Käfer-Schicksal? VW Golf („Das Auto“) Produktion ab 2027 in Mexiko – nicht mehr in Wolfsburg
Zeitgleich zum 50-jährigen Jubiläum des Golf GTI verkündet Volkswagen die Entscheidung, nach über fünf Jahrzehnten im Stammwerk Wolfsburg den VW Golf ab 2027 ausschließlich in Mexiko zu fertigen. Der Schritt ist wirtschaftlich begründet – doch symbolisch bedeutet er das Ende eines der bedeutendsten Kapitel der deutschen Automobilindustrie. Der Vorgang erinnert an den Käfer, dessen Produktion vor fast 50 Jahren ebenfalls nach Mexiko ausgelagert wurde.
Ein historischer Abschied
Seit 1974 wurde der VW Golf im Wolfsburger Stammwerk gefertigt – über fünfzig Jahre lang. Mehr als 37 Millionen Exemplare gingen in dieser Zeit vom Band, was den Golf zu einem der meistproduzierten Personenwagen der Welt machte. Diese Tradition läuft nun aus: Bereits ab Frühjahr 2026 werden die zuständigen Produktionsanlagen in Wolfsburg stillgelegt, bevor ab 2027 der Golf aus dem Werk in Puebla, Mexiko, stammt.

Strategische Neuordnung der Produktion
Volkswagen verfolgt seit mehreren Jahren das Ziel, seine Produktionsstruktur stärker an globalen Kosten- und Nachfrageentwicklungen auszurichten. In diesem Zusammenhang wurde bereits länger über eine Verlagerung einzelner Modellreihen ins Ausland diskutiert. Nun ist klar, dass die Fertigung des Golf in Wolfsburg ausläuft und nach Mexiko verlagert wird. Im Zuge der Umstrukturierung sollen Produktionsanlagen für Golf-Modelle schrittweise zurückgebaut werden. Hintergrund sind laut Konzern effizientere Kostenstrukturen sowie eine bessere Auslastung internationaler Werke.
Historische Bedeutung für Wolfsburg
Seit Mitte der 1970er-Jahre gehört der Golf zu den zentralen Produkten des Stammwerks. Über Jahrzehnte hinweg war das Modell ein tragender Pfeiler der Beschäftigung und Produktionsleistung. Noch zuletzt stellte der Golf einen erheblichen Anteil der Fertigung in Wolfsburg dar, mit mehreren hunderttausend produzierten Fahrzeugen pro Jahr. Mit der Verlagerung endet damit ein bedeutendes Kapitel der Unternehmens- und Standortgeschichte.
In der öffentlichen Diskussion wird zunehmend ein Vergleich zur Entwicklung des VW Käfer gezogen. Auch dieses Modell war über Jahrzehnte eng mit der Produktion in Deutschland verbunden, bevor die Fertigung schrittweise ins Ausland verlagert wurde und Mexiko am Ende zu einem der wichtigsten Produktionsstandorte wurde. Der Käfer wurde dort noch lange weitergebaut, nachdem seine Rolle im europäischen Markt bereits stark zurückgegangen war.
Auswirkungen auf Werk und Beschäftigung
Parallel zur Produktionsverlagerung plant Volkswagen eine umfassende Neuordnung der Kapazitäten in Wolfsburg. Frei werdende Fertigungsbereiche sollen künftig für Elektrofahrzeuge genutzt werden. Vorgesehen ist unter anderem eine stärkere Produktion von Modellen auf Basis neuer Elektroplattformen.
Darüber hinaus ist vorgesehen, Produktionslinien zu reduzieren und den Personalbedarf „langfristig anzupassen“. Ein Teil der Beschäftigten soll den Standort bis zum Ende des Jahrzehnts verlassen. Diese Maßnahmen sind Bestandteil einer konzernweiten Vereinbarung zur Senkung von Kosten und zur Anpassung der Produktionskapazitäten in Deutschland.
Die Neuausrichtung steht im Zusammenhang mit einem langfristigen Transformationsplan, den Volkswagen gemeinsam mit Arbeitnehmervertretungen ausgearbeitet hat. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns in einem sich wandelnden globalen Automobilmarkt zu sichern. Dabei sollen Produktionskapazitäten an mehreren deutschen Standorten reduziert werden. Gleichzeitig setzt der Konzern auf Effizienzprogramme, die mittelfristig zu deutlichen Einsparungen bei Arbeitskosten führen sollen.

