Mit dem VW Amarok V6 PanAmericana mit Seikel-Offroad-Umbau durch das Rif-Gebirge in Marokko
Marokko ist eines dieser Länder, in denen ein Fahrzeug seinen Charakter zeigen muss. Zwischen Atlantikküste, Atlas- und Rif-Gebirge wechseln sich breite Asphaltstraßen, enge Bergpässe, Schotterpisten und abgelegene Wege ab. Gerade der Norden des Landes bietet mit dem Rif-Gebirge eine Landschaft, die für Offroad-Fahrzeuge wie geschaffen scheint: kurvige Bergstraßen, trockene Täler, felsige Passagen und immer wieder weite Blicke über eine Region, die touristisch deutlich weniger erschlossen ist als viele andere Teile Marokkos. Wir sind mit dem aktuellen Volkswagen Amarok unterwegs – genauer gesagt mit einem Amarok PanAmericana mit dem 241 PS starken V6-TDI und umfangreichen Offroad-Anpassungen. Die Tour zeigt dabei nicht nur die Landschaft, sondern auch, wie sich der Pick-up von Volkswagen Nutzfahrzeuge im Reiseeinsatz schlägt: zwischen komfortabler Anreise, langen Etappen und anspruchsvolleren Passagen abseits befestigter Straßen.
Der Amarok: Vom Arbeitstier zum Reisefahrzeug
Der Amarok war bei Volkswagen Nutzfahrzeuge traditionell ein Fahrzeug mit klarer Aufgabe: robust sein, viel transportieren und auch dort weiterkommen, wo klassische Autos längst an ihre Grenzen stoßen. Die aktuelle Generation, die Ende 2022 vorgestellt wurde, führt diese Idee weiter, erweitert das Konzept aber deutlich. Der aktuelle Amarok ist nicht nur als klassisches Nutzfahrzeug für Handwerk, Gewerbe, Forst oder Landwirtschaft gedacht, sondern spricht zunehmend auch Kunden an, die das Fahrzeug privat für Reisen, Freizeit und Overlanding nutzen. Die Basis dafür liefert eine Kombination aus hoher Nutzlast, großer Anhängelast und moderner Technik.
Der Amarok ist als Doppelkabiner mit fünf Sitzplätzen ausgelegt und bietet mit 5,35 Metern Länge sowie 3,27 Metern Radstand viel Platz. Die Ladefläche nimmt zwischen den Radkästen sogar eine Europalette quer auf. Unter der Motorhaube unseres Testwagens arbeitet der bekannte 3,0-Liter-V6-TDI aus dem Ford-Regal. Der Sechszylinder-Diesel leistet 241 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 600 Nm bereit. Die Kraftübertragung übernimmt eine 10-Gang-Wandlerautomatik, kombiniert mit Allradantrieb.
Gerade im Gelände spielt diese Kombination ihre Vorteile aus: Der Fahrer kann zwischen verschiedenen Antriebsmodi wählen – darunter Hinterradantrieb, automatischer Allradmodus sowie Geländeprogramme mit Untersetzung. Zusätzlich stehen eine Bergabfahrhilfe und eine Hinterachs-Differenzialsperre zur Verfügung.
PanAmericana: Die Offroad-orientierte Amarok-Version
Unser Fahrzeug basiert auf der PanAmericana-Ausstattung, die innerhalb der Amarok-Baureihe besonders auf Geländeeinsätze ausgelegt ist. Serienmäßig kommt diese Variante unter anderem mit All-Terrain-Bereifung auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern, speziellen Design-Elementen und einer robusteren Ausrichtung.
Die technischen Daten unterstreichen den Anspruch: Der Amarok bietet eine Wattiefe von bis zu 800 Millimetern, einen Rampenwinkel von 21 Grad sowie einen Böschungswinkel vorne von 30 Grad. Die Anhängelast liegt bei bis zu 3,5 Tonnen, die Zuladung bei knapp über 900 Kilogramm in unserer Konfiguration. Der Tank fasst 80 Liter Diesel, ergänzt durch einen 19,3-Liter-AdBlue-Tank. Gerade auf langen Strecken durch dünn besiedelte Regionen ist diese Reichweite ein wichtiger Faktor.
