Vorsicht vor gefälschten Insolvenzverkäufen: BMW X5 zum Schnäppchenpreis entpuppt sich als Betrugsverdacht
Ein nahezu neuer BMW X5 für weniger als 50.000 Euro? Was zunächst nach einem außergewöhnlich günstigen Fahrzeugangebot aus einer Insolvenzmasse aussieht, kann schnell zur kostspieligen Falle werden. Ein aktueller Fall zeigt, wie professionell vermeintliche Insolvenzverkäufe inzwischen aufgezogen werden – welche Verbände davor warnen und worauf Autokäufer unbedingt achten sollten.
Sind Insolvenzfahrzeuge wirklich günstiger?
Ein BMW X5 xDrive40d M Sport Pro, Erstzulassung Juli 2025, gerade einmal 11.541 Kilometer gelaufen, 352 PS und umfangreich ausgestattet: Für 47.399 Euro inklusive Mehrwertsteuer wird das Fahrzeug in einem als „Veräußerungskatalog“ bezeichneten PDF-Dokument angeboten und gezielt an Großverteiler geschickt. Auch an unsere Redaktion werden solche Veräußerungskataloge regelmäßig geschickt. Vergleichbare Fahrzeuge kosten auf dem regulären Gebrauchtwagenmarkt erheblich mehr. Der Katalog trägt den Namen einer tatsächlich existierenden Rechtsanwaltskanzlei aus Halle (Saale) und ist mit Aktenzeichen, Fahrzeugbildern, technischen Daten und Kontaktdaten versehen.
Angeblicher Insolvenzverkauf: Vorkasse und Lieferung nach 10 bis 15 Tagen
Auf den ersten Blick wirkt das Angebot professionell und glaubwürdig. Auf telefonische Nachfrage wurde erklärt, die angebotenen Fahrzeuge befänden sich beim Amtsgericht Kiel. Ein Kauf sei per Vorkasse möglich, die Auslieferung erfolge anschließend innerhalb von 10 bis 15 Tagen. Gerade diese Kombination gibt Anlass zu erheblichem Misstrauen. Insolvenzgerichte sind grundsätzlich keine Fahrzeuglager oder Verkaufsstellen. Die Verwertung von Fahrzeugen erfolgt normalerweise durch Insolvenzverwalter oder beauftragte Verwertungsunternehmen. Eine Vorauszahlung ist bei Insolvenzverkäufen zwar nicht grundsätzlich ungewöhnlich, Käufer sollten jedoch vorab die Identität des Verkäufers, dessen Verfügungsberechtigung und die Existenz des Fahrzeugs unabhängig überprüfen können.
Hinzu kommt eine auffällige Abweichung bei den Kontaktdaten: Die Telefonnummer des Verkaufskatalogs stimmt zwar mit der dort genannten Kanzleiwebsite überein, mehrere unabhängige Branchenverzeichnisse führen jedoch andere Telefonnummern. Das allein beweist keinen Betrug, ist aber ein weiterer Grund, die Herkunft des Angebots zu hinterfragen.
Betrüger nutzen Namen echter Insolvenzverwalter
Die Masche ist nicht neu. Polizei und Branchenverbände warnen vor vermeintlichen Insolvenzverkäufen, bei denen professionell gestaltete Fahrzeugkataloge, besonders niedrige Preise und die Namen tatsächlich existierender Rechtsanwälte eingesetzt werden. Häufig sollen Interessenten den vollständigen Kaufpreis überweisen, bevor sie das Fahrzeug überhaupt gesehen haben. Ob der hier vorliegende Katalog tatsächlich von der genannten Kanzlei stammt, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.
Ebenso wenig ist nachgewiesen, dass der angebotene BMW X5 zur angegebenen Insolvenzmasse gehört. Ein Betrug ist damit im konkreten Fall nicht abschließend belegt. Die Übereinstimmungen mit bekannten Betrugsmaschen sind jedoch erheblich.
So schützen sich Autokäufer vor falschen Insolvenzangeboten
Wer ein Fahrzeug aus einer Insolvenzmasse kaufen möchte, sollte die Kanzlei über unabhängig recherchierte Kontaktdaten erreichen, das Insolvenzverfahren über das offizielle Portal der Insolvenzbekanntmachungen prüfen und die Fahrzeugidentifikationsnummer sowie den tatsächlichen Standort verlangen. Eine Besichtigung sollte zumindest angefragt werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ausschließlich eine vollständige Vorauszahlung akzeptiert wird, die Fahrzeugbesichtigung nicht möglich sein soll oder eine Lieferung erst mehrere Tage nach Geldeingang versprochen wird.
Ein ungewöhnlich niedriger Preis ist noch kein Betrugsbeweis. Wenn jedoch ein nahezu neuer Premium-SUV weit unter Marktwert angeboten wird und gleichzeitig erhebliche Unsicherheiten bei Verkäuferidentität, Fahrzeugstandort und Zahlungsabwicklung bestehen, sollten Interessenten von einer Überweisung absehen, bis sämtliche Angaben unabhängig überprüft sind.

