Würden wir durch die Blaue Plakette gesünder leben?

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Die zukünftige Einführung der blauen Plakette ist nach den Verhandlungen der Verkehrsministerkonferenz nach wie vor ungewiss. Zwar stimmten die meisten Länder dem Vorschlag nicht zu, da selbst Euro-5-Dieselfahrzeuge (meist bis 2015) in ein paar wenigen Jahren schon aus den deutschen Städten verbannt würden. Doch ganz vom Tisch ist das Thema noch lange nicht. Würde uns die blaue Plakette überhaupt weiterbringen?


Wenn Grün sein nicht mehr ausreicht

Rot, Gelb, Grün – eigentlich sollten diese Farben einmal Sinnbild für eine städtische Luftreinhaltung sein. Nicht im politischen, sondern im pragmatischen, für jedermann verständlichen Sinn. Wer Rot hatte, durfte nicht mehr einfahren, schnell war Gelb dran – jetzt reicht nicht einmal mehr Grün. Denn irgendwie hat ja jeder Grün. Die Luft wurde dadurch auch nicht besser und wir nicht gesünder – im Gegenteil. Angeblich.

Es gab den sogenannten „Feinstaub-Alarm“ in Stuttgart, an denen die Grenzwerte für Schadstoffe am Neckartor deutlich überschritten wurden. Angeblich. Späteren Aussagen der betreuenden Einrichtungen zu Folge, waren – zumindest bei einem Teil der Messungen – die Werte zu hoch, weil unter anderem der Staub im Streusalz (oder jenes selbst) als Feinstaub gemessen wurde. Auch die mit speziellen Pflanzen bewachsenen Stellwände am Neckartor konnten bislang die Belastung nicht signifikant drosseln.

Dann kam der VW-Skandal, oder wie es die Wolfsburger nennen: die „Diesel-Thematik“. Volkswagen Dieselfahrzeuge würden astronomisch mehr ausstoßen als angegeben. Der Ursprung eines jeden Übels also: Diesel.

Das ist teilweise auch richtig. Doch die Schadstoffemissionen sind bzw. waren auch bei anderen Herstellern deutlich über den angegebenen Werten – trotzdem stürzten sich alle auf Volkswagen. Anderes Thema.

Jetzt sollte die blaue Plakette alles richten: weniger Stickoxide, überhaupt weniger Verkehr, mehr fröhliche Schwaben am Neckartor und endlich wieder strahlende Kinder, die sich abends nicht mehr den Ruß aus den Augen wischen müssen.

Geplant war, den blauen Kleber zusätzlich zum grünen an die Frontscheibe zu montieren. Als plausible Fälschungssicherheit, damit es schöner aussieht oder weil es einfach cool ist? Man weiß es nicht.

Was von Anfang an ziemlich klar war, ist heute umso klarer: das ganze bürokratische System um die Umweltplakette ist fragwürdig. Aus diesem Grund wurde sie auch abgelehnt – vorerst.

Aber was macht die blaue Plakette mit unserer Gesundheit?

Bei dieser ganzen Diskussion stößt man immer wieder auf den indirekten Vorwurf, dass selbst Diesel-Fahrzeuge mit Euro-6-Norm deutlich höhere Schadstoffe emittieren würden, das habe ja der VW-Dieselskandal gezeigt. Wollen wir es uns tatsächlich so einfach machen oder diese beiden Sachen getrennt voneinander betrachten? Man führt doch keine politische Maßnahme ein, die sich danach ohnehin wieder durch Schummeleien aufhebt.

Das Argument unseres – nicht immer – geschätzten Verkehrsministers, man solle sich zuerst den Schwerlastverkehr sowie die Fahrzeuge anschauen, die sich ständig im Stadtverkehr befinden, etwa Taxen, Busse oder Behördenfahrzeuge, wiegt schwer. Trotzdem ist ungewiss, ob jene Verursacher mehr für die hohen Schadstoffe verantwortlich sind, als der Diesel-Privatverkehr.

Fest steht: die bessere Alternative zu einem Verkaufsverbot für mit fossilen Brennstoffen angetriebene Fahrzeuge ab 2030, das der Bundesrat kürzlich beschlossen hat, ist es allemal. Übrigens: der grüne Schwaben-Landesvater Kretschmann ist hier der selben Meinung. Denn zum einen: turboaufgeladene Benzinmotoren (sind heute ja fast alle) sind sogar größtenteils Luftreiniger, weil sie eine so saubere Verbrennung haben, dass selbst kleinste Verunreinigungen in der Luft sauber mit verbrannt werden. Schon vor ein paar Jahrzehnten hatte dies Saab in einem Experiment eindrucksvoll bewiesen. Und zum anderen: ALS OB WIR JEMALS AUF V12- oder V8-Motoren verzichten könnten??

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

Ein Gedanke zu „Würden wir durch die Blaue Plakette gesünder leben?

  • 29. Januar 2017 um 23:12
    Permalink

    Wieso muss eigentlich ein E-Auto überhaupt eine Feinstaub-Plakette haben? Zumindest wenn es ein E-Kennzeichen hat ist doch klar erkennbar, dass bei der Fahrt damit nichts emmitiert wird.

    Bei der Zulassung meines E-Autos hatte mich die Dame von der Zulassungsstelle gefragt ob ich eine grüne Plakette kaufen oder es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen möchte: „…wir warten auf jemanden der es endlich mal durchzieht und klagt…“

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