Zu auffällig für Frankreich: Wie ein Porsche 964 Turbo S Leichtbau sein Speedgelb zurückbekam
Nur 86 Exemplare entstanden. Dieser 964 wurde wegen wiederholter Kontrollen durch die französische Gendarmerie dunkelblau lackiert – und bei SWS Sport Wagen Service im Saarland in seinen dokumentierten Originalzustand zurückversetzt.
Manche Restaurierungen retten Blech. Diese rettete eine Identität. Als dieser Porsche 911 Turbo S Leichtbau mit der Fahrgestellnummer WP0ZZZ96ZPS479041 vor rund zwei Jahren zu Joachim Wagner nach Spiesen-Elversberg kam, trug er Dunkelblau-Metallic. Im Porsche-Fahrzeugauftrag stand jedoch etwas anderes: Speedgelb, Lacknummer 12G.
Wenn Speedgelb zu viel Aufmerksamkeit erzeugt
Der frühere Besitzer, ein französischer Unternehmer, hatte den Wagen nach Angaben von SWS-Inhaber Joachim Wagner nicht aus einer modischen Laune heraus umlackieren lassen. In seinem ursprünglichen Gelb wurde er von der französischen Polizei immer wieder herausgewunken. Irgendwann war ihm die Aufmerksamkeit zu viel. Dunkelblau-Metallic sollte den 381-PS-Elfer unauffälliger machen. Das gelang optisch – soweit ein breit ausgestellter 964 Turbo mit seitlichen Lufteinlässen und dreiteiligen 18-Zoll-Rädern überhaupt unauffällig sein kann.

Historisch verschwand mit der neuen Lackierung ausgerechnet jene Farbe, die Porsche speziell für den Turbo S Leichtbau entwickelt hatte. Speedgelb war keine zufällige Modefarbe, sondern die Grundfarbe der Kleinserie. Der originale Porsche-Fahrzeugauftrag dieses Autos nennt sie ausdrücklich: „Farbe nach Wahl: Speedgelb POR 12 G“. Als der Wagen rund 2024 zu SWS Sport Wagen Service ins saarländische Spiesen-Elversberg kam, gehörte das Dunkelblau zwar längst zu seiner Biografie – nicht aber zu seinem Auslieferungszustand.
Wagner und sein Team zerlegten und restaurierten den seltenen Porsche umfassend und führten ihn anhand der Werksunterlagen in seine ursprüngliche Spezifikation zurück. Die beigefügten Bilder dokumentieren den Weg: zunächst das komplette Auto in Dunkelblau, dann die weitgehend demontierte Karosserie in der Werkstatt und schließlich den fertig aufgebauten 911 in sattem Speedgelb – einschließlich jener Details, die den Leichtbau vom normalen 964 Turbo unterscheiden.



86 Exemplare – und das Ende der 3,3-Liter-Ära
Der 911 Turbo S Leichtbau war nicht einfach ein Turbo mit einem Leistungs-Kit. Porsche Exclusive und Porsche Motorsport entwickelten gemeinsam eine Kleinserie, die 1992 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt wurde. In den Jahren 1992 und 1993 entstanden nach offizieller Porsche-Angabe lediglich 86 Exemplare. Mit 381 PS und 180 Kilogramm weniger Gewicht als der serienmäßige 911 Turbo 3.3 markierte der Leichtbau die Spitze aller 911 Turbo mit 3,3-Liter-Motor.
Porsche selbst erzählt die Pointe bemerkenswert nüchtern: Nach 86 Autos waren die letzten 3,3-Liter-Motorblöcke aufgebraucht. Der Preis von 295.000 Mark hielt die Kundschaft nicht ab; die verfügbaren Fahrzeuge waren sofort vergriffen. Im Rückblick erscheint der Turbo S Leichtbau wie ein Vorläufer jener Rezeptur, die Porsche wenig später unter dem Namen GT2 institutionalisierte: Turbomotor, Heckantrieb, mehr Leistung, weniger Masse und so wenig Filter zwischen Fahrer und Straße wie vertretbar. Die zeitgenössische Technische Information von Februar 1993 formuliert den Anspruch zurückhaltender. Das Auto eigne sich für den normalen Straßenverkehr ebenso wie für sportliche Aktivitäten; besonders hervorgehoben werden Fahrleistungen und Handling.
Schon der dort dokumentierte Fahrgestellnummernbereich macht die Kleinserie greifbar: Er beginnt bei WP0ZZZ96ZPS479001. Das von SWS restaurierte Fahrzeug trägt die Endziffern 9041. Daraus lässt sich ohne vollständige Produktionsliste keine offizielle laufende Nummer ableiten, wohl aber seine eindeutige Zugehörigkeit zu dieser außergewöhnlichen Serie.

