Kleiner Einbruch auf dem Oldtimer Markt – Bitte keine Panik!

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Wir sind in keinster Weise oder in irgendeiner Form zertifizierte Vermögensberater – und in diesem Land schon gar nicht. Doch wir sind in den letzten Tagen auf Informationen aufmerksam geworden – den Oldtimer Markt betreffend – die wir nun gerne weitergeben möchten. Und da der Markt für klassische Automobile schon seit einiger Zeit seine Hausse erlebt und dieser bislang als einer der wenigen Märkte noch als „sicheres Anlageinstrument“ neben Grund und Boden gilt, ist dieses Thema äußerst sensibel. Aber machen wir uns nichts vor, die Vermutung, dass die Preise von Top-Oldtimern wie beispielsweise Mercedes 300 SL oder Porsche 911 2.7 RS nicht ins Endlose steigen werden, wird in absehbarer Zeit zur Realität werden: in Nordamerika nun erlebte der Oldtimer Markt vor zwei Wochen den größten Einbruch seit 14 Monaten. Und was in den USA passiert, erleben wir in Europa meistens zeitversetzt.


Der Markt für klassische Automobile ist im Moment so teuer wie noch nie. Warum?

Als wir vor ein paar Wochen die Techno Classica in Essen – eine der weltgrößten und bekanntesten Oldtimer-Messen – besuchten, durchbrachen die Preise der Mercedes-Benz 300 SL Roadster zum ersten Mal die eine Million-Euro-Grenze. Da wundert es nicht, dass der Oldtimer Markt einer der beliebtesten Anlegermärkte der Welt ist (siehe Chart).

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Chart Finanzmärkte gegen Mercedes-Benz 1955 300 SL Flügeltürer (Quelle: Hagerty)

Kein anderer Finanzmarkt hat diese, schon fast „unnatürlichen“ Renditen. Wer einen Mercedes-Benz 300SL Flügeltürer (rund 2,5 Millionen Euro) oder einen Porsche 911 2.7 RS (rund 900.000 Euro) in seiner Garagen stehen hat, kann im Moment noch zuschauen, wie Tag für Tag die Dollarnoten förmlich aus den Fugen wachsen. Denn der Durchschnittspreis für einen Mercedes Flügeltürer ist seit 2010 um über 150 Prozent gestiegen.

Wer hinter dieser Analyse steckt.

Es sollte gesagt sein, dass die US-Amerikanische Versicherungsgruppe Hagerty – spezialisiert auf Oldtimer – die grundsätzlich ein großes Interesse an der Stärke des klassischen Automarktes haben sollte, einen monatlichen Index zur Bewertung des Oldtimer Marktes herausgibt, in dem sie neben vielen anderen Faktoren die allgemeine Anzahl der Klassik-Auktionen sowie die Verkaufspreise von Privatverkäufen dokumentieren und aufbereiten.

Diese Zahlen werden bei den Versicherungsprämien klassischer Automobile berücksichtigt und anhand des aktuellen Wertes eines individuellen Fahrzeuges errechnet.

Größter Einbruch im Oldtimer Markt seit 14 Monaten – laut Hagerty.

Laut Hagerty liegt im Monat Mai diesen Jahres der größte Einbruch bei verkauften Einzel-Sammlungen und bei bestimmten Fahrzeugen, wie beispielsweise dem Jaguar XJ-S, dessen Durchschnittspreis um 15 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr fiel.

Zudem wurde gegenüber Vorjahr ein Drittel weniger Fahrzeuge auf den Auktionen zum Verkauf angeboten – das kann entweder bedeuten, dass so langsam alle Menschen ihre Sammlung vollständig haben (das wird nie passieren) oder dass allgemeine Zurückhaltung und vorsichtiges Abwarten herrscht, weil Privatverkäufer und Händler gemerkt haben, dass sie nicht mehr diese paradiesischen Preissteigerungen verlangen können (wahrscheinlicher).

Zudem erlösten alle Privatverkäufe zusammen den niedrigsten Gewinn seit 12 Monaten. Diese Beobachtung stützt und bestätigt letztere These massiv.

Die Original-Analyse kann man sich hier zu Gemüte führen.

Porsche 930 Turbo 750x750 - Kleiner Einbruch auf dem Oldtimer Markt - Bitte keine Panik!
Ebenfalls eines der gefragtesten Sammlerautos: der Porsche 930 Turbo.

Also so schnell wie möglich den Markt verlassen und alles verkaufen?

Wenn dann ein Vermögens-/Sammlermarkt so unglaublich überhitzt ist (das ist nicht der Wortlaut von Hagerty, sondern unserer), dann könnte doch jede noch so kleine Erschütterung eine große Zeitenwende einläuten – theoretisch. Da wäre der Oldtimer Markt nicht der erste, dem diese Annahme widerfährt, man werfe nur einen kurzen Blick auf den deutschen Aktienmarkt.

Aber es ist anzunehmen, dass der Oldtimer Markt auf eine Blase zusteuert – dies vermuten auch die Analysten von Hagerty. Es sei dabei keine Frage mehr um das „ob“, sondern nur noch das „wann“.

Also wer mit Oldtimern spekuliert und auf Nummer sicher gehen möchte, dürfte jetzt wohl so langsam eine Umschulung auf den Handel mit Grund und Boden anstreben.

An Oldtimern ist nichts innewohnend, das den Wert so überdurchschnittlich ansteigen lässt und es gibt auch keinen Milliardär, der jeden Tag Mercedes Flügeltürer gegen die Wand setzt, nur um die Stückzahl zu reduzieren und die Preise zu erhöhen.

Hagerty teilt auf Anfrage mit, der Markt für klassische Ferrari sei nicht mehr heiß, sondern „radioaktiv“.

Die US-Amerikanische Versicherungsgesellschaft betont sogar, dass der Markt für historische Ferrari Fahrzeuge nicht mehr heiß sei, sondern mittlerweile radioaktiv. Wir wissen wahrscheinlich alle, dass man radioaktiven Sachen nicht zu nahe kommen darf, weil sie einen sonst einige Zeit später schmerzhaft sterben lassen.

Wenn das für den klassischen Markt von Ferrari gilt, gilt es auch für Mercedes, Porsche und alle vergleichbaren. Wie immer – die Revolution kommt.

 

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 31 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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