Der neue Porsche 935 zweite Generation: Die Rückkehr von „Moby Dick“

Er war brutal, er war fantastisch. Pünktlich zum 70-jährigen Markenjubiläum lässt Porsche eines seiner legendärsten Modelle wieder neu aufleben. Mit seiner einzigartigen Karosserie zählt der Porsche 935 von 1978, genannt „Moby Dick“, bis heute zu den beliebtesten und erfolgreichsten seriennahen Rennwagen. Grund genug also, den 935 mit dieser auf 77 Exemplare limitierte Hommage nochmals zu würdigen. Doch ist diese auch so gelungen wie das Original?


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Der Porsche 935 – und der Porsche 935. Erste Generation (rechts hinten) und die Neuauflage (links vorne). Beides mit die schönsten Rennwagen, die es je gegeben hat (Bild: Porsche AG).

Neuer Porsche 935 basiert auf dem GT2 RS

Erwartungsgemäß hat der neue 935 mit dem flammenspuckenden Ungeheuer von damals – bis auf das Äußere – nur noch wenig zu tun. Basierend auf dem Porsche GT2 RS wurde dem neuen 935 – neben kleineren Anpassungen – lediglich eine dem Urvater nachgeahmte Karosserie spendiert. Mit den schon serienmäßigen 700 PS und der Rennstreckenabstimmung des GT2 RS wären weitere großartige Veränderungen aber ohnehin redundant.

Das Monster wurde gezähmt

Wer sich von der Retro-Optik aber noch täuschen lässt, dem wird spätestens nach einem Blick ins Innere klar, dass es sich hier eindeutig um ein neues Auto handelt. So begrüßt einen unter anderem ein digitales Anzeigendisplay und ein vom 2019 erscheinenden 911 GT3 R übernommenes multifunktionales Carbon-Lenkrad – ja, sogar eine Klimaanlage ist mit an Bord.

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Das hat mit den rauen und brutalen Rennboliden der 70er Jahre natürlich nur noch wenig zu tun. Während man damals noch hauptsächlich damit beschäftigt war, seinen Rennwagen irgendwie auf der Strecke zu halten, lassen sich beim neuen Porsche 935 beispielsweise die vielen Fahrassistenzsysteme ganz bequem per Schalter in der Mittelkonsole bedienen. Dementsprechend ist das Remake sehr viel näher an der Perfektion, auch wenn dadurch – wie so oft – die alten Emotionen ein wenig verloren gehen.

Und gerade diese rohen Emotionen waren es, die das Vorbild damals zu einer wahren Rennsport-Ikone machten. Aus dem Auspuff schlagende Flammen und bei Vollgas durchdrehende Reifen – und das selbst im letzten Gang – sind bei der Neufauflage natürlich nicht mehr an der Tagesordnung. Andererseits: kann man Porsche wirklich den Vorwurf machen, zu gute Autos zu bauen?

Optisch ist „Moby Dick“ fast perfekt

Besonders von vorne ähnelt der neue Porsche 935 seinem Ursprung stark. Schon wie in den 70ern wurde die bestehende Karosserie durch Anbauteile aus CFK ersetzt beziehungsweise ergänzt. So finden sich auch die meisten der markanten visuellen Elemente von einst – wie etwa die auffälligen Verbreiterungen, das stromlinienförmige Heck oder die verkleideten Felgen – auch bei der Neuauflage wieder.

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Ursprung vs. Moderne Interpretation. Die Ähnlichkeit ist erstaunlich.

Doch besonders bei der Seitenansicht fällt auf, dass der aktuelle 991 einfach ein ganzes Stück länger als der 911 Carrera RSR Turbo 2.1 ist, auf dem der originale 935 beruhte. Das führt aus dieser Perspektive zu einem, zumindest meiner Meinung nach, nicht hundertprozentig stimmigen Gesamtbild.

Sie bekommen nicht genug von der Schönheit, die Porsche-Fahrzeuge ausstrahlen? Wir auch nicht!

Konzipiert für die Rennstrecke

Zu Gesicht bekommen wird man den Porsche 935 der zweiten Generation (auch der der ersten) vorrangig auf der Rennstrecke. Denn eine Straßenzulassung bekommen beide nicht. In der eigenen Garage stehen tut er nur bei den 77 glücklichen Besitzern. Laut Porsche wird er nämlich ausschließlich bei Clubsport-Veranstaltungen und privaten Rennstrecken-Trainings zum Einsatz kommen.

Bitte mehr davon!