Leichtbau heißt hier: 1.290 Kilogramm
Das DIN-Leergewicht beträgt laut originaler Porsche-Unterlage 1.290 Kilogramm. Gegenüber dem Serien-Turbo sparte Porsche 180 Kilogramm ein. Bei 381 PS ergibt sich ein Leistungsgewicht von 3,38 Kilogramm pro PS – ein Wert, der Anfang der Neunziger in die Nähe echter Renntechnik rückte. Entscheidend ist, wie konsequent und zugleich gezielt diese Diät ausfiel.
Der vordere Kofferraumdeckel und der Heckspoiler bestanden aus CFK, die Türen aus Aluminium; Dünnglasscheiben reduzierten weitere Masse. Porsche strich die Rücksitze samt Gurten, Dämmungen an Fondseiten und Rückwand sowie den PVC-Unterbodenschutz. Die Linkslenker verloren Servopumpe und Lenkunterstützung. Klimakompressor, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Heckscheibenwischer, Zentralverriegelung, Alarmanlage, Nebelscheinwerfer, Scheinwerferreinigung sowie Kofferraum- und Motorraumleuchte entfielen. Selbst die 36-Ah-Batterie und der nur 0,70 Liter fassende Behälter der Scheibenwaschanlage folgten dem Grammdenken.
Trotzdem war der Turbo S kein karger Rennwagen mit Straßenzulassung. Die Rohkarosserie wurde verstärkt, und der Linkslenker behielt einen großen 92-Liter-Tank. Im Innenraum trafen RS-artige Türverkleidungen und manuelle Bedienung auf Leder: Schalensitze, Bedienknöpfe und sogar der Dachhimmel waren damit bezogen. Genau diese Mischung aus Porsche Exclusive und Motorsport macht das Modell so eigenständig.


381 PS aus 3,3 Litern – und kein Zweimassenschwungrad
Im Heck arbeitet der luftgekühlte Sechszylinder-Boxer M 30/69 SL mit 3.299 Kubikzentimetern Hubraum. 97 Millimeter Bohrung, 74,4 Millimeter Hub und eine Verdichtung von 7,0:1 bilden die Basis. Geänderte Nockenwellen und Einspritzventile gehören zum dokumentierten Änderungsumfang. Die Höchstleistung von 280 kW beziehungsweise 381 PS liegt bei 6.000 Umdrehungen pro Minute an, das maximale Drehmoment von 490 Nm bei 4.800 Touren.
Auch die sichtbaren Details waren festgelegt: Lüfterring und Lüfterrad poliert, Luftfiltergehäuse und Ladeluftkühlerrahmen rot lackiert, das Lüfterspannband schwarz beschichtet. Der restaurierte Motorraum zeigt genau diese Farbcodierung. Sie ist keine nachträgliche Show, sondern Teil der Werksspezifikation.

Die Kraft gelangt über das Fünfgang-Schaltgetriebe G 50/52 an die Hinterräder – ohne Zweimassenschwungrad. Porsche verwendete eine ausgesuchte Druckplatte, eine besondere Schwungscheibe und die Kupplungsbetätigung des Carrera RS. Das Sperrdifferenzial ist beim hier gezeigten Auto im Auftrag ausdrücklich dokumentiert. Der Verzicht auf Komfort und rotierende Masse endet damit nicht bei Teppich und Fensterkurbel, sondern reicht bis tief in den Antriebsstrang.
Fahrleistungen, die 1992 kaum zu glauben waren
Die originale Technische Information nennt 4,7 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h, 14,2 Sekunden bis 200 und 25,1 Sekunden bis 250 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 290 km/h; der Kilometer mit stehendem Start ist nach 22,4 Sekunden absolviert. Für die Verzögerung von 100 auf null km/h weist Porsche 2,6 Sekunden aus. Die Werte gelten bei DIN-Leergewicht, halber Zuladung und ohne fahrleistungsmindernde Mehrausstattung.

