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McLaren-Designer wird Chef-Designer bei Porsche: Tobias Sühlmann folgt auf Michael Mauer

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Ein echter Paukenschlag in der Designabteilung der Porsche AG: Nach rund 22 Jahren prägendem Design übergibt Michael Mauer den Chef-Zeichenstift an Tobias Sühlmann, der von McLaren kommt. Der neue, ebenfalls von McLaren kommende, Vorstandvorsitzende von Porsche, Michael Leiters, vollzieht diesen Wechsel an der Spitze direkt mit dem Beginn seiner Amtszeit. Damit dürfte für den Stuttgarter Sportwagenbauer eine neue Ära der Kreativität im Design – und damit der Begehrlichkeit der Fahrzeuge bevorstehen. Wer bei McLaren nachrücken wird, steht noch nicht fest.

Karriere im Volkswagen Konzern

Extravaganz hat in der Welt des Autodesigns zweifelsohne mehrere Namen. Aber einen Namen eines absoluten Talents muss man sich spätestens jetzt merken: Tobias Sühlmann. Richtig bekannt in der Szene wurde Sühlmann 2017 mit der Gestaltung des Exterieurdesign des damals neu vorgestellten Volkswagen Arteon.

Sein – für Volkswagen Verhältnisse – sehr progressiver Entwurf hatte sich damals bei Volkswagen gegen enorme interne Widerstände durchgesetzt. Später setzte er noch eine Schippe drauf und entwarf auch die Shooting-Brake-Version – also sozusagen die Kombi-Version – des Arteon. Aston Martin wurde dabei auf ihn aufmerksam. Nach einem kurzen Stop bei Bugatti wechselte er dann zur britischen Sportwagenmarke.

Der Schritt in die Welt der Supersportwagen

Mit dem Wechsel zu Aston Martin im Jahr 2018 begann für Tobias Sühlmann der endgültige Schritt in die Welt der Hochleistungs- und Supersportwagen. Als Chef-Designer Exterieur verantwortete er unter anderem das Design des Aston Martin Vanquish Vision Concept sowie des Valhalla. Das sind zwei Fahrzeuge, die exemplarisch für die strategische Neuausrichtung der Marke in Richtung Hybridisierung und Elektrifizierung standen.

Auch das Lagonda All-Terrain Concept, das 2019 auf dem Genfer Autosalon gezeigt wurde, trug seine gestalterische Handschrift. In dieser Phase zeigte sich Sühlmanns Fähigkeit, klassische Markenelemente mit radikal neuen Proportionen und aerodynamischen Anforderungen zu verbinden. Damit verfügt er über eine Kompetenz, die in der heutigen Sportwagenwelt als Schlüsselqualifikation gilt.

Galerie: Die prägendsten Arbeiten von Tobias Sühlmann

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Design-Verantwortung bei Mclaren und Bentley

Seine erste Station bei McLaren führte Sühlmann 2020 nach Woking, wo er als Chief Designer für Special Projects tätig war. In dieser Rolle verantwortete er unter anderem das Design des McLaren Solus GT – eines extrem limitierten Track-only-Hypercars, das sich bewusst außerhalb klassischer Designkonventionen bewegt. Der Solus GT steht exemplarisch für Sühlmanns Ansatz, Design nicht als bloße Hülle, sondern als integralen Bestandteil von Performance, Aerodynamik und Nutzererlebnis zu verstehen.

Bei Bentley übernahm er zunächst die Leitung des Exterieurdesigns und wurde Anfang 2023 zum Director of Design befördert. Maßgeblich beteiligt war er am Bentley Mulliner Batur, einem streng limitierten Zwölfzylinder-Coupé, das zugleich als Ausblick auf die zukünftige Designsprache der Marke diente. Der Batur gilt als stilistisches Bindeglied zwischen traditioneller Luxusästhetik und einer stärker skulpturalen, reduzierten Formensprache.

