Volkswagen intensiviert Motorsport-Engagement: Warum NLS und 24h-Rennen für VW plötzlich wieder wichtig sind
Volkswagen entdeckt den Motorsport wieder für sich. Nachdem der Konzern sein klassisches Motorsport-Engagement vor einigen Jahren massiv zurückgefahren und die traditionsreiche Volkswagen Motorsport GmbH in Hannover geschlossen hatte, folgt nun die Kehrtwende: Nürburgring, NLS und 24h-Rennen rücken wieder stärker in den Mittelpunkt der Marke. Besonders bemerkenswert: Ausgerechnet in einer Zeit, in der Volkswagen seine Modellpalette zunehmend elektrifiziert, wird das Thema Motorsport plötzlich wieder strategisch wichtig. Das zeigt sich nicht nur am aktuellen Engagement mit den Golf GTI Clubsport 24h von Max Kruse Racing, sondern vor allem auch am Ausblick auf die Zukunft: Ab 2027 kehrt Volkswagen R offiziell mit einem allradgetriebenen Golf R zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring zurück.

Großer Fehler: Schließung von Volkswagen Motorsport in Hannover
Die Entscheidung, Volkswagen Motorsport in Hannover Ende 2020 zu schließen, galt damals als Symbol für den radikalen Konzernumbau in Richtung Elektromobilität und Kosteneffizienz. Zahlreiche Motorsport-Aktivitäten wurden beendet oder stark reduziert. Die Mitarbeiter und Kompetenzen der traditionsreichen Motorsport-Abteilung gingen teilweise in technische Entwicklungsbereiche über.
Rückblickend wirkte dieser Schritt allerdings wie ein abrupter Bruch mit der eigenen Performance- und Motorsport-Historie. Gerade für viele Enthusiasten verlor Volkswagen dadurch einen Teil seiner emotionalen Identität. Während Marken wie Porsche, BMW, Hyundai oder Mercedes-AMG weiterhin sichtbar auf Rennstrecken präsent blieben, zog sich Volkswagen im klassischen Kundensport zunehmend zurück.
Das Problem dabei: Performance-Modelle lassen sich langfristig nur glaubwürdig vermarkten, wenn Motorsport und technische Kompetenz auch sichtbar gelebt werden. Genau diese Verbindung drohte Volkswagen zwischenzeitlich zu verlieren.
Nürburgring und NLS als direkte Verbindung zur Fanbasis
Dass Volkswagen nun wieder stärker auf den Nürburgring setzt, dürfte deshalb kein Zufall sein. Die Nürburgring-Nordschleife gilt nach wie vor als emotionales Zentrum der deutschen Performance- und GTI-Kultur. Gerade die NLS sowie das 24h-Rennen besitzen für viele Fans einen deutlich authentischeren Charakter als hochprofessionalisierte internationale Rennserien.
Hier treffen Hersteller, Privatteams, Entwicklungsingenieure und Fans direkt aufeinander. Genau diese Nähe zur Community scheint Volkswagen wieder stärker zu suchen. Vor allem nachdem auch das legendäre GTI-Treffen am Wörthersee bis auf Weiteres nicht mehr weiterverfolgt wird.
Das zeigt sich auch daran, wie offensiv Volkswagen die GTI-Historie inzwischen wieder inszeniert. Beim 24h-Rennen 2026 feiert die Marke nicht nur 50 Jahre GTI, sondern nutzt die Bühne des Nürburgrings gleichzeitig für die Weltpremiere des neuen vollelektrischen ID. Polo GTI.
Golf GTI Clubsport 24h ist wichtiges Motorsport-Aushängeschild
Aktuell setzt Volkswagen gemeinsam mit Max Kruse Racing weiterhin auf den Golf GTI Clubsport 24h. Gleich drei Volkswagen Werksautos gingen 2026 beim Langstreckenklassiker auf der Nordschleife an den Start: Zwei Fahrzeuge traten in der Klasse SP4T an – darunter ein Jubiläumsfahrzeug mit der Startnummer 50. Pilotiert wurden die Fahrzeuge unter anderem von VW-Test- und Entwicklungsfahrer Benjamin Leuchter sowie Rallycross-Weltmeister Johan Kristoffersson. Hinzu kam ein weiteres Fahrzeug in der Klasse SP3T, unter anderem mit Ex-Fußballprofi Max Kruse am Steuer.