Turbo-Breite, Carrera-RS-Ideen
Das Fahrwerk wurde gegenüber dem normalen Turbo um 40 Millimeter abgesenkt und nach dem Vorbild des 911 Carrera RS abgestimmt. Dazu kamen ein eigenes Turbo-S-Sportfahrwerk, Motorlager wie beim Carrera RS und eine Leichtmetall-Domquerstrebe an der Vorderachse. Die Servolenkung entfiel bei Linkslenkern. Das Ergebnis sollte nicht bloß schneller, sondern vor allem präziser und unmittelbarer sein.
Hinter den polierten, dreiteiligen 18-Zoll-Rädern im Cup-Design sitzen rote Bremssättel. Vorn arbeiten 322 Millimeter große Scheiben; Befestigungsschrauben und Beläge greifen auf Teilewissen des 928 GTS zurück. Die Räder messen vorn 8 J x 18 mit Einpresstiefe 52, hinten 10 J x 18 mit Einpresstiefe 61. Bereift wurde ab Werk mit 235/40 ZR 18 vorn und 265/35 ZR 18 hinten; der konkrete Fahrzeugauftrag nennt Dunlop.
Ein herrlich zeittypisches Detail steht fett in der Porsche-Unterlage: Die nachträgliche Montage von 18-Zoll-Rädern sei für kein Porsche-Modell freigegeben. Beim Turbo S Leichtbau gehörten sie hingegen zum eigens konstruierten Gesamtpaket – und beim hier gezeigten Wagen sind sie zusätzlich im Exclusive-Auftrag festgehalten.
Die Restaurierung gibt dem Auto nicht nur seine Farbe zurück
Bei einem gewöhnlichen Klassiker könnte man die Geschichte der blauen Lackierung als kuriose Anekdote abtun. Bei einem von 86 gebauten Turbo S Leichtbau berührt sie jedoch die Identität des Fahrzeugs. Speedgelb, die Entfallpositionen, die schwarz-gelbe Lederausstattung, der rote Ladeluftkühlerrahmen und selbst der fehlende Schriftzug am Heck sind Teile eines exakt definierten Werkszustands.
Die Arbeit von SWS bestand deshalb nicht bloß darin, Dunkelblau durch Gelb zu ersetzen. Sie bestand darin, viele Einzelentscheidungen aus Fahrzeugauftrag und technischer Beschreibung wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Die Fotos der Restaurierung bewahren zugleich das französische Kapitel, das unter der neuen alten Farbe nicht mehr sichtbar ist. Gerade dadurch verliert die Geschichte nichts: Das Auto ist heute originalgetreuer, ohne dass seine ungewöhnliche Biografie ausgelöscht wäre.

Fazit: Einer von 86 – aber keiner wie dieser
Der Porsche 911 Turbo S Leichtbau ist schon in der Statistik ein Ausnahmeauto: 86 Exemplare, 381 PS, 1.290 Kilogramm, 290 km/h und 295.000 Mark Neupreis. Seine Bedeutung entsteht aber nicht aus einer einzelnen Zahl. Sie liegt in der Verbindung aus dem letzten großen Auftritt des 3,3-Liter-Turbos, der Zusammenarbeit von Porsche Motorsport und Exclusive, der kompromisslosen Diät und den fast luxuriösen Details im Innenraum.
Das Exemplar mit der Fahrgestellnummer WP0ZZZ96ZPS479041 fügt dieser ohnehin seltenen Baureihe eine Geschichte hinzu, die sich kein Marketingtexter hätte besser ausdenken können: Ein französischer Besitzer wollte der Polizei entgehen und versteckte Speedgelb unter Dunkelblau. Rund drei Jahrzehnte später holte Joachim Wagner mit SWS den Originalzustand wieder hervor. Unauffällig ist dieser Porsche damit erneut nicht. Aber genau so war er gedacht.