Unser Testfahrzeug war zusätzlich umfangreich ausgestattet. Der Amarok PanAmericana startete in dieser Konfiguration bei 71.989 Euro. Durch Sonderausstattung wie Metallic-Lackierung in Bright Beige, Hardtop mit seitlichen Schiebefenstern, Standheizung, Anhängevorrichtung, Infotainment-Paket, Sitzpaket mit elektrischen 10-Wege-Sitzen und Assistenzpaket wuchs der Gesamtpreis auf rund 79.043 Euro. Damit bewegt sich der Amarok klar im Premiumbereich der Pick-ups – tritt dafür aber auch mit einer Ausstattung an, die eher an moderne SUV erinnert.
Für Marokko vorbereitet: Umbauten von Seikel
Für die Reise durch das Rif-Gebirge wurde der Amarok zusätzlich mit Komponenten von Seikel vorbereitet. Der Spezialist für Volkswagen-Offroad-Umbauten entwickelt seit vielen Jahren Lösungen für Fahrzeuge, die auch abseits befestigter Straßen eingesetzt werden. Ein zentraler Punkt war die Höherlegung mit dem sogenannten Raid-Fahrwerk von Koni. Dieses hebt die Karosserie um rund 50 Millimeter an und kombiniert speziell abgestimmte Koni-Stoßdämpfer mit den originalen Federn. Der größere Abstand zum Boden ist vor allem auf felsigen Passagen und tiefen Spurrillen ein Vorteil.
Zusätzlich erhielt der Amarok verschiedene Schutzmaßnahmen für den harten Einsatz: Dazu gehören Rockslider aus Stahl, die die Schweller bei Kontakt mit Felsen oder Geröll schützen. Die verstärkten Varianten können gleichzeitig als Trittstufe genutzt werden. Unter dem Fahrzeug schützen Aluminium-Unterfahrschutzplatten Motor, Vorderachsdifferenzial, Getriebe und Kraftstofftank. Gerade auf steinigen Wegen sind diese Komponenten entscheidend, denn Schäden an exponierten Bauteilen können eine Reise schnell beenden. Auch Kabelstränge im Bereich der Fahrzeugseiten können durch zusätzliche Schutzplatten abgesichert werden – ein Detail, das bei längeren Offroad-Reisen oft unterschätzt wird.

Unterwegs im Rif-Gebirge
Auf den ersten Kilometern zeigt sich der Amarok zunächst als komfortabler Reisewagen. Der V6 arbeitet souverän, die 10-Gang-Automatik hält die Drehzahl niedrig und die Geräuschkulisse bleibt auch bei höherem Tempo angenehm. Der Innenraum ist deutlich hochwertiger als bei früheren Pick-up-Generationen.
Digitales Cockpit, großes Zentraldisplay und zahlreiche Assistenzsysteme bringen den Amarok näher an moderne SUV. Gleichzeitig bleiben praktische Elemente erhalten: klassische Bedienelemente, robuste Materialien und eine klare Ergonomie. Sobald die Straße endet, verändert sich der Charakter. Die langen Federwege, der Allradantrieb und die zusätzliche Bodenfreiheit machen sich bemerkbar. Der Amarok bleibt auch auf losem Untergrund gut kontrollierbar und vermittelt viel Vertrauen.

Dabei ist er kein kompromissloser Geländewagen im Stil eines kurzen Offroaders. Mit seiner Länge von über fünf Metern braucht er Platz. Enge Kehren und verwinkelte Passagen verlangen mehr Planung als mit kleineren Fahrzeugen. Dafür bietet er etwas, das viele klassische Geländewagen nicht haben: viel Raum für Ausrüstung und eine hohe Alltagstauglichkeit.
Overlanding mit dem Amarok
Genau hier wird das Konzept interessant. Der Amarok lässt sich mit verschiedenen Aufbauten zum Reisefahrzeug erweitern. Hardtops, Dachzelte, Ladeflächenauszüge, Kühlboxen, Wasser- und Energiesysteme oder komplette Campinglösungen machen ihn zu einem mobilen Zuhause. Volkswagen zeigt gemeinsam mit Partnern wie Seikel, Frontrunner Outfitters oder Dometic unterschiedliche Möglichkeiten, wie aus dem Pick-up ein Expeditionsfahrzeug werden kann.
Die Kombination aus 3,5 Tonnen Anhängelast, großer Ladefläche und robustem Allradantrieb macht den Amarok besonders vielseitig: Unter der Woche Arbeitsgerät, am Wochenende Zugfahrzeug oder Reisebegleiter.
