Gutgereiftes Blech auf Eis: Mit Old- und Youngtimern durch den Winter

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Ältere Blech-Schätze auf winterlichen Straßen? Auf blätterbedeckten, regennassen Fahrbahnen, womöglich gar bei Schneefall? Ja, absolut. Dazu tragen die heutigen Old- und Youngtimer schon durch ihre Bauweise bei – dennoch ist natürlich etwas mehr Vorsicht geboten als bei einem Fahrzeug neueren Datums.


Warum es sich deshalb lohnt, auch im Winter hinterm Steuer seines Oldies zu sitzen, was aber dennoch an Vorarbeiten und Sorgfalt jenseits Batteriekontrolle und Scheinwerferreinigung beachtet werden muss, zeigen wir jetzt. 

Oldies sind nicht mehr wirklich „alt“

Mit einem Pickup, der in den 1970ern gebaut wurde, über Deutschlands winterliche Straßen rollen? Davon würden wohl auch echte Fans abraten – denn zwischen der damals suboptimalen Rostvorsorge und den nichtvorhandenen elektronischen Fahrhilfen (und je nach Ausstattung nicht einmal Bremskraftverstärkern) unterlägen sowohl Fahrer wie Fahrzeug unnötigen Risiken. Das gilt für sämtliche wirklich alten Oldies.

Aber: 2020 kamen die ersten Fahrzeuge in den Genuss des H-Kennzeichens, die 1990 gefertigt wurden. Was Youngtimer anbelangt, rollten diese sogar erst im Laufe dieses Jahrzehnts vom Band. Nicht zuletzt unter Einbeziehung der etwas älteren, in den 80ern gefertigten Oldtimer, bedeutet das folgendes: Viele heute „alte“ Fahrzeuge sind es vornehmlich auf dem Papier. Was jedoch

  • Rostvorsorge,
  • Sicherheitsausstattung,
  • Elektronische Fahrhilfen,
  • Fahrbarkeit

anbelangt, sind sie auf einem Niveau, das nicht mehr so dramatisch weit von aktuellen Fahrzeuggenerationen entfernt ist, wie es in früheren Jahren der Fall war – die Entwicklungssprünge zwischen 1990 und 2020 waren definitiv kleiner als diejenigen zwischen 1970 und 2000. 

Im Klartext: Solche Old- und Youngtimer taugen ungleich besser auch als winterliches Fahrzeug, weil sie weniger empfindlich sind und keine fahrtechnischen Anforderungen stellen, die sich dramatisch von denjenigen heutiger Autos unterscheiden. Auch Ungeübte können damit guten Gewissens in die Kälte rollen.

Das gilt allerdings nur, wenn die nötigen Vorarbeiten erledigt wurden.

1. Wirklich gute Winterreifen montieren

Ein BMW E30 von 1991 mag nicht so riskant im Winter sein wie beispielsweise sein Vor-Vorgängermodell 02 aus den 1960ern und -70ern. Dennoch wird er jedoch vor allem in Sachen Straßenlage von seinen heutigen Nachfolgern entfernt sein; das gilt besonders hinsichtlich des Bremswegs sowie des Kurvenverhaltens – ein Hecktriebler ohne ESP und sonstige Unterstützung. Bei praktisch allen anderen Autos sieht es ganz ähnlich aus.

Oberste Pflicht für sämtliche Old- und Youngtimer ist deshalb, dass wirklich hochwertige Winter-Pneus montiert werden. Dafür sind Fachhändler die beste Anlaufstation, also Reifen online kaufen bei Grip500.de, statt bei irgendeinem No-Name-Anbieter um die Ecke. Und wer auf seinem Schatz teure Alufelgen montiert hat, sollte bei gleicher Gelegenheit weniger empfindliche Stahl-Stücke erwerben, sonst heißt es vor Beginn der Frühjahrssaison schlimmstenfalls „ab zum Lackierer“.

Übrigens: Bei der Gelegenheit sollten auch Bremsen und Beläge überprüft und gegebenenfalls getauscht werden. Im Winter kommt es auf jeden Zentimeter Bremsweg an.

2. Untenrum reinigen und versiegeln

Rostvorsorge hat sich im Verlauf der 1980er dramatisch verbessert. Das heißt jedoch nicht, dass danach entstandene Autos sorgenfrei wären – vollverzinkte Audis ausgenommen. Bevor die ersten Flocken fallen, sollte deshalb die Unterseite des Wagens sowie die Radkästen sorgsam (und am besten professionell) gereinigt werden.

Anschließend sollte mit großzügigen Mengen Hohlraumversiegelung und Unterbodenschutzmittel dafür gesorgt werden, dass garantiert kein Wasser und besonders kein Streusalz an das Blech gelangen können. 

Übrigens: Dennoch sollten nach Fahrten über mutmaßlich gestreute Routen unbedingt eine Komplettwäsche inklusive Unterboden durchgeführt werden.

3. Regenabläufe regelmäßig freimachen

Auffällig viele Autos werden vom Rost heimgesucht, weil Wasser die Möglichkeit hatte, lange Zeit dort einzuwirken, wo es eigentlich schnell durchfließen soll – in jenen Kanälen, die Wasser aus den Türen, vom Dach und ähnlichen Bereichen schnell auf die Straße leiten sollen.

