Audi SQ5 3.0 TFSI (2018) im ersten Test: Eine dynamische Komposition!

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Auch der neue Audi SQ5 3.0 TFSI mit 354 PS und 500 Nm nahezu aus dem Stand fährt sich nicht wie ein klassisches SUV. Vielmehr sitzt man in einem erhöhten Performance-Coupé – wie zum Beispiel dem S4 oder S5. Kein Wunder: immerhin basieren alle drei Baureihen auf der gleichen Plattform. Dass moderne SUV-Fahrzeuge mittlerweile eher höher gesetzte Sportwagen sind und nicht mehr fahren wie betrunkene Elefanten, ist spätestens seit Porsche Macan, Jaguar F-Pace oder Alfa Romeo Stelvio Benchmark. Mit der Neuvorstellung der Speerspitze der Audi Q5-Baureihe ändert sich an dieser Philosophie nichts. Jedoch wurde das Qualitäts- und Performance-Niveau auf ein neues Level gehoben. Aber eine Eigenschaft gefällt uns nicht.


 

Audi SQ5 3.0 TFSI mit gleicher Plattform wie S4 und S5

Einheitsbrei hin oder her: schon seit geraumer Zeit gleichen deutsche Premiumhersteller Optik und Technik ihrer Modelle an, um einerseits Synergien zu generieren und andererseits ein einheitliches Markenbild zu entwickeln. Gleiche Fahrzeuge eines Herstellers, die sich nur noch durch ihre Größe, Schnelligkeit und Architektur nach Einsatzfeld unterscheiden, liegen schon jetzt in greifbarer Nähe.

Galerie: Audi SQ5 2018 im ersten Test

Audi SQ5 2018 im ersten Test
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Audi SQ5 2018 im ersten Test

Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Jedoch verliert bei dieser Strategie jede Baureihe immer mehr ihre individuelle Identität. Auch beim neuen Audi SQ5 ist das der Fall, der nicht nur Motor, sondern auch gleich die ganze Fahrzeug-Plattform mit Audi S4 und S5 teilen muss. Schwamm drüber, ist halt so.

Endrohr-Blender am Heck

Dennoch prägt eine wuchtige Front, niedrigere Seitenschweller, serienmäßige 20 Zoll und optionale 21 Zoll Felgen sowie ein tieferer Heckabschluss mit in die Karosserie gezeichneten Endrohren die Optik des Midsize-SUV. Ja, die richtigen Endrohre verstecken sich hinter dem PU-Teil und lassen den Kunststoff-Imitaten den Vortritt.

Nicht so cool. Schließlich sind rund 80 Prozent der Käufer des Audi SQ50 männlich und somit mehrheitlich dazu befähigt, dies sofort zu erkennen und als schwach abzustempeln.

500 Nm schon bei 1.350 Umdrehungen

Der neu entwickelte 3.0 TFSI-V6-Motor mit innenliegendem Abgasturbolader und pro Zylinderbank getrennt gespeisten Zuleitungen entwickelt eine Leistung von 354 PS und 500 Nm. Letztere liegen schon bei 1.350 Umdrehungen an. Der mit Fahrer über 1,9 Tonnen schwere (im Vergleich zu Alfa Romeo Stelvio wirklich schwer) Audi SUV strotzt mit dieser Kraft nur von Selbstbewusstsein und gibt dieses an seine Insassen ungefiltert weiter.

Äußerst angenehm ist auch die Kraftentfaltung des neuen Aggregats, die sich bis deutlich über 4.000 Umdrehungen konstant verhält. Ähnlich wie beim Verhältnis von 43er und 63er AMG Derivaten, haut einen die Beschleunigungsorgie des Audi SQ5 zwar nicht vom Hocker, fühlt sich aber einfach gut an. Was sich noch besser anfühlt ist die Gasannahme. Sie ist extrem direkt und verzichtet bei spontanen Aktionen komplett auf eine Denksekunde.

Audi S4, S5, SQ5? Irgendwie alles gleich - positiv gleich. Nur sitzt man hier eben etwas erhöht, die Performance-Qualitäten entkoppeln sich der Höhe.
Audi S4, S5, SQ5? Kaum ein Unterschied, nur sitzt man hier eben etwas höher.

Während man die 5,4 Sekunden von 0 auf 100 Km/h zusammen mit einer sonor tief komponierten Endrohr-Symphonie mit Tuba-Soli bei den Schaltvorgängen genießt, stellt sich dabei die Frage nach dem Verhalten in den gebogenen Geraden.

Souveränes Kurvenhandling – mit Trägheitsmoment

Das Lenkrad kann man stufenlos auf allen Achsen verstellen – so auch sehr nah an sich heranholen. Das ist exzellent. Überhaupt ist die Sitzposition und das Fahrgefühl phänomenal gut; hat man doch das Gefühl, einerseits sportlich zu sitzen, während man keinerlei Einschränkungen beim Komfort oder bei der Langstreckentauglichkeit eingehen muss.

