Mercedes-Benz S-Klasse Facelift (2026) soll auf Level 4 autonom fahren können
Das Mercedes-Benz S-Klasse Facelift (2026) soll auf Level 4 autonom fahren können. Nachdem Mercedes-Benz beim kommenden Facelift der S-Klasse zunächst auf eine Weiterentwicklung der Level‑3‑Funktionalität verzichtet, sorgt nun eine neue Aussage aus dem Vorstand für erneute Aufmerksamkeit. Heute, zum 140. Jubiläum des Automobils, soll die Mercedes-Benz S-Klasse der Öffentlichkeit präsentiert werden.
In einem Podcast mit The Pioneer erklärte Mercedes‑Benz‑CEO Ola Källenius, die überarbeitete S‑Klasse (Modelljahr 2026, siehe geleaktes Titelbild) werde „Level 4 ready“ sein. Eine Aussage, die weitreichende Interpretationen zulässt – technisch wie strategisch.
Kein Level 3, jetzt aber Level 4: Wie realistisch ist das?
Der Kontext ist bemerkenswert: Noch vor wenigen Tagen hatten Insiderberichte nahegelegt, dass das Facelift der S‑Klasse ohne die bisher verfügbare Level‑3‑Option „Drive Pilot“ kommen soll. Mercedes-Benz, bislang Vorreiter bei der regulatorisch genehmigten Einführung von hochautomatisiertem Fahren nach Level 3, schien damit bewusst auf Abstand zu gehen.
Die neue Aussage des Konzernchefs deutet nun auf einen Perspektivwechsel hin – oder zumindest auf eine Verschiebung des Fokus. Källenius stellte jedoch klar, dass sich die angekündigte Level‑4‑Fähigkeit nicht unmittelbar als bestellbare Funktion für Kunden niederschlagen werde. Der Grund liege weniger in der Technik als vielmehr in den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Europäischen Union, die einen Serieneinsatz von Level‑4‑Systemen bislang nicht zulassen. Die S‑Klasse sei also vorbereitet, dürfe ihr Potenzial aber noch nicht ausspielen.
Was bedeutet in diesem Zusammenhang „Level 4 ready“ konkret?
Der Begriff lässt bewusst Interpretationsspielraum. Denkbar ist, dass Mercedes‑Benz die notwendige Sensorik, Rechenleistung, Redundanzen und Software‑Architektur bereits an Bord hat, die Freischaltung aber regulatorisch und softwareseitig auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt. Ebenso möglich ist jedoch, dass es sich um ein strategisches Signal handelt – an Investoren, an den Markt und an Wettbewerber –, während sich die tatsächliche Serienreife noch in der Entwicklung befindet.
Fakt ist: Der Sprung von Level 3 zu Level 4 ist technologisch wie rechtlich erheblich. Während Level‑3‑Systeme den Fahrer zeitweise von der Fahraufgabe entbinden, bleibt dieser weiterhin abrufbereit. Level 4 hingegen erlaubt vollautomatisiertes Fahren in definierten Einsatzbereichen ohne Fahrerüberwachung. Der Anspruch, ein solches System in einer Serienlimousine wie der S‑Klasse vorzubereiten, ist hoch – und mit erheblichen Entwicklungs‑ und Absicherungskosten verbunden.
Ob Mercedes‑Benz mit der „Level 4 ready“-Aussage tatsächlich einen kurzfristig realisierbaren Technologiesprung andeutet oder bewusst Zeit gewinnt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der Konzern positioniert sich weiterhin als relevanter Akteur im Rennen um das autonome Fahren – auch wenn der nächste Schritt vorerst eher auf der strategischen als auf der regulatorischen Ebene erfolgt. Weitere Details zur technischen Umsetzung und zum konkreten Funktionsumfang dürften in den kommenden Wochen folgen.

