VW Polo GTI 2018: Hier sind ALLE Details, die sich geändert haben – DEEP DIVE

Anlässlich der IAA 2017 habe ich mich sehr intensiv mit dem VW Polo GTI beschäftigt – hier mein persönlicher Bericht über nahezu alle Details, die sich beim neuen VW Polo GTI gegenüber dem alten geändert haben.


Hinweis Benjamin (Herausgeber): wir ließen einen Polo GTI-Spezialisten seine Eindrücke des neuen Polo GTI schildern und veröffentlichen seine detaillierten Ansichten im Folgenden.

Nur noch als Fünftürer, dafür mit 2.0 Liter Motor aus Golf GTI und R

Die drei Buchstaben GTI lassen jedes Herz höher schlagen – es sind drei Buchstaben, die oft kopiert, aber nie erreicht wurden. Drei Buchstaben, die viele Limousinen-Diesel Fahrer hinter sich lassen.

Und da steht er nun, der neue Polo GTI der sechsten Generation: weiß, fünftürig, auf 18 Zoll großen Felgen, die vom Golf GTI Clubsport geklaut wurden. Er wirkt sehr erwachsen. Wow – Bravo, VW!

Galerie: VW Polo GTI (2018)

VW Polo GTI (2018)
Bild 1 von 10

Erwähnenswert ist, dass der neue VW Polo nur noch ausschließlich als Fünftürer angeboten wird. Somit ist der Dreitürer aus dem Poloangebot verschwunden. Aber keine Sorge: das Einsteigen des in der Länge um neun Zentimeter gewachsenen Polo klappt hervorragend. Keinerlei Probleme für über 1,80 Meter große Menschen, bequem im neuen Polo Platz zu nehmen.

Wo der 6C GTI noch mit einem 1.8 Liter TSI und 192PS um die Ecke kam, kommt der neue mit einem 2.0 Liter großen Aggregat – und zur Freude der GTI-Fans ist es der Motor aus dem Golf GTI (E888). Ich habe mir den GTI sehr genau angeschaut, denn ich selbst fahre im Moment noch den 6C GTI und bin sehr zufrieden. Auch kenne ich ebenfalls den 6R 1.4 GTI, den ich selbst einmal gefahren habe.

Endlich mehr Platz!

Somit kann ich die neue Polo-Generation direkt mit dem Vorgänger vergleichen – auch im Interieur. Dazu nehme ich erst einmal im Fond Platz und bin überrascht – ist das noch ein Polo? Besonders hier merkt man den Unterschied der neuen Generation: schöne, ausgeformte Sitze, die einem selbst in der zweiten Reihe einen guten Halt geben.

Dazu kommen größere Ablagefächer in den Türen. Hier kann man endlich auch ein Getränk unterbringen – nur leider gibt es keine Armlehne mehr. Trotzdem kein Vergleich zum 6R und 6C (Facelift), denn nun können endlich zwei erwachsene Menschen mitgenommen werden, ohne nach längeren Fahrten Rückenschmerzen zu bekommen.

Zu meiner Überraschung ist auch der Kofferraum größer. Auch wenn ich kein Maßband dabei habe, stelle ich mit Hilfe meines iPhone Plus grob fest, dass die Tiefe ab Kofferraumkante bis zur Hintersitzbank im Vergleich zum 6C GTI um eine gute iPhone Länge gewachsen ist. Im 6 R bzw. C sind es 288 Liter Kofferraumvolumen – im Neuen 350Liter. Der Abstand zum Golf der siebten Generation (380 Liter) ist weiter geschmolzen.

Die Batterie wurde – wohl aus Gewichtsverteilungsgründen – in den Kofferraum (Unterboden) verlegt. Beim Ausstellungsfahrzeug war der Ladeboden nicht variabel – wohl weil der Subwoofer des Beats Sound Systems ungünstig in den Kofferraum verlegt wurde. Vermutlich wäre der variable Laderaum bei Nichtbestellung des Sound Systems weiterhin vorhanden (das gilt es noch zu klären!).

Hinter dem Lenkrad des VW Polo GTI der sechsten Generation

Nun geht es in Richtung Fahrerseite, hinter das GTI Lenkrad. Auch hier fällt mir sofort auf, dass die Sitze mehr Beinauflage bieten und breiter geworden sind. Zu erwähnen sind auch die nun einstellbaren Kopfstützen. Das zeigt, dass mittlerweile auch die Sitzarchitektur des Golf GTI in den Polo GTI übernommen wurde.

