

Sollten ihm unerwartete Besorgungen nach der Arbeit aufgetragen werden, kann er sich auf den Benzinmotor verlassen, der ihn auf jeden Fall sicher und ohne Reichweitenprobleme nach Hause bringt.

Aber die Chefin des Hauses könnte ihre täglichen Aufgaben genau so gut rein elektrisch erledigen – ohne auf den Komfort eines schicken SUV verzichten zu müssen. Sollte der Weg dann doch mal etwas länger werden, kann auch sie sich auf den einspringenden Benzinmotor verlassen. Bei längeren Fahrten ist es selbsterklärend, dass der Verbrennungsmotor ohnehin einspringen muss.

Voraussetzung ist eben immer, dass man in der hauseigenen Straße sein Fahrzeug nach jeder Benutzung an den Strom hängt.

Wohnt man allerdings im Stuttgarter Westen oder in einer vergleichbaren Innenstadt, gestaltet sich jene Voraussetzung etwas schwierig. Wenn jeder sein Ladekabel zum Fenster raushängt, ist dies auf Dauer auch nicht das Wahre. Ladesäulen sind dort noch rar gesät – und siehe Video, meist auch nur mit Mitgliedsausweis nutzbar.

Aber wenn jene Voraussetzungen alle erfüllt sind, das perfekte Auto für die Familie? Ja. Aber der VW Tiguan doch auch, oder? Nicht nur bei Geschwindigkeiten über 150 Km/h ist jener auf jeden Fall die angenehmere Alternative.

VW Tiguan eben auch ein perfektes Familienauto

Der VW Tiguan ist nicht ohne Grund Deutschlands beliebtester SUV (während der Mitsubishi Outlander PHEV Deutschlands beliebtester SUV-Hybrid ist).

Galerie: VW Tiguan (2016)

VW Tiguan (2016)
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VW Tiguan (2016)

Jedoch unterscheiden sich die zwei Lieblinge erheblich. Unabhängig von den jeweiligen unterschiedlichen Fahreigenschaften ist der Tiguan der Held der Langstrecke, während der Outlander PHEV der Held der urbanen Vorstadt ist. Jedoch können beide das jeweils andere ebenfalls gut.

Mit konventioneller Diesel-Energie kommt man aber rund 1.000 Kilometer weit. Wir sind – wie so oft – mit dem VW Tiguan nach Wien gefahren und hatten am Ziel noch über 300 Kilometer Restreichweite. Das wäre mit dem Outlander PHEV nicht so möglich gewesen. Zumal der Motor jenes SUV-Hybrid bei Leistungsabruf immer maximal dreht. Das stört nach einer Weile erheblich und machte uns zumindest leicht nervös. Das ist der komplette Gegensatz zum lautlosen Fahren in der Stadt.

Der VW Tiguan mit seinem allseits bekannten und bewährten 2.0 Liter Aggregat mit 150 PS verfügt über eine nicht ganz so hohe Systemleistung wie der Outlander. Dafür fährt er sich aber auf Autobahnen wesentlich ruhiger und souveräner und lässt sich darüber hinaus auch leichtfüßiger durch Parkhäuser und enge Straßen zirkeln.

Fazit über die beiden SUV – Hybrid oder doch noch eine Weile konventionell?

Während es den VW Tiguan schon ab 26.000 Euro zu kaufen gibt, er aber in dieser Ausführung nicht einmal im Entferntesten der unseres Testwagens sowie der des Mitsubishi Outlander PHEV gleicht, ziehen wir den Testwagenpreis von rund 50.000 Euro heran. So ist er auf Augenhöhe mit dem Mitsubishi Outlander PHEV in der höchsten Ausstattung, die ebenfalls bei rund 50.000 Euro liegt.

Preislich gibt es also kaum einen Unterschied. Also Klartext: urbaner Vorstadt-Held oder Langstrecken-Meister?

Wie so oft gibt es eben keine eindeutige Antwort. Den meisten von uns hat der VW Tiguan besser gefallen, da er zum einen ein angenehmeres und leichteres Fahren vermittelte. Andererseits gefiel uns das modernere und digitale Cockpit im Tiguan sehr. Alles wirkt frisch und auf dem neuesten Stand der Technik.

Diesen Eindruck vermittelt der Mitsubishi Outlander PHEV weniger durch sein Cockpit, als natürlich durch seine Technik selbst. Insgesamt fährt er aber etwas behäbiger und schwerer – ja, wuchtiger. Das Sitzen ähnelt einem englischen Vorstands-Büro. Noch nie saßen wir so entspannt und gemütlich, wie im Mitsubishi Outlander. An späten Abenden könnte man in solch einem Sessel im Cockpit tatsächlich versinken. Gefährlich, gefährlich.

Die Hybrid-Technik an sich ist natürlich ein absoluter Pluspunkt für Mitsubishi. Auch, dass es den Japanern gelingt, ein solches Fahrzeug im deutschen Markt einzuführen und Volkswagen als deutsches Unternehmen gelingt dies nicht. Denn der deutsche Markt ist ja – bekannterweise – einer der weltweit schwierigsten überhaupt. Und wer den richtigen Umgang mit einem Hybrid pflegt und seine Strecken ein wenig danach auswählt, der kann viel sparen – und: hat viel Freude daran, sich lautlos durch die Straßen zu bewegen. Denn das kann auch Spaß machen.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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