Bovensiepen Zagato (2026): Edleres BMW M4 Cabriolet als Alpina-Nachfolger kurz vor Auslieferungen
Mit dem Bovensiepen Zagato startete 2025 eine neue Marke in einem vertrauten Umfeld. Nach dem Verkauf der Namensrechte von Alpina an BMW positioniert sich die Familie Bovensiepen neu – mit einem eigenständigen Fahrzeugkonzept, das bewusst oberhalb klassischer BMW-Derivate angesiedelt ist. Der erste Vertreter ist ein zweitüriger Gran Turismo, gestaltet von Zagato und gefertigt in Buchloe im Allgäu. Jetzt stehen die ersten Kundenfahrzeuge kurz vor Auslieferung.


Marktstart und Strategie: Neustart nach Alpina
Die Premiere des Bovensiepen Zagato erfolgte im Mai 2025 beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este. Der Produktionsstart müsste jetzt – im März 2026 – schon hinter uns liegen, denn die ersten Auslieferungen sind für Ende Mai 2026 geplant. Offizielle Angaben zum Grundpreis sowie zu den Stückzahlen des Fahrzeugs wurden seitens Bovensiepen nicht gemacht. Klar ist aber, dass es bei rund 350.000 Euro losgehen wird – und es handelt sich beim Zagato um ein streng limitiertes Kleinserienmodell.
Die strategische Ausrichtung unterscheidet sich bewusst von Alpina. Statt modifizierter Serienfahrzeuge mit eigener Typgenehmigung liegt der Fokus nun auf exklusiven Einzelprojekten mit hoher Individualisierung und deutlich geringeren Stückzahlen.

Technische Basis: BMW M4 als Fundament
Der Bovensiepen Zagato basiert technisch auf der aktuellen BMW-4er-Generation, konkret auf dem M4 Cabriolet. Der Grund liegt in der Konstruktion: Durch den Wegfall des Klappdachs entsteht Spielraum für eine komplett neue Dachstruktur, während die Serienarchitektur erhalten bleibt. Unter der neu entwickelten Carbon-Karosserie bleibt die ursprüngliche BMW-Struktur weitgehend bestehen.
Teilweise sind sogar originale Karosserieelemente weiterhin vorhanden, ergänzt durch eine zweite, eigenständige Außenhaut. Damit folgt das Fahrzeug einem klassischen Coachbuilding-Prinzip, bei dem Design und Individualisierung neu entwickelt werden, während die technische Basis übernommen wird.

Antrieb: S58-Reihensechszylinder mit Leistungssteigerung
Im Zentrum steht ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit Biturbo-Aufladung. Das Aggregat basiert auf dem bekannten BMW S58-Motor, wurde jedoch überarbeitet und leistungsgesteigert. Der Bovensiepen Zagato leistet 611 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h erfolgt in 3,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt oberhalb von 300 km/h. Mit diesen Werten bewegt sich das Fahrzeug auf dem Niveau aktueller Hochleistungsmodelle von BMW.
Fahrwerk und Konstruktion: Gran Turismo statt Tracktool
Der Fokus des Bovensiepen Zagato liegt nicht auf maximaler Rundstreckenperformance, sondern auf Langstreckentauglichkeit. Das Fahrwerk ist entsprechend abgestimmt und nutzt adaptive Dämpfer von Bilstein. Drei Fahrmodi – Comfort, Sport und Sport Plus – sollen eine Bandbreite von komfortorientierter bis straffer Abstimmung ermöglichen.

Die Titan-Abgasanlage von Akrapovič wiegt rund 22 Kilogramm, reduziert den Abgasgegendruck und erzeugt – laut dem was wir bislang gehört haben – durchaus ein prägnantes Klangbild.

Carbon-Karosserie und Gewicht: Leichtbau mit Einschränkungen
Die Außenkarosserie soll laut Bovensiepen nahezu vollständig aus Carbon bestehen. Das soll Gewicht sparen und zugleich größere gestalterische Freiheit ermöglichen. Dennoch wird das Leergewicht mit 1.875 Kilogramm angegeben – ein Wert, der für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse zwar üblich ist, den Anspruch konsequenten Leichtbaus jedoch relativiert. Zum Vergleich: Ein gut ausgestatteter Porsche 911 Carrera GTS wiegt rund 1,6 Tonnen.
Die Kombination aus Serienstruktur und zusätzlicher Außenhaut soll dazu führen, dass der Gewichtsvorteil der Carbon-Karosserie teilweise wieder aufgehoben wird. Gleichzeitig soll der Wegfall des Cabrio-Dachs der technischen Basis das Gesamtgewicht wieder reduzieren und so zu einem ausgewogenen Verhältnis beitragen.


