VW Golf GTI Clubsport Facelift (2024): Behutsam aufgefrischt

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Sagen wir mal so: Bei der Weiterentwicklung innerhalb einer Modellgeneration beim Porsche 911 oder auch bei einem VW ID.3 (GTX) ist zigfach mehr passiert als bei der Weiterentwicklung des VW Golf GTI Clubsport Facelifts. Grundsätzlich könnten wir sogar sagen: Im Prinzip ist beim VW Golf GTI Clubsport Facelift fast alles beim Alten geblieben. Ausnahme bildet das Front- und Heckdesign, so manch’ Ausstattungs-Option sowie die Software und der überdimensionierte Mittenbildschirm im Interieur. Es bleibt bei 300 PS, bei 5,6 Sekunden von 0 auf 100 Km/h und bei der bisherigen Fahrwerkskonfiguration. Die Ikone – vor allem zu ihrem 50. Geburtstag – hätte wahrlich mehr verdient.

Im Prinzip können Sie sich diesen Fahrbericht zum Golf GTI Clubsport anschauen – viel dürfte sich zum Facelift nicht geändert haben.

Golf GTI mit 265 PS, Clubsport mit 300 PS

Während der zivile Golf GTI 265 PS Leistung bekommt – also 20 PS mehr als das Vor-Facelift – sind es bei der radikaleren Clubsport-Version nach wie vor 300 PS und 400 Nm Drehmoment. Geschaltet wird über das bekannte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Mit dem optionalen “Race-Paket” kann die Höchstgeschwindigkeit beim Clubsport auf 267 Km/h angehoben werden. Ohne das Paket liegt sie bei 250 Km/h.

Dadurch verändern sich weder Beschleunigungswerte – nach wie vor 5,6 Sekunden 0-100 Km/h – noch ist anzunehmen, dass sich dadurch die Zeitmessungen auf der Nürburgring Nordschleife weiterentwickeln. Vorausgesetzt natürlich, dass VW hier mit Renn- und Werksfahrer Benny Leuchter überhaupt geplant hat, eine Nordschleifen-Messung vorzunehmen.

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Facelift des VW Golf GTI Clubsport (2024) auf der Nürburgring Nordschleife

Ambitionen für eine “neue” Volkswagen Motorsport?

Hingegen gibt es seitens Volkswagen wieder sachte Anzeichen, in den Motorsport zurückzukehren. Nach der eiskalten Absage des damaligen Vorstandschefs Herbert Diess und der Auflösung des Tochterunternehmens Volkswagen Motorsport aus Hannover, sollen mit der neuen Führung in Wolfsburg GTI-Emotionen zumindest jetzt zum 52. 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring Nordschleife geweckt werden.

Volkswagen arbeitet hier mit dem Rennstall Max Kruse Racing zusammen. Gemeinsam stellen sie den Golf GTI Clubsport mit dem Zusatz “24h” auf die Räder, der zuvor noch als Prototyp von Volkswagen Motorsport konzipiert wurde. Das Fahrzeug leistet aus der selben Motorenfamilie “EA888” mit den Zusätzen “LK3 evo4” 348 PS.

Wie vor allem die Rennversion des VW Golf (7.2) GTI TCR von Volkswagen Motorsport fährt, können Sie in diesem Video sehen und miterleben. Ein komplett anderes Fahren tatsächlich, man unterschätzt die Fahrdynamik und Power gegenüber einem Serien-TCR-Golf dann doch recht schnell.

Insgesamt also eine gute Entwicklung. Vielleicht können wir ja auch weiterhin mit einem Golf GTI in Kurz- und Langstreckenmeisterschaften rechnen. Dass eine Volkswagen Motorsport zumindest mittelfristig zurückkommt, ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

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Hier in dem Marketing-Bild leicht abgedunkelt, dennoch sichtbar: Kaum Veränderung im Interieur, außer der 12,9 Zoll große Multimedia-Bildschirm in der Mitte mit neuen Software-Funktionen, unter anderem mit der KI-Assistenz “ChatGPT”.

Überarbeitete Lenkung, elektronische Vorderachsquersperre

Im Golf GTI und Golf GTI Clubsport kommt serienmäßig eine Progressivlenkung zum Einsatz. Diese unterscheidet sich von herkömmlichen Lenkungen durch ein variables Übersetzungsverhältnis. Bei niedrigen Geschwindigkeiten, wie beim Rangieren und Parken, reduziert die Progressivlenkung die erforderliche Lenkarbeit. Auf kurvenreichen Strecken und beim Abbiegen sorgt die direktere Auslegung für ein präziseres Fahrverhalten.

Technisch basiert die Progressivlenkung auf einer variablen Verzahnung von Zahnstange und Ritzel sowie einem leistungsstärkeren Elektromotor. Im neuen Golf GTI und Golf GTI Clubsport wurde diese Lenkung weiterentwickelt. Beteiligt war der Fahrwerksingenieur Sven Bohnhorst, der zuvor leitender Testfahrer bei Bugatti war. Er brachte einige Eigenschaften der Lenkungsabstimmung des Bugatti Pur Sport in die Entwicklung ein.

