Zehn absurde Wintermythen, die ein für alle mal beseitigt werden müssen.

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Zwar wird es in Deutschland wahrscheinlich nicht mehr unglaublich viel schneien, aber falls doch: hier sind die zehn absurdesten Wintermythen, die ein für alle mal beseitigt werden müssen. Wenn irgendein selbst ernannter „Experte“ wieder das Gegenteil behauptet, drehen Sie sich weg und schließen Sie Ihre Ohren.


10) ABS bedeutet, dass man auch im Schnee wie gewohnt bremsen kann.

ABS ist eines der größten Errungenschaften in der Automobiltechnik und -sicherheit, doch es schützt nicht vor plötzlichem Rutschen. Zwar blockieren die Räder beim ABS-System nicht, doch eine glatte Straßenoberfläche kann das System verwirren und den Bremsweg so deutlich verlängern. Also bei Eis und Schnee früh genug bremsen und vorausschauend fahren!

Wintermythen Autos: BMW 120d
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9) Man muss nur die Scheiben vom Schnee befreien.

Abgesehen davon, dass es illegal ist und nicht der Straßenverkehrsordnung entspricht, nur die Scheiben vom Schnee zu befreien und alle anderen Flächen mit 2 Meter hohem Schnee bedeckt zu lassen und dass der Hintermann beim ersten Beschleunigen noch im Wohngebiet die volle Ladung auf seine Frontscheibe bekommt und nichts mehr sieht, ist es auch für einen selbst ungeschickt. Warum? Beim ersten Bremsen merkt man, wie der Schnee vom Dach die Frontscheibe herunterrutscht.

Wintermythen Autos: im Hohen Norden lernt man schon als Kind das Autofahren im Schnee?
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8) Autofahrer im Norden wissen, wie man im Schnee fährt.

Oftmals stimmt das auch – die Norwegischen und Finnischen Renn- und Rallyefahrer sind meistens die besten, da sie in den langen Wintermonaten richtig viel Fahrpraxis im Schnee haben. Aber die Masse der Bevölkerung fährt auch nicht besser als unsereins.

Wintermythen Autos: Luft aus den Reifen lassen für mehr Grip? Aber nur so lange man im Tiefschnee fährt!
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7) Für bessere Traktion: Luft aus den Reifen lassen.

Wenn man die Luft aus den Reifen lässt, bekommt man eine größere Kontaktfläche der Reifen mit der Straßenoberfläche. Das hilft solange man die schneebedeckte Straße nicht verlässt. Doch sobald man auf die geräumte Autobahn kommt wird es gefährlich, denn Reifen mit deutlich weniger Druck beeinflussen das Lenk- und Bremsverhalten eines Autos auf Straßen drastisch. Zudem tendieren sie dazu zu überhitzen – vor allem bei etwas höheren Geschwindigkeiten. Und überhitzte Reifen können irgendwann bei längeren Autofahrten explodieren.

Aber auch im Schnee sind oft schmalere Reifen besser. Das ist dann der Fall, wenn der Schnee auf der Straße nicht hoch ist und sich die schmalen Reifen besser zur eigentlichen Straßenoberfläche „durchschneiden“ können, um Traktion zu bekommen.

Wintermythen Autos: Im Schnee sind heckgetriebene Autos sogar manchmal besser
Wintermythen Autos: Im Schnee sind heckgetriebene Autos sogar manchmal besser

6) Heckgetriebene Fahrzeuge sind die schlechtesten im Schnee.

Das ist einer der größten Irrglauben in Deutschland: ein heckgetriebenes Fahrzeug, das mit ordentlichen Winterreifen ausgestattet ist und in der Hand von einem guten Fahrer ist, ist so gut – wenn nicht besser – als alles andere im Schnee. Zwar kann sich der Fronttriebler in manchen Situationen besser aus dem Schnee „ziehen“, doch der Hecktriebler „schiebt“ sich eben aus dem Schnee.

Wintermythen Autos: sind heckgetriebene Autos wirklich so schlecht im Schnee? Auf keinen Fall!
Wintermythen Autos: sind heckgetriebene Autos wirklich so schlecht im Schnee? Auf keinen Fall!

Zudem ist es in glatten Kurven einfacher, ein heckgetriebenes Fahrzeug schneller wieder gerade zu bekommen, wenn man mit Gefühl einen kurzen Impuls an die Hinterräder gibt und so mit dem Heck wieder präzise gerade steht. Ein frontgetriebenes Fahrzeug fährt in einer glatten Kurve einfach geradeaus weiter – egal wie man lenkt, und das ist gefährlich.

5) SUV/Kompakt-SUV sind immer besser im Schnee.

Vier-/Allradantrieb und eine höhere Bodenfreiheit hat tendenziell immer Vorteile im Schnee und Gelände. Doch Vorsicht: es macht das Auto im Schnee nicht automatisch besser, denn auf dem Weg zur Arbeit mit normalen Straßen kann eine Eisplatte auch einem Vierrad zum Verhängnis werden.

Wintermythen Autos: bitte immer ein bis zwei Minuten den Motor warm laufen lassen. Er dankt es Ihnen später.
Wintermythen Autos: bitte immer ein bis zwei Minuten den Motor warm laufen lassen. Er dankt es Ihnen später.

4) Moderne Autos müssen nicht mehr warm gefahren werden.

Bitte NIEMALS so etwas glauben! Es ist richtig, das moderne Fahrzeuge mit all deren moderner Elektronik und Regelungstechnik deutlich besser fahren und schneller warm sind, als ältere Modelle. Doch das Problem ist nach wie vor die Viskosität des Motoröls: je kälter desto zähflüssiger ist es und dementsprechend nicht überall gleichmäßig schnell im Motor verteilt. Bei Tiefsttemperaturen einfach zwei Minuten warten (vor allem beim Diesel!) und den Motor erst dann belasten – das erfreut den Motor und vor allem die Turbolader.

3) Man braucht keine Winterräder.

Dieser Irrtum ist mittlerweile hoffentlich bei den meisten Menschen ausgeräumt. Wenn Schnee liegt ist es unverantwortlich mit Sommerreifen zu fahren. Nicht nur die Bremswege sind mit Sommerrädern um ein Vielfaches länger, sondern auch die Wege zum Beschleunigen. Die allerkleinste Steigung wird dabei zum Verhängnis. Ein Auto mit ordentlichen Winterreifen auszustatten ist das Beste, was man einem Auto (und sich selbst!) im Winter antun kann.

Wintermythen Autos: Allrad macht einen nicht unantastbar.
Wintermythen Autos: Allrad macht einen nicht unantastbar.

2) Allrad macht einen unantastbar.

Mit guten Reifen und einer guten Allradtechnik wie die von Porsche, BMW, Mercedes-Benz 4matic oder Audi quattro stimmt das. Hat man dies oder ähnliches nicht, ist das Auto nutzlos.

1) Ein gutes Auto bringt einen von alleine sicher durch den Schnee.

Man kann den besten Range Rover oder den besten Cayenne mit den besten Winterreifen dieser Welt ausstatten, doch das alles bringt nichts, wenn man nicht vorausschauend fährt, auf mögliche Eisplatten achtet, Lenk-, Gas- und Bremsbewegungen weicher ausführt und ausreichend Sicherheitsabstand hält.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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