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Fahrbericht Subaru Uncharted 77 FWD Active: Kein Boxer, kein Allrad – trotzdem Subaru?

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Der Subaru Uncharted ist mehr als eng mit dem Toyota C-HR+ verwandt – die beiden Fahrzeuge sind sogar nahezu identisch. Und trotzdem will der Subaru Uncharted ein Subaru sein – trotz fehlendem, sonst Subaru-typischem Allradantrieb (bei unserer getesteten Version „77 FWD Active“ zumindest) und trotz fehlendem Boxer-Motor. Im Test muss der 224 PS starke Fronttriebler deshalb gleich zwei Fragen beantworten: Ist er ein gutes Elektroauto? Und steckt trotz der offensichtlich fehlenden Charakter-Elemente eines bisherigen Subaru genügend eigenständige DNA in ihm? Der Uncharted 77 FWD Active überzeugt mit einem ausgewogenen Fahrwerk, umfangreicher Serienausstattung und 22-kW-AC-Laden, zeigt in unserem Test aber auch Schwächen. Welche das sind und warum wir ihn dennoch als gutes Gesamtpaket bewerten, lesen Sie im Folgenden.

„Das ist doch ein Toyota C-HR+!“

Es braucht nur wenige Sekunden, bis beim neuen Subaru Uncharted die entscheidende Frage im Raum steht: Ist das wirklich ein Subaru – oder einfach ein Toyota C-HR+ mit verändertem Markenzeichen? Und ja, die Ähnlichkeit geht weit über eine gemeinsam genutzte Plattform hinaus: Karosserie, Proportionen, Batterie, Antriebe, Innenraumarchitektur und zahlreiche Bedienelemente sind mehr oder weniger identisch. Auch unter der Fronthaube finden sich weitgehend Toyota-Schriftzüge. Die Eigenständigkeit von Subaru liegt mitunter in der Frontgestaltung, beim Lenkrad, bei der Ausstattung und teilweise in der Feinabstimmung von Fahrwerk und anderen Komponenten.

Galerie: Subaru Uncharted 77 FWD Active (2026) im Fahrbericht

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Unser Testwagen betont seine Proportionen durch die weiße Karosserie und das schwarze Dach. ...

Das ist weder überraschend noch grundsätzlich ein Problem, denn Toyota hält rund 20 Prozent der Stimmrechte an Subaru, beide Hersteller arbeiten seit Jahren zusammen. Das bekannteste Beispiel liefern Toyota GT86 und Subaru BRZ. Klar ist: Durch eine gemeinsame Entwicklung lassen sich hohe Investitionen auf mehr Fahrzeuge verteilen. Gerade bei Elektroautos mit teurer Batterie-, Software- und Leistungselektronik macht diese Rechnung für einen vergleichsweise kleinen Hersteller wie Subaru Sinn.

Der Uncharted berührt allerdings den Markenkern stärker als frühere Gemeinschaftsprojekte: Subaru steht traditionell für Boxermotor, permanenten Allradantrieb und eine gewisse Geländetauglichkeit. Unser Testwagen, der Subaru Uncharted 77 FWD (Front Wheel Drive) in der Ausstattung „Active“ besitzt weder Boxer noch Allradantrieb. Sein einzelner Elektromotor treibt ausschließlich die Vorderräder an. Übrig bleiben 211 Millimeter Bodenfreiheit, Kunststoffbeplankungen und laut Hersteller eine Subaru-spezifische Feinabstimmung von Lenkung und Fahrwerk.

Gerade der reichweitenstarke Fronttriebler dürfte dennoch die wichtigste Variante der Baureihe werden. Er kombiniert die große 77-kWh-Batterie mit 165 kW beziehungsweise 224 PS und einer WLTP-Reichweite von bis zu 592 Kilometern. Der Grundpreis beträgt 43.490 Euro. Mit Zweifarblackierung in Black/Platinum White Pearl für 990 Euro und Teppichmatten für 149 Euro kommt unser Testwagen auf 44.629 Euro.