Die neue Abstimmung der Progressivlenkung basiert auf einer aktualisierten Software, die den gesetzlichen Anforderungen der UNECE (Cybersecurity) entspricht. Diese Software wurde genutzt, um die Lenklinearität, Präzision und das Ansprechverhalten der GTI-Lenkung weiter zu verbessern.

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Facelift des VW Golf GTI Clubsport (2024) im Karussell der Nürburgring Nordschleife

Darüber hinaus haben Golf GTI und Golf GTI Clubsport serienmäßig eine elektronisch geregelte Vorderachsquersperre an Bord. Im Vergleich zur rein mechanischen Sperre soll die elektronische Differenzialsperre Vorteile wie einen variablen Sperrgrad in Abhängigkeit der ESC- (elektronisches Stabilisierungsprogramm) und XDS+-Funktionen (elektronische Differenzialsperre) haben. Dadurch ist es möglich, negative Einflüsse auf die Lenkpräzision, wie sie bei mechanischen Sperren auftreten, vollkommen zu vermeiden.

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Golf GTI Clubsport Facelift nahezu unverändert – außer im Interieur

Volkswagen hat tatsächlich die Infotainmentsysteme des Golf – also auch der GTI-Derivate – komplett überarbeitet. Basierend auf dem neuen Modularen Infotainmentbaukasten der vierten Generation (MIB4), bietet das System eine verbesserte und vereinfachte Bedienung durch eine neue Grafik und Menüstruktur. Es gibt zwei Versionen des Systems: „Ready 2 Discover“ (serienmäßig, Navigation optional) und „Discover Pro“ (mit serienmäßiger Navigation).

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Unveränderte Leistungswerte: Der Motor “EA888”-Familie leistet im Golf GTI Clubsport nach wie vor 300 PS und verfügt über 400 Nm Drehmoment.

Beide Versionen verfügen über einen 12,9 Zoll großen Touchscreen im Tablet-Stil. Der Bildschirm ist in zwei Touchleisten – „Top Bar“ und „Bottom Bar“ – sowie einen großen Homescreen unterteilt. Die „Top Bar“ und der Homescreen sind individuell konfigurierbar, während die „Bottom Bar“ fest bleibt.

(Wahrscheinlich) ganz der alte: Viel hat sich zum neuen Facelift der Generation 8 Golf GTI Clubsport nicht getan. Trotzdem: Ein fahrdynamisch richtig gutes Auto!

Ergänzt wird das Infotainmentsystem durch neu entwickelte Touchslider für Temperatur- und Lautstärkeregelung sowie den Sprachassistenten IDA4, der natürliche Sprachbefehle erkennt und auf Online-Datenbanken sowie künstliche Intelligenz zurückgreift. Optional ist ein 480-Watt-Soundsystem von Harman Kardon verfügbar.

Das „Digital Cockpit Pro“ gehört zur Standardausstattung und bietet eine Display-Diagonale von 10,2 Zoll. Über das neue Multifunktions-Sportlenkrad kann der Fahrer zwischen drei grafischen Grundkonfigurationen wählen: „Classic“, „Progressive“ und „GTI“. Die „GTI“-Ansicht zeigt in der Mitte einen großen Drehzahlmesser mit integriertem GTI-Logo und aktueller Geschwindigkeit. Ein optionales Head-up-Display projiziert wichtige Fahrinformationen auf die Windschutzscheibe.

Das Interieur des Golf GTI zeichnet sich durch serienmäßige Top-Sportsitze mit integriertem Kopfstützen und einem typischen Karomuster aus. Wie gewohnt sind rote Ziernähte in den Sitzen, der Mittelarmlehne, den Fußmatten und im Multifunktions-Ledersportlenkrad zu finden. Das Sportlenkrad ist mit gelochtem Leder und einem GTI-Schriftzug gestaltet. Die Schaltwippen am Lenkrad ermöglichen manuelle Eingriffe in das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Das serienmäßige Ambientelicht bietet 30 frei konfigurierbare Farben. Weitere Merkmale sind Pedalkappen aus gebürstetem Edelstahl und ein schwarzer Dachhimmel.

Fazit zum VW Golf GTI Clubsport Facelift (2024)

Man könnte jetzt natürlich auch sagen: Wozu ein richtig gutes Auto noch besser machen? Vor allem wenn man an anderer Stelle mit der Elektromobilität große Baustellen hat, die viel Geld verschlingen. Andererseits verdient gerade ein performanter Golf in seinem 50. Jubiläumsjahr mehr als kaum eine Weiterentwicklung. Deswegen wäre es durchaus schön gewesen, hier etwas mehr Innovation in Richtung Antriebsstrang und Fahrwerk zu unternehmen.

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Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 33 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen und Unternehmen zum Ausdruck.

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