Was es mit der Pushrod-Aufhängung im Tesla Roadster auf sich hat
Eine horizontal liegende Feder-Dämpfer-Einheit statt eines klassischen Federbeins direkt am Rad: Das Fahrwerk des neuen Tesla Roadster folgt einem Prinzip aus dem Motorsport. Eine sogenannte Pushrod-Aufhängung verlagert wichtige Bauteile ins Fahrzeuginnere. Das schafft mehr Freiheit bei der Abstimmung, spart Bauraum und kann helfen, den Luftstrom rund um die Räder zu verbessern.
Eine Druckstange überträgt die Radbewegung
„Pushrod“ bedeutet übersetzt Druckstange. Sie verbindet den Radträger mit einem Umlenkhebel, auch Rocker oder Bellcrank genannt. Federt das Rad ein, drückt es über die Stange auf den Hebel. Dieser dreht sich und setzt die weiter innen liegende Feder-Dämpfer-Einheit in Bewegung. Das Rad wird weiterhin über Querlenker geführt; die Pushrod übernimmt vor allem die Kraftübertragung zur Federung. Beim Tesla Roadster beschrieb Chefdesigner Franz von Holzhausen die Vorderachse mit „Doppelquerlenkern und Umlenkhebel“.


Die Übersetzung lässt sich gezielt abstimmen
Zwischen Radweg und Dämpferweg liegt beim Pushrod-Fahrwerk eine Umlenkung. Wie weit sich der Dämpfer bei einer bestimmten Radbewegung bewegt, hängt von der Geometrie des Hebels ab. Fahrwerksentwickler sprechen vom Motion Ratio. Über dieses Verhältnis lässt sich die Reaktion der Federung präzise abstimmen. Auch progressive Kennlinien oder zusätzliche Federn, die vor allem bei gleichmäßigem Einfedern beider Räder wirken, lassen sich in solche Systeme integrieren.
Ein weiterer Vorteil: Feder und Dämpfer sitzen nicht unmittelbar am Rad. Dadurch kann weniger Masse mit dem Rad selbst mitbewegt werden. Das Rad kann Unebenheiten dann schneller folgen. Die weiter innen liegenden Bauteile schaffen zudem Gestaltungsspielraum im Radhaus und bei der Aerodynamik. Der Preis dafür ist ein komplexerer Aufbau mit zusätzlichen Hebeln und Gelenken, der präzise konstruiert und abgestimmt werden muss.

Spool-Valve-Dämpfer und verstellbare Höhe
Laut den Erläuterungen zum Roadster kommen höhenverstellbare Dämpfer mit Spool-Valve-Technik zum Einsatz. Dabei steuern Ventile den Ölfluss im Dämpfer und damit, wie stark dieser das Ein- und Ausfedern abbremst. Im Track-Modus soll sich der Roadster um bis zu 40 Millimeter absenken lassen. Gleichzeitig soll die Fahrwerkssteifigkeit auf bis zu das Dreifache steigen. Tesla beschreibt den Track-Modus ebenfalls als Einstellung, die das Auto absenkt und das Fahrwerk verändert. Die tiefe Fahrzeuglage und eine straffere Abstimmung können auf der Rennstrecke helfen, Karosseriebewegungen zu begrenzen und die Räder präzise zu führen. Im Alltag muss ein solches Fahrwerk dagegen nicht automatisch unbequem sein: Entscheidend ist, wie Dämpfer und Federn abgestimmt werden.
Motorsporttechnik für den Straßensportwagen
Pushrod- und Pullrod-Systeme stammen aus dem Rennsport. Bei einer Pullrod-Aufhängung zieht die Stange den Umlenkhebel, während sie bei der Pushrod-Aufhängung unter Druck steht. Beide Konzepte verlagern Feder und Dämpfer nach innen; welche Lösung besser passt, hängt von Bauraum, Aerodynamik und gewünschter Fahrwerksgeometrie ab. Beim Roadster soll das Fahrwerk mit aktiver Aerodynamik und einem Saugsystem zusammenarbeiten, das Luft unter dem Fahrzeug absaugt und so zusätzlichen Abtrieb erzeugen soll. Die Pushrod-Konstruktion ist damit nicht nur ein technisches Detail: Sie bildet einen Teil des Gesamtkonzepts.

40 Millimeter tiefer im Track-Modus
Im Track-Modus soll sich der Roadster um bis zu 40 Millimeter absenken lassen. Gleichzeitig soll die Fahrwerkssteifigkeit auf bis zu das Dreifache steigen. Tesla selbst kündigt an, dass der Modus das Auto absenkt und die Fahrwerksabstimmung verändert. Eine niedrigere Karosserie kann den Schwerpunkt senken; eine straffere Abstimmung soll die Radführung bei schnellen Richtungswechseln verbessern. Die Dämpfer sollen außerdem ein Anheben der Vorder- und Hinterachse ermöglichen.

Heckantrieb und mehr als 1.000 kW
In einem Gespräch mit Hagerty erläuterte Teslas Vizepräsident für Fahrzeugtechnik Lars Moravy weitere Eckdaten: Zwei Motoren treiben ausschließlich die Hinterräder an. Die Leistung soll mehr als ein Megawatt, also mehr als 1.000 kW, betragen; das Drehmoment wird in dem Interview mit rund 1.400 Nm angegeben.
Für die Thrust-Version kommen vier Kaltgastriebwerke am Heck hinzu. Tesla nennt für diese Ausführung eine Beschleunigung von null auf 60 Meilen pro Stunde ca. 97 Km/h) in weniger als einer Sekunde. Die Batteriegröße bleibt bislang offen. Top Gear berichtet von einer Reichweite zwischen etwa 500 und 515 Kilometern sowie Ladeleistungen von bis zu 500 kW. Auch der aktuelle Entwicklungsstand mahnt zur Vorsicht: Tesla führt den Roadster im jüngsten Quartalsbericht weiterhin als „Design development“. Der Produktionsbeginn ist frühestens für 2028 angekündigt; Preis und endgültige Seriendaten fehlen noch.