Scharf gezeichnet statt beliebig rund

Der Uncharted ist 4,54 Meter lang, 1,87 Meter breit und 1,63 Meter hoch. Damit bleibt er in der Stadt noch handhabbar, wirkt aber keineswegs klein. Besonders in Baustellen und schmalen Fahrspuren ist die stattliche Breite spürbar. Die hohe Sitzposition und die 360-Grad-Kamera helfen beim Einordnen der Abmessungen, auch wenn das Kamerabild selbst nicht zu den Stärken des Autos gehört.

Optisch ist der Subaru eigenständiger, als es die enge Toyota-Verwandtschaft zunächst vermuten lässt. Die sehr schmalen LED-Tagfahrleuchten sitzen oberhalb der eigentlichen Scheinwerfer. Bei Dunkelheit wirkt die Lichtsignatur markant; adaptives Fernlicht gehört beim Active zur Serienausstattung.

Unser Testwagen betont seine Proportionen durch die weiße Karosserie und das schwarze Dach. Das flach gezeichnete Greenhouse sitzt auf einem kräftigen Karosseriekörper. Scharfe Falze und gespannte Flächen geben dem Uncharted mehr Kontur als vielen weich gezeichneten Elektro-SUV.

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Nachgemessen: Der Subaru Uncharted bietet an der gezeigten Stelle rund 21 Zentimeter Bodenfreiheit – und bestätigt damit nahezu exakt die Herstellerangabe von 211 Millimetern.

Die 18-Zoll-Räder der Active-Ausführung erscheinen neben den großen Flächen zunächst zurückhaltend. Für dieses Auto sind sie trotzdem die vernünftige Wahl. Die höheren Reifenflanken unterstützen den Komfort und passen besser zum Anspruch eines Crossovers mit 211 Millimetern Bodenfreiheit als optisch imposantere 20-Zöller. Die Allradversionen Platinum und Platinum plus rollen serienmäßig auf 20 Zoll.

Weniger gelungen sind die in der C-Säule versteckten hinteren Türgriffe. Praktisch hingegen: Die Türen ziehen sich weit über die Schweller. Diese bleiben dadurch weitgehend sauber, was beim Ein- und Aussteigen verschmutzte Hosenbeine verhindert. Der Klang beim Schließen passt jedoch nicht zum ansonsten massiven Auftritt. Die Türen fallen nicht mit jener satten Ruhe ins Schloss, die man in dieser Preisklasse erwarten darf, sondern schwingen hörbar nach.

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Unter der vorderen Haube gibt es keinen zusätzlichen Gepäckraum. Ein Frunk wäre gerade für das Ladekabel praktisch gewesen. Wird es unter dem Kofferraumboden verstaut und liegt darüber Reisegepäck, muss an der Ladesäule erst ausgeladen werden. Der vorhandene Bauraum wird vollständig von Technik und Leistungselektronik belegt.

Innenraum: gute Verarbeitung, wechselhafte Materialien

Das Cockpit gehört zu den interessantesten Bereichen des Uncharted. Das scheinbar frei schwebende Armaturenbrett, eine kupferfarbene Zierleiste und die über die Breite angedeutete Luftausströmer-Grafik erzeugen eine futuristische Lounge-Atmosphäre. Die tatsächlichen Lüftungsöffnungen befinden sich nur an den äußeren Bereichen. Optisch erinnert die Architektur entfernt an den früheren BMW i3, ohne ihn direkt zu kopieren.

Der erste Eindruck ist besser als das Materialbild im Detail. Subaru fügt die Bauteile sauber und präzise zusammen. Klappern oder Scheppern war auch auf Kopfsteinpflaster nicht zu hören. Gleichzeitig bestehen große Bereiche aus hartem Kunststoff, der weder besonders hochwertig aussieht noch sich so anfühlt. Verarbeitung und Materialqualität müssen deshalb getrennt betrachtet werden: Erstere überzeugt, Letztere nur teilweise. Positiv fallen die Bezüge aus Ledernachbildung auf. Das Material an Sitzen und Lehnen fühlt sich angenehm und erstaunlich lederähnlich an. Der Fahrersitz ist zehnfach elektrisch einstellbar und besitzt Lendenwirbelstütze, Memory-Funktion und Komfortausstieg. Der Beifahrersitz lässt sich achtfach elektrisch verstellen. Sitzheizung gibt es vorne sowie auf den beiden äußeren Fondplätzen, das Lenkrad wird ebenfalls beheizt.