Durch die MQB-Bauweise ist der Fahrzeugschwerpunkt weiter nach unten gewandert. Somit sitzt man gegenüber dem Vorgänger nun auch tiefer. Hinzu kommt auf beiden vorderen Sitzen eine per Hebel einstellbare Lordosenstütze, die ausreichend Unterstützung für die Lendenwirbel garantiert. Somit ist das Ding echt langstreckentauglich.

Im Golf arbeitet noch das volldigitale Kombiinstrument (Active Info Display) der ersten Generation. Im Polo GTI kommt hingegen bereits das Display der zweiten Generation zum Einsatz. Es bietet noch mehr Funktionen, arbeitet flüssiger und noch schneller als das der ersten Generation.

Mein Blick geht weiter in Richtung des neuen Navigationssystems. Hier ist das Discover Media verbaut – mit wieder vergrößertem Bildschirm und sowohl schärferer als auch flüssigerer Anzeige. Die jetzt verbaute Glasscheibe ist – im Gegensatz zur bisher matten (dadurch optisch benutzerfreundlichen) Oberfläche – empfindlicher für Fingerabdrücke.

Das neue Media-Navi ist also so groß wie das Discover Pro Navi der Golf Generation, die von 2012 bis 2016 gebaut wurde. Sprich acht Zoll in der Diagonale. Das ist leider auch das Maximum an Größe, denn das neue Pro-System mit sagenhaften 9,2 Zoll Diagonale ist dem neuen Golf exklusiv vorbehalten. Irgendeinen Unterschied muss es ja auch geben.

Zudem verfügt der neue VW Polo über ein mit weißem Licht beleuchtetes Handy-Ablagefach für induktives (also kabelloses) Laden unterhalb der Klima Einheit. Für diejenigen, deren Handy noch nicht über diese Funktion verfügt, hat Volkswagen gleich zwei USB Anschlüsse spendiert – Handyladung ist also kein Problem!

Keyless-Go ohne Safe-Sicherung

Erwähnenswert ist auch die Klimaanlage, die im neuen Polo zwei Zonen hat und somit auch der Beifahrer seine eigene Temperatur einstellen kann. Bei der Sitzheizung hat VW den Rotstift angesetzt und bietet weiterhin nur eine zweistufige Sitzheizung an, trotz der größeren Sitze.

Eine weitere Premiere, die es im Polo zu feiern gibt, ist das „Keyless-System“. Es gibt einen Start-Knopf, um den GTI zu erwecken, ohne dabei den Schlüssel nutzen zu müssen. Dies war sonst ausschließlich dem Golf vorbehalten. Aber aufpassen: wenn man im aktuellen Konfigurator der VW Homepage schaut ließt man “ Keyless-Go ohne Safe-Sicherung“. Hier wird dem Kunden wieder nur die Hälfte geboten. Das heißt: das Auto schließt nicht von alleine ab – man muss also die Fernbedienung nutzen um das Auto zu schließen. Im Golf verriegelt er selbstständig, sprich: Keyless-Go mit Safe-Sicherung.

Positiv hingegen: das Handschuhfach. Hier ist die Multimedia-Einheit, bestehend aus CD sowie zwei SD-Kartenslots im
Inneren des Fachss nun oberhalb erreichbar, ohne – wie beim Vorgänger umständlich – das Handschuhfach leeren zu müssen.

Auch der VW Polo GTI kommt mit allerhand Assistenzsysteme

Ja, was wären wir nur ohne Assistenz Systeme? Hier verfügt der neue VW Polo GTI über einige, wie zum Beispiel ACC. Es ist hinter dem VW Logo am Kühlergrill angebracht und somit unsichtbar integriert. Das ACC misst und regelt automatisch den Abstand zum Vordermann und ersetzt somit den von VW in Rente geschickten klassischen Tempomaten. Neu ist ebenfalls der Tote-Winkel-Warner in den beiden Außenspiegeln.

Im Innenraum wurde gespart

Aber zurück zum Vergleich des Innenraums, den ich eingangs versprochen hatte. Denn hier muss ich starke Kritik anmerken: nicht, dass dieses „Rote-Matte-Dashboard“ wirklich Geschmackssache ist und – Gott sei dank – noch in anderen Farben konfigurierbar sein wird. Nein, vielmehr wurde im Innenraum leider auch sehr gespart.

