Ratgeber: Bremsbeläge und Bremsscheiben erneuern? Was Sie beim Kauf im Internet beachten sollten!

[Anzeige] Während jeder Autofahrt werden die Bremsen unzählige Male betätigt: Vor dem Abbiegen, beim Halten, bei Geschwindigkeitsbegrenzungen und besonders stark bei plötzlichen Bremsmanövern. Dabei sind es besonders die Bremsen der Vorderreifen, die stark beansprucht werden – weitaus stärker als die der Hinterreifen. Diese werden etwa nur zu einem Drittel belastet. Die Bremsanlage zählt mit ihren Kfz-Teilen Bremsbeläge, Bremsscheibe, Bremssattel, Bremskraftverstärker, Bremsflüssigkeit, Bremskraftregler, Bremsschläuche, Handbremse, Hauptbremszylinder und Radbremszylinder zu den sicherheitsrelevanten Autoteilen. Das heißt: Bei einem Verkehrsunfall bzw. drohenden Unfall bedeuten sie mehr Schutz für den Autofahrer, die Fahrzeuginsassen und für andere Verkehrsteilnehmer.


Nur mit vollständig intakten Teilen der Bremsanlage wird der optimale Bremsweg erzielt. Schließlich interagieren sie bei jedem Bremsvorgang. Sobald Sie das Bremspedal treten, wird die so eingeleitete Bremskraft durch den Bremskraftverstärker verstärkt und über die Bremsleitungen mittels der Bremsflüssigkeit von einem Bauteil aufs andere übertragen. Lässt die Bremswirkung nach, müssen defekte Komponenten unverzüglich erneuert werden. Bremsbeläge und Bremsscheiben sind Verschleißteile. Das heißt: Sie müssen – wie auch die Bremsflüssigkeit – in regelmäßigen Abständen gegen neue Ersatzteile ausgetauscht werden. Das Angebot an unterschiedlichen Produkten ist groß. Doch beim Ersatzteilkauf im Internet gibt es einiges zu beachten, um qualitativ hochwertige Artikel zu kaufen.

Welche Arten von Bremsen gibt es beim Auto?

Seit mehr als fünf Jahrzehnten, genauer: seit 1967, ist in jedem PKW eine zweikreisige Bremsanlage, also zwei eigenständig arbeitende Systeme, gesetzlich vorgeschrieben. Oder das Auto muss eine Bremsanlage mit zwei getrennten Leitungskreisen enthalten. In der Regel sind es die Betriebsbremse sowie die Feststellbremse. Warum zweikreisig so wichtig ist? Weil so gewährleistet ist, dass eine Bremse funktioniert, sollte die andere plötzlich ausfallen. 

Nahezu alle neueren Autos sind mit Scheibenbremsen ausgerüstet, die leichter als Trommelbremsen sind. Nicht nur das geringere Gewicht spricht für diese Teile: Scheibenbremsen führen die bei jedem Bremsvorgang hervorgebrachte Wärme aufgrund ihrer offenen Bauart besser ab. Diese beugt einer reduzierten Bremswirkung, dem Bremsfading, vor. Bereits das verdeutlicht, dass Bremsbeläge und die Bremsscheibe bei jedem Bremsvorgang thermisch stark belastet werden. Gemeinsam mit dem Abrieb kommt es mit der Zeit zum Verschleiß.

Zur Scheibenbremse gehören die Kfz-Komponenten: 

  • Bremsscheibe
  • Bremssattel und der
  • Bremsklotz mit den entsprechenden Bremsbelägen.

