Der neue Renault Mégane GT hat Großes vor – Fahrbericht

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Alle Vorurteile über Renault bitte einmal über Bord werfen – jetzt! Denn mit dem neuen Renault Mégane GT scheinen die Franzosen eine Zeitenwende einläuten und die ganz großen Mitstreiter aus Wolfsburg frontal angreifen zu wollen. Ja, das ist eine hohe Messlatte, doch ein großes Stück vom Kuchen ist mit diesem neuen Paket definitiv drin. Denn im ersten Test überzeugt die Top-Version mit einer hochpräzisen und in diesem Segment erstmals verfügbare Allradlenkung, einem gut abgestimmten Fahrwerk und einem drehfreudigen und leistungsstarken Motor mit 205 PS.


Ungewohnt hohes Qualitätsniveau

Schon beim Einsteigen wird man sofort von den serienmäßigen Sportsitzen mit ausgeprägten Seitenwangen empfangen und aufgenommen. Es fühlt sich so an, als hätte man gerade sein neues Maßhemd zum ersten Mal an.

Galerie: Renault Mégane GT und Bose Edition

Renault Mégane GT und Bose Edition
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Renault Mégane GT und Bose Edition

Danach gehen die Hände zum großzügig aufgepolsterten Lenkrad mit dahinter liegenden ausgefrästen Aluminium-Schaltpaddles. Sie sind stationär, heißt, sie gehen in den Kurven nicht mit dem Lenkrad mit – haben aber eine Seitenlänge, die das Hochschalten beim Kurvenausgang gerade noch ohne hastige Bewegungen ermöglicht. Dennoch wäre es für die – wahrscheinlich Anfang 2017 auf den Markt kommende – Mégane RS-Version besser, mitgehende Paddles zu verbauen oder die Länge dieser zu erhöhen – à la McLaren P1 zum Beispiel.

Bei den manuellen Schaltvorgängen haben die Paddles kurze Wege und kein Spiel. Diese exzellente Haptik vermittelt in Kombination mit dem feinen und perfekt dimensionierten Lederlenkrad einen hohen Qualitätseindruck, denn diese beiden Bauteile hat man beim Fahren immer in der Hand. Wenn hier etwas nicht ordentlich ist, wirkt sich das sofort auf das ganze Fahrzeug aus. So wie beim Jaguar XF, der bei unserer Testfahrt leider Kunststoff-Paddles mit leichtem Spiel hatte.

Drehfreudiger und starker Motor, schwacher Sound

Beim Motorstart erwartet man von einem mit den zwei Buchstaben „GT“ betitelten Fahrzeug schon Emotion – doch diese bleibt weitestgehend aus. Vielmehr hört man leider auch hier die Auswirkungen des Downsizings in Form eines Luftpumpen-Sounds. Die Sound-Generierung und -Verstärkung des Motorensounds über die serienmäßige Bose-Anlage im Inneren ist uns nicht aufgefallen.

Schade, eine Klappenauspuffanlage (gern auch optional) wäre auch beim GT schön (wir gehen davon aus, dass der RS eine bekommt, trotz eines bevorstehenden EU-Gesetzes ab 2017, das Klappenauspuffanlagen angeblich verbieten will). Akrapovic würde sich dessen mit Sicherheit gerne annehmen.

Der Motor ist ein 1,6 Liter kleiner Reihen-Vierzylinder mit Zwangsbeatmung. Neben dem fehlenden Motorsound fällt es dem Kleinen schwer, bei hohen Drehzahlen nicht zu dröhnen. Damit muss man sich bei derart kleinen Motoren aber abfinden, bislang hatte noch kein Hersteller ein Hausrezept dagegen. Die maximale Leistung von 205 PS bei 6.000 U/min ist gut spürbar und angenehm dosierbar. Von einem Turboloch merkt man sehr wenig.

Das maximale Drehmoment von 280 Nm schon bei 2.400 U/min liegt gut an und hilft dem Mégane GT ungemein, rasch aus den Kurven zu kommen. Manchmal macht einem aber die ESP-Software zu schaffen, da sie spürbar das Drehmoment herunterregelt. Einen Button zum Deaktivieren dieses – manchmal – ungebetenen Helferleins haben wir nicht gefunden.

Die Gänge werden durch das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen rasch und ohne Zugkraftunterbrechung eingelegt; beim Herunterschalten werden die Drehzahlen durch kurzes Zwischengas-Geben angeglichen – Tom Schwede von 1300ccm empfand dies als störend. Auch steht für schnelle Ampelstarts eine Launch-Control zur Verfügung.

Allradlenkung im Renault Mégane GT Serie

Die serienmäßige Allradlenkung ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal beim Renault Mégane GT, das wir bislang nur von den Topmodellen der 911er Baureihe, den Turbo- und GT3-Modellen kannten. Bis zu einer Geschwindigkeit von 80 Km/h im Sport-Modus, lenken die Hinterräder mit maximal 2,7 Grad in die entgegengesetzte Richtung zur Vorderachse ein. Dies verkürzt den Radstand und verringert dadurch den Wendekreis.

Auch merkt man bei engen Kurven, dass das Heck deutlich sauberer kommt und der Lenkaufwand sehr gering ausfällt. Mit einem Wendekreis von 10,4 Metern beim Renault Mégane GT liegt dieser sogar unter dem Niveau des Kleinwagens Renault Clio (10,6 bis 10,9 m je nach Bereifung).