Angefangen bei den Haltegriffen am Dachholm (sogenannte Angstgriffe), die nun alle verschwunden sind. Auch Akzente wie die silbernen Streifen, die sich durch Fahrer- und Beifahrertür zogen, der Lichtschalter, der auch seinen „silbernen Akzent“ verlor und somit deutlich billiger wirkt, dafür aber nach unten wanderte und sich somit nicht mehr im Fahrerfenster spiegelt. Immerhin.

Es sind eben die kleinen Dinge, die einem sofort auffallen und entscheidend für den Gesamteindruck des Interieurs sind. Die Armlehne ist deutlich kürzer geworden und bietet als Staufach nur noch ein tiefes Loch. So schön das altbekannte Lederlenkrad, das seit 2012 im Golf GTI und seit 2015 im 6C Polo GTI verbaut wurde, ausschaut, sucht man vergebens die roten Ziernähte an der Handbremse. Ich unterstelle Volkswagen hier jetzt mal keine bösen Absichten. Obwohl: wahrscheinlich wirklich mit Absicht eingespart statt einfach nur vergessen. Und somit fehlt an der – noch – mechanischen Handbremse das GTI Feeling.

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Der Vorgänger-Polo GTI stellte ganz schön was dar auf den kurvigen Elsass-Straßen. (Bild: Benjamin Brodbeck – Fahrbericht Polo GTI).

Die Cupholder vorne wirken – und ich betone das Wirken – deutlich kleiner als im 6C. Ob sie es wirklich sind – oder ob es eine optische Täuschung ist – das werde ich noch herausfinden. 

Fahrwerks- und Antriebstechnik des neuen Polo GTI

Der GTI kommt leider wieder mit einem Sport Select Fahrwerk. Dies ist identisch zu meinem 6C GTI und somit also keine Neuheit. Hier kann man per Knopfdruck über die Sport Taste die Dämpfer härter einstellen, gleichzeitig geht das DSG Getriebe von (D)rive in den S Modus.

Es wird erzählt, dass sich der neue Polo GTI von hart auf noch härter einstellen lassen würde. Wer ein hartes Fahrwerk nicht kennt, der sollte den 6R 1.4 GTI gefahren sein, denn dieser kam nicht mit einem Sport Select Fahrwerk und war trotzdem hart. Genau das machte den 6C GTI zu – einem meiner Meinung nach – komfortablen Autobahn Cruiser.

Also warum leider? Ganz einfach: die meisten erhofften sich (wie auch ich) nun ein adaptives Fahrwerk – sprich das DCC aus dem Golf, da der Polo über den MQB des Golf produziert wird. Nun wurden wir leider wieder vertröstet.

Ebenfalls keine Neuheit sind die LED-Scheinwerfer mit den fortlaufenden typischen roten Streifen. Diese gab es bereits im Polo 6C GTI (klar – mit anderem Design), der seit Februar 2015 gebaut wird (und die ich selbstverständlich auch in meinem mitbestellt hatte).

Die Sache mit dem Licht – veräppelt uns nur weiter, VW!

Ich hoffte auf Dynamische LED – auch hier wurde ich leider enttäuscht. Wieder nur starre verbaut. Um Himmels willen, ich möchte die LED Scheinwerfer nicht schlecht reden, die Ausleuchtung ist wirklich Klasse, nur erhofft man sich in einer neuen Generation einen weiteren Schritt in Richtung Neuheit, denn die dynamischen LED-Schweinwerfer werden ja bereits im Golf verbaut. Und wenn wir schon beim Thema LED sind: beim Heck des Polo schaut man auch etwas blöd aus der Wäsche, denn hier wird der Kunde echt veräppelt. Volkswagen spricht teilweise von optischen LED-Heckleuchten. In Wirklichkeit bestehen die Heckblinker aus antiquierten Glühbirnen.

Hingegen positiv – in diesem Zusammenhang – zu erwähnen, sind die Rückfahrscheinwerfer: hier hat die neue Polo-Generation nun zwei bekommen. Und oh – Pardon: à propos Heck! Hier ist etwas vom Golf verbaut – die Rückfahrkamera! Diese ist nun genauso im Logo versteckt. Beim 6C war sie noch oberhalb des Nummernschildes im Freien und somit von Schmutz und Regen nicht verschont.