Weniger überzeugend ist die Mittelarmlehne. Ihr Deckel lässt sich zwar clever zu beiden Seiten öffnen, wirkt aber weich, etwas klebrig und nicht ausreichend stabil. Gerade an einer Fläche, die Fahrer und Beifahrer häufig berühren, fällt das stärker auf als harter Kunststoff in weniger prominenten Bereichen.

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Das sieben Zoll große Fahrerdisplay sitzt weit hinten und hoch auf dem Armaturenbrett. Es soll Tacho und einen Teil der Aufgaben eines Head-up-Displays zusammenführen. Die Idee ist kosteneffizient und grundsätzlich schlüssig, funktioniert aber nicht für jede Statur gleich gut, denn in mancher Sitzposition verdeckte der Lenkradkranz zunächst Teile der Anzeige.

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Das oben und unten abgeflachte Subaru-Lenkrad unterscheidet den Uncharted sichtbar vom Toyota C-HR+. Es ist relativ klein und liegt gut in der Hand, trägt allerdings viele Tasten. Links finden sich unter anderem Audio-, Telefon- und Displayfunktionen, rechts die Bedienung der Geschwindigkeitsregelung und Spurführung. Nach kurzer Eingewöhnung lässt sich das beherrschen, logisch selbsterklärend ist die Verteilung nicht immer.

Im Zentrum steht ein 14-Zoll-Touchscreen. Das System reagiert zügig und bietet kabelloses Apple CarPlay sowie Android Auto. Zwei Smartphones können nebeneinander induktiv geladen werden – ein großzügiges und alltagstaugliches Detail. Dazu kommen jeweils zwei USB-C-Anschlüsse vorne und hinten. Die Fahrstufe wird über einen kompakten Dreh- und Schiebeschalter gewählt. Auch diese Lösung wirkt zunächst ungewohnt, ist nach wenigen Fahrten aber problemlos bedienbar.

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Die 360-Grad-Kamera hilft beim Rangieren, überzeugt jedoch nicht mit ihrer Darstellung. Starke Verzerrungen, eine mäßige Auflösung und die künstlich zusammengesetzte Vogelperspektive vermitteln zwar einen groben Überblick, wirken für ein neues Auto aber nicht mehr zeitgemäß. Dass Fahrzeugkameras hohe Anforderungen an Temperatur-, Nässe- und Vibrationsbeständigkeit erfüllen müssen, erklärt einen Teil des Unterschieds zu modernen Unterhaltungskameras – die sichtbare Qualität bleibt trotzdem enttäuschend.

Zum Active gehört ein Harman/Kardon-System mit zehn Lautsprechern, Subwoofer und Achtkanal-Verstärker. Seine Eckdaten klingen aufwendiger als das Hörerlebnis. Der Klang ist ordentlich, erreicht aber weder die Feinzeichnung noch die räumliche Präzision, die der Markenname erwarten lässt.

Galerie: Subaru Uncharted (2026): Interieur, Cockpit, Sitze, Fondbereich, Bedienung - Detailaufnahmen

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Ordentliches Platzangebot, aber kein Raumwunder

Vorne sitzt man hoch und blickt gut über die Haube. Auch zur Seite ist die Übersicht ordentlich, nach hinten schränkt die coupéhaft abfallende Dachlinie naturgemäß etwas – aber nur minimal – ein. Im Fond stehen ausreichende Knie- und Beinfreiheit zur Verfügung. Der Einstieg fällt wegen des schmalen Ausschnitts zwischen hinterem Radkasten, Türöffnung und Dachlinie weniger bequem aus. Auch die Kopffreiheit ist nicht üppig. Sind die Passagiere erst einmal an Bord, lässt es sich hinten dennoch entspannt reisen.

Der Kofferraum fasst beim 77 FWD Active 403 Liter. Mit umgeklappten Rücksitzlehnen werden es bis zur Fensterlinie 1.089 Liter und bei dachhoher Beladung maximal 1.323 Liter. Das genügt für den Alltag, ist bezogen auf 4,54 Meter Außenlänge jedoch kein Spitzenwert. Der zweiteilige Ladeboden lässt sich in der Höhe verstellen und schafft darunter Platz für Kabel und Kleinteile. Die Gepäckraumabdeckung sowie einige ihrer Aufnahmen wirken allerdings einfach und lösen sich zu leicht aus ihrer Position.

