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CMT 2026 Camping-Trends: Härter umkämpft als noch vor 2 Jahren

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Die CMT 2026 in Stuttgart hat sich einmal mehr als Seismograf für die Reise- und Caravaning-Branche erwiesen. Neun Tage lang versammelten sich auf dem Gelände der Messe Stuttgart direkt am Flughafen Hersteller, Ausbauer, Destinationen und Ausrüster, um zu zeigen, wohin sich Urlaub, Mobilität und Freizeit in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld entwickeln. Mit rund 268.000 Besucherinnen und Besuchern übertraf die weltweit größte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit das Vorjahresniveau und unterstrich, dass Reisen für viele Menschen weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt – auch wenn Kaufentscheidungen deutlich rationaler und preisbewusster ausfallen als noch während der Corona-Sonderkonjunktur.

Galerie: Yucon K-peak 6.0 BD (2026)

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Yucon K-peak 6.0 BD 2026

CMT 2026 in Stuttgart: Hoher Besucherandrang trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Rund 1.660 Aussteller präsentierten ihre Angebote auf einem ausgebuchten Gelände, flankiert von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit etwa 720 Veranstaltungen, von Fachkongressen über Bühnenshows bis hin zu Vorträgen und Themenkinos. Neben klassischen Reisezielen und Outdoor-Angeboten stand erneut das Caravaning im Mittelpunkt – traditionell das Zugpferd der CMT und für viele Besucher der eigentliche Anlass des Messebesuchs.

Gleichzeitig spiegelte die Messe die gesamtwirtschaftliche Realität wider. Gestiegene Lebenshaltungskosten, höhere Finanzierungskosten und eine insgesamt gedämpfte Konsumstimmung sorgten dafür, dass Kaufinteresse und Kaufabschluss nicht automatisch Hand in Hand gingen. Dennoch berichteten zahlreiche Aussteller von konkreten Vertragsabschlüssen, Bestellungen und einer insgesamt konstruktiveren Stimmung als noch im zweiten Halbjahr 2025.

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Preisentwicklung bei Wohnmobilen und Caravans: Rabatte rücken in den Fokus

Ein zentrales Thema der CMT 2026 war die Preisentwicklung. Nach den teils drastischen Steigerungen der vergangenen Jahre begegnen viele Hersteller der Kaufzurückhaltung mit Sondermodellen, umfangreichen Serienausstattungen und spürbaren Messerabatten. Gerade bei Wohnmobilen, deren Preise seit der Pandemie stark angezogen hatten, versuchten die Anbieter, das Preis-Leistungs-Verhältnis wieder attraktiver darzustellen.

Die Zulassungszahlen zeigen ein differenziertes Bild: Reisemobile konnten ihr Niveau im Jahr 2025 in etwa halten, während Caravans Rückgänge verzeichneten. Besonders betroffen war das Segment der Campervans, in dem mehrere Hersteller ihre Portfolios aus wirtschaftlichen Gründen gestrafft haben. Die Zahl der Neuzulassungen sank hier von rund 24.000 im Jahr 2024 auf etwa 19.000 im Jahr 2025.

Campervans und Jubiläumsmodelle: Ford, Adria und neue Anbieter

Ford nutzte die CMT, um den Transit-basierten Nugget zum 40-jährigen Bestehen mit einer Sonderedition zu würdigen. Das bei Westfalia ausgebaute Modell knüpft optisch an die Ursprünge des Klassikers an und kombiniert diese mit einer umfangreichen Ausstattung. Angetrieben wird der Jubiläums-Nugget von einem Zweiliter-Dieselmotor mit 170 PS (125 kW), preislich bewegt er sich bei knapp 90.000 Euro.

Auch Adria blickt auf eine lange Markengeschichte zurück und präsentierte anlässlich des 60-jährigen Bestehens die Sonderlinie „Adria 60 Years Selection“. Die Modelle sollen mit einem besonders ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis punkten und starten bei rund 57.000 Euro. Neu auf der CMT war der polnische Hersteller Affinity, der mit den Freedo-Einstiegsmodellen auf MAN-TGE-Basis erstmals in Stuttgart auftrat. Die beiden Varianten unterscheiden sich vor allem durch ihre Sitz- und Schlafkonzepte und richten sich gezielt an preisbewusste Käufer.