Woran Sie verschlissene Bremsen erkennen

Die Wechselintervalle für die Bremsscheibe und die Bremsbeläge gibt der jeweilige Automobilhersteller vor. Hinweise hierzu finden Sie im Serviceheft Ihres Autos. Empfehlenswert ist es, diesen regelmäßigen Austausch gegen neue Ersatzteile strikt einzuhalten, um die Fahrsicherheit nicht zu gefährden. Meist steht der Wechsel der Bremsscheibe sowie der Bremsbeläge nach 30.000 bis 100.000 gefahrenen Kilometern an. Allerdings kann der Austausch eher erforderlich sein. Abhängig ist der Wechselintervall vom individuellen Fahrstil und dem damit verbundenen Bremsverhalten. Zählen Sie zu den eher draufgängerischen Fahrern, finden gewiss mehr und stärkere Bremsvorgänge statt. Diese fördern jedoch den vorzeitigen Verschleiß der Bremsscheibe und der Bremsbeläge. In dem Fall ist sogar möglich, dass Sie die Bremsbeläge bereits nach nur 20.000 gefahrenen Kilometern erneuern müssen, da die von der Mehrheit der Autohersteller festgelegte Mindestdicke von 4 Millimetern schon unterschritten ist. Die Mindestdicke der Bremsscheibe variiert von Autohersteller zu Autohersteller. Stets vorausschauend zu fahren, lohnt sich also nicht nur für die Sicherheit im Straßenverkehr, sondern verhindert vorzeitigen Verschleiß.

Ob der Austausch der Bremsscheibe und der Bremsbeläge ansteht, zeigt sich an mehreren Symptomen. Optisch werden Fahrer aktuellerer Autos über den Verschleiß mittels einer aufleuchtenden Kontrolllampe im Cockpit informiert. Sollte diese elektronische Ausstattung fehlen, gibt es drei markante Anzeichen, die auf verschlissene Bremsteile hinweisen:

1. Sinkende Bremsflüssigkeit

Mit dem Verschleiß der Bremsen nimmt die Bremsflüssigkeit ab. Solange der Stand nicht die Miniumgrenze erreicht hat, ist von einem Nachfüllen vor dem unmittelbaren Austausch der neuen Ersatzteile abzuraten. Dieses würde sonst zum Überlaufen führen. Wurden die Bremsen jedoch erst erneuert und die Bremsflüssigkeit nimmt dennoch ab, sollten die Bremsleitungen fachmännisch von einem Kfz-Mechaniker auf Risse oder poröse Stellen hin überprüft werden.

2. Schleifende Bremsen

Sowohl eine verschlissene Bremsscheibe als auch verschlissene Bremsbeläge machen sich in der Regel durch schleifende Geräusche bemerkbar. Auslöser hierfür ist die stete Berührung der Halterungen der dünner gewordenen Bremsbeläge mit der Bremsscheibe. 

3. Rubbelnde Bremsen bzw. Pulsieren im Bremspedal

Spüren Sie beim Tritt auf das Bremspedal ein Pulsieren, weist dieses auf eine verschlissene Bremsscheibe hin. Das hat zur Folge, dass die beim Bremsvorgang erzeugte Wärme nicht mehr gleichmäßig verteilt wird. Das wiederum führt dazu, dass die Hitze dieses Autoteil an einigen Stellen verformt. Das Ergebnis: Die Bremsbeläge liegen nicht mehr korrekt auf der Scheibe. Reibende Geräusche und ein vibrierendes Lenkrad weisen auf die verschlissenen Teile hin.

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Sollten Bremsen grundsätzlich in der Werkstatt erneuert werden?

Als sicherheitsrelevante Autoteile tragen alle Komponenten der Bremsanlage wesentlich zum Verlauf einer gefährlichen Verkehrslage und der Schwere eines Verkehrsunfalls bei – sind alle intakt, ist der Bremsweg kürzer. Genau das ist in einer Gefahrensituation entscheidend. Daher sollten verschlissene Bremsscheiben und Bremsbeläge von einem Kfz-Mechaniker erneuert werden. Einzig sehr erfahrene Hobby-Automechaniker, die zudem über das für das Wechseln erforderliche Know-how und das benötigte Werkzeug verfügen, können die alten Teile selbst gegen neue Ersatzteile austauschen. Dafür sind relativ wenige Schritte notwendig.

  1. Wurde das Fahrzeug mit einem Wagenheber angehoben, sind das Rad und die Kappen des Führungsbolzens abzunehmen.
  2. An die Bremsscheibe gelangen Sie, indem Sie den Bremskolben nach hinten pressen. Zunächst wird der Bremssattel, dann die Bremsbeläge entnommen.
  3. Reinigen Sie die Radnabe sorgfältig von allen Verschmutzungen, bevor Sie die neuen Ersatzteile montieren. Hierfür sind spezielle Bremsenreiniger erhältlich. 
  4. Tragen Sie nach der Reinigung etwas Kupferpaste auf die Rückseite der Bremsbeläge und auf den Bremssattel, um Abrieb und vorzeitigen Verschleiß vorzubeugen.
  5. Die Ersatzteile können festmontiert werden.