Fazit: Ein moderner Pick-up für viele Rollen
Die Marokko-Tour zeigt vor allem eines: Der aktuelle Amarok ist mehr als nur ein Nutzfahrzeug. Er verbindet die klassischen Stärken eines Pick-ups – Ladefläche, Robustheit und Anhängelast – mit dem Komfort moderner Fahrzeuge. Der V6-TDI passt hervorragend zum Charakter des Amarok. 600 Nm Drehmoment, die souveräne Automatik und der Allradantrieb machen ihn zu einem entspannten Begleiter auf langen Strecken und einem zuverlässigen Partner, wenn die Wege schwieriger werden. Im Rif-Gebirge zeigt sich dabei, dass nicht nur die Technik zählt. Ein gutes Reisefahrzeug muss Vertrauen schaffen – Kilometer für Kilometer, auch dort, wo Asphalt längst keine Rolle mehr spielt.
Seikel Offroad-Umbauten am VW Amarok (ab 2023)
| Options-Komponente | Preis (inkl. MwSt.) | Beschreibung und Nutzen |
|---|---|---|
| Höherlegung „KONI RAID“ | 1.619,79 € | Höherlegung der Karosserie um ca. 50 mm. Speziell abgestimmte KONI-RAID-Stoßdämpfer, ausgelegt für härtere Offroad-Belastungen. Der Teilsatz nutzt die originalen Federn. Mehr Bodenfreiheit und größere Reserven auf Geröll, Spurrillen und schlechten Wegen. |
| Rockslider | 1.589,99 € | Robuste seitliche Schweller-Schutzleisten aus Stahl. Schützen die Fahrzeugseiten und Schweller bei Felskanten oder seitlichem Aufsetzen. Schwarz-matt pulverbeschichtet, Wandstärke 2,5 mm. |
| Rockslider Plus | 1.808,00 € | Erweiterte Version mit zusätzlichem dritten Schutzrohr. Dieses kann zusätzlich als Trittstufe genutzt werden. Mehr Schutz bei härteren Geländepassagen. Stahlkonstruktion, schwarz-matt pulverbeschichtet, 2,5 mm Wandstärke. |
| Steinschlagschutz für Rockslider / Rockslider Plus | 222,01 € | Ergänzender Schutz gegen Steine, die sich in den Zwischenräumen der Rockslider verkeilen könnten. Stahlkonstruktion, nachrüstbar. |
| Schutzplatte Motor „Desert“ | 695,01 € | 5-mm-Aluminium-Unterfahrschutz für Motor, Vorderachs-Differenzialgehäuse und untere Querlenker-Anlenkpunkte. Integriert die werksseitigen Bergeösen. Schutz bei Aufsetzern auf Felsen oder Geröll. |
| Schutzplatte Getriebe | 639,01 € | 5-mm-Aluminium-Schutzplatte für das Getriebe. Verhindert Beschädigungen durch Steine, Kuppen oder harte Bodenberührungen. |
| Schutzplatte Kraftstofftank | 648,00 € | 5-mm-Aluminium-Unterfahrschutz für den Tankbereich. Besonders wichtig bei langen Offroad-Reisen, da Schäden am Tank die Tour sofort beenden können. |
| Schutzplatten Kabelbaum links/rechts | 290,00 € | Zusätzliche Aluminium-Schutzplatten für freiliegende Kabelstränge im Bereich der Fahrzeugseiten. Relevant insbesondere bei Demontage der originalen Trittstufen. |
Technische Daten im Vergleich: VW Amarok V6 TDI erste Generation vs. zweite Generation
Der Vergleich mit dem Vorgänger zeigt, dass Volkswagen den Amarok in der aktuellen Generation in Kooperation mit Ford nicht einfach nur weiterentwickelt, sondern das Konzept deutlich verschoben hat. Der neue Amarok ist größer, schwerer und komfortabler geworden. Während der alte Amarok V6 noch stärker den Charakter eines klassischen Arbeitstiers hatte, positioniert sich die aktuelle Generation stärker als vielseitiges Reise- und Nutzfahrzeug. Besonders auffällig sind die Fortschritte beim Komfort, bei der Digitalisierung und bei den Assistenzsystemen. Mit bis zu 25 verfügbaren Systemen, großem Zentraldisplay, digitalem Cockpit und höherwertigen Materialien nähert sich der Amarok deutlich stärker modernen SUV an.