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Ein nützliches Merkmal sitzt an der Seitenwand des Gepäckraums: Die serienmäßige 220-Volt-Steckdose liefert maximal 1.500 Watt. Damit lassen sich beispielsweise eine Kühlbox, ein Notebook, Kamera- und Werkzeugakkus oder eine kleine Kaffeemaschine betreiben. Bei Geräten mit Elektromotor, Kompressor oder Heizfunktion muss neben der Dauerleistung auch der mögliche Anlaufstrom beachtet werden.

224 PS reichen dem Fronttriebler vollkommen

Der Permanentmagnet-Synchronmotor an der Vorderachse leistet für sich genommen 167 kW beziehungsweise 227 PS. Als freigegebene Systemleistung nennt Subaru 224 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 268 Newtonmeter. Aus dem Stand beschleunigt der knapp 1,92 Tonnen schwere Uncharted in 7,3 Sekunden auf 100 km/h, bei 160 km/h endet der Vortrieb elektronisch. Im Alltag fehlt es nicht an Leistung. Der Motor spricht spontan an und zieht bis in mittlere Geschwindigkeiten kräftig durch. Beim energischen Beschleunigen können die Vorderräder kurz um Traktion ringen. Das bleibt beherrschbar, zeigt aber, warum noch mehr Leistung an der Vorderachse wenig sinnvoll wäre. Der 343 PS starke AWD verteilt seine Kraft dagegen auf beide Achsen und erreicht Tempo 100 in 5,0 Sekunden.

Der Fronttriebler wirkt nicht spektakulär, sondern angemessen motorisiert. Genau das passt zu seinem Charakter. Auf der Autobahn beschleunigt er gleichmäßig bis zur Höchstgeschwindigkeit. Bei angezeigten 166 km/h lagen im Test rund 160 km/h nach GPS an. Auch dann blieb der Uncharted spurtreu, leise und vertrauenerweckend. Oberhalb dieses Bereichs würde die leichtgängige Lenkung vermutlich mehr Widerstand und Direktheit benötigen; mit der gewählten Begrenzung wirkt das Gesamtpaket stimmig.

Die Fahrprogramme beschränken sich beim Fronttriebler auf Normal, Eco und Snow. Im Eco-Modus reagiert das Fahrpedal etwas weniger sensibel. Eine grundlegende Veränderung des Fahrzeugcharakters findet nicht statt. Der Snow-Modus soll die Kraftabgabe auf rutschigem Untergrund kontrollierbarer gestalten.

Fahrwerk: Hier findet der Uncharted seinen eigenen Charakter

Ausgerechnet beim Fahrwerk liefert der Uncharted eines seiner überzeugendsten Argumente. Die Abstimmung verbindet eine feste Grundhaltung mit genügend Nachgiebigkeit für schlechte Straßen. Auf Kopfsteinpflaster bleibt die Karosserie ruhig; aus dem Innenraum dringen kaum Knarz- oder Klappergeräusche. Das deutet auf eine hohe Struktursteifigkeit hin. Akustisch helfen zudem die doppelt verglasten vorderen Seitenscheiben.

Auf der Landstraße lenkt der Subaru relativ präzise ein und folgt der gewählten Linie unaufgeregt. Das kleine Lenkrad unterstützt den handlichen Eindruck. Der Aufbau wankt nach Unebenheiten leicht nach, ohne schwammig zu werden. So entsteht ein brauchbarer Kompromiss: komfortabel genug für Schlaglöcher und schlechtere Wege, zugleich straff genug für klare Rückmeldung und stabile Kurvenfahrt. Ein Sportwagen ist der Uncharted logischerweise nicht, versucht es aber auch nicht zu sein. Sein Fahrverhalten ist ausgewogen, berechenbar und erstaunlich homogen. Gerade weil die Hardware weitgehend mit dem Toyota übereinstimmt, wird die Abstimmung zu einem zentralen Differenzierungsmerkmal. Im Test ist zumindest erkennbar, dass Subaru nicht nur Embleme ausgetauscht hat: Lenkung, Federung und Karosseriekontrolle passen zum robusten Anspruch der Marke, ohne künstlich auf Geländewagen zu machen.