Sie sollten vor allem in der ersten Winterhälfte konsequent kontrolliert und mithilfe von Druckluft saubergeblasen werden – solange noch Blätter an den Bäumen hängen und auf dem Boden liegen, besteht die Gefahr, dass sie in den Abläufen landen und dort für rostgefährlichen Stau sorgen. 

Wichtig ist jedoch, dass diese Prozedur fahrzeugspezifisch geschieht – Anzahl und Lage der Abläufe sind bei jedem Modell anders. Dabei helfen Handbücher und Werkstattanleitungen. 

4. Dichtungen schmieren

Wenn bei einem neuzeitlichen Auto eine Tür- oder Fensterdichtung beschädigt wird, liefert das Autohaus raschen Ersatz. Bei Oldies jedoch kann je nach Modell die Fahndung nach diesen empfindlichen Teilen zur Stecknadelsuche ausarten. 

Dabei ist der Winter für Dichtungen besonders gefährlich: Die Kälte macht sie hart und spröde, bei Frost frieren sie auch schnell aneinander fest. Das normale morgendliche Türöffnen kann somit einen teuren und ärgerlichen Schaden verursachen. Dagegen hilft nur folgendes:

  1. Alle Dichtungen an einem warmen Herbsttag sorgsam feucht abwischen und trocknen lassen.
  2. Entweder handelsübliche Vaseline oder spezielles Dichtungspflegemittel (es muss unbedingt wasserfrei sein) sorgsam aufstreichen (am besten per Pinsel).
  3. Auto mit offenen Türen und Fenstern ein paar Stunden „atmen“ lassen.

Dadurch werden die Dichtungsgummis weicher und das Pflegemittel liegt wie eine Schutzschicht zwischen zwei Dichtungen – keine Chance, dass sich Eis daran festkrallen könnte.  

Bei strengen Wintern sollte die Prozedur allerdings mindestens einmal wiederholt werden.

5. Kühlflüssigkeit checken

Die größtmögliche Altblech-Katastrophe, abgesehen von einem Unfall, wäre es, wenn Frost die Kühlflüssigkeit im Motor des Oldies einfrieren lassen würde. Dann nämlich würde das Eis sich mit unglaublicher Kraft ausdehnen. Vor kapitalen Schäden sollten bei vielen Motoren zwar Froststöpsel schützen, die dann herausgedrückt werden; ebenso kann es jedoch passieren, dass Zylinderwände reißen.

Um das zu vermeiden, muss auf jeden Fall der Frostwert der Kühlflüssigkeit passen; er lässt sich mit einem Frostschutzmessgerät prüfen. -25°C sind die Obergrenze, -30° und tiefer sind jedoch besser. 

Wichtig: Nach etwaigem Nachfüllen unbedingt den Motor ein paar Augenblicke laufen lassen, damit sich nachgefülltes Frostschutzmittel durchmischt; andernfalls zeigt das Messgerät falsche Werte an.

Übrigens: Was für das Kühlsystem gilt, gilt natürlich auch für das Scheibenwaschsystem. 

6. Luftfeuchtigkeit vorbeugen

Normalerweise liegen Deutschlands regenreichste Monate im Sommer – Abweichungen der jüngsten Vergangenheit ausgenommen. Dennoch ist Feuchtigkeit im Winter ein größeres Problem:

  • Luftfeuchtigkeit kondensiert schneller auf kalten Oberflächen.
  • Kalte Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als warme.
  • Niedrige Temperaturen verlangsamen die Verdunstung beträchtlich.

Das heißt, winterliche Feuchtigkeit kann viel umfassender und nachhaltiger wirken als im Sommer. Brandgefährlich ist das im Innenraum von alten Fahrzeugen. Etwa dann, wenn diese morgendlich eiskalt sind, man sich hineinsetzt und per Atmung so lange Feuchtigkeit einbringt, bis die Heizung auf Temperatur ist.

Über den Winter kann so einiges an Feuchtigkeit in Stoffen und Polstern eindringen und dort für Probleme bis zu Schimmel sorgen. Während des ganzen Winters sollte deshalb etwas aus der folgenden Liste ständiger Begleiter sein:

  • Silica-Gel-Tütchen, die im Innenraum verteilt werden.
  • Ein oder zwei Schüsselchen voll Salz oder Reis.
  • Ein Luftentfeuchter mit Granulat (Baumarkt) – der muss allerdings regelmäßig ausgeleert werden, am besten allmorgendlich; sonst schwappt er beim Fahren mitunter über.

Ziel muss es sein, so wenig Wasser wie möglich im Innenraum zu halten – übrigens sollten diese Methoden auch bei überwinternden Oldies angewendet werden.

Mia Iannotta

Mia ist seit Mitte 2015 das italienische und - viel wichtiger - weibliche Herz von AUTOmativ.de. Ohne ihre unregelmäßigen Artikel wäre das Magazin lebloser und langweiliger. Mia lebt die meiste Zeit des Jahres im Großraum Rom, den Rest verbringt sie irgendwo anders. Warum sie manchmal über Automobile schreibt? Nun, als wir sie auf der Mille Miglia beobachteten, wie sie sich um die Alfisti kümmerte, konnten wir einfach nicht widerstehen.

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