Technisch wurde der Golf GTI Clubsport 24h erneut weiterentwickelt. Die Leistung steigt auf rund 397 PS, hinzu kommen Maßnahmen wie eine aktive Getriebekühlung, ein umfangreicher Leichtbau mit Karbon-Komponenten sowie ein speziell angepasstes Rennfahrwerk für die extremen Belastungen der Nordschleife. Bemerkenswert ist dabei auch die strategische Rolle dieser Fahrzeuge: Der GTI Clubsport fungiert inzwischen nicht mehr nur als Rennwagen, sondern auch als emotionales Marken- und Technologie-Statement.
Max Kruse Racing wird immer wichtiger für Volkswagen
Eine zentrale Rolle im aktuellen Motorsport-Engagement übernimmt Max Kruse Racing aus Duisburg. Das Team hat sich in den vergangenen Jahren als enger Entwicklungspartner von Volkswagen etabliert. Vor allem Benjamin Leuchter bildet dabei eine wichtige Schnittstelle zwischen Rennstrecke und Serienentwicklung. Als Test- und Entwicklungsfahrer ist er maßgeblich an der Abstimmung sportlicher Volkswagen-Modelle beteiligt. Diese direkte Verbindung zwischen Motorsport und Serienfahrzeugen ist für Volkswagen zunehmend wichtig geworden.
Denn gerade im sportlichen Segment erwarten Kunden heute mehr als reine Leistungsdaten. Authentizität, Glaubwürdigkeit und Motorsport-DNA spielen wieder eine größere Rolle.

Volkswagen R kehrt 2027 offiziell auf die Rennstrecke zurück
Noch spannender wird allerdings der Blick in die Zukunft. Denn ab 2027 wird Volkswagen R offiziell mit einem eigenen Rennfahrzeug beim 24h-Rennen am Nürburgring antreten. Geplant ist ein allradgetriebener Golf R für die Nordschleife, der gemeinsam mit Max Kruse Racing entwickelt wird. Ein erstes Showcar mit der Bezeichnung „Golf R 24H“ gibt bereits einen Ausblick auf das Projekt.

Damit schlägt Volkswagen ein neues Kapitel auf: Nach mehreren Jahren Fokus auf Frontantrieb und GTI-Konzepte rückt nun wieder die Marke Volkswagen R stärker in den Vordergrund. Das „R“ stand ursprünglich für „Volkswagen Racing“. Modelle wie der Golf R32 oder später der Golf R positionierten sich stets oberhalb der GTI-Baureihe und verbanden hohe Leistung mit Allradantrieb und technischer Komplexität.
Rückkehr des Allradantriebs könnte wichtiger Strategiewechsel sein
Die Entscheidung für einen allradgetriebenen Golf R als neues Nürburgring-Projekt ist strategisch bemerkenswert. Denn sie zeigt, dass Volkswagen künftig offenbar wieder stärker auf maximale Performance und technische Differenzierung setzen möchte. Während der GTI traditionell eher für bezahlbare Frontantriebs-Sportler stand, repräsentiert die R-Baureihe das technisch aufwendigere Performance-Segment.
Gerade im Elektrozeitalter dürfte das zunehmend relevant werden. Denn höhere Fahrzeuggewichte und steigende Leistungswerte lassen sich fahrdynamisch oft besser mit Allradkonzepten beherrschen. Der Golf R 24H könnte damit nicht nur ein Motorsport-Projekt werden, sondern gleichzeitig auch ein technischer Ausblick auf zukünftige Performance-Strategien innerhalb des Volkswagen-Konzerns.
Motorsport wird für Volkswagen wieder zum Markenfaktor
Die aktuelle Entwicklung zeigt insgesamt deutlich: Volkswagen hat erkannt, dass Motorsport weit mehr ist als reine Rennstrecken-Unterhaltung. Gerade bei sportlichen Modellen wie GTI oder R spielt Motorsport eine zentrale Rolle für Markenimage, Glaubwürdigkeit und Fanbindung. Ohne aktive Präsenz auf Rennstrecken wird es zunehmend schwieriger, emotionale Performance-Fahrzeuge glaubwürdig zu positionieren. Hinzu kommt: Nürburgring, NLS und 24h-Rennen besitzen für viele Fans weiterhin eine enorme emotionale Bedeutung. Hier entstehen Bilder, Geschichten und technische Glaubwürdigkeit, die sich über klassische Werbung kaum erzeugen lassen.