Im September 2023 kehrte Sühlmann schließlich als Chief Design Officer zu McLaren zurück. In dieser Funktion verantwortete er die gesamte Designstrategie der Marke – vom Serienfahrzeug bis zu exklusiven Sonderprojekten.

Generationswechsel bei Porsche

Die Berufung nach Stuttgart erfolgt nun nach nur gut zwei Jahren in dieser Rolle, unterstreicht jedoch die strategische Bedeutung, die Porsche dem Thema Design in der kommenden Dekade beimisst. Mit Tobias Sühlmann übernimmt bei Porsche ab dem 1. Februar 2026 ein Designer die Leitung, der sowohl die Strukturen großer Volumenhersteller als auch die Arbeitsweise kleiner, hochspezialisierter Sportwagenmanufakturen kennt.

Der Wechsel markiert zugleich einen klaren Generationswechsel: Sühlmann ist 46 Jahre alt, sein Vorgänger Michael Mauer 63. Michael Mauer hatte die Designverantwortung bei Porsche seit 2004 inne und prägte in dieser Zeit nahezu jedes Modell der Marke. Unter seiner Leitung wurden der Cayenne neu interpretiert, der Panamera als erste Sportlimousine der Unternehmensgeschichte etabliert und mit dem 918 Spyder ein technologisches Aushängeschild geschaffen. Zudem überführte Mauer die Porsche-Design-DNA erfolgreich in das Elektrozeitalter, etwa mit dem Taycan.

Der neue Vorstandsvorsitzende der Porsche AG, Michael Leiters, würdigt Mauer „als stilprägende Persönlichkeit“, die das ikonische Design des 911 behutsam weiterentwickelt und zugleich auf neue Modellreihen übertragen habe. Mauer selbst sieht den Zeitpunkt für den Wechsel als bewusst gewählt: Zeitloses Design, so Mauer, benötige „sowohl Beständigkeit als auch neue Impulse“.

Was der Wechsel für Porsche bedeutet

Die Berufung von Tobias Sühlmann lässt erwarten, dass Porsche künftig stärker mit expressiveren Proportionen und Oberflächen arbeiten wird, ohne dabei die markentypische Zurückhaltung komplett aufzugeben. Sühlmanns Vita zeigt eine klare Affinität zu progressiven Konzepten und extremen Fahrzeugen, gleichzeitig aber auch ein tiefes Verständnis für Markenidentität und historische Kontinuität.

Dass Michael Mauer seinen Nachfolger in einer Übergangsphase begleiten wird, deutet auf einen bewusst gestalteten, evolutionären Übergang hin – keinen radikalen Bruch. Für Porsche ist dies insofern entscheidend, als Design hier nicht nur ästhetische Funktion hat, sondern ein zentraler Bestandteil des Markenkerns und der wirtschaftlichen Positionierung ist.

In einer Zeit, in der sich Antriebskonzepte, Fahrzeugarchitekturen und Nutzererwartungen grundlegend verändern, kommt der Rolle des Chefdesigners eine strategische Bedeutung zu, die weit über die Formgebung hinausgeht. Mit Tobias Sühlmann setzt Porsche auf einen Gestalter, der diese Komplexität aus unterschiedlichsten Perspektiven kennt – und der nun die Aufgabe hat, die nächste Design-Ära der Marke einzuläuten. Wir wünschen dabei viel Erfolg – und natürlich viel Freude.

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Mia Iannotta

Mia ist seit Mitte 2015 das italienische und - viel wichtiger - eines der beiden weiblichen Herzen von AUTOmativ.de. Ohne ihre Beiträge wäre das Magazin definitiv lebloser und langweiliger. Mia lebt die meiste Zeit des Jahres im Großraum Rom, den Rest verbringt sie irgendwo anders. Warum sie manchmal über Automobile schreibt? Nun, als wir sie auf der Mille Miglia beobachteten, wie sie sich um die Alfisti kümmerte, konnten wir einfach nicht widerstehen.

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