Fahrbericht Honda Jazz: Stadtraumwunder ab 15.990 Euro

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Richtig gelesen: es heißt Stadt-Raum-Wunder, nicht Stadt-Traum-Wunder, denn wir bewegen uns hier beim Honda Jazz auf rein sachlicher, nicht emotionaler Ebene. Nicht immer und überall auf der Welt muss ein Automobil für jeden emotional sein um zu überzeugen – und es muss auch nicht in allen Punkten über perfekte Eigenschaften verfügen. So ist zum Beispiel das CVT-Automatikgetriebe träge, die Optik gewöhnungsbedürftig. Dennoch überzeugt der Honda Jazz in seinem Segment mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis, einer großzügigen Serienausstattung und einem unschlagbar großen Raumangebot.


102 Saug-PS aus einem 1,3 Liter Vierzylindermotor

Ein Sportler ist er nicht, das spürt man schon beim Einsteigen. Auch die Beschleunigungswerte suggerieren dies: 12 Sekunden für das Automatikgetriebe, 11,2 Sekunden für den Handschalter. Der Honda Jazz ist ein gemütlicher Zeitgenosse mit bequemem Einsteig, mit – für einen Kleinwagen – hoher Sitzposition, einer großen Frontscheibe, einem aufgeräumten Cockpit mit großen Knöpfen und Schaltern und einer exzellenten Übersichtlichkeit.

Galerie: Honda Jazz im Test

Honda Jazz im Test
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Honda Jazz im Test

Beim Honda Jazz steht im neuen Modelljahr nur noch eine einzige Motorisierung zur Verfügung: ein Reihen-Vierzylindermotor mit 1,3 Litern Hubraum und 102 PS – keine Turbolader. Beim Vorgängermodell gab es noch die Wahl zwischen einem 1,2 Liter Benziner mit 90 PS und einem 1,4 Liter Benziner mit 100 PS. Da dies einfach kein großer Unterschied war, einigte man sich auf die goldene Mitte in Sachen Hubraum und das obere Ende in Sachen Leistung.

Serienmäßig ist ein Schaltgetriebe verbaut, optional gibt es das CVT-Automatikgetriebe (Schaltgetriebe aber empfehlenswert).

Der Motor ist kein Meisterwerk, aber er verrichtet seinen Dienst. Er dreht ordentlich und durchschnittlich flink, generiert bei höheren Drehzahlen eine leicht überdurchschnittliche Dröhnkulisse – aber alles noch im Rahmen.

Behäbiger Zeitgenosse mit Automatik-Wandler-Getriebe

Alleine schon die Zeitdifferenz in der 0 auf 100 Km/h Beschleunigung zwischen Schalt- und Automatikgetriebe zeigt, dass diese Automatik nicht die neueste und innovativste Errungenschaft auf dem Fahrzeugmarkt darstellt: bis zu 0,8 Sekunden Unterschied sind hier auf dem Papier zu verzeichnen. Und das ist nicht verwunderlich, hatte Honda dieses CVT-Getriebe schon im Vorgängermodell aus dem Jahr 2012 im Einsatz. Normalerweise ist man heutzutage mit einem Automatik- oder Doppelkupplungsgetriebe immer deutlich schneller, als ein Handschalter. Hier nicht.

Nun, bequem ist die Automatik allemal. Aber wenn bei jedem Anfahren die Drehzahl erst einmal in schwindelerregende Höhen steigt, um im Wandlergetriebe den Antrieb auf Touren zu bekommen, ist dies einfach nicht mehr zeitgemäß.

Verbrauch des Honda Jazz 1.3 i-VTEC mit CVT-Getriebe

Wir sind mit dem Honda Jazz von Stuttgart nach Wien gefahren, um ihn dort für über eine Woche in der Stadt zu fahren. Der Gesamtverbrauch über insgesamt rund 900 Kilometer (Deutsche Autobahn (40%), Österreichische Autobahn (45%), Stadtverkehr (15%)) lag bei 6,9 Liter/100 Km. Das ist kein Spitzenwert, berücksichtigt aber auch die Autobahnabschnitte in Deutschland, auf denen wir schon auch mal 160 bis 170 Km/h gefahren sind – höhere Geschwindigkeiten sind kaum möglich.

Der angegebene Verbrauch liegt bei 5,1 – 4,6 Liter/100 Kilometer (abhängig von der konkreten Konfiguration). So weit weg ist unser Verbrauch dabei nicht; wenn man sich also an die Richtgeschwindigkeit von 130 Km/h halten würde, kämen wir wahrscheinlich auf einen Verbrauch nahe der sechs-Liter-Marke.

Mit einer Tankfüllung kommt man bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,9 Litern/100 Km (Langstrecke, Überland, Stadt, zügig gefahren) zwischen 500 und 550 Kilometer weit
Mit einer Tankfüllung kommt man bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,9 Litern/100 Km (Langstrecke, Überland, Stadt, zügig gefahren) zwischen 500 und 550 Kilometer weit

Sportliche Schaltpaddels hinter dem Lenkrad – cool.

Wir lieben Schaltpaddles hinter dem Lenkrad. Rechts hochschalten, links runterschalten – das alles mit extrem feinen Fingerbewegungen. Beim Honda Jazz mit CVT-Automatikgetriebe hingegen sind diese Schaltpaddels einfach nur überflüssig.