Auch technisch bringt die aktuelle Generation Vorteile mit sich: Der V6-TDI liefert zwar nominell etwas weniger Spitzenleistung als der stärkste Vorgänger, bietet mit 600 Nm aber mehr dauerhaft verfügbares Drehmoment. In Kombination mit der 10-Gang-Automatik arbeitet der Motor sehr souverän – gerade auf langen Etappen oder beim Ziehen schwerer Anhänger. Ein großer Schritt nach vorne ist zudem die deutlich erhöhte Wattiefe von 800 Millimetern, die im Gelände mehr Reserven bietet. Das höhere zulässige Zuggesamtgewicht und die moderne Allradtechnik machen den Amarok zu einem sehr vielseitigen Fahrzeug für Reisen, Gewerbe und Offroad-Einsätze.
Gleichzeitig bleibt der Vorgänger in einigen Bereichen interessant. Durch sein geringeres Gewicht und die etwas kompakteren Abmessungen wirkt der alte Amarok im engen Gelände teilweise handlicher. Auch die höhere mögliche Nutzlast und Dachlast können für bestimmte Einsatzzwecke Vorteile bieten. Der neue Amarok setzt dagegen stärker auf Langstreckenkomfort und Sicherheit – und passt damit sehr gut zu einem Einsatz wie unserer Marokko-Tour: lange Anreise, viele Kilometer, wechselnde Untergründe und die Möglichkeit, viel Ausrüstung mitzunehmen.
Was der neue Amarok besser macht:
- deutlich mehr Drehmoment (600 Nm dauerhaft)
- moderne 10-Gang-Automatik
- größere Wattiefe (+300 mm)
- mehr Radstand und Innenraum
- deutlich mehr Assistenzsysteme
- höheres zulässiges Zuggewicht
- bessere Langstrecken- und Reisefähigkeit
- moderneres Cockpit
- SUV-ähnlicher Komfort
Wo der alte Amarok V6 noch Vorteile hatte:
- weniger Gewicht
- etwas kompaktere Abmessungen
- agileres Handling im engen Gelände
- höhere Nutzlast
- etwas bessere Geländewinkel hinten
- höhere dynamische Dachlast (interessant für Dachzelte)
| Vergleich der Technischen Daten der beiden VW Amarok Generationen | VW Amarok PanAmericana V6 TDI (ab 2023) | VW Amarok V6 TDI Vorgänger (bis 2022) |
|---|---|---|
| Motor | 3,0-l-V6-TDI | 3,0-l-V6-TDI |
| Bauart | Diesel, 6 Zylinder, Turbo | Diesel, 6 Zylinder, Turbo |
| Hubraum | 2.993 cm³ | 2.967 cm³ |
| Leistung | 177 kW / 241 PS | bis 190 kW / 258 PS (Performance-Version) |
| Drehmoment | 600 Nm | bis 580 Nm (Overboost kurzzeitig 600 Nm) |
| Getriebe | 10-Gang-Automatik | 8-Gang-Automatik (ZF) |
| Antrieb | 4MOTION, erweiterter zuschaltbarer Allrad (2H/4A/4H/4L) | 4MOTION permanent (je nach Version) |
| Untersetzung | Ja | Ja |
| Differenzialsperre hinten | Ja | Ja |
| 0–100 km/h | 8,8 s | ca. 7,4–8,0 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h | bis 207 km/h |
| Länge | 5.350 mm | ca. 5.254 mm |
| Breite ohne Spiegel | 1.910 mm | 1.954 mm |
| Höhe | 1.884 mm | ca. 1.834 mm |
| Radstand | 3.270 mm | 3.095 mm |
| Leergewicht | ca. 2.380–2.540 kg | ca. 2.100–2.300 kg |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 3.350 kg | ca. 3.080 kg |
| Zuladung | ca. 900 kg | bis ca. 1.100 kg |
| Anhängelast gebremst | 3.500 kg | bis 3.500 kg |
| Zuggesamtgewicht | 6.500 kg | ca. 6.000 kg |
| Tankvolumen | 80 Liter | 80 Liter |
| Wattiefe | 800 mm | ca. 500 mm |
| Bodenfreiheit Serie | ca. 237 mm | ca. 220 mm |
| Böschungswinkel vorne | 30° | ca. 28° |
| Böschungswinkel hinten | 23° | ca. 23–28° |
| Rampenwinkel | 21° | ca. 23° |
| Wendekreis | 12,93 m | ca. 12,4 m |
| Ladeflächenlänge | 1.624 mm | ca. 1.555 mm |
| Ladeflächenbreite | 1.523 mm | ca. 1.620 mm |
| Breite zwischen Radkästen | 1.206 mm | ca. 1.222 mm |
| Sitzplätze | 5 | 5 |
| Dachlast | 85 kg | bis 100 kg |

