Darf (oder muss) es in einem 380.000 Euro teuren Auto pfeifen?

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Es wird wahrscheinlich nicht eintreten, dass ich mir jemals ein Auto für über eine viertel Million kaufen werde – oder vielleicht ja doch? Wie auch immer: FALLS der Fall eintreten sollte und McLaren bis dahin nicht vollkommen elektrisch unterwegs ist, könnte ich mir für das Geld fast einen McLaren 720S Spider kaufen. V8, 720 PS, Carbon-Monocoque – einfach ein Kunstwerk. Ich konnte in der vergangenen Woche tatsächlich zum zweiten Mal einen Eindruck des Supersportwagens bekommen. 5 Tage lang war diese englische Maschine in unserer Redaktion. Und es war gewaltig. Was aber auch gewaltig war: Der Testwagen hatte Fehler – und das nicht zu knapp.


„Bei einem Ferrari MUSS es leicht reinregnen oder irgendetwas anderes am eigenen Auto darf nicht perfekt sein, sonst wird man nicht ernst genommen und nicht in die Community aufgenommen“, erzählte mir mal ein leidenschaftlicher Ferrari-Fahrer und -Sammler. Ob das wirklich so ist sei dahingestellt.

Wir hatten den 720S Spider schon 2019 bei seiner Neuvorstellung im Fahrbericht.

Mein Anspruch jedenfalls (falls das überhaupt in der Supersportwagen-Community interessiert) ist es nicht. Wenn ich 381.450 Euro (Testwagenpreis des McLaren 720S Spider, Fahrbericht folgt) für einen Wagen ausgeben würde, ist mein Anspruch Perfektion. Und so beeindruckend der McLaren 720S Spider auch ist und so kunstvoll er gemacht ist – perfekt war der Testwagen zumindest nicht.

So wummerte und pfeifte er vor allem stark im Bereich der rechten A- oder C-Säule (war ich mir nicht ganz sicher woher das kam) ab ca. 90 Km/h – ab 160 Km/h wurde es sogar so unerträglich, dass man auf jeden Fall das Dach schließen musste. Verschiedene Einstellungen der Rückscheibe habe ich ausprobiert, auch habe ich nach unsauberen Fugen geschaut. Witzig dabei: An der Selbstwaschanlage traf ich zufällig den Mann, der damals für den Einkauf der Interieurteile zuständig war. Ich fragte ihn ein paar Dinge – aber unter anderem auch ob das normal sei und er erwiderte, dass McLaren schon immer große Probleme mit Fugen und Spaltmaßen hatte – und immer noch hat. Daher könnte das kommen, mit bloßem Auge schwer zu erkennen.

Ein anderer Punkt waren starke Vibrationen des Motors im Stand – und das bei einem eigentlich super ruhig laufenden V8. Ein weiterer Punkt war die Instabilität bzw. fehlende Spurstabilität und ebenso Vibrationen bei höheren Geschwindigkeiten ab 200 Km/h. Ich bin mir ja dessen durchaus bewusst, dass Trofeo R Reifen (Semislicks) erst auf Temperatur kommen müssen und auch Spurrillen folgen wie ein Polizeispürhund im Flughafeneinsatz. Aber so? Habe ich die Reifen nach 150 Kilometer immer noch nicht so warm, dass sie auch auf dem Asphalt der allgemeinen Autobahn funktionieren? Können das die Semislicks von GT3 und/oder R8 etwa besser?

Und mich fuchst das – schon die ganze Woche. Die Presseabteilung von McLaren sagt zu einigen meiner Punkte sie würden das prüfen – manche Punkt seien eben so wie sie sind.

Mich interessieren dazu die Kundenmeinungen. Gerne auch Ihre (falls wir hier auch McLaren-Besitzer oder Besitzerinnen unter unseren Lesern und Leserinnen haben). Ich habe darüber hinaus auch in den verschiedenen McLaren Foren gefragt, ob ähnliche Probleme bekannt und/oder normal sein. Mal sehen was hier zurückkommt.

Wie war Ihre Woche? Das können Sie mir gerne schreiben: BB@AUTOmativ.de.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 31 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.