Fünf Rekuperationsstufen direkt am Lenkrad

Über zwei Wippen hinter dem Lenkrad lässt sich die Rekuperation in fünf Stufen verändern. Das ist praktischer als eine Einstellung in einem verschachtelten Bildschirmmenü. Vor Kurven, Ortseingängen oder auf Gefällestrecken kann die Verzögerung spontan angepasst werden.

Für gleichmäßige Landstraßen- und Autobahnfahrt bevorzugten wir die schwächste Stufe beziehungsweise weitgehend freies Rollen. Wer vorausschauend fährt, nutzt die Bewegungsenergie damit häufig effizienter, als sie zunächst in Strom und später wieder in Vortrieb umzuwandeln. Beim Betätigen des Bremspedals verzögert der Uncharted zunächst regenerativ und nimmt anschließend die mechanischen Bremsen hinzu. Dieser Übergang – das sogenannte Brake Blending – ist sehr sauber abgestimmt und im Alltag kaum wahrnehmbar.

Verbrauch: sparsam in der Stadt, deutlich durstiger auf der Autobahn

Subaru nennt für den Uncharted 77 FWD Active einen WLTP-Verbrauch von 13,8 kWh pro 100 Kilometer und bis zu 592 Kilometer kombinierte Reichweite. Im Stadtzyklus stehen sogar 816 Kilometer im Datenblatt. Derart hohe Werte zeigen vor allem, wie effizient ein Elektroantrieb bei niedrigem Tempo arbeiten kann. Sie sind nicht mit einer realistischen Autobahnreichweite gleichzusetzen. Das bestätigte der Praxistest. Im überwiegend städtischen Betrieb sank der Ladestand erstaunlich langsam. Nach mehreren, wenn auch nicht besonders langen Fahrten über rund eineinhalb Wochen zeigte der Akku noch 94 Prozent an. Auf einer gut 400 Kilometer langen Strecke in Richtung Mannheim wurde bei überwiegend 120 bis 130 km/h und dem Wunsch nach einer Sicherheitsreserve einmal nachgeladen. Unter höherem Autobahntempo zeigte der Bordcomputer etwa 22 kWh pro 100 Kilometer an.

Der über rund 4.000 Kilometer im Testwagen gespeicherte Gesamtdurchschnitt lag bei 18,7 kWh pro 100 Kilometer. Darin waren nach unserer Einschätzung Stadt-, Landstraßen- und Autobahnanteile enthalten. Bei 18,7 kWh pro 100 Kilometer ergäbe sich aus 77 kWh rechnerisch eine Reichweite von rund 412 Kilometern. Bei 22 kWh wären theoretisch etwa 350 Kilometer möglich. In der Praxis sollte vor allem auf der Autobahn eine Reserve eingeplant werden.

Die Reichweitenprognose reagiert sichtbar auf die Klimatisierung. Bei 24 Grad Außentemperatur und auf 20 Grad eingestellter Klimaanlage sprang die Anzeige beim Ausschalten von 364 auf 387 Kilometer. Bei deutlich höheren Außentemperaturen fiel die Differenz im Test zeitweise größer aus. Das bedeutet nicht, dass die Klimaanlage augenblicklich 23 oder gar 50 Kilometer verbraucht. Der Bordcomputer berechnet vielmehr eine neue Prognose aus dem erwarteten Energiebedarf. Trotzdem zeigt die Reaktion, wie stark Nebenverbraucher und Temperatur die kalkulierte Restreichweite beeinflussen können.

Wer häufig mit 150 oder 160 km/h über deutsche Autobahnen fährt, erlebt den Uncharted deshalb nicht von seiner besten Seite. Luftwiderstand und Leistungsbedarf lassen Verbrauch und Ladestand schnell steigen beziehungsweise fallen. Für den täglichen regionalen Einsatz, Pendelstrecken und gemischte Fahrprofile passt der Antrieb deutlich besser. Das ist keine Besonderheit dieses Subaru, tritt bei seiner relativ hohen Karosserie aber klar hervor.

