VW Caddy Alltrack im Test: Hochgesetzter Familien-Feldweg-Räuber

Als Familienvater hat man es manchmal schon schwer. Ohne jetzt aus eigener Erfahrung sprechen zu können gibt es zu Hause bestimmt reichlich Potential, dicke Luft entstehen zu lassen. Wenn dann in diesen Momenten nur die langweilige Ford S-Max-Kutsche vor der Tür steht, überlegt man es sich natürlich zwei Mal, ob man damit jetzt als spontane Ablenkungsmaßnahme durch Wald und Wiesen pflügt. Nun, der neue höhergesetzte VW Caddy Alltrack scheint dafür perfekt zu sein: erhältlich als Familienfahrzeug (und natürlich auch als Nutzfahrzeug – wie die normalen VW Caddy auch), ist er etwas höher – und mit serienmäßigem Unterfahrschutz ebenso robuster. Nach wie vor ist er auch mit Zwei- und Allradantrieb erhältlich. Die Preise starten bei 16.485 Euro für den Kastenwagen und bei 20.470 Euro für den PKW.


Woran ist der neue VW Caddy Alltrack zu erkennen?

Neben der etwas höher gesetzten Karosserie, fallen vor allem die Türeinstiegsleisten in silber-matt mit dem Alltrack-Schriftzug, die schwarzen Karosserieabdeckungen der Radhäuser, die schwarzen Seitenschweller sowie die Unterkanten der Stoßfänger auf. Auch der Unterfahrschutz ist schwarz und zusätzlich mit Silber abgesetzt.

VW Caddy Alltrack

VW Caddy Alltrack
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VW Caddy Alltrack

Zudem erhält der neue VW Caddy Alltrack lackierte Kühlerschutzgitter mit drei Chromzierleisten, in Silber lackierte Außenspiegelgehäuse, H7-Doppelhalogenscheinwerfer, Nebelscheinwerfer, abgedunkelte Rückleuchten, Alltrack-Logos am Frontgrill und am Heck sowie eine silberne Dachreling.

Mehr zu den verschiedenen Motorisierungen und dem Interieur des neuen VW Caddy Alltrack lesen Sie hier.

Den Alltrack mit Zwei- oder Vierradantrieb?

Grundsätzlich bietet Volkswagen Nutzfahrzeuge auch den neuen VW Caddy Alltrack als Zwei- und Vierradler an. Nun könnte man ja sagen: „wenn schon Offroad(-Look), dann auch bitte Allrad!“. Doch dagegen steht das gute Argument, einfach ein Fahrzeug zu haben, in dem man zum einen etwas höher sitzt und das zum anderen ein bisschen robuster ist.

Nicht immer ist man auf Allradantrieb angewiesen – zumal das mit einem Preisunterschied von rund 3.000 Euro schon eine Überlegung wert ist, ob man das für seinen täglichen Einsatz wirklich benötigt.

Offroad schafft der Allradler eine Steigung von 81% – offiziell. Inoffiziell geht sogar etwas mehr. Das ist für einen „normalen“ und nur etwas höher gelegten Familienwagen ein sehr guter Wert – bedenke man, dass ein richtiger Geländewagen bzw. SUV, wie beispielsweise ein Porsche Cayenne eine Steigung von 100 % (= 45°) schafft, ein Mercedes-Benz GLC etwa rund 91 %.

Im Offroad-Parcours konnten wir ganz klar die Grenzen der beiden Varianten ausprobieren: während die Version mit Frontantrieb an einem Hang mit einer Steigung von 77 % auf der Hälfte stehen geblieben ist, konnte der Allradler souverän hochfahren – ohne Schwung und sogar mit Anhalten und wieder anfahren. Die Berganfahrhilfe ist beim Caddy übrigens serienmäßig, benötigt aber jedes Mal vor dem Anfahren einen kleinen Impuls auf die Bremse, da dieses System nicht auf die elektronische Parkbremse (die es beim Caddy ja nicht gibt) zurückgreift, sondern nur die Bremsbacken feststellt.

Auch auf unterschiedlichen Untergründen – also links Schnee und Eis, rechts Asphalt – kommt der Caddy Alltrack mit Allradantrieb natürlich etwas besser weg; überraschenderweise sind die Unterschiede jedoch nicht allzu groß. Wer jedoch viel auf Baustellen oder schlammigen Feldwegen und zwischendurch aufgeweichten Wiesen unterwegs ist, kommt mit dem Frontantrieb nicht weit (eigene Erfahrung). Der Grund? Nur der VW Caddy Alltrack 4Motion hat die Möglichkeit einer elektronischen Achssperre (hinten).