Erstens reagieren sie mit viel zu großer Verzögerung und zweitens macht die Steuerung der Wandlerautomatik mit ihrer Drehzahlangleichung jeglichen Fahrspaß kaputt. Schaltpaddels passen zu sportlichen Automobilen unserer Zeit – nicht zu schwach motorisierten Kleinwagen, die ihre Stärken ganz woanders haben.

Zugegebenermaßen: für kurze Überholvorgänge oder brenzlige Situationen reagieren die Schaltpaddels oft doch noch schneller als die Kick-Down-Funktion. So kann man ein oder zwei Gänge schnell mal herunterschalten und ist so auf der sicheren Seite.

Business-Class für die Fond-Passagiere

Wir hatten schon einige Kleinwagen bei uns im Test und noch nie, noch NIE hatte man auch nur annähernd so viel Platz auf der Rückbank wie beim Honda Jazz. Die Bein- bzw. Kniefreiheit ist selbst bei Menschen mit überdurchschnittlich langen Beinen mehr als ausreichend und ist in etwas vergleichbar mit der Kniefreiheit im Porsche Panamera – sogar etwas mehr.

Interieur: Alles fest, alles ist aufgeräumt; jedoch überladenes Multi-Funktionslenkrad

Unter Berücksichtigung der Preisklasse von rund 16.000 bis 19.000 Euro schwimmt der Honda Jazz auf jeden Fall unter Qualitäts- und Übersichtlichkeitsgesichtspunkten ziemlich weit vorne mit. Klar besteht das Cockpit aus viel Kunststoff; nur die essentiellen Teile sind mit Kunstleder überzogen. Jedoch gibt es Kunststoff und Plastik – das ist sehr wohl ein großer Unterschied.

Das zentrale und große Multimediasystem Honda Connect, das ein wenig an Teslas Mega-Bildschirm zwischen Mittelkonsole und Armaturenträger erinnert, ist mit Touch-Bedienung übersichtlich und intuitiv zu bedienen.

Das einzig störende (am Anfang) ist das Multifunktionslenkrad mit etwas wülstigen Kunststoff-Knöpfen und einer recht unübersichtlichen Bedienung des Radios auf der einen Seite und des Tempomaten auf der anderen Seite. Dazu kommt noch die Telefonbedienung. Man gewöhnt sich aber recht schnell daran.

Riesige Ladefläche für die stehenden Zimmerpflanzen

Als urban lebender Mensch gibt es eine Zeit in der man oft und gerne umzieht – und in der man (noch) nicht unglaublich viele materielle Anhängsel angesammelt hat. Die Rückbank des Honda Jazz lässt sich eben in den Kofferraumboden integrieren, sodass eine äußerst tiefe und lange Ladefläche entsteht (siehe Bildergalerie oder Video oben).

So kann man sogar notfalls fast darin nächtigen, und benötigt dafür keinen Camper. Auch für den Umzug ist das perfekt, denn nicht nur die Laderaumlänge, sondern auch die Höhe beeindruckt mit Sicherheit auch die Zimmerpflanzen und -Palmen, die bei dieser Höhe sogar noch stehend transportiert werden können : 1.314 Liter bei versenkter Rückbank und Beladung bis zum Dach passen so in den Jazz. Und das bei einer Gesamtlänge von unter vier Metern.

Der Honda Jazz ist deutlich teurer geworden

Die meisten Nachfolgemodelle etablierter Derivate werden fortwährend teurer – daran müssen wir uns einfach gewöhnen. Wenn man bedenkt, dass eine wirklich extrem abgespeckte Version des Vorgängermodells für rund 12.000 Euro zu haben war, sind die Preise des jetzigen Jazz mit rund 16.000 Euro für die Einstiegsvariante recht gesalzen. Aber dafür bietet er auch einfach viel mehr – nicht bei Motor und Getriebe, dafür im Innenraum und beim elektronischen Equipment.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 28 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

2 Gedanken zu „Fahrbericht Honda Jazz: Stadtraumwunder ab 15.990 Euro

  • 21. Mai 2016 um 16:52
    Permalink

    Platzangebot hin Platzangebot her aber wenn ich unter Honda Rost google dann kommen leider zu viele negative Erfahrungen. Seit Honda in Europa keine Japan Qualität sondern nur noch England Produktion anbietet kommt ein Honda nicht mehr in Frage. Honda macht in Europa richtig rote Zahlen also spart man wo man nur kann das geht letztendlich auf die Qualität.
    Honda ist nicht mehr Honda und die Händlerschaft auch nicht. Das Netz ist viel zu dünn und oft muß man weit fahren um einen Händler zu finden von dem weis man dann nicht mal ob er in 2 Jahren noch Honda Händler ist.
    Zu großes Risiko und wie gesagt der Rost nicht akzeptabel.

  • 24. Mai 2016 um 16:43
    Permalink

    Hallo,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir gehen der Sache nach und werden uns in den nächsten Wochen damit auseinandersetzen und ggf. einen Beitrag dazu veröffentlichen.

    Freundliche Grüße,
    Benjamin Brodbeck

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