Mehr CO2-Ausstoß im Juli 2018: Ihr seid doch alles Egoisten!

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Tja, wer hätte es gedacht: wir Deutschen kaufen jetzt weniger Diesel und mehr Benziner. Wen wundert es: Politik, Länder und Kommunen haben teils auf voller Linie versagt. Manche Medien haben dies ebenfalls, und die Diesel-Debatte weiter ignorant und egoistisch angeheizt. Dass jetzt der CO2-Ausstoß bei Neufahrzeugen gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,2 Prozentpunkte stieg, ist nicht weiter verwunderlich: sparsame Diesel-Pkw werden deutlich weniger gekauft.


Am Ende hilft nur Baldrian

Okay, dass die Verkehrsverantwortlichen der Stadt Hamburg entweder zu viel Schiffsdiesel eingeatmet oder einfach die dreistesten Bürokraten der Welt sind, ist uns allen klar. Vielleicht auch beides. Hauptsache der Verkehr wird an den Messstationen vorbeigeführt. Ob auf der deutlich längeren Strecke dann woanders viel mehr Feinstaub emittiert wird, scheint im Beamten-Alltag egal zu sein. Gut, Schwamm drüber, mir langsam auch egal. Denn: die offiziellen Messwerte in den Städten für Feinstaub – nach dem das ganze Streusalz mal endlich rausgerechnet wurde – sinken. Hurra!

Wir haben nämlich jetzt ein ganz anderes Problem. Vorher hat das ja niemand gesagt und es kam auch einfach nie jemand darauf (Achtung Ironie): mehr Zulassungen von Benzin-betriebenen Pkw verursachen mehr CO2? Ach was. Und durch WLTP und Otto-Partikelfilter stößt jedes Auto jetzt mehr CO2 aus, als zuvor? Ach was. Schade, denn der Schock kommt in ein paar Monaten, wenn die Steuer für das eigene Auto plötzlich teurer wird. Und ja, auch (und gerade wenn) die Erdenretter sich von Volkswagen abwenden und einen Franzosen kaufen. (Und den Weihnachtsmann gibt es übrigens auch nicht – wollte es nur mal angesprochen haben.)

Aber wir sind ja alles keine Egoisten. Schließlich geht es um das Weltklima. Die Erde erwärmt sich ja minütlich. Und Schuld sind die Autos – klar, wer sonst. Die zwei größten Kreuzfahrtschiffe der Welt stoßen so viel CO2 und Ruß aus, wie der gesamte Verkehr in Deutschland – und das täglich. Von den ganzen mit Öl befeuerten Riesengebäuden und Fabrikhallen ganz zu schweigen. Ein Zustand, über den man nur den Kopf schütteln – oder Baldrian-Tropfen nehmen kann.

"Kungelwirtschaft wie in einer Bananenrepublik" - so betitelte Prof. Dudenhöffer einst das Kraftfahrtbundesamt.
„Kungelwirtschaft wie in einer Bananenrepublik“ – so betitelte Prof. Dudenhöffer einst die Vorgänge im beim Kraftfahrtbundesamt.

Hand auf’s Herz: Ohne Diesel-Pkw geht es einfach nicht

Schlussfolgerung also: so lange wir Europäer – und natürlich überaus intelligente und nachhaltig lebende Weltmenschen – uns privat verständlicherweise noch so überhaupt nicht auf die Elektromobilität einlassen, benötigen wir den Diesel dringend. Sofern wir den CO2-Ausstoß senken wollen. Und das klappt dann auch nur, wenn wir uns nicht andauernd in die schwimmenden Affenfelsen einmieten. Doch auch das wird nicht funktionieren, denn die Zahlen für Schiffsreisen sind stark steigend. Ganz genau so übrigens der Bau von neuen, noch größeren mit Schweröl fahrenden Kreuzern.

Oder man sagt: wer eine Woche lang eine Kreuzfahrt macht, darf 5 Jahre kein Auto mehr fahren. Einfach, um das wieder zu kompensieren. Ich sollte in die Politik gehen. Zu den Grünen. Ja.

Die harten Zahlen und Fakten

317.848 Personenkraftwagen wurden im Juli 2018 – laut Kraftfahrtbundesamt – neu zugelassen. Gegenüber dem Vorjahres-Monat Juli ist das ein Plus von +12,3 Prozent. Woran das liegt? Möglicherweise haben einige Käufer und Käuferinnen abgewartet, bis es um das Diesel- und Fahrverbotsthema wieder etwas ruhiger wird.

Doch das Ausschlaggebende am erhöhten CO2-Wert ist der hohe Anteil an mit Benzin betriebenen Pkw: hier stiegen die Zulassungen um +24,5 Prozent. Mit einem Anteil von 62,1 Prozent war dies die am häufigsten gewählte Antriebsart. Die Anzahl der Diesel-Pkw (102 761) ging im Vergleich zum Vorjahresmonat um -10,5 Prozent zurück. Daraus resultiert natürlich ein erhöhter CO2-Ausstoß: um +2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ist dieser gestiegen.

Auch noch interessant: elektrisch betriebene Pkw wurden 2.526 Einheiten zugelassen. Das ergibt zwar eine Steigerung von +38,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, insgesamt ist das aber immer noch ein Anteil von 0,8 Prozent an den gesamten Neuzulassungen. Damit kann man nicht die Welt retten.

Platzhirsch Volkswagen

So, und als wäre das noch nicht genug, gibt es nur einen Gewinner: der VW-Konzern. Während Mercedes-Benz, BMW und Opel heftige zweistellige Verluste hinnehmen mussten, gewinnen Seat (+72,6 Prozent), Porsche (+56,0 Prozent), Volkswagen (+34,2 Prozent), Skoda (+30,9 Prozent) sowie Audi (+26,9 Prozent) zweistellig. Darüber hinaus erreichte Volkswagen mit 20,9 Prozent den größten Marktanteil an den Neuzulassungen.

Traurig, aber wahr: Tesla ging im Monat Juli um -47,2 Prozent zurück. Aber das ist ein ganz anderes Thema, das sich auch noch weiterhin entwickeln wird.

Und was sagt uns das jetzt? Wenn es hart auf hart – sprich zur Kaufentscheidung – kommt, wählen wir die höchste Qualität. Und: wir agieren im Kleinen wie der homo oeconomicus: egoistisch und – der Name sagt es – wirtschaftlich. CO2-Ausstoß? Scheint egal zu sein. Die anderen .. die sollten aber darauf achten.

Zeit für mich für eine Runde Cadillac Escalade, ciao!

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 27 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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