Honda Civic Type R (GT) Fahrbericht: Japans Messer sind die schärfsten!

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Sehr unangenehm war es meiner Freundin mit mir und dem Honda Civic Type R GT (denn nur in der GT-Version hat er das mächtige Spoilerwerk) in der sehr aufmerksamkeitserregenden Farbe „Racing Blue Pearl“ durch die „Hotspots“ in Salzgitter zu fahren. Zugegeben: Der gepimpteste 3er-BMW ist ja wirklich nichts gegen den blauen Racer mit Mega-Frittentheke. Und die Blicke sind einfach unvergesslich. Wichtig dabei: Der Honda Civic Type R GT macht nichts zum Spaß – sein Design und seine Technik funktionieren nur Hand in Hand. Nicht umsonst war er bis 2017 das schnellste frontangetriebene Fahrzeug auf der Nürburgring Nordschleife. Ein kurzer (Er)Fahr(ungs)bericht!


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Was für eine Höllenmaschine. Nicht im Sinne von Beschleunigung – das können VW Golf GTI Clubsport oder Renault Mégane R.S. ebenfalls – aber im Sinne von Lenkungspräzision und Fahrwerk. Der Honda Civic Type R GT ist von allen jemals gefahrenen Kompaktsportlern der Brutalste, das fühlt man schon auf den ersten Metern.

Die Vorderachse ist – gefühlt – so fest mit dem Lenkrad verbunden, dass jedes Zehntel des Lenkwinkels umgehend seine Wirkung zeigt. Dazu das hochpräzise manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe und die sehr fein abgestimmte Gaspedalkennlinie – wow! Was für ein Traum!

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320 PS und 400 Nm Drehmoment leistet der VTec-Motor unter der Haube des Civic Type R.

Damit führt man den Vorderwagen des Honda Civic Type R GT so durch die Kurven auf der Landstraße wie das Damastmesser durch Wagyu-Steak. Es ist einfach nur schön. Dass derartige Autos gebaut werden, die einzig und allein auf den Fahrer (und seinen Beifahrer) zugeschnitten sind, ist wunderbar.

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Pommes mit Currywurst und zwei Cola auf dem Raststätten-Parkplatz? Würde entspannt gehen. Aus Respekt vor der japanischen Ingenieurskunst und ebenso ausgetüftelten Aerodynamik haben wir das ausnahmsweise nicht gemacht.

Da stört es auch kaum, dass der Sound aus den drei ungleichen Endtöpfen am Heck nicht ganz so emotional ist (eher Luftpumpe) oder dass die Ansaug-Hutze auf der Motorhaube ab 180 Km/h wie wild das Zittern anfängt. Wobei Letzteres irritiert tatsächlich – macht es doch den Eindruck eines nicht ganz fest sitzenden Teils. Mir ist es nicht verständlich, warum das so sein muss. Schwamm drüber, oder eher Quickfix in der Werkstatt.

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Sein Fahrverhalten kommt einem Mégane R.S. ziemlich nah, aber im oberen Dynamikbereich ist das Heck des Honda Civic Type R stabiler als das des Mégane R.S. Und das ist auch gut so, bringt Ruhe in die Karosserie.

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Die Räder stehen aufgrund der Fahrwerksgeometrie so weit innen. Eine bessere Aerodynamik würde es tatsächlich geben, wenn die Räder bündig mit der Karosserie abschließen würden. Je weniger Angriffsfläche die Flanken der Radkästen bilden, desto besser für den cw-Wert. Der vordere Splitter in Kombination mit den seitlichen Einlässen formen den sogenannten „Air Curtain“. Die Bremsenkühlung wird über die Einlässe darunter geregelt.

Wohingegen das Fahrverhalten eines Golf GTI Clubsport komplett anders ist: Hier spielen Faktoren wie Sicherheit und Langstrecken-Komfort eine Rolle mit mehr Priorität als beim Honda. Das geht auf Kosten der radikalen Fahrdynamik – und schließlich auch auf Kosten von Zehntelsekunden auf der Nordschleife.

Nicht schön ist die Verarbeitung an manchen Stellen im Cockpit des Honda Civic Type R: Das Lenkrad erinnert an die ersten Controller zur Steuerung des persönlichen Bildschirms im Langstrecken-Flugzeug nach Bangkok im Jahr 1998 und die Verarbeitung der Microfaser-Elemente lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Bei einem Auto mit knapp 15.000 Kilometer darf ein Material nicht aussehen, wie von vor 20 Jahren. Bei unserem Testwagen war das aber so. Das ist sehr schade.

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Fazit zum Honda Civic Type R (GT)

Der Honda Civic Type R GT ist genau das richtige Auto für diejenigen, die ein Auto für die Strecke oder für die Landstraße suchen. Die Abstimmung ist hochpräzise, die Mechanik aller Komponenten der Wahnsinn. Wer oft nur Langstrecke fährt kann sich mit dem „Komfort“ des Type R sicherlich anfreunden, doch ein GTI (Clubsport) wäre hier dann besser geeignet.

Honda Civic Type R (GT) (2021)
Optischer Eindruck+++++Gewöhnungsbedürftig, aber wenn man den Stil mag, ist das Auto auch optisch ein Bringer.
Qualität Karosserie++++Viel Sicht-Carbon, einige Anbauteile wirken nicht ganz so hochwertig (z. B. Lufthutze Motorhaube)
Lackqualität Karosserie++++Gute Lackierarbeiten, kaum Orangenhaut
Qualität im Interieur+++Könnte besser sein, gerade am Lenkrad einige Schwachstellen
Sitzkomfort Cockpit++++Die Sportschalensitze sind komfortabel als auch sportlich
Sitzkomfort Fonds+++Nicht für die Langstrecke gemacht
Digitales Bedienkonzept++In die Jahre gekommen
Raumangebot (bezogen auf das Segment)+++Gerade so im Durchschnitt – aber großer Kofferraum
Innenraumgeräusch / Dämmung+++Hohe Abrollgeräusche
Lenkung+++++Hochpräzise Abstimmung
Spurtreue+++Eher unruhiger Vorderwagen bei Spurrillen, auch sonst eher unruhig auf der Vorderachse, aber ruhiges Heck, auch in Extremsituationen
Fahrwerk+++++Ebenso hochpräzise und fest abgestimmt, man spürt jeden Kieselstein
Motor+++++Durchzugs- und drehmomentstark, hervorragend dosierbar, leistungsstark
Getriebeabstimmung+++++Kurzer 6. Gang, ansonsten ein Traum, dieses manuelle Sechsgang-Getriebe
Innovation++++z. B. Ausgefeilte Aerodynamik, ausgefeilte Abgasanlage
Preis++++Mit rund 42.000 Euro unterhalb des meisten Wettbewerbs
Gesamteindruck+++++
 +++++ = Maximum

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 31 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.