Technische Daten Porsche 964 Turbo S „Leichtbau“
| Technik | Werksangabe |
| Motor | M 30/69 SL; luftgekühlter Sechszylinder-Boxer mit Turboaufladung |
| Hubraum | 3.299 cm³ |
| Bohrung x Hub | 97,0 x 74,4 mm |
| Verdichtung | 7,0:1 |
| Leistung | 280 kW (381 PS) bei 6.000/min |
| Drehmoment | 490 Nm bei 4.800/min |
| Höchstdrehzahl | 6.800 + 100/min |
| Kraftstoff | ROZ 98 unverbleit (Super Plus) |
| Getriebe | Fünfgang-Schaltgetriebe G 50/52, ohne Zweimassenschwungrad |
| Differenzial | Sperrdifferenzial, Code 220 |
| Leergewicht | 1.290 kg nach DIN |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 1.510 kg ohne Mehrausstattung gemäß Baubeschreibung |
| Leistungsgewicht | 4,6 kg/kW bzw. 3,38 kg/PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 290 km/h |
| 0-100 km/h | 4,7 s |
| 0-200 km/h | 14,2 s |
| 0-250 km/h | 25,1 s |
| Stehender Kilometer | 22,4 s |
| Elastizität im 5. Gang | 40-100 km/h: 17,9 s; 40-200 km/h: 35,4 s; 100-200 km/h: 17,5 s |
| Bremsung 100-0 km/h | 2,6 s |
| Fahrwerk | 40 mm tiefer; Federbeineinstellung wie 911 Carrera RS; Turbo-S-Sportfahrwerk |
| Vorderachsbremse | 322-mm-Scheiben; rote Sättel; Beläge wie 928 GTS |
| Räder vorn | 8 J x 18 H2, ET 52; Reifen 235/40 ZR 18 |
| Räder hinten | 10 J x 18 H2, ET 61; Reifen 265/35 ZR 18 |
| Reifendruck kalt | vorn 2,3 bar; hinten 2,7 bar |
| Tankvolumen | 92 Liter beim Linkslenker |
| Batterie | 12 V / 36 Ah |
| Historische Verbrauchsangaben | 8,5 l/100 km bei 90 km/h; 10,4 l/100 km bei 120 km/h; 21,0 l/100 km im Stadtzyklus |
| Zulässiger Motorölverbrauch | bis zu 1,5 l/1.000 km |
Dokumentierte Ausstattungs- und Z-Codes dieses Fahrzeugs
| Code | Wortlaut / Bedeutung im Fahrzeugauftrag |
| 042 | Reifenfabrikat Dunlop |
| 220 | Sperrdifferenzial |
| 384 | Schalensitz links |
| 385 | Schalensitz rechts |
| 481 | Fünfgang-Schaltgetriebe |
| 488 | Schilder in deutscher Beschriftung |
| 498 | Entfall Modellbezeichnung am Heck |
| 499 | BRD-Ausführung |
| 564 | ohne Airbags |
| 656 | manuelle Lenkung |
| 659 | Bordcomputer |
| 718 | Numerik Modelljahr ’93 (P-Programm) |
| 720 | 911 Turbo S Leichtbau |
| Z 00011 | Farbe nach Wahl: Speedgelb POR 12 G; Bestellung 10.07.1992 |
| Z 09971 | Fahrzeug nach ZP 8 an Abteilung VRS überstellen |
| Z 09991 | Arbeiten aus Exclusive-Programm |
| Z 14311 | 964 Turbo S – siehe Anlage – mit 18-Zoll-Felgen (Bestellung EFF3) |
| Z 15531 | Sitze/Innenausstattung laut Ausstattungskarte Nr. 947, Version 7 (Turbo S) |
| Z 15532 | Exclusive-Nummern laut beigefügter Aufstellung in Leder schwarz |

