Fahrbericht Abarth 695 XSR Yamaha: Mit dem Krawall-500er durch die Vogesen

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Alleine beim Kaltstart der limitierten Abarth 695-Sonderserie stellen sich meine Nackenhaare auf. Der Kleine macht auf ganz dicke Hose und imitiert das Blubbern eines Doppel-V8-Speedbootes in unwesentlich geringerer Lautstärke – nicht übertrieben. Der erste vorsichtige Impuls meines Fußes während des Anfahrens morgens um halb Sieben gilt meinem hoffnungslos bösartigen Nachbarn – der zweite auch.


 

Akrapovic sorgt für ordentlich Krawall

Noch bevor die Rollläden hochgerissen werden, um mich wieder mit allem Erdenklichen beschimpfen zu können, verabschiede ich mich mit einem herrlichen Zwischengas-Ploppen aus den Ofenrohr-großen Endrohren der legendären tschechischen Abgasanlage namens Akrapovic.

Galerie: Mit dem Abarth 695 XSR Yamaha in die Vogesen

Mit dem Abarth 695 XSR Yamaha in die Vogesen
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Erster Stopp: Obernai. Die französische Stadt im Elsass ist zwar einer der begehrtesten Touristenorte schlechthin, aber dort gewesen sein muss man unbedingt.

Dieses Verhalten mag gewiss nicht die feine englische Art sein, aber ich habe schon früh herausgefunden, dass mir die temperamentvolle italienische ohnehin viel besser steht. Außerdem ist die limitierte Sonderserie Abarth 695 XSR Yamaha nicht zum Kuscheln gebaut. Dafür ist eher das Basisderivat ohne Skorpion und breite Frontschürze zuständig, das wir auch schon im Test hatten.

Abarth 695 XSR Yamaha mit 165 PS

Meine Hände umfassen das mit halb Alcantara, halb Leder ausgestattete Lenkrad fest – weiße Lederhandschuhe wären jetzt genau das richtige. Zwar ist dieses Abarth 500-Derivat mit 165 PS Leistung nicht das potenteste, dafür aber das lauteste. Seine Extrovertiertheit ist möglicherweise seiner geringen Größe geschuldet – Napoleon-Syndrom.

Der kleine Racker hat dabei ein großes Talent, sich in kürzester Zeit herausragend mit dem rechten Fuß des jeweiligen Fahrers zu verstehen. Diese Liebe wird in Tunneln und Parkhäusern stets leidenschaftlicher. Dass in derartigen baulichen Gegebenheiten nicht automatisch die Seitenfenster heruntergelassen werden und bei unserem Cabriolet das Stoffverdeck nach hinten fährt, verwundert.

Aber auch in geschlossenem Zustand durchfluten die einflutigen Carbon-Endrohre der Titan-Abgasanlage den Raum mit kompositorischer Meisterleistung, die genau jene Tiefen meines Gehörs stimuliert, die bei mir in Kombination mit einem Fahrzeug pure Leidenschaft auslösen. Nur zu hoch gedreht mag der kleine 1,4 Liter Motor mit Garrett-Turbolader nicht werden. In diesem Fall stimmt das Orchester nämlich unweigerlich die eher dumpferen Klänge an und verweist auf die wirkliche Größe seiner Brennkammern – sollte diese Information vor lauter Race Mode des Fahrers in Vergessenheit geraten sein.

Koni-Fahrwerk mit FSD-Ventilen

Doch hohe Drehzahlen entstehen automatisch auf Autobahnen, denn selbst der höchste Gang des manuellen Fünfgang-Schaltgetriebes lässt die Drehzahlen schon bei Reisegeschwindigkeiten ab 150 Km/h tanzen. Ein sechster Gang bei dieser Leistung würde nicht nur der Akustik dienen, sondern auch dem Verbrauch. Dieser ist mit rund sieben bis acht Litern im normalen Straßenverkehr zwar in Ordnung, aber wie sagt man so schön: es geht immer besser. Außerdem würde mit jener Erweiterung auch das Risiko entfallen, während der Fahrt aus Versehen und aus Gewohnheit in den Rückwärtsgang zu schalten.

In den Serpentinen und Spitzkehren der Vogesen spürt man, dass das Fahrwerk von Profis angepasst wurde: vorne und hinten mittels Koni-Ventilen höhenverstellbar, gibt es hinten spezielle KONI-Stoßdämpfer. Auch die Bremsen sind mit einem Durchmesser von 284 mm vorne und 240 mm hinten deutlich größer.

Natürlich trägt auch sein geringes Gewicht von 1.075 Kilogramm für das Cabriolet zur Agilität bei. Lastwechsel fallen kaum ins Gewicht und die 17 Zoll großen Alus mit 205er Bereifung packen einiges.

Fazit und Preis zum Abarth 695 XSR Yamaha

 Optischer Eindruck  +++++
 Qualität Karosserie  ++++
 Qualität im Interieur  +++
 Lenkung  ++++
 Fahrwerk  +++++
 Motor  ++++
 Raumangebot  ++++
 Digitales Bedienkonzept  +++
 Innovation  ++
 Preis  ++++
 Gesamteindruck  ++++
   +++++ = Maximum

Der Abarth 695 XSR Yamaha ist eine Wucht. Zwar hat er – für mich unverständlich – nur 165 PS, während seine Competizione- und Rivale-Brüder 180 haben. Nichtsdestotrotz reißt es die Akrapovic-Anlage raus. Sie ist ausschließlich von Enthusiasten für Vollblutbenzin-affine konstruiert. Auf der Straße weckt die quirlige Powerkugel Sympathien und bekommt viel Aufmerksamkeit.

Fahrdynamisch macht der spezielle Abarth 695 extrem viel Spaß. Auch wenn er nicht der schnellste ist, macht jede Kurve Freude. Schade ist, dass man relativ hoch sitzt und das Lenkrad beim Einstellen nicht zu sich heranziehen kann.

Die Cabiolet-Version des Abarth 695 XSR Yamaha kostet 27.500 Euro. Das Coupé ist 2.500 Euro günstiger. Aber nur bei ersterem hat man die volle Soundkulisse.

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Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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