Laden: 150 kW DC, dafür starke 22 kW mit Wechselstrom

Am Schnelllader erreicht der Uncharted maximal 150 kW. Diese Spitzenleistung ist heute solide, aber nicht klassenführend. Im Test lag sie nur in einem begrenzten Ladefenster an; mit zunehmendem Ladestand bewegte sich die Leistung häufig im Bereich von etwa 90 bis 100 kW. Subaru nennt rund 30 Minuten für den üblichen Hub von zehn auf 80 Prozent. Unter günstigen Bedingungen erschien ein Bereich von rund 25 bis 30 Minuten aus niedrigerem Ladestand bis 80 Prozent realistisch. Eine vollständige Ladekurve wurde dabei allerdings nicht dokumentiert, weshalb daraus kein normierter Ladetest abzuleiten ist.

Stärker ist der Uncharted beim Laden mit Wechselstrom. Das dreiphasige 22-kW-Ladegerät gehört serienmäßig zum Fahrzeug. Viele Konkurrenten schaffen an Wallbox und öffentlicher AC-Säule lediglich 11 kW. Unser Testwagen lud an einer entsprechend leistungsfähigen Säule von 18 auf 98 Prozent in ungefähr zwei Stunden und 58 Minuten. Für Nutzer, die regelmäßig an städtischen AC-Säulen laden, ist das ein echter Vorteil und im Alltag unter Umständen wertvoller als eine kurzzeitig höhere DC-Spitze.

Eine Wärmepumpe und die Vorkonditionierung der Batterie sind ebenfalls serienmäßig. Das passt zur Gesamtstrategie des Fahrzeugs: keine spektakuläre 800-Volt-Technik, dafür eine alltagstaugliche Kombination aus großer Batterie, ordentlicher Schnellladeleistung und überdurchschnittlichem AC-Lader.

Assistenzsysteme: gute Spurführung, langsamer Spurwechsel

Die umfangreiche Sicherheitsausstattung umfasst unter anderem adaptive Abstandsregelung, Spurzentrierung, Verkehrszeichenerkennung, Totwinkelüberwachung, Querverkehrassistenten und einen proaktiven Fahrassistenten. Viele Funktionen lassen sich über zwei Menüseiten konfigurieren oder deaktivieren. Die Fahrerüberwachung bleibt jedoch aktiv. Eine Kamera beobachtet, ob der Blick zu lange von der Straße abweicht, und fordert gegebenenfalls zur Aufmerksamkeit auf.

Die Spurführung arbeitete im Test zuverlässig und hielt den Uncharted sauber in der Mitte. Positiv fiel das kapazitive Lenkrad auf: Eine leichte Berührung genügt, um die Anwesenheit der Hände zu erkennen. Systeme, die lediglich einen Lenkmoment-Impuls verlangen, wirken im Vergleich weniger natürlich.

Auch automatische Spurwechsel nach Betätigung des Blinkers sind möglich. Das System überprüft die Umgebung, wechselt selbstständig die Spur und kann anschließend wieder einscheren. Technisch funktioniert das überwiegend, agiert aber sehr zurückhaltend. Die Manöver dauern deutlich länger als ein sauber ausgeführter manueller Spurwechsel. Bei einer kleineren Lücke brach das System einen Versuch ab. Das ist sicherheitsorientiert, kann im dichten Autobahnverkehr jedoch unpraktisch sein. Die Verantwortung verbleibt ohnehin jederzeit beim Fahrer.

Hilfreich ist der Hinweis auf schnell von hinten herannahende Fahrzeuge. Gerade bei längeren Überholvorgängen macht die Anzeige zusätzlich auf Verkehr aufmerksam, der sich auf der linken Spur nähert. Der proaktive Fahrassistent kann außerdem schon ohne aktivierte Abstandsregelung auf ein vorausfahrendes Auto reagieren und das Tempo reduzieren. Wer möglichst unbeeinflusst fahren möchte, kann auch diese Funktion abschalten.