Technik-Updates und neue Grundrisse bei etablierten Marken

Viele etablierte Hersteller nutzten die Messe für technische Weiterentwicklungen. Benimar stellte seine Reisemobilpalette auf Kompressor-Kühlschränke und Lithium-Batterien um und ergänzte das Alkovenmodell Sport um einen neuen Grundriss mit L-förmiger Lounge-Sitzgruppe. Carthago kündigte für alle Baureihen ab der Chic-C-Line ein neues digitales Bedienpanel mit kapazitivem Touchdisplay an und überarbeitete die Baureihe umfassend. Mit sechs Grundrissen, unterschiedlichen Achskonfigurationen und der Wahl zwischen Fiat Ducato und Mercedes-Benz Sprinter richtet sich das Angebot klar an die obere Mittelklasse, allerdings zu Preisen ab etwa 100.000 Euro.

Noch exklusiver positioniert sich Dopfner. Der familiengeführte Hersteller brachte gleich zwei Weltpremieren nach Stuttgart. Der kompakte Alkoven 332 A und der größere 482 A setzen auf Manufakturqualität, großzügige Raumkonzepte und hohe Individualisierung. Der Einstiegspreis von rund 250.000 Euro markiert dabei die obere Grenze dessen, was auf der CMT zu sehen war.

Volumenmodelle und neue Zielgruppen: Hobby, Dethleffs und Forster

Auf mehr Volumen setzt Hobby mit dem Ontour-Van, der erstmals mit Aufstelldach angeboten wird. Dadurch erhöht sich die Zahl der Schlafplätze auf vier, der Preis liegt bei etwa 74.000 Euro. Dethleffs erweitert die Globebus-Baureihe um den Performance T16 mit Offroad-Anleihen. Auf Basis des allradgetriebenen VW Crafter kostet der 6,25 Meter lange Teilintegrierte rund 95.000 Euro und positioniert sich damit deutlich unterhalb des größeren T6.

Forster, die Einsteigermarke der Trigano-Gruppe, zeigte einen neuen teilintegrierten Camper auf Ford-Basis. Mit einer Länge von knapp 7,5 Metern, einem optionalen Queensbett-Grundriss und einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen richtet sich das Modell an Käufer mit Führerschein Klasse B. Der Grundpreis von etwa 75.000 Euro unterstreicht die Positionierung im preissensiblen Segment.

Elektromobilität und Zukunftsstudien: Hyundai Staria Elektro

Einen Blick in die Zukunft wagte Hyundai mit der Studie eines elektrisch angetriebenen Staria Campers. Das Konzeptfahrzeug kombiniert ein Hubdach mit einer Außendusche und einem 520-Watt-Solarpanel aus Verbundmaterial. Bei günstigen Bedingungen kann das System bis zu 2,6 kWh Strom pro Tag erzeugen und Bordverbraucher wie Kühlschrank und Klimaanlage unterstützen. Sollte das Interesse groß genug sein, könnte der Staria Camper ausschließlich mit Elektroantrieb in Serie gehen – ein Signal dafür, dass Elektromobilität im Campingbereich zunehmend ernsthaft diskutiert wird.

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Hyundai Staria Camper Konzeptfahrzeug auf der CMT 2026 in Stuttgart.

Caravans, Teilintegrierte und Luxusliner: Breite Modellvielfalt

Im Caravan-Segment erweiterte Fendt die neue Next-Baureihe um einen zweiten Grundriss. Der vier Meter lange Wohnwagen bietet Platz für vier Personen, kostet knapp 19.700 Euro und ist mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 1.000 Kilogramm besonders für Elektroauto-Fahrer interessant.

Hymer führte mit dem GT-S eine neue teilintegrierte Baureihe auf Mercedes-Sprinter-Basis ein und erneuerte gleichzeitig bestehende Modelle wie die B-Klasse Modern Comfort. Im Luxussegment verabschiedete Frankia den Platin mit einer Final Edition, während der teilintegrierte Neo künftig die gleichen farbigen Interieur-Optionen wie der Now erhält.

Morelo zeigte mit dem Loft Alkoven 88 L ein exklusives Sondermodell auf Iveco-Basis mit 207 PS (152 kW) starkem Motor und umfangreicher Serienausstattung. Preise jenseits der 250.000-Euro-Marke verdeutlichen, wie breit das Spektrum der CMT nach oben hin reicht.

Branchenfazit: Innovation trifft Kaufinteresse

Der Konzern Knaus Tabbert zog zum Messeende eine positive Bilanz. Die hohe Besucherzahl lag über dem Vorjahr, zudem sorgten Auszeichnungen für zusätzliche Aufmerksamkeit. Der Knaus Boxtime wurde mit einem europäischen Innovationspreis prämiert, während mehrere Modelle der Konzernