Der neue Cadillac CT6 ist perlweißer Luxus zum fairen Preis – Fahrbericht

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Cadillac ist das Synonym für US-amerikanische Coolness zum bezahlbaren Preis. Nur leider gab es bislang immer ein paar Haken: neben dem schlecht ausgebauten Händlernetz (45 in ganz Europa) und der – zumindest früher – anfälligen Elektronik, wurden die extrovertierten Amerikaner eher von verrückten Künstlern, Multimillionären und ein paar Auto-Hipstern gefahren. Das soll sich nun ändern: mit einem neu aufgestellten Europa-Team, einem Umzug nach Soho in New York der internationalen Zentrale, großen Investitionen, dem Ausbau des Händlernetzes und zwei neuen Modellen in 2016 – ein Crossover, Cadillac XT5, der Nachfolger des SRX, und eine Limousine, Cadillac CT6 – will Cadillac den Markt erobern. Wir sind die 5,18 Meter lange Limousine in Perlweiß durch Berlin gefahren.


Exklusiver geht es nicht: Neuzulassungen in Deutschland im unteren dreistelligen Bereich

Wenn Cadillac den Markt ‚erobern‘ möchte, dann bedeutet das konkret 1.000 Neuzulassungen in Deutschland für nächstes Jahr. Bis 2020 sind die Ziele noch höher gesteckt: 10.000 Neuzulassungen nehmen sich die Amerikaner hierfür vor.

Galerie: Cadillac CT6 im Test

Cadillac CT6 im Test
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Cadillac CT6 im Test

Aktuell ist Cadillac auf dem deutschen Markt eigentlich nicht existent, denn die Neuzulassungen liegen im unteren dreistelligen Bereich. Doch das soll sich noch dieses Jahr ändern: mit der Markteinführung des Cadillac CT6 und des XT5 Anfang September sollen schon in diesem Jahr die Neuzulassungen auf 900 steigen. Ein ambitioniertes Ziel für Cadillac, für die Kunden bleibt jedoch jedes Fahrzeug, auch wenn man kaum Individualisierungsoptionen hat, ein richtig exklusives – allein aufgrund der niedrigen Stückzahlen.

Ein Stück SoHo in Berlin

Rund ein Jahr ist es her, dass das Cadillac-Headquarter von Michigan nach SoHo, New York gezogen ist und für rund 250 Mitarbeiter Platz schaffte. Der Stadtteil von Manhatten ist eines der bekanntesten Szeneviertel und weltweit bekannt – er steht für Start-Ups und Aufstreber-Hipster-Atmosphäre; dass diese Adjektive auch zur Neuausrichtung von Cadillac passen, liegt auf der Hand.

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Aber auch Berlin verkörpert diese Atmosphäre: jung, aufstrebend, anders, extrovertiert. Dass die fehlende Individualisierung eines Cadillac CT6 hier keinen Abbruch tut, liegt – wie eben schon erwähnt – an der niedrigen Stückzahl. Wenn man mit dem perlweißen (Weiß-Metallic) Cadillac CT6 durch die pulsierende Stadt fährt, drehen sich die Köpfe. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass kaum jemand dieses Auto überhaupt schon mal gesehen hat und es deswegen besonders findet (die Berliner sind ohnehin nicht als die obersten Auto-Freaks bekannt), sondern dass dieses Auto – wie übrigens fast jeder Cadillac – mit seinem skulpturartigen Wesen einen grandiosen Auftritt garantiert.

5,18 Meter für die Stadt? Grandios schaut er aus, aber wie fährt er sich?

Im Video haben wir alle Eigenschaften – statisch als auch dynamisch – ausführlich präsentiert, Vor- und Nachteile, negative und positive Seiten abgewägt. Ein vollumfassender Fahrbericht also, in drei große Teile separiert.

Doch wenn man ganz ehrlich ist: darauf kommt es nicht oder nur sehr wenig an. Eine der wichtigsten Sachen – die Zuverlässigkeit bei jahrelanger Nutzung – konnten wir ohnehin nicht ausprobieren. Hier muss man einfach auf die Neuaufstellung des GM-Konzerns vertrauen. Und wenn uns nicht alles täuscht, hat man allen Grund dazu, dies auch zu tun.

Vielmehr geht es um die Lebenseinstellung: kaum jemand kauft eben diesen aufgrund seiner besonderen Fahreigenschaften oder seiner brillianten Fahrwerksabstimmung. Hier geht es um den Lifestyle-Faktor: „ich fahre (oder besser: lasse fahren) und erzähle Euch damit, wer ich bin (oder sein will)“. Und das ist cool, das hat Flair, das hat Atmosphäre, die dieses Auto ausstrahlt und damit Freunde gewinnt.

Wer sich das diesmal sehr lange und ausführliche Video nicht anschauen möchte, bekommt nun eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Eigenschaften: ja, der Cadillac CT6 ist lang. Er ist in seinem Segment der BMW 7er, Audi A8, Mercedes S-Klassen und Porsche Panamera der mit Abstand längste (ausgenommen die Langversionen). Mit der serienmäßigen Hinterachslenkung (Achtung: nur in der Platinum-Version!) verkürzt sich der Wendekreis auf gute 11,2 Meter. Im Zusammenspiel mit der Achtgang-Wandlerautomatik lässt sich so relativ zügig auch auf engen Straßen wenden und auf dem Aldi-Parkplatz rangieren. Kein Problem. Die Umsicht wird hier durch eine Vogelperspektive und rundum-Kameras inklusive Parksensorik zu allen Seiten und Flächen unterstützt.

Als Fondpassagier lässt es sich durchaus aushalten – man fühlt sich sogar wie ein Vorstandsvorsitzender oder Möchtegern-Promi, wenn man damit vom Flughafen abgeholt oder zum abendlichen Restaurant gefahren wird: mit Sitzverstellung, Massagefunktion, Sitzbelüftung, Sitzheizung, Privacy-Rollos, komplette Kuhhaut-Veredelung und Bildschirm-Entertainment fehlt es an nichts. Und nicht nur die Anzahl der Systeme stimmt, sondern auch ihre Qualität und Verarbeitung – bis auf der Cupholder in der hinteren Mittelarmlehne und die billig anmutenden Hebel hinter dem Lenkrad.

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Der Materialmix im Cadillac: Viel Aluminium, doch dort, wo es zur Geräuschreduktion beiträgt, Stahl.
Der Materialmix im Cadillac: Viel Aluminium, doch dort, wo es zur Geräuschreduktion beiträgt, Stahl.

Wer sich keinen Fahrer leisten kann oder will, kann natürlich auch selber fahren. Das Magnetic-Ride-Fahrwerk tut sein Übriges zum Reisekomfort und lässt die Karosserie – sofern man dies über die Fahrmodi-Schaltung wünscht – bei Unebenheiten Cadillac-typisch nachschwingen. Stellt man auf „Sport“, so ähnelt das Fahrempfinden in etwa dem des Porsche Panamera mit Luftfahrwerk im „Comfort“-Modus, jedoch mit deutlich geringerem Lenkwiderstand.

Auch die Qualität im Interieur passt: kaum Plastik, ein bisschen Holz als Dekor und viel Leder. Typisch amerikanisches, weiches Leder eben, die eben zu den mächtigen Vordersitzen passen.

Zur Auswahl steht ein starker, aber behäbiger V6-Biturbo-Motor

417 Pferde ziehen mit der Kraft von 550 Nm an allen vier Rädern des Cadillac CT6. Das reicht – auch wenn es dem 3,0 Liter Aggregat schwer fällt, aus den Puschen zu kommen. Denn: keine variable Turbinengeometrie. in etwa vergleichbar mit einem Porsche 911 Turbo S der Typenbezeichnung 993, nur dass dieser leichter und deutlich agiler war. Aber vom Motorverhalten trotzdem ähnlich: erst kommt nichts, dann kommt immer noch nichts und dann kommt die brutale Kraft. Man kann damit umgehen; die deutschen Premiumhersteller können das aber schon lange besser.

Cadillac CT6 Innenspiegel

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im Video ausführlich erklärt: der wahlweise digitale Rückspiegel. Interessant, aber fragwürdig im Alltag.
im Video ausführlich erklärt: der wahlweise digitale Rückspiegel. Interessant, aber fragwürdig im Alltag.

Der Verbrauch liegt laut Norm unter 10 Liter. Geschafft haben wir dies nicht, wir sind dazu aber zugegebenermaßen auch zu zügig gefahren und haben uns meist in der Stadt aufgehalten. Ein Verbrauch zwischen 12 und 13 Litern ist dafür akzeptabel.

Neben diesem einen Benzinmotor gibt es keine Alternative. Ein Dieselaggregat ist für frühestens Ende 2017 geplant. Die Spezifikationen dafür wollte Cadillac aber noch nicht verraten. Untermotorisiert wird es aber definitiv nicht sein.

(Fast) Alles das, was die deutschen Premiumhersteller auch haben – nur eben zu einem fairen Preis

Wer sich heutzutage ein Neufahrzeug bei Mercedes-Benz, BMW oder im VW-Konzern konfiguriert, benötigt nach Abschluss dieser vor Schnappatmung eigentlich die Sauerstoffmaske des Roten Kreuzes. Man ist nicht anmaßend, wenn man die auf die Spitze getriebene Aufpreispolitik „frech“ nennt, sondern beurteilt vielmehr die aktuelle Sachlage. Lange wird dies ohnehin nicht mehr gut gehen (hoffentlich), denn mindestens die Hälfte des Fahrzeug-Grundpreises noch einmal in notwendige Zusatzausstattung zu investieren, ist schon krass.

Die asiatischen Hersteller, wie beispielsweise Hyundai, gehen schon seit Längerem in die entgegengesetzte Richtung; Cadillac treibt dies zur Spitze: jeder Kunde muss sich für eine der beiden Ausführungen entscheiden – Optionen gibt es keine. Null.

Den Cadillac CT6 gibt es in zwei Ausführungen

Luxury und Platinum heißen die beiden Versionen. In jenem Fall ist Platinum Luxus, und Luxury Semi-Luxus. Mehr gibt es nicht zu wählen – bis auf Farbe und Innenfarbe sowie Dekore. Sogar die jeweiligen Felgen gehören zu einem der beiden Ausführungen.

Die untere Version gibt es für 73.500 Euro, die obere für 94.500 Euro. Der Preisunterschied rechtfertigt sich unter anderem durch andere 20 Zoll Felgen (die Luxury-Version hat ebenfalls 20 Zoll Felgen, aber ohne Chrom-Applikationen), das Magnetic Ride Fahrwerk mit den verschiedenen Fahrmodi, Hinterradlenkung, Regeltempostat mit Abstandsregelung, Nachtkameras, die Bose-Soundanlage mit 34 Lautsprechern, sogar in der Kopfstütze und das ganze Rear-Seat-Entertainment als auch Sitzbelüftung und -Massagefunktion für alle vier Sitze.

Mit der Luxury-Version hat man also ein cooles Auto mit enorm vielen Systemen an Bord. Mit der Platinum-Version hat man einen absoluten Luxus-Schlitten mit allem an Bord, das es derzeit auf dem Markt gibt.

Und jetzt für mehr Details: Video(s) anschauen!

Lesenswert:

CADILLAC CT6: BILLION DOLLAR LAUNCH – Shots Magazin

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

5 Gedanken zu „Der neue Cadillac CT6 ist perlweißer Luxus zum fairen Preis – Fahrbericht

  • 20. Juli 2016 um 08:06
    Permalink

    Hallo,

    toller Bericht Danke!

    Werde wohl meine S-Klasse gegen den CT6 tauschen….

    Haben Sie Innenmasse bei der Vorstellung bekommen, da es mir wichtig ist, nicht weniger Platz als in der S-Klasse im Fahrerbereich zu haben?

    Mal sehen ob sich unsere Begeisterung durch setzt.. 😉

    VG
    MGe sen.

  • 20. Juli 2016 um 22:18
    Permalink

    Hallo – vielen Dank! Wir haben lediglich die Platzverhältnisse im Fond:

    „Generous rear-seat legroom – 40.4 inches (1027 mm) – and segment-best interior storage, including 2.2L center console storage volume.“

    Fahrerbereich ist angefragt!

    Viele Grüße,
    Benjamin Brodbeck

  • 25. Juli 2016 um 21:21
    Permalink

    eine Frage noch…

    habt ihr den stop and go modus im stau probieren können?

    er bleibt sicher von alleine stehen, aber wie fährt er wieder los?

    wie ist die dB Zahl im Innenraum….? Soll ja meinen Benz ablösen.

    danke Mario

  • 26. Juli 2016 um 00:29
    Permalink

    Hallo Herr Gerstmeier,

    Stop & Go funktioniert auf Volkswagen-Konzern-Niveau. Sobald man die Bremse löst, springt er unmerklich an. Auch der V6 bleibt bei aktiver Start-Stop-Funktion in einer ausgeglichenen Lage stehen.

    dB Zahl haben wir nicht gemessen. Aber Sie könnten dies selbst einmal ausprobieren, einen Termin für eine Probefahrt vermitteln wir gerne.

    Viele Grüße,
    Benjamin

  • 26. Juli 2016 um 10:42
    Permalink

    Hallo Benjamin,

    das mit der Probefahrt wäre super, da ich hier immer noch auf einen Termin warte, obwohl ich mich auch an Cadillac Deutschland gewann habe. Aber ist halt alles noch im entstehen hier in Old Germany…. ;-))

    Da ich einen der ersten CT6 kaufen möchte (sind per Schiff schon unterwegs nach Deutschland) wäre eine Probefahrt / Probesitzen im August sehr wichtig für mich. Meine S-Klasse soll im August verkauft werden.

    Wenn Sie mir hier helfen könnten, wäre das Spitze! Denn bis September auf die ersten Händler Fahrzuge zu warten, wäre nur sub optimal.

    PS Und evtl. der erste S-Klasse Fahrer, der evtl. zur Candy Familie zählt ;-))

    VG
    Mario Gerstmeier

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