Preis und Ausstattung: Active ist nahezu komplett

Die Active-Version verlangt kaum nach zusätzlichen Optionen. Zum Serienumfang zählen unter anderem die elektrisch verstellbaren Sitze, Sitzheizung vorn und hinten, zweistufige Lenkradheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektrische Heckklappe, digitaler Innenspiegel, 360-Grad-Kamera, Harman/Kardon-Audiosystem, Wärmepumpe, 22-kW-AC-Lader und die 1.500-Watt-Steckdose im Gepäckraum. Damit relativiert sich der Grundpreis von 43.490 Euro zumindest teilweise. Unser Testwagen kostet mit Lackierung und Matten 44.629 Euro und ist damit praktisch fertig konfiguriert. Subaru verzichtet auf eine lange Liste kostspieliger Einzeloptionen. Das schafft Preistransparenz und verhindert, dass ein attraktiv beworbenes Basismodell im Konfigurator plötzlich erheblich teurer wird.

Abstriche werden bei Materialien, Detailausführung und Kameraqualität sichtbar. Diese Einsparungen betreffen eher die Anmutung als die grundlegende Funktion. Dem gegenüber stehen ein sauber montierter Innenraum, ein gutes Fahrwerk, viel Komfortausstattung und ein für die Größe akzeptables Leergewicht von offiziell 1.916 Kilogramm ohne Fahrer.

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Mit Frontantrieb darf der Uncharted 750 Kilogramm gebremst oder ungebremst ziehen. Für kleine Anhänger reicht das, die 1.500 Kilogramm Anhängelast der Allradversion erreicht er jedoch nicht. Wer regelmäßig schwere Anhänger bewegt oder tatsächlich abseits befestigter Wege fährt, findet im AWD das markentypischere Angebot. Für Reichweite, Preis und normalen Alltag ist der FWD vernünftiger.

Mehr als Badge Engineering – aber nicht viel mehr

Der Uncharted ist technisch so eng mit dem Toyota C-HR+ verwandt, dass die Bezeichnung Badge Engineering nicht völlig falsch ist. Ein bloßer Einkauf fertiger Toyota-Fahrzeuge zum üblichen Marktpreis ist die Kooperation dennoch nicht. Beide Unternehmen teilen Entwicklung, Komponenten, Produktionskapazitäten und Risiken. Subaru vermeidet dadurch die Milliardenkosten einer vollständig eigenen Elektroarchitektur und kann ein konkurrenzfähiges Modell zu einem noch vertretbaren Preis anbieten.

Für Europa besitzt das Auto wahrscheinlich zusätzlich regulatorische Bedeutung. Subaru verkauft traditionell relativ schwere Benziner und Hybride mit Allradantrieb. Jeder neu zugelassene Uncharted geht dagegen mit null Gramm CO₂ pro Kilometer in die europäische Flottenberechnung ein. Es ist nicht offiziell belegt, dass das Modell primär zur Vermeidung möglicher Abgaben entstand. Der Zusammenhang ist als strategische Einordnung trotzdem naheliegend: Das gemeinsam entwickelte Elektroauto erweitert nicht nur das Angebot, sondern senkt zugleich den durchschnittlichen offiziellen Flottenwert.

Gerade der 77 FWD ist dafür entscheidend. Er bietet die höchste Normreichweite, kostet weniger als der AWD und dürfte für mehr Kunden relevant sein. Für die CO₂-Bilanz zählt letztlich nicht, ob ein Subaru permanenten Allradantrieb besitzt, sondern ob das Elektroauto tatsächlich verkauft und zugelassen wird.

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Fazit: Der vernünftigste Uncharted ist der untypischste Subaru

Der Subaru Uncharted 77 FWD Active ist kein elektrischer Outback und auch kein klassischer Subaru mit neuem Antrieb. Dafür teilt er zu viele Eigenschaften mit dem Toyota C-HR+. Wer einen eigenständigen technischen Entwurf erwartet, wird enttäuscht. Wer dagegen ein vernünftig ausgestattetes Elektro-SUV sucht, sollte den Subaru gerade wegen dieser Verwandtschaft nicht vorschnell aussortieren. Seine größten Stärken sind das ausgewogene und präzise Fahrwerk, der ruhige Innenraum, die sehr umfangreiche Active-Ausstattung und das serienmäßige 22-kW-AC-Laden. Auch 224 PS, 211 Millimeter Bodenfreiheit und die praktische Steckdose im Kofferraum passen gut zum Alltag. Der Fronttriebler fährt sich kräftig genug, ohne mit übertriebener Leistung Reichweite und Preis unnötig zu belasten.