Nur damit kann garantiert werden, dass nicht nur das schon durchdrehende Rad weiter angetrieben wird, sondern auch die Kraft an das stehende Rad geschickt wird. Dieses überaus wichtige Feature hat der Fronttriebler nicht.

Was genau ist dieses „Schlechtwege-ABS“?!

Ein relativ neuer Begriff in der Welt der Automobile: das Schlechtwege-ABS beim VW Caddy Alltrack. Volkswagen Caddy und Caddy Alltrack verfügen über ein Schlechtwege-ABS, das beim Bremsen auf erkannten Schlechtwegen die Räder bewusst etwas länger blockieren lässt. Der Keil, z. B. aus Schotter, der sich vor den Rädern bildet, verkürzt den Bremsweg. Beim Überschreiten eines bestimmten Lenkwinkels, wird die Funktion wieder verlassen, um die Spurstabilität zu gewährleisten.

Auch dieses System konnten wir ausprobieren (Video, Bergabfahrt auf Schotter). Es fühlt sich etwas unangenehm an, weil man von einem „normal-konfigurierten“ ABS anderes gewohnt ist, scheint aber relativ gut zu funktionieren.

Erhöhter Lenkaufwand im VW Caddy Alltrack

Aufgefallen ist Mitfahrer Tom Schwede von 1300ccm und mir, dass im VW Caddy Alltrack 4Motion im Vergleich zu seinem tiefer gelegten Bruder ein erhöhter Lenkaufwand besteht. Ob dies daran liegt, dass der Caddy in ein neues Modelljahr kam, seitdem wir ihn das letzte Mal gefahren sind, oder ob es tatsächlich daran liegt, dass Fahrzeuge, die mehr für die Wege abseits ziviler Straßen gebaut wurden, eine größere Lenkübersetzung erhalten – konnten wir nicht klären.

Sinn würde es allemal machen, denn im Gelände möchte man als Fahrer oft bei langsamen Geschwindigkeiten um Hindernisse herum fahren – und das geht mit einer etwas indirekteren Lenkung eben besser.

Harte Einfederung der Hinterachse

Ja, auch dies gehört immer wieder zu den Kritikpunkten des VW Caddy: die harte Einfederung der starren Hinterachse. Man spürt sie, wenn man etwa über Bahngleise fährt oder löchrige Feldwege bezwingt – und auch die höhere Alltrack-Variante bleibt von dieser Kritik nicht unangetastet.

Uns persönlich stört das nur wenig, weil wir den Caddy als Nutz-, Lasten- und Familienfahrzeug sehen – aber nicht als Komfort-Limousine. Jedoch sollte man bei einer Probefahrt unbedingt darauf achten, ob es einen persönlich stört oder nicht. Bei Langstrecken auf Autobahnen und Landstraßen spürt man von der harten Hinterachse nahezu nichts.

Schwache Innenraum-Dämmung bei rauen Untergründen

Auf Schotterpisten oder sehr groben Feldwegen (oft noch mit einem Grünstreifen in der Mitte), ist der Innenraum bei zügiger Fahrweise sehr laut – er dröhnt. Dafür, dass dieses Terrain ja eigentlich das zu Hause des VW Caddy Alltrack ist, sollte diese Variante etwas leiser sein. Auf normalen Straßen und selbst auf asphaltierten Feldwegen kommt dieses Manko überhaupt nicht zu tragen.

Der stärkste Dieselmotor ist zu schwach!

Noch ein Punkt, sorry VW: wir fuhren die 110 kW-Diesel-Variante (150 PS) auf der Autobahn und auf Landstraßen – natürlich. Beim Herausbeschleunigen oder Überholen aus ungefähr 80 Km/h mit zwei Personen an Bord und keiner Beladung, dauerte das Beschleunigen für unsere Verhältnisse und dafür, dass es die Top-Variante des VW Caddy Alltrack ist, zu lange.

Immerhin muss man bedenken, dass normalerweise eine ganze Familie mit Gepäck im Fahrzeug sitzt oder das Nutzfahrzeug voll beladen ist. Und nicht jeder hat die Topmotorisierung. Eine 180 PS-Version wäre durchaus schön – gerade für diejenigen, die mal flott überholen möchten, ohne immer mit dem entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer unfreiwillig Angsthase spielen zu müssen.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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