Doch aller punktuellen Kritik zum Trotz, cool ist der neue Porsche 935 definitiv. Die Idee von Porsche, sich der eigenen umfassenden Motorsport-Historie zu bedienen und einem großartigen Stück Renngeschichte neues Leben einzuhauchen, ist einfach genial. Doch warum sollte dies eigentlich ein einmaliges Vorkommnis bleiben? Wie wäre es beispielsweise mit einer Neuauflage des Porsche 908 oder des legendären Porsche 917? Wie immer dieser Satz bei derartigen Derivaten: man wird ja wohl noch träumen dürfen.

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Technische Daten Porsche 935 (Typ 991, Gen. 2)

Konzept:

• Einsitziges seriennahes, nicht homologiertes Rennfahrzeug.
• Basis: Porsche 911 GT2 RS (991.2)

Gewicht/Maße:

• Gewicht: ca. 1.380 kg
• Länge: 4.865 mm
• Breite: 2.034 mm (inkl. Seitenspiegel)
• Gesamthöhe: 1.359 mm
• Radstand: 2.457 mm

Motor:

• Wassergekühlter 6-Zylinder-Aluminium-Biturbo-Boxermotor in Hecklage und starrer Aufhängung; 3.800 cm3; Hub 77,5 mm; Bohrung 102 mm; ca. 515 kW (700 PS)
• 4-Ventil-Technik mit Nockenwellenverstellung und Ventilhubabschaltung Vario-Cam Plus
• Elektronisches Motormanagement (Continental SDI 9)
• 100-Zellen Metallkatalysator nach DMSB
• Endschalldämpfer mit Doppelendrohr in mittiger Anordnung im Heritage-Design

Kraftübertragung:

• 7-Gang PDK-Getriebe mit starrer Aufhängung und kurzen Schaltwegen
• Zweimassenschwungrad
• Interne Druckölschmierung mit aktiver Ölkühlung
• Rennsport-optimierte Differentialsperre

Karosserie:

• Gewichtsoptimierte Rohkarosse in Aluminium-Stahl-Verbundbauweise mit CfK Anbauteilen zur Verbesserung der Aerodynamik sowie der Stabilität
• Heckflügel mit in Sideplates integriertem Leuchtenkonzept
• Vergrößerte Lufteinlässe mit integrierten LED-Hauptscheinwerfern im 4-Punkt-Design
• abnehmbare Dachluke gemäß FIA Art. 275a
• aerodynamik-optimierte Außenspiegel
• 115 Liter FT3 Sicherheitstank mit „Fuel-Cut-Off“ Sicherheitsventil gemäß FIA Art. 253 im Vorderwagen, optional mit Schnellbetankungskupplung
• eingeschweißter Sicherheitskäfig
• Rennschalensitz Recaro mit Längsverstellung und Padding System gemäß FIA Standard 8862/2009
• 6-Punkt Sicherheitsgurt
• Drei-Stempel Lufthebeanlage
• Feuerlöschanlage mit elektronischer Auslöseeinheit

Fahrwerk:

VA: McPherson-Federbein; Steifigkeitsoptimierter Schmiedelenker
mit Hochleistungsgelenklager Rad-Zentralverschluss; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Elektromechanische Servolenkung mit variabler Lenkübersetzung; Schwertstabilisator

HA: Leichtbau-Mehrlenkerachse mit Unibal-Gelenken; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Schwertstabilisator

Bremsen:

• Zwei getrennte Bremskreise für Vorder- und Hinterachse; Waagebalken-Balance-Regulierung.

• Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel an der Vorderachse mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 380 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

• Vierkolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel an der Hinterachse mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 355 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

Elektrik:

• Kombiinstrument bestehend aus COSWORTH ICD mit integriertem Datenlogger, Sport-Chrono-Uhr und Ladedruckanzeige in historischem Look
• CfK-Multifunktions-Lenkrad mit Pit Speed Limiter und Schnelltrennkupplung
• Fahrstabilitätssystem PSM (Porsche Stability Management) mit ABS, Traction Control und Electronic Stability Control vollständig abschaltbar
• Mittelkonsole mit Mapschalter für Einstellung ABS, ESC, TC und Wechsel zwischen voreingestellten Reifenumfängen
• Porsche Track Precision Race App
• Integrierter Laptrigger
• Leichtbau Lithium-Ionen (Li-Fe-Po-) Batterie, 60 Ah, auslaufsicher mit Position im Beifahrerfußraum
• Not-Aus-Schalter Cockpit und Frontscheibenrahmen links außen
• Reifendruckkontrollsystem (RDK)
• Klimaanlage

Felgen/Bereifung:

VA: Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen
11,5J x 18 ET 15,3 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 29/65-R18

HA: Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen
13J x 18 ET -10 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 31/71-R18

Farbe:

Achatgrau-Lack auf Wasserbasis; Optional: Martini-Livery

Fahrzeugpreis:

701.948 Euro zzgl. länderspezifischer MwSt. Auslieferung ab Juni 2019

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