Historischer Bosch-Motortester im Porsche Zentrum Hannover: So funktionierte die Fahrzeugdiagnose früher
Ein großer Bildschirm, zahlreiche Messleitungen und ein fahrbarer Geräteschrank: Um auch Porsche Classic Kunden fachgerecht und optimal bedienen zu können, wird im Porsche Zentrum Hannover unter einigen historischen Geräten auch ein ebenfalls historischer Bosch-Motortester genutzt – im Porsche-Design. Bei einem Werkstattrundgang hatten wir das Gerät entdeckt. Es zeigt, mit welcher Messtechnik Porsche-Werkstätten vor der Einführung moderner digitaler Diagnosesysteme arbeiteten – und dies auch heutzutage noch gezielt einsetzen (müssen).
Als die Fehlersuche am Porsche noch echte Detektivarbeit war
Wer heute einen Porsche zur Inspektion oder Fehlersuche in die Werkstatt bringt, bekommt von der eigentlichen Diagnose meist wenig mit. Ein Computer wird angeschlossen, Steuergeräte werden ausgelesen und mögliche Fehler lassen sich häufig innerhalb weniger Minuten eingrenzen.
Vor einigen Jahrzehnten war das noch eine andere Welt: Wenn beispielsweise ein Porsche 911 G-Modell schlecht ansprang, der Motor unrund lief oder plötzlich Leistung fehlte, begann für den Mechaniker die Suche nach der Ursache – mit technischem Verständnis, Erfahrung und umfangreicher Messtechnik. Genau dafür wurden Geräte wie der historische Bosch-Motortester eingesetzt. Über zahlreiche Messleitungen konnten Drehzahl, Zündzeitpunkt und elektrische Signale direkt am Motor erfasst werden.

Ein integriertes Oszilloskop machte beispielsweise sichtbar, ob die Zündanlage ordnungsgemäß arbeitete oder einzelne Zylinder Auffälligkeiten zeigten. Was heute teilweise über digitale Steuergerätediagnose möglich ist, erforderte damals zahlreiche einzelne Messungen und deren fachkundige Interpretation. Und auch heute ist dieses Wissen keineswegs überholt: Bei der Wartung und Reparatur klassischer Porsche, insbesondere älterer 911-Generationen, gehören solche Messverfahren weiterhin zum Handwerkszeug der Spezialisten – auch wenn dafür inzwischen meist modernere Geräte zum Einsatz kommen.
Bosch-Motortester: Zündungsdiagnose mit dem Oszilloskop
Zu den historischen Bosch-Prüfgeräten gehören unter anderem die Kombinationen MOT 300/400 aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren sowie deren Nachfolger MOT 301/401. Die Geräte verbanden klassische elektrische Messtechnik mit einem Oszilloskop zur Darstellung von Zündsignalen. Je nach Ausführung ließen sich damit unter anderem Motordrehzahl, Schließwinkel und elektrische Spannungen messen.
Das Oszilloskop machte außerdem den zeitlichen Verlauf der Zündspannung sichtbar. Abweichungen konnten beispielsweise auf Fehler an Zündkerzen, Zündleitungen oder anderen Komponenten der Zündanlage hinweisen. Anders als bei heutigen Diagnosesystemen mussten zahlreiche Messwerte unmittelbar am Motor beziehungsweise an der Fahrzeugelektrik abgegriffen werden. Dafür waren die vielen Messleitungen und Sensoren erforderlich.

Bosch-Prüftechnik für den Porsche 911 Carrera
Dass Porsche flächendeckend entsprechende Bosch-Motortester einsetzte, belegen auch historische Werkstattunterlagen. Für den Porsche 911 Carrera 3.2 des Modelljahres 1985 wird beispielsweise die Kombination Bosch MOT 300/400 als Motortester mit Oszilloskop aufgeführt.
Mit der zunehmenden Verbreitung elektronischer Motorsteuerungen veränderte sich auch die Werkstattdiagnose. Ab Ende der 1980er-Jahre ermöglichten kompaktere Diagnosetester wie der Bosch KTS 300 die direkte Kommunikation mit elektronischen Steuergeräten. Der im Porsche Zentrum Hannover erhaltene Bosch-Motortester dokumentiert diese Entwicklung. Während damals umfangreiche Messgeräte und zahlreiche Kabel zur Untersuchung der Motorfunktionen benötigt wurden, können moderne Diagnosesysteme viele Informationen direkt aus den Fahrzeugsteuergeräten auslesen.