Beachten Sie grundsätzlich folgende Hinweise:

Wechseln Sie prinzipiell immer beide Bremsen einer Achse zeitgleich! Nur das gewährleistet eine gleichmäßige Bremsleistung. Fahren Sie die neuen Bremsteile behutsam ein! Die Bremsvorgänge haben in dieser Zeitspanne ebenfalls sanft zu erfolgen.

Alle anderen Autofahrer sollten die verschlissenen Bremsen fachmännisch in der Kfz-Werkstatt austauschen lassen.

Mit welchen Kosten zu rechnen ist

In der Kfz-Werkstatt werden generell immer die Bremsen einer Achse gleichzeitig erneuert. Wie teuer es wird, richtet sich zunächst nach den zu ersetzenden Teilen. So sind Bremsbeläge weitaus günstiger als Bremsscheiben. Einfluss auf die Höhe der Kosten nimmt zudem das Fahrzeugmodell. Der Austausch ist meist in 30 Minuten/Rad erledigt. Die Kosten reichen dabei von circa 100 bis 400 Euro – und das pro Achse. Sind die Bremsscheiben ebenfalls verschlissenen, erhöht sich der Zeitaufwand lediglich um 15 Minuten/Rad. Der finanzielle Mehraufwand reicht dann allerdings von 150 bis 300 Euro.

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Worauf Sie beim Kauf von Bremsbelägen und Bremsscheiben im Internet achten sollten

Sie suchen online nach den besten Angeboten für Bremsbeläge und Bremsscheiben? Dafür gibt es sehr viele Anbieter. Gerade bei steigenden Ersatzteilkosten lässt sich durch den Kauf im Internet Geld sparen. Dennoch gilt: Kaufen Sie prinzipiell immer ausschließlich neue Ersatzteile für die Bremsanlage!

Die Bremsscheibe muss zu Ihrem Fahrstil passen

Es sind Standardbremsscheiben und Sportbremsschreiben erhältlich. Wählen Sie das Ersatzteil, das zu Ihrem Fahrstil passt. Fahren Sie vorausschauend, sind die normalen Bremsscheiben ausreichend. Ist Ihr Fahrstil eher forsch und sportlich und betätigen Sie die Bremsen daher öfter und härter, sind Sportbremsscheiben empfehlenswert. Die üblichen Bremsscheiben könnten bei diesem Fahrverhalten durch stärkeres Bremsen überhitzen, und es käme zum Bremsfading.

Lesen Sie sich bei den Bremsscheiben sorgfältig alle Informationen durch: Wie groß ist das angebotene Produkt, wie ist die Lüftung der Scheibe?

Bremsscheibe und Bremsbeläge kaufen – sind die neuen Teile zertifiziert?

Wählen Sie gerade bei sicherheitsrelevanten Autoteilen wie der Bremsanlage die vom Autohersteller gefertigten Originalteile oder die von einem Teilehersteller produzierten Identteile. Identteile entsprechen in Hinsicht auf Effizienz, Funktionalität und Sicherheit den Originalteilen. Beide Kategorien stehen für ausgewählte Materialien und hochwertige Qualität. Zudem sind sowohl Originalteile als auch Identteile zertifiziert und tragen das ECE-Prüfzeichen. Für Ersatzteile mit diesem Prüfzeichen ist in Deutschland kein separater Eintrag in die Fahrzeugpapiere erforderlich. Achten Sie also unbedingt auf das Vorhandensein des Prüfzeichens und der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE). Trägt das Ersatzteil weder das Prüfzeichen, noch die ABE, lassen Sie die Finger von dem Teil und wählen einen anderen Anbieter.

Kaufen Sie nur passgenaue Bremsbeläge und Bremsscheiben

Ersatzteile müssen passgenau sein. Kaufen Sie nur Bremsbeläge und Bremsscheiben, die 100%ig für Ihr Fahrzeug geeignet sind. Hier hilft die Herstellernummer, auch OE-Teilenummer genannt, bei der Auswahl. Beachten Sie weiterhin die Angaben über das Material der Artikel, die Achse und die Seite. 