An rasche Kurvenfahrten muss man sich dennoch erst einmal gewöhnen. Durch die überaus präzise, sehr früh reagierende und leichtgängige, fast schon synthetisch wirkende Lenkung, schmeißen sich die Vorderräder des Audi SQ5 in die Kurve, ohne es der Karosserie zeitgleich mitzuteilen.

Die Folge ist ein extrem frühes Einlenken, das exakt mit dem Lenkbefehl des Fahrers synchronisiert ist. Eigentlich der Traum eines jeden, doch die G-Kräfte machen dem Fahrgefühl einen Strich durch die Rechnung: erst die Räder und dann die Karosserie bedeutet für den Fahrer in schnellen Überland- oder langgezogenen Autobahnkurven, dass die Kräfte auf die Insassen erst nach dem Eintritt in eine Kurve wirken. Obwohl der Fahrer vollkommen ruhig fährt und das Lenkrad schon mit Samthandschuhen führt, fühlt es sich bei den Mitfahrenden an, als würde immer ein leichter Unsicherheitsfaktor mitfahren.

Optionale Ausstattung zur Fahrdynamik-Steigerung

Nichtsdestotrotz sind mit dem neuen Audi SQ5 sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten möglich. Dank optionalem Luftfahrwerk mit Wankausgleich neigt sich die Karosserie nun überhaupt nicht mehr und verschlingt Kurven wie eine Schlange ihre Mäuse. Verantwortlich dafür ist auch ein optionales Differential an der Hinterachse, das Torque Vectoring vornimmt. Heißt: das Kurveninnere Rad wird im Idealfall mit weniger Kraft versorgt, als das äußere. Audi kann so im Extremfall bis zu 85 Prozent der Kraft auf ein Rad leiten.

Absolut zu empfehlen ist die geschwindigkeitsabhängige Lenkung, die unserer Meinung ohnehin zur Standardausstattung eines Audi SQ5 gehören sollte. Leider ist sie optional, doch in diesen sauren Apfel muss man auf jeden Fall beißen – ohne eine sich der Geschwindigkeit anpassende Lenkung hat man mit diesem Fahrzeug nur halb so viel Spaß.

Der Audi SQ5 ist momentan der modernste Audi

Bis in ein paar Monaten das neue Flaggschiff der Ingolstädter vorgestellt wird und fast jeder Motor mit elektrischer Unterstützung sowie 48 Volt-Spannung arbeiten wird, bleibt der Audi SQ5 zusammen mit der 4er und 5er Baureihe das modernste Fahrzeug.

So gibt es im Interieur zum Beispiel das große 12,3 Zoll Virtual Cockpit mit eigener SQ5-Sport-Einstellung. Dabei prangt ein großer Drehzahlmesser im Ferrari-Stil in der Mitte, rechts und links können individuelle Anzeige-Einstellungen vorgenommen werden. Darüber hinaus hat man – neben den späteren Fahrdynamik-Optionen – die Möglichkeit, zahlreiche Assistenz- und Komfortsysteme zu bestellen. Eigentlich alle, die man schon kennt und sogar die, von denen man noch nie etwas gehört hat.

Fazit von AUTOmativ

 Optischer Eindruck  ++++
 Qualität Karosserie  +++++
 Qualität im Interieur  +++++
 Lenkung  ++++
 Fahrwerk  +++
 Motor  +++++
 Raumangebot  ++++
 Digitales Bedienkonzept  ++++
 Innovation  ++++
 Preis  ++++
 Gesamteindruck  ++++
   +++++ = Maximum

Eigentlich ziemlich langweilig, unsere Bewertungsskala für den neuen Audi SQ5. Bei der qualitativen Verarbeitung an Ex- und Interieur gibt es – bis auf die Fake-Auspuffblenden – nichts zu beanstanden. Audi ist in dieser Hinsicht einfach nahezu perfekt.

Die Lenkung ist äußerst präzise, wir vermissen aber mehr Widerstand – sogar im sportlichen Dynamic-Modus. Das Fahrwerk konnten wir in dieser kurzen Zeit nicht wirklich testen, es bekommt aber Abzug aufgrund des etwas unsicheren Handlingfaktors – ganz gleich ob dies an der Lenkung oder am Fahrwerk liegt.

Der V6-Motor ist ein Traum, das digitale Bedienkonzept ausgeklügelt, aber an so mancher Stelle etwas kompliziert. Die Preise starten bei 64.900 Euro, bestellen kann man den Top-Q5 ab jetzt.

Der SQ5 fährt sich besser durch Kurven, als der Alfa Romeo Stelvio, weil er zum einen hecklastiger ausgelegt ist und zum anderen eine souveränere Abstimmung besitzt. Für die ausgeklügelte Fahrdynamik eines Porsche Macan reicht es jedoch nicht ganz.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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