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Der Vorgänger-Polo GTI in seinem Element.

Herzkammerflimmern mit diesem neuen EA888!

Nun zum Motor. Und ja, wir sprechen hier wirklich vom E888 2.0 Liter Motor des Golf GTI. Endlich. Danke VW, ich liebe Dich! Wie bereits von VW bekanntgegeben, wird hier nicht mehr das Siebengang-DSG verbaut sein. Dieses Getriebe war ein wartungsfreies Trocken-Kupplungs-Getriebe. Im neuen Polo GTI wird das Sechsgang-DSG mit 320Nm verbaut. Beim VW-Service muss man nun alle 60.000 Kilometer das Getriebeöl wechseln. Man spricht hier auch von einer nicht wartungsfreien Nasskupplung.

Welche genaue Übersetzung das verbaute Sechsgang-DSG haben wird, weiß noch niemand, denn es gibt noch keinen Fahrbericht. Ich hoffe, dass es die Übersetzung vom Golf PP (2012-2017) sein wird. Diese ist sehr lang und eignet sich somit auch zum Spritsparen, was angesichts des fehlenden siebten Ganges notwendig wäre.

Kurz zurück zum Siebengang-DSG, das auch in meinem 6C GTI seine Arbeit verrichtet. Dies war leider auf 250Nm begrenzt – im neuen Polo ist dies also auf 320Nm erhöht worden. Außerdem gibt es satte 8 PS mehr – da sollte es doch richtig vorwärts gehen, oder etwa nicht? Der Schock sitzt bei mir noch tief, denn der neue Polo GTI mit seinen satten 70Nm mehr (mit DSG) bricht die 0-100 km/h Marke in identischen (zum 6C GTI) 6,7 Sekunden – auch wenn Benjamin das in seinem Video hier anders erfahren haben will. Was läuft denn hier falsch?

Mehr Gewicht Leute, warum denn das?!

Ich habe mir das Datenblatt genau angeschaut und siehe da: der Polo hat ordentlich an Gewicht zugelegt. Unfassbare 1.355 Kilogramm Leergewicht für ein kleines Auto! Klar, größere Karosserie und nur noch als Fünftürer und mehr Sicherheits- und Komfortausstattung. Aber genau das würde die schlechte Zeit erklären, denn der 6C (meiner) wiegt 1.280 Kilogramm und zieht mit nur 250 Nm Drehmoment in 6,7 Sekunden gleich. 75 Kilogramm gibt es hier nicht wegzudiskutieren, wobei VW noch Werbung machte: bis zu 70 Kilogramm leichter.

Mir ist bewusst, hier auch nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen: fünf- gegen drei Türen. Aber trotzdem.

Das Siebengang-DSG wurde oft kritisiert. Dies war dem 6R 1.4 GTI geschuldet; in meinem 6C macht es eine super Arbeit, tendiere bei mir auf eine bessere Hardware- und Software-Optimierung gegenüber dem alten 6R GTI. Ich weiß, dass es nur den bereits zitierten 250 Nm standhält. Wenn man nun aber überlegt, dass es im Handschalter des 6C GTI 320 Nm benötigt (70Nm mehr), um mit der DSG Variante auf dem Papier gleichauf zu sein (0-100), sieht es in der Realität (Straße) zu 90 Prozent so aus, dass das DSG gewinnen wird.

Ich bin zufrieden und hätte mir das neue Siebengang-DSG gewünscht, was auch im neuen Golf GTI PP verbaut wird. Denn hier hat beim neuen VW Polo GTI wohl das Kostendenken die Oberhand gewonnen. Es bleibt also abzuwarten, was das DSG-Getriebe nun mit seinen 70 Nm mehr kann. Einen Handschalter wird es erst Mitte 2018 geben.

Die Leistung des GTI muss natürlich auch kontrolliert werden – hier spricht VW von dem XDS (eine elektronische Sperre – leider also auch keine mechanische). Und über welches XDS sprechen wir? In meinem 6C GTI ist das XDS+ verbaut, wo ist das Plus? Sprechen wir hier über eine neue Generation des XDS? Auch hier müssen wir noch auf einen Fahrbericht warten.

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