Kritik verdienen die wechselhafte Materialqualität, der wenig satte Türklang, die mäßige 360-Grad-Kamera, einzelne ergonomische Fragen rund um Lenkrad und Fahrerdisplay sowie der fehlende Frunk. Die offizielle Reichweite von 592 Kilometern ist im Alltag kaum erreichbar. Auf schnellen Autobahnetappen steigt der Verbrauch deutlich; hier bleiben Verbrenner und insbesondere Diesel bei Reichweite und Reisegeschwindigkeit im Vorteil. Für regionale Fahrten, Pendelstrecken und gelegentliche Reisen ergibt das Paket trotzdem Sinn. Der Uncharted ist nicht das Auto für tägliche 600-Kilometer-Etappen mit hohem Autobahntempo. Er ist ein komfortabler, gut ausgestatteter und angenehm fahrender Elektro-Crossover, dessen Prioritäten nachvollziehbar gesetzt wurden.

Ob er mehr überzeugt als der Toyota C-HR+, hängt am Ende von Preis, Garantie, Händlernähe und dem persönlichen Eindruck der Fahrwerksabstimmung. Der Subaru ist nicht eigenständig genug, um seine Herkunft zu verbergen. Er ist aber gut genug abgestimmt, um mehr zu sein als nur ein Toyota mit anderem Emblem. Ausgerechnet der Fronttriebler ohne die beiden traditionellen Subaru-Kennzeichen – Boxer und Allrad – ist damit vermutlich der sinnvollste Uncharted.

Technische Daten: Subaru Uncharted 77 FWD Active

EigenschaftWert
AntriebFrontantrieb
ElektromotorPermanentmagnet-AC-Synchronmotor
Systemleistung165 kW (224 PS)
Maximales Drehmoment268 Nm
Getriebe1-Gang-Reduktionsgetriebe
Batteriekapazität77,0 kWh
WLTP-Verbrauch kombiniert13,8 kWh/100 km
WLTP-Reichweite kombiniertbis zu 592 km
WLTP-Reichweite Stadtbis zu 816 km
AC-Ladeleistungmaximal 22 kW, dreiphasig
DC-Ladeleistungmaximal 150 kW
DC-Ladezeit 10–80 Prozentrund 30 Minuten laut Hersteller
Beschleunigung 0–100 km/h7,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Leergewicht1.916 kg ohne Fahrer
Zulässiges Gesamtgewicht2.520 kg
Länge4.535 mm
Breite ohne Außenspiegel1.870 mm
Breite einschließlich Außenspiegel2.117 mm
Höhe1.625 mm
Radstand2.750 mm
Bodenfreiheit211 mm
Wendekreis11,8 m
Kofferraumvolumen403 Liter
Ladevolumen bei umgeklappter Rückbank1.089 Liter bis Fensterlinie
Maximales Ladevolumen1.323 Liter, dachhoch
Anhängelast gebremst/ungebremst750 kg
Maximale Stützlast75 kg
Räder Active18 Zoll, 235/60 R18
Steckdose im Kofferraum220 Volt, maximal 1.500 Watt
Grundpreis Active43.490 Euro
Preis des Testwagens44.629 Euro
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Benjamin Brodbeck

Autos waren für Benjamin nie nur Fortbewegungsmittel. Seine Faszination begann bereits in frühester Kindheit – familiär geprägt durch die Nähe zu Porsche in Zuffenhausen und die Erfahrung, dass Fahrzeuge Charakter, Geschichte und eine ganz eigene Persönlichkeit haben können. Heute ist er Herausgeber von AUTOmativ.de und arbeitet als Journalist an der Schnittstelle von Automobilen, Technologie und Wirtschaft. Er sucht nach der Seele in Autos: nach Konzepten, die überzeugen, nach Fahrzeugen mit echtem Charakter und nach den Menschen hinter den Ideen. Mit Gesprächen, Analysen und Reportagen ordnet er die Entwicklungen der Automobilwelt ein – immer mit dem Blick für Technik, Emotion und die Geschichten, die eine Branche verändern.

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