Welche Farbe fehlte bislang beim VW Golf und welche Farbe liegt 2017 im Trend?

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Nein, es ist nicht Rot, sondern Gelb! „Auf dieses Gelb haben wir lange gewartet!“ sagt Astrid Göring, während sie ein Schälchen mit dem Gewürz Kurkuma beiseite schiebt, um für das sogenannte Moodboard Platz zu machen. Diese Schautafel zeigt anhand von bereits existierenden Produkten unterschiedliche Gelbtöne: unter anderem ein Foto von leuchtenden Maisfeldern, das Etikett einer französischen Zitronenlimonade und die Stoffprobe einer italienischen Gardine. Was das mit der Farbauswahl des neuen VW Golf zu tun hat? Pure Inspiration!


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Einfach alles wird gesammelt

Nun, die Farbe die beim VW Golf bislang fehlte ist Gelb. Ein besonderes Gelb – zumindest meint das die Spezialabteilung „Color & Trim“ in Wolfsburg. Bis man aber zu dieser Erkenntnis kommt, sind einige Vorüberlegungen und Schritte notwendig.

„Für die erste Inspiration sammeln wir alles! Diese Beispiele nutzen wir als Grundlage für das erste Gespräch mit dem Lacklieferanten. Dabei müssen wir ihm unsere Vorstellung vom finalen Farbton vermitteln: Mit feinem Charakter. Oder mit lebhaftem Funkeln, sobald die Sonne darauf scheint.“ erklärt Astrid Göring.

Astrid Göring ist bei Volkswagen für das Farbdesign der Kompaktklasse zuständig. Der neue Golf gehört hier dazu. „Kurkumagelb Metallic“ heißt eine der neuen Trendfarben, die die gebürtige Hamburgerin für den neuen Golf entwickelt hat. Bei Farben und Lackierungen ist es keineswegs so, dass schon alles entwickelt ist und man nur noch verschiedene Farbeimer mischen muss. Vielmehr ist die Entwicklung eines Autolacks ein stetiger Prozess; die Farbe Kurkuma wäre vor zwölf Jahren technisch noch überhaupt nicht möglich gewesen. „Aber bei der Zusammensetzung der Farbpigmente hat sich einiges getan. Jetzt können wir es endlich anbieten“, fügt Görings Kollegin, Susanne Gerken, hinzu.

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Die Erschaffung eines stimmigen Konzeptes

Bei Color & Trim wird über Farbe und Material von allen Flächen, die von den Interieur- und Exterieur-Designern gestaltet wurden, entschieden. Dazu gehören Lederqualitäten, Stoffsorten und auch Holz, Aluminium oder Lack für Dekorleisten. Außerdem gehört natürlich die Farbauswahl für die Außenhülle dazu, inklusive der Felgen. Beim Beetle Cabrio kommen die verschiedenen Varianten der Stoffverdecke hinzu. Es geht also um alle Flächen am Fahrzeug, die man innen und außen sehen und fühlen kann.

Manche Farben können die Formgebung eines Fahrzeugs verstärken. Andere können die Formgebung aber auch schwächen oder komplett ruinieren. Im besten Fall bieten sie perfekte Unterstützung für jede Linie, jeden Radius und jede Kurve im Blech. Allerdings zeigt erst die Kombination von Farben mit den passenden Materialien im Innenraum, ob das Gesamtpaket seine Wirkung entfaltet.

Keine einfache Sache, denn schließlich geht es um alle Modelle inklusive Facelifts von Volkswagen – und das für alle Märkte. Außenfarben gibt es bei Volkswagen gerade 80 verschiedene – Lack ist darüber hinaus nicht gleich Lack. Es gibt ihn als Uni-Variante, mit Metallic- oder Perlmutteffekt. Darunter sind Klassiker wie Tornadorot, Pure White oder Oryxweiß.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die Lacke auf unterschiedlichem Blech und Kunststoff identisch wirken müssen. Deshalb folgt die komplette Lackierung der Karosse, mit allen Türen und Klappen als wichtiger, zweiter Schritt, direkt nach dem Karosseriebau. Dabei ist höchste Präzision erforderlich: Roboter bringen den Lack schichtweise auf das frische Blech. Während der Veredlung und Lackierung legen die Karosserien auf Förderbändern rund sechs Kilometer zurück. Erst wenn alle Schichten aufgetragen wurden, bekommt der Lack seine Qualität. Die fünf Schichten messen insgesamt gerade mal einen zehntel Milimeter – das entspricht der Dicke eines menschlichen Haares.

Grün ist die Farbe der Zukunft!
Grün ist die Farbe der Zukunft!

Grün wird die Farbe der Zukunft!

Und das hat weniger mit politischen Einstellungen direkt zu tun, als vielmehr mit gesellschaftlichen Grundprinzipien und Werten, wie zum Beispiel wachsende Mobilität, Digitalisierung oder auch Nachhaltigkeit. Sie beeinflussen neue Farbtrends. Diese werden zunächst in der Mode sichtbar, dann auf Möbeln und später in der Auto-Welt.

„Solche Veränderungen werden auch von unseren Kunden wahrgenommen. Ihr Geschmack wandelt sich entsprechend.“, erläutert Susanne Gerken. Jährlich entwickeln die Volkswagen Designer deshalb neue Trendfarben. Neben dem bereits erwähnten „Kurkumagelb Metallic“ (unter anderem für den neuen Arteon) heißen die aktuellen Trendsetter „Atlantic Blue Metallic“(verfügbar zum Beispiel für den Touran) oder „Bottle Green Metallic“ am Beetle und Beetle Cabrio.

Grüntöne insgesamt- von Moosgrün über Flaschengrün bis Viperngrün – sehen Gerken und Göring als neue Trendfarben. „Grün war für Volkswagen nie eine wichtige Farbe. Das hat sich geändert. Durch Vernetzung und Globalisierung werden Gesellschaften durchlässiger und toleranter. Farben stigmatisieren nicht mehr“, prognostiziert Gerken der ehemals als Jägergrün verspotteten Farbe eine rosige Zukunft.

Bevor aber eine neue Farbe angeboten wird, vergehen mindestens zwei Jahre vom ersten Entwurf bis zum fertigen Lack. Daher müssen die Designerinnen mental quasi in der Zukunft leben. Inspiration findet Astrid Göring überall: „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt: Wie weit geht das Spektrum eines dramatischen Herbsthimmels? Welches Licht- und Schattenspiel bietet eine neue Glasfassade? Oder ich sortiere Knöpfe in einer Schachtel und denke: Die drei lassen sich toll kombinieren!“

 

Mia Iannotta

Mia ist seit Mitte 2015 das italienische und - viel wichtiger - weibliche Herz von AUTOmativ.de. Ohne ihre unregelmäßigen Artikel wäre das Magazin lebloser und langweiliger. Mia lebt die meiste Zeit des Jahres im Großraum Rom, den Rest verbringt sie irgendwo anders. Warum sie manchmal über Automobile schreibt? Nun, als wir sie auf der Mille Miglia beobachteten, wie sie sich um die Alfisti kümmerte, konnten wir einfach nicht widerstehen.

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