Porsche mit „Museums Rennfahrzeugen 956 Gruppe C“ bei den 24 Stunden von Le Mans 1983

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Im Jahr 1982 hatte Porsche erstmals den völlig neu entwickelten 956 Gruppe C Rennwagen beim 24 Stunden Rennen in Le Mans eingesetzt – mit einem phänomenalen Dreifachsieg kamen die Fahrzeuge mit den Startnummern 1, 2 und 3 just in dieser Reihenfolge ins Ziel. Für 1983 war keine Weiterentwicklung des 956 Rennwagens geplant – somit auch kein Le Mans Einsatz. Die 3 Vorjahres Siegerfahrzeuge waren im Museum gelandet. Da hatte Peter W. Schutz, der damalige Vorstandsvorsitzende von Porsche, mal wieder eine ausgefallene Idee.


Diskussion im Vorstand

Peter W. Schutz, der am 1.1.1981 das Ruder bei Porsche als Vorstandsvorsitzender (Nachfolger des Technikers Prof. Fuhrmann) übernommen hatte, war rasch mit dem Renn-Virus von Porsche infiziert. Wie auch sein Vorgänger, war Schutz bei jedem Le Mans Einsatz persönlich anwesend. Der Dreifachtriumph im Jahr 1982 mit den 3 Gruppe C Rennwagen 956 war auch für ihn als Porsche Chef ein absolutes Highlight.

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Als Schutz Anfang 1983 in einer Vorstandssitzung wissen wollte, mit welchen Fahrzeugen Porsche in diesem Jahr in Le Mans antreten wolle, erfuhr er, daß man den 956 seit dem Vorjahressieger nicht weiter entwickelt habe. Es sei kein Le Mans Einsatz in der Gruppe C geplant. Lediglich in einigen Klassen waren Einsätze mit diversen 911 Fahrzeugen vorgesehen. Das hätte bedeutet, daß Porsche nach dem grandiosen Vorjahrserfolg nicht um den Gesamtsieg fahren konnte.

Das wollte Schutz so nicht akzeptieren – er wollte, daß Porsche wieder um den Gesamtsieg kämpft. Auf seine Frage nach dem Verbleib der 3 Vorjahres Siegerfahrzeuge 956 erfuhr er, daß diese nach dem Le Mans Sieg ins Porsche Museum überstellt worden waren.

Unkonventionelle Entscheidung

Schutz wollte von der Entwicklung wissen, ob die Rennabteilung in der Lage sei, diese 3 Fahrzeuge wieder einsatzfähig zu machen. Großes Erstaunen im Gesamtvorstand – Fahrzeuge, die seit letztem Jahr im Museum standen, für ein neues Rennen vorbereiten? Stilles Kopfschütteln.. aber Schutz bestand auf klarer Antwort. Und diese lautete: „im Prinzip können wir das“.

Kurzerhand gab Schutz die Marschrichtung aus, die 3 Museumsfahrzeuge 956 für ihren Einsatz in Le Mans startklar zu machen. Begründung: letztes Jahr haben wir mit diesen Rennfahrzeugen überlegen gewonnen – dann haben wir auch dieses Jahr mit diesen Fahrzeugen eine Chance. Die ist größer, als wenn wir gar nicht antreten.. Zumal 1983 rund ein Drittel des geplanten Starterfelds aus 956 Fahrzeugen bestand, die Porsche an Kundenteams verkaufte.

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Das Le Mans Rennen 18. und 19. Juni 1983

Die 3 Museumsfahrzeuge 956 Gruppe C wurden unverzüglich in die Rennabteilung gebracht. Es waren genügend Ersatzteile vorhanden, zumal Porsche diese 956 Gruppe C Fahrzeuge ja inzwischen in größerem Umfang auch an Kundenteams verkaufte. Und so trat Porsche wiederum mit 3 Werkswagen des 956 Gruppe C an.

