Neuer VW T-Cross Style 1.0 (115 PS) im Test: Besser als T-Roc?

Das SUV-Portfolio von Volkswagen wurde um ein Mini-SUV erweitert: Neben Touareg, Tiguan (Allspace) und T-Roc gibt es ab April diesen Jahres auch den VW T-Cross. Das im spanischen VW-Werk in Navarra gefertigte kleinste SUV der Marke kostet mit rund 18.000 Euro deutlich weniger als ein T-Roc – und ist moderner, frischer und kompakter. Aber ist er denn auch wirklich die bessere Alternative zum höher angesiedelten T-Roc? Ich bin den VW T-Cross Style mit 1,0-Liter Dreizylinder mit 115 PS und manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe über die bekannteste balearische Insel gefahren!


VW T-Cross als frischer Lifestyler

Frisch, sympathisch, bunt – so steht der neue VW T-Cross in der höchsten Ausstattungslinie „Style“ und in auffallendem Makena Türkis vor mir. Das optionale R-Line-Paket fehlt leider – und deswegen auch die durchlackierten Schweller sowie einige lackierten Teile an der Nase – aber dennoch geht die Optik des kleinsten SUV der Marke voll in Ordnung.

Galerie: VW T-Cross (2019) Test

VW T-Cross (2019) Test
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VW T-Cross (2019) Test

Das Frontdesign des T-Cross ist stark an die Formensprache des Touareg angelehnt: großer Kühlergrill in V-Form und integrierte Scheinwerfer charakterisieren sein Gesicht. In der Basisversion „T-Cross“ sowie in der mittleren Linie „Life“ sind diese serienmäßig mit Halogenscheinwerfern bestückt. Erst ab „Style“ werden die Lampen zu modernen Leuchten in Voll-LED-Ausführung (unbedingte Empfehlung).

Die Heckpartie ist gekennzeichnet von einem durchgehenden Reflektorband, das in einer in schwarzen Hochglanzleiste integriert ist. Absolutes Novum für Volkswagen. Die Rücklichter sind in LED-Technik ausgeführt, die Blinker und Rückfahrscheinwerfer aber nach wie vor konservative Lampen. Grund dafür ist die dadurch günstiger zu verbauende Messtechnik der sicherheitsrelevanten Bauteile (Blinker ist sicherheitsrelevant). Und im Preissegment des T-Cross kommt es auf jeden Cent an – Stichwort Armaturenbrett. Dazu aber später.

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Charakteristisches Designmerkmal des neuen VW T-Cross ist sein großer Kühlergrill in V-Form sowie die integrierten Scheinwerfer – optional in Voll-LED-Ausführung.

54 Millimeter mehr Länge als der Polo hat er, dabei einen minimal verkürzten Radstand. Und trotzdem sitzen Insassen hinten überraschend komfortabel und mit viel Beinfreiheit – sogar mehr als ich erwartet hätte. Die Sitzposition ist gegenüber dem Polo zehn Zentimeter höher. Das klingt erst einmal nicht viel, macht aber im Straßenverkehr einen bemerkbaren Unterschied. Die Übersicht sowie der Fahrkomfort in der Stadt gewinnen dadurch zweifelsohne.

Strammes Fahrwerk, präzise Lenkung

Das Fahrwerk des neuen VW T-Cross ist stramm abgestimmt. Trotzdem sind Wankbewegungen – vor allem in raschen Kurvenkombinationen – nicht zu verhindern. Durchaus aber nachvollziehbar und wie erwartet, denn eine Wankstabilisierung wäre in dieser Preisklasse (noch) utopisch.

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Die Lenkung ist im Normal- als auch im Sportmodus präzise und leichtgängig. Mir – mal wieder – zu leichtgängig, vor allem für ein SUV. Aber ich weiß auch, dass die meisten – Sie – eine möglichst leichtgängige Lenkung – gerade in der Stadt – schätzen.

Sehr niedriges Geräuschniveau

Viel beeindruckender aber ist die Dämmung im Innenraum: Obwohl der VW T-Cross keine Doppelverglasung verbaut hat, ist das Geräuschniveau im Interieur deutlich niedriger als im Polo. Und das sowohl vom knurrigen Dreizylindermotor vorne als auch von den Abrollgeräuschen der Reifen und des Fahrwerks. Das hatte ich so nicht erwartet.

Die gute Dämmung ist wichtig, denn für Freunde der harmonisch laufenden Motoren ist der Dreizylinder nach wie vor einfach nix. Bekannt aus up!, Polo und T-Roc zieht er im T-Cross nicht die Wurst vom Brot, knurrt und klopft aber wie ein eingesperrter Troll nach einwöchiger Hungerphase. Großartig, dass man hiervon wenig mitbekommt – vor allem wenn man die optionale und verbesserte (Bässe schlagen nicht mehr so in die Kunststoffverkleidung der Innentüren und bringen sie in Schwingung) Beats Audio-Anlage noch auf moderater Lautstärke hat.

Interieur mit frischem Design

Ebenso frisch wie das Exterieur ist das Interieur gestaltet. Bei unserem ersten Besuch im Fotostudio vor der Weltpremiere des T-Cross schrieb ich dies bereits. Damals war der Innenraum aber mit Prototypenteilen bestückt – eine finale Aussage über die Qualität der Teile war nicht möglich.

Das neu gestaltete Lenkrad kennt man schon von Passat und T6.1 (Bulli): Es fühlt sich gut an, auch die Knöpfe haben einen exzellenten Druckpunkt. Nur war ich ein Fan des Vorgänger-Lenkrads, das mir noch wertiger und gleichzeitig funktionaler erschien. Aber vielleicht ist das auch einfach nur Gewöhnung.

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Die Sitze sind in meinem T-Cross in „Diag Neutral“ gehalten. Für ein so junges und knackiges Fahrzeug in dieser knalligen Außenfarbe schlichtweg langweilig. Glücklicherweise gibt es auch noch „Diag Orange“ oder „Diag Turquoise“, die ein bisschen Leben in die Bude bringen. Ganz genau so bei den Dekoren: optional gibt es das „3D“-Dekor oben im Bild, das mit Grautönen „spielt“. Aber es gibt auch noch Farbe passend zu den Sitzbezügen.

Allgemein lässt sich aber sagen: die Qualität der einzelnen Komponenten ist hoch – das Verarbeitungsniveau ebenso. Die einzelnen Materialien sind entsprechend der Preisklasse angepasst; bedeutet, dass der Armaturenträger aus Hartplastik ist – und nicht aufgeschäumt und weich. Ja, das ist so – und das mag vielleicht den ein- oder anderen stören, jedoch ist der Kunststoff an sich – meine ich zumindest – besser und hochwertiger als der im T-Roc. Und mich jedenfalls würde es beim T-Cross nicht wirklich stören. Anschauen beim Händler ab April hilft der Bewertung meiner Aussage.

Die Platzverhältnisse sind für ein so kleines SUV echt üppig. Nicht nur – wie schon angesprochen – auf der Rückbank, sondern auch im Cockpit sowie im Kofferraum: dieser fasst 455 Liter bei vorgeschobener Rückbank. 1.281 Liter sind es bei umgeklappter Rücksitzlehne. Und: man kann den Beifahrersitz zwar nicht sehr weit nach hinten klappen (zum Schlafen und Ausruhen sehr blöd), dafür aber vollständig nach vorne. Die dann entstehende Durchlademöglichkeit schluckt sogar eine Bierbank. Cool! Da passt dann sogar der Marketing- und Kommunikationsspruch „I am more“ ziemlich treffend.

VW T-Cross 1.0 mit 115 PS nur mit DSG

Bei der kleinsten Motorisierung mit 95 PS gibt es serienmäßig ein manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe. Die Option auf die Siebengang-Doppelkupplung gibt es erst bei der 115 PS-Version, die serienmäßig mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe kommt. Tatsächlich tut sich das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe im Vergleich zum DSG schwer: Schaltwechsel beim Überholen oder Bergauffahren sind an der Tagesordnung. Drehfreudig ist der kleine Motor nicht gerade – immerhin muss er rund 1,2 Tonnen bewegen. Selbst wenn er mal in die Drehzahlen kommt, darf man von ihm keine Wunder erwarten: In 10,2 Sekunden geht es von 0 auf 100 Km/h. Bei der 95 PS-Version sind es sogar 12,5 Sekunden. Schon ein bisschen lahm.

Motorenseitig folgen später noch ein 1,5 Liter Vierzylinder mit 150 PS sowie ein 1,6 Liter großer Diesel mit 95 PS. Beide Aggregate sind – unter anderem – aus dem Polo bekannt. Allrad gibt es beim T-Cross nicht; ganz genau so wenig wie die 190 PS starken Topmotorisierungen. Nicht, dass der T-Roc durch den T-Cross zu stark kanibalisiert wird.

Das Doppelkupplungsgetriebe mit Schaltwippen hinter dem Lenkrad und einem neu designten Wählhebel verschafft dem Motor mehr Leichtigkeit und – gefühlt – mehr Leistung. Die absolute Empfehlung ist auf jeden Fall die Bestellung des DSG.

Lane Assist und Front Assist Serie

Viel getan hat sich in den letzten Jahren bei den Assistenzsystemen. Viel bei ihrer Entwicklung – aber noch mehr bei der serienmäßigen Integration in das Fahrzeug. Selbst in der kleinsten SUV-Klasse ab 18.000 Euro Grundpreis gibt es beim VW T-Cross – unter anderen Systemen – den Spurhalteassistenten sowie den Front Assist serienmäßig. Die Wahrheit zu dieser seitens VW großzügigen serienmäßigen Ausstattung ist aber auch, dass Lane Assist notwendig für eine 5-Sterne-Bewertung im Euro NCAP-Crashtest ist. Und genau diese fünf Sterne strebt Volkswagen an.

Fazit zum VW T-Cross 1.0 „Style“

Der VW T-Cross ist ein gutes Auto. Volkswagen sagt, dass kaum ein anderes Auto in seiner vierjährigen Entwicklungszeit so frei von Problemen und großen Änderungen war, wie der T-Cross. Das ist äußerst positiv – und das merkt man auch. Es scheint an alles gedacht, das Konzept wirkt schlüssig und stimmig.

Die Qualität sowohl im Interieur als auch am Exterieur ist hoch (ja, auch das Armaturenbrett und seine Einpassung), die Bedienbarkeit VW-typisch einfach, die Ergonomie komfortabel und die Fahrdynamik sportlich-souverän. Und trotzdem hat man mehr Überblick über das Geschehen.

 Bewertung VW T-Cross 1.0l 115 PS DSG
 Optischer Eindruck ++++
 Qualität Karosserie +++++
 Lackqualität Karosserie ++++
 Qualität im Interieur ++++
 Sitzkomfort Cockpit ++++
 Sitzkomfort Fonds +++
 Digitales Bedienkonzept ++++
 Raumangebot (bezogen auf das Segment) +++++
 Innenraumgeräusch / Dämmung +++++
 Lenkung ++++
 Spurtreue ++++
 Fahrwerk +++
 Motor +++
 Getriebeabstimmung ++++
 Innovation +++
 Preis +++
 Gesamteindruck Skoda Octavia RS 245 ++++
 +++++ = Maximum
Bilder: Uli Sonntag / Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 28 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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