Abmessungen und Proportionen: Klassischer Gran Turismo mit BMW-DNA
Gegenüber der Basis soll der Bovensiepen Zagato in Länge und Breite zulegen. Genannt werden 4.943 Millimeter Länge, 1.913 Millimeter Breite und 1.394 Millimeter Höhe. Die veränderten Proportionen sollen aus der neu entwickelten Karosserie und der modifizierten Dachlinie resultieren. Ziel ist eine klassische Gran-Turismo-Silhouette mit langer Motorhaube und flacher Dachführung, die visuell gestreckt wirkt und dem Fahrzeug eine eigenständige Präsenz verleiht.
Gleichzeitig bleibt die technische Herkunft erkennbar, da grundlegende Dimensionen und Architektur weiterhin auf der BMW-Plattform basieren.
Design: Zagato-Handschrift mit erkennbarer Herkunft
Das Design stammt vom italienischen Karosseriebauer Zagato. Typische Merkmale sind beispielsweise das Double-Bubble-Dach, stark ausgeformte Kotflügel und eine Linienführung ohne B-Säule. Diese Elemente sollen dem Fahrzeug eine eigenständige Identität verleihen. Die Front verzichtet auf die klassische BMW-Niere und interpretiert die Formensprache eigenständig, während das Heck mit klar definierten Flächen und markanter Linienführung gestaltet ist.
Trotz dieser Änderungen bleiben Proportionen, Kabinenposition und Achsgeometrie eng an der Basis orientiert, was die Nähe zum Ausgangsfahrzeug weiterhin erkennen lässt.



Innenraum: Veredelung statt Neuentwicklung
Im Innenraum soll der Fokus auf hochwertigen Materialien und Individualisierung liegen. Leder, Alcantara und gefräste Metallkomponenten sollen das Interieur prägen und einen exklusiven Eindruck vermitteln. Über ein Bespoke-Programm sollen nahezu alle Farb- und Ausstattungswünsche realisierbar sein, was jedes Fahrzeug zu einem Unikat machen soll. Die grundlegende Architektur bleibt jedoch unverändert: Instrumententafel, Infotainment und Bedienelemente stammen weiterhin aus dem BMW-Baukasten, was dazu führt, dass der Schwerpunkt auf Veredelung und Verarbeitung liegt und weniger auf einer eigenständigen Neuentwicklung des Innenraums.
Manufaktur in Buchloe im Allgäu: Hoher Aufwand, geringe Stückzahlen
Die Fertigung soll in Buchloe in Handarbeit erfolgen. Pro Fahrzeug sind mindestens 250 Stunden vorgesehen, wobei mehr als 400 spezifische Komponenten verbaut und individuell angepasst werden. Dieser hohe manuelle Aufwand soll dazu führen, dass jedes Fahrzeug einen ausgeprägten Unikat-Charakter erhält. Gleichzeitig begrenzt dieser Ansatz die Skalierbarkeit der Produktion bewusst und grenzt das Fahrzeug klar von klassischen Serienmodellen ab.

Bovensiepen Zagato ist Coachbuilding auf moderner Plattform
Der Bovensiepen Zagato bewegt sich konzeptionell zwischen zwei Ansätzen: Die technische Basis liefert der BMW M4, während Karosserie, Design und Teile der Abstimmung eigenständig entwickelt wurden. Dieses Konzept soll dazu dienen, die Vorteile moderner Großserientechnik mit individueller Gestaltung zu verbinden.
Das Ergebnis ist kein vollständig neu entwickeltes Fahrzeug, sondern ein umfassend modifiziertes Derivat im Sinne klassischen sogenannten Coachbuildings. Die Bewertung hängt damit stark von der Gewichtung zwischen Eigenleistung und Basis ab.

So positionieren die technischen Daten, der Materialeinsatz und der Fertigungsaufwand den Bovensiepen Zagato klar im oberen Segment. Mit 611 PS, 700 Nm Drehmoment und einer Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h liegt die Performance auf hohem Niveau. Der Einsatz von Carbon und die handwerkliche Fertigung sollen den Premiumanspruch unterstreichen.
Einen direkten Ersatz für Alpina stellt es nicht dar, ebenso wenig einen klassischen Wettbewerber für BMW M. Vielmehr handelt es sich um einen eigenständigen Ansatz, der moderne Technik mit individueller Fertigung kombiniert. Ob dieses Konzept langfristig trägt, wird maßgeblich von der finalen Positionierung und der Akzeptanz im Markt abhängen.