Aufgrund des erfolgreichen Qualifyings gingen die 3 Fahrzeuge 956 als Favoriten für den Gesamtsieg ins Rennen. In der Nacht fiel das dritte Fahrzeug (mit den Piloten Stefan Bellof und Jochen Mass) mit Motorschaden aus. Der zweite 956 (mit Jacky Ickx und Derek Bell) fiel wegen Problemen mit der Elektrik zunächst zurück, sodaß das amerikanische Porsche Team (Hurley Haywood, Al Holbert und Vern Schuppan) die Führung übernahm.

Die letze Runde der 24 Stunden von Le Mans

Der 956 mit Jacky Ickx holte Runde um Runde auf den führenden 956 des amerikanischen Porsche Werksteams auf. Beide Fahrzeuge hatten sich einen großen Vorsprung vor den übrigen Fahrzeugen erarbeitet. Alles schien sicher. Die Konkurrenten würden die Plätze ab Nummer 3 unter sich ausmachen.

Dann wurde es für die beiden Porsche Werksteams noch einmal sehr spannend. Die sensationell starke Aufholjagd – Jacky Ickx hatte gegen Ende des Rennens den führenden Haywood fast eingeholt – mußte Ickx seinen Markenkollegen im führende Porsche Team ziehen lassen.

Was war geschehen? Unglaublich, aber wahr: Ickx war in der letzen Runde das Benzin ausgegangen! So mußte er seinen 956 diese letzte Runde praktisch „tragen“, um überhaupt noch die Ziellinie überfahren zu können. Damit vergab er den sicher geglaubten Sieg. Denn dieser wäre Ickx nicht mehr zu nehmen gewesen, da Hurley Haywood ausgerechnet ebenfalls in der letzten Runde einen Motorschaden erlitt und seinen angeschlagenen Porsche 956 in langsamer Fahrt mit rauchendem Motor gerade noch über die Ziellinie brachte.

Schutz-Marketing

Noch in Le Mans hatte Schutz (der ja durch und durch ein Marketingmann war) nach diesem grandiosen Sieg eine geniale Vermarktungsidee aus diesem Le Mans Einsatz. Die Plätze 1 bis 8 belegten ausschließlich Porsche 956 Fahrzeuge – übrigens ein einmaliger Rekord in der gesamten Le Mans Geschichte bis heute. Auf Platz 9 landete ein Sauber Fahrzeug. Auf Platz 10 lag wiederum ein Porsche 956.

Schutz gab noch aus Le Mans folgende Kernaussage in Auftrag für Zeitungsanzeigen, für ein Rennplakat und für die damals äußerst beliebten Ansteck-Buttons:

Platz 1: Porsche

Platz 2: Porsche

Platz 3: Porsche

Platz 4: Porsche

Platz 5: Porsche

Platz 6: Porsche

Platz 7: Porsche

Platz 8: Porsche

Platz 9: Sauber

Platz 10: Porsche

Headline: Nobody is Perfect

Diese Kampagne war ein voller Erfolg – Porsche hatte die Schmunzler auf seiner Seite. Die Buttons fanden lange reißenden Absatz – nicht nur bei vielen Werksangehörigen.

Tilman Brodbeck

Er war der Assistent von insgesamt fünf Porsche-Vorstandsvorsitzenden nachdem er zuvor Entwicklungsingenieur in Weissach und Erfinder des Spoilers und sogenannten "Entenbürzels" des legendären Porsche 911 Carrera RS 2.7 war. Später übernahm er die Leitung der Exclusive-Manufaktur in Zuffenhausen, wo er zu seinem Abschluss dem Sondermodell Porsche 911 Sport Classic zur erfolgreichen Markteinführung verhalf. 40 Jahre Porsche im Leben von Tilman Brodbeck bieten genügend Nährstoff für ganz persönliche Anekdoten, Hintergründe und Fun Facts der Traditionsfirma - jeden Sonntag.

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