Wie steht’s mit der Wärmeleitfähigkeit der Bremsbeläge?

Sind Sie auf der Suche nach neuen Bremsbelägen, geben Sie Acht auf die Wärmeleitfähigkeit, die niedrig sein sollte. Ist sie zu hoch, können durch die weitergegebene Wärme in der Bremsflüssigkeit Dampfblasen entstehen. Diese reduzieren die Bremswirkung erheblich! Des Weiteren sollten das Belegmaterial und Rückenplatte fest miteinander verbunden sein, um Abrieb bei starken Bremsvorgängen zu verhindern.

Sehen Sie sich das Impressum des jeweiligen Portals für Ersatzteile an. Dieses muss stets den vollständigen Namen, eine postalische Anschrift sowie Informationen zur Kontaktaufnahme enthalten. Meiden Sie einen Anbieter, sollte dieser nur ein Postfach angeben.

Woran Sie Plagiate erkennen

Fälscher sind skrupellos. Ob sie die Gesundheit oder gar das Leben anderer Menschen gefährden, interessiert sie weniger als der Profit, den sie mit Plagiaten erzielen. Online ein Originalteil von einem gefälschten zu unterscheiden, ist nicht einfach. Doch auch hier helfen einige Tipps, um nicht hereinzufallen.

Einen ersten Anhaltspunkt gibt der Preis. Informieren Sie sich daher über die normale Preisspanne. Liegen die Kosten für die neue Bremsscheibe oder die neuen Bremsbeläge noch weit unter dem günstigsten Preis, sollten Ihre Warnglocken läuten. Lesen Sie sich die Angaben über die Materialien durch. Für die Herstellung von Bremsscheiben wird primär Grauguss genutzt. Einige verwenden Sphäroguss, also Gusseisen mit Kugelgraphit, oder passende Stahl-Legierungen.

Ziehen Sie zusätzlich die Website einiger Hersteller hinzu. So finden Sie heraus, wie diese ihre Teile anbieten. So bietet beispielsweise Brembo Bremsscheiben und Bremssattel grundsätzlich nur zusammen an.

Um die eigenen Produkte zu schützen, kennzeichnen einige Hersteller diese mit Brandings. Hierzu gehören unter anderem Hologramme, Seriennummern, Prüfziffern oder 2D-Codes, die aus unterschiedlich breiten Strichen oder Punkten bestehen. Zwischen diesen sind Lücken mit möglichst starkem Kontrast. Einige Hersteller statten ihre Produkte mit Prüfnummern aus. Diese können freigerubbelt und online kontrolliert werden – allerdings findet diese Überprüfung erst nach dem Kauf statt. Also dann, wenn es zu spät ist. Teilt der Hersteller einem mit, dass diese Prüfnummer ungültig ist, ist sicher, dass ein gefälschtes Ersatzteil gekauft wurde.

Fazit

Ersatzteile wie Bremsscheiben und Bremsbeläge zählen zu den sicherheitsrelevanten Autoteilen. Ersetzen Sie verschlissene Teile daher unverzüglich gegen hochwertige neue Originalteile oder neue Identteile, damit Ihr Auto rasch wieder den optimalen Bremsweg erzielt. Die Wahl der Bremsscheiben richtet sich nach Ihrem Fahrstil. Kontrollieren Sie, ob die Hersteller ihre Produkte vor Plagiaten geschützt haben – und wenn ja, wie. Das hilft Ihnen, nicht auf gefälschte Artikel hereinzufallen, sollten Sie den Internetkauf bevorzugen. Informieren Sie sich über die übliche Preisspanne neuer Bremsscheiben und neuer Bremsbeläge. Das gibt Ihnen einen Eindruck über einen angemessenen Preis der Ersatzteile. Sehen Sie sich das Impressum des Anbieters für Ersatzteile an. Sind alle erforderlichen Angaben vorhanden und besteht eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme? Das spricht schon für den jeweiligen Anbieter. Überlassen Sie den Einbau der neuen Teile einem Kfz-Mechaniker.

Dieser Text enthält bezahlte Werbung in Form einer Verlinkung.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 28 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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