Werden die 60 Km/h bzw. 80 Km/h im Sport-Modus überschritten, lenkt die Hinterachse in die selbe Richtung wie die Vorderachse. So wirkt der GT der Fliehkraft entgegen, die üblicherweise in der Kurve die Hinterachse nach außen drückt.

Bei unseren Testfahrten war die Straße nass. Wir hatten das Gefühl, dass der Renault Mégane GT leicht über die Vorderachse schiebt, also untersteuert – die Hinterachse aber ebenfalls dazu beiträgt, nach vorne zu schieben. Aber das ist extrem schwierig zu sagen, denn um dies mit Sicherheit sagen zu können, müssten wir den Vergleich zur trockenen Straße haben.

Insgesamt kann man sagen, dass die Lenkung eine extrem kleine Todeszone hat – also über wenig Spiel verfügt – und im Zusammenspiel mit dem gut ausgearbeiteten Fahrwerk Kurven messerscharf angefahren und durchfahren werden können. Dieses Fahrverhalten hat uns ein bisschen an das des Porsche Boxster S erinnert – wirklich.

Verschiedene Fahrmodi über das Infotainment-System wählbar

Das Auswählen der verschiedenen Fahrmodi erfolgt über das Touch-Display des neuen Infotainment-Systems von Renault, das wir einen Tag zuvor schon im Renault Espace ausprobieren konnten. Die Sport-Taste in der Mittelkonsole versetzt einen zwar sofort in den Sportmodus, doch der jeweilig eingestellte Fahrmodus bleibt aktiv, auch wenn man das Auto abstellt und abschließt. Aufgrund dessen ist ein andauernder Wechsel der Fahrmodi auszuschließen.

Wie bei den meisten Herstellern werden durch die jeweiligen Fahrmodi die Schaltzeiten, die Gaspedal-Kennlinie, die Empfindlichkeit der Lenkung sowie Hinterachslenkung konfiguriert. Untermalt werden die verschiedenen Fahrprogramme durch jeweilige Farben der Leuchtbänder im Interieur.

Abmessungen des Renault Mégane

Mit 4.359 mm Länge übertrifft die vierte Mégane Generation den Vorgänger um 6,5 Zenti­meter. Der Radstand steigt ebenfalls um 2,9 Zentimeter auf 2.670 mm. Um ihn optisch breiter zu gestalten, sinkt die Fahrzeughöhe um 2,5 Zenti­meter auf 1.438 mm.

Dank der Zunahme der Spurbreite um 5,0 Zentimeter vorne (1.596 mm) und 5,2 Zentimeter hinten (1.599 mm) steht das Kompaktklassemodell satt auf der Straße. Bis zu 18 Zoll große Felgen sind erhältlich.

Mégane Bose Edition

Wer keine rund 30.000 Euro für einen Renault Mégane GT ausgeben möchte oder kann, ist bei der Bose-Edition ab 24.490 Euro mit Sicherheit auch gut aufgehoben. Sie verfügt über ein serienmäßiges Bose-Soundsystem mit zehn Lautsprechern, den Fahrersitz mit Massagefunktion und elektrisch verstellbarer Lendenwirbelstütze, Sitzheizung vorne, Navi­gations­system, Nappalederlenkrad und 17-Zoll-Leichtmetallräder. Autogefühl geht auf die Bose-Edition näher ein.

Das Basismodell des Mégane liegt übrigens bei 16.790 Euro und kommt mit einem 100 PS starken Turbobenziner.

Hohe Chancen im Wettbewerb

Nun, der Top-Konkurrent des Renault Mégane GT ist wohl der VW Golf GTI. Dieser ist zwar seit kurzem mit ein paar mehr Pferden ausgestattet, steht aber auch im Moment schon zeitlich nach der zweiten Modellpflege. Renault hier schnellstmöglich nachziehen, denn in diesem Segment der Hothatch-Sportler wird die reine Motorleistung häufig hoch gewichtet.

Alle Mitbewerber des Renault Mégane (v.l.n.r.): Hyundai i30, Seat Leon Cupra, Volkswagen Golf, Opel Astra, Hyundai i30, Seat Leon, VW Golf
Alle Mitbewerber des Renault Mégane (v.l.n.r.): Hyundai i30, Seat Leon Cupra, Volkswagen Golf, Opel Astra, Hyundai i30, Seat Leon, VW Golf

Dennoch hat der Renault Mégane GT hohe Chancen, sich im Markt breit zu machen. Alleine aufgrund seiner Optik, seinem Fahrverhalten, das dem Golf in nichts nachsteht und seiner preislichen Positionierung mit knapp unter 30.000 Euro in der GT-Grundversion und verhältnismäßig viel Serienausstattung.

Auch wenn der Top-Konkurrent des Mégane GT der Golf GTI ist, so gibt es sicherlich auch einige, die sich zwischen Polo GTI und Mégane GT entscheiden werden – auch wenn der direkte Konkurrent zum Polo der Clio ist. Wir waren von dem Polo GTI unglaublich angetan, denn sein Fahrverhalten war durch die hochpräzise Lenkung und sein perfekt abgestimmtes Fahrwerk einmalig. Mit einem Sportfahrwerk beim Mégane GT könnte dieser auf jeden Fall auf ein gleichwertiges Performance-Niveau – gerade in Kurven – kommen.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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