Fahrbericht Renault Twingo SCe 70: Smart auf Französisch – mit kleinstem Wendekreis.

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Der Renault Twingo teilt sich die Plattform mit dem neuen Smart forfour – das spürt man vor allem am Wendekreis von genialen 8,6 Metern. Wem dieses Auto absolut kein Spaß machen sollte; der kleine Wendekreis bereitet jedem die größte Freude. Der nur als Fünftürer erhältliche Twingo hat einen Basispreis von 9.950 Euro und ist damit exakt auf Augenhöhe mit den von uns kürzlich getesteten Kleinstwagen Hyundai i10 und Toyota Aygo.


Die Sache mit dem Preis.

Unser Testwagen kam in der niedrigsten Variante „Expression“ und war dazu recht wenig ausgestattet, denn allein schon die Kurbel-Fensterheber waren wir von den anderen Kleinstwagen nicht gewohnt. Serienmäßig in der Expression-Variante sind unter anderem ABS, ESP und vier Airbags, Beifahrersitzlehne umklappbar, Berganfahrhilfe, Geschwindigkeitsbegrenzer, LED-Tagfahrlicht, Servolenkung und Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung.

Galerie: Fahrbericht Renault Twingo

Fahrbericht Renault Twingo
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Fahrbericht Renault Twingo

Von uns, AUTOmativ.de, empfehlenswerte Ausstattungs-Extras sind ein Klang & Klima-Paket für zwar teure 1.290,- Euro, aber erstens sinken die Chancen beim Wiederverkauf um ein Vielfaches ohne Radio und Klimaanlage und zweitens fühlt man sich ohne diese beiden elementaren Dinge in den meisten heutigen Autos einfach unwohl. Es sei denn man sitzt im neuen Porsche 911 GT3 RS.

Des Weiteren ist ein elektrisches Faltschiebedach für 990,- Euro eine Überlegung wert – wobei keine Pflicht. Das Komfort-Paket inklusive Armlehne, bessere Fußmatten, ein Kofferraumteppich und Sonnenschutz für alle Scheiben für 269,- Euro gibt diesem kleinen Auto einen Mehrwert – zudem gibt es darauf bis zu 27% Rabatt. Die elektrischen Fensterheber vorne sind ein Must-Have, denn in einem modernen Auto zu kurbeln ist peinlich.

Renault Twingo Fahrbericht AUTOmativ.de

Keine Einparkhilfe für die Einstiegs-Version des Renault Twingo.

Schwach ist, dass es für die unterste Version des Renault Twingo keine Einparkhilfe bestellbar ist. Sie gibt es erst in der Dynamique-Version als Paket-Ausstattung oder in der Luxe-Ausstattungsvariante für 250,- Euro einzeln.

Wer seinen Twingo optisch etwas knackiger gestalten möchte, für den ist das Sport-Paket (990,- Euro) genau das Richtige. Es beinhaltet eine sportlichere Front- und Heckschürze, Kotflügel- und Schwellerverbreiterungen, 16 Zoll Leichtmetallfelgen, verschiedene rote Akzentuierungen am Exterieur sowie im Interieur sowie eine Innenraumaufwertung mit besserer Aufpolsterung der Sitze und die Verwendung von Aluminium.

Service, Versicherung und Wartung.

Das Service-Intervall liegt beim Renault Twingo übrigens bei 20.000 Kilometern oder einmal im Jahr. Das ist noch Steinzeit – zum Vergleich: Porsche hat ein Intervall von 65.000 Kilometern. Die Händlergarantie beträgt zwei Jahre und zwölf Jahre gegen Durchrostung. Die Haftpflichteinstufung liegt bei 15, Teilkasko 18, Vollkasko 16.

Aufgrund des Heckmotors und -antriebs geht der Renault Twingo schon echt gut durch die Kurven
Aufgrund des Heckmotors und -antriebs geht der Renault Twingo schon echt gut durch die Kurven

Kurvenheld unter den Kleinstwagen. Kann man schon so sagen.

Das liegt nicht etwa darin begründet, dass der Renault Twingo ein außergewöhnlich gut abgestimmtes Fahrwerk hätte, sondern vielmehr an seiner konstruktionsbedingten Natur mit Heckmotor sowie -antrieb. Natürlich ist eine durch vollständigen Antrieb belastete Vorderachse bei Weitem nicht so agil und direkt, und natürlich hilft der hintere Schwerpunkt, Grip auf die Straße zu bringen und das Auto angenehm hecklastig durch Kurven zu befördern.

Der Renault Twingo auf der Schwarzwaldhochstraße
Der Renault Twingo auf der Schwarzwaldhochstraße bei Sonnenuntergang

Mit viel Schwung kann das sogar Spaß machen – wir waren damit einen ganzen Tag lang im Schwarzwald unterwegs. Die Kurvengeschwindigkeiten sind auf jeden Fall höher als bei den anderen Kleinstwagen wie Hyundai i10 oder Toyota Aygo. Ein Sperrdifferenzial ist leider nicht verfügbar, weswegen wir auch Probleme im Schnee bekamen und das Auto freilegen mussten, aber dazu mehr im zweiten Teil.

Einer der kleinsten Wendekreise der Welt in einem Serienauto.

Und das ist echt beeindruckend: die Mitfahrer, die diesen Wendekreis nicht gewohnt sind, sind völlig verwirrt, wenn man mitten auf der Straße wendet – obwohl die Zeit für ein Zurücksetzen aufgrund des nahenden Gegenverkehrs nicht mehr möglich ist. Meistens artete es in ein aufgeregtes „was machst Du, was machst Du?!“ aus, doch spätestens beim Einlenken war klar: dieses Auto schafft das Wenden fast auf der Stelle.

Renault Twingo im Fahrbericht AUTOmativ.de

Mit 8,6 Metern Wendekreis ist der Renault Twingo zusammen mit seinem deutschen Bruder Smart eines der Serienautos, die den geringsten Platz zum Wenden benötigen. Und das ist ein enormer Vorteil und auch Spaßfaktor in der Stadt.

Das Interieur des Renault Twingo ist sachlich-lustig gestaltet.

Man sieht und spürt natürlich den Kostendruck im Interieur, unter dem Renault beim Twingo während der Entwicklungsphase stand. Doch unter diesen Voraussetzungen ist das Interieur optisch gut gelungen. Auch wenn man den Schalthebel schöner gestalten und die Logik der Anordnung mancher Funktionseinheiten besser platzieren könnte, sind die Hauptmerkmale wie Sitzkomfort und -position, das Ein- und Aussteigen und die Übersichtlichkeit sehr gut.

Das Interieur des Renault Twingo
Das Interieur des Renault Twingo

An die Verarbeitungsqualität von Hyundai kommt in diesem Segment aber nicht einmal der neue Smart an; der Renault Twingo erst recht nicht, denn dafür ist das Cockpit zu uneinheitlich – ja, vielleicht auch so gewollt. Franzosen sind bei der Interieurgestaltung ja deutlich experimentierfreudiger.

Doch die Position des Tempobegrenzers (wozu gibt es eigentlich beim Twingo einen Tempobegrenzer, wenn man ohnehin froh um jedes Km/h ist? Warum verbaut man nicht einfach einen Tempomat?!) vor dem Schalthebel als Kippschalter und die Lage des Zigarettenanzünders weit hinter dem Handbremshebel sind nicht nur fraglich, sondern auch echt nervig – besonders im Falle des Zigarettenanzünders: will man sein iPhone in der überaus praktischen Klemmvorrichtung während der Navigation über den Zigarettenanzünder laden, so merkt man, dass das Kabel entweder zu kurz ist, durch den halben Innenraum nur Luftlinie gelegt werden kann oder der Zug so stark ist, dass es das Ladegerät abreißen würde.

Wo liegt das Problem, den Zigarettenanzünder wie bei allen anderen Herstellern auch, direkt vor die Schaltkulisse zu platzieren, um so möglichst kurze und einfach Wege zu realisieren (wenn die Smartphonehalterung schon keinen Ladeanschluss besitzt)?! Unter Ergonomie verstehen wir etwas anderes.

Der Kofferraum des Renault Twingo ist für seine Klasse ziemlich groß
Der Kofferraum des Renault Twingo ist für seine Klasse ziemlich groß

Gewicht, Abmessungen und Kofferraum.

Der 939 Kilogramm leichte Renault Twingo kommt serienmäßig immer als Fünftürer, hat eine Länge von 3.595 Millimetern, eine Breite von 1.647 Millimetern und eine Höhe von 1.557 Millimetern – also fast so schmal wie hoch. Der Radstand beträgt 2.492 Millimeter bei einer Bodenfreiheit von 170 Millimetern. 420 Kilogramm können zugeladen werden.

Ungewöhnlich hoch ist das Gepäckabteil, weil darunter der Motor sein Unwesen treibt. Doch die Ladekante befindet sich auf angenehmer Hüft-Höhe und kann ohne Schwelle überwunden werden. Der Kofferraum verkraftet 219 Liter – mit umgeklappter Sitzbank sind es beeindruckende 980 Liter. Passagiere im Fond haben nicht viel Platz, aber für kurze Strecken mit wohlwollenden Piloten, die mit ihrem Sitz etwas nach vorne gehen, ist es ohne Probleme zu bewältigen.

Schade ist, dass – trotz Wegfall des Motors – vorne keine Lademöglichkeit besteht. Den Platz unter der ehemaligen Motorhaube dürfen diverse Betriebsmittel wie Kühl- oder Wischwasser ihr Eigenheim nennen.

 

>>> Teil 2 – Fahrbericht Renault Twingo SCe 70: Heckmotor mit Heckantrieb! Spaß jedoch begrenzt.

>>> Neuer Renault Twingo: Für nur 79 Euro im Monat Twingo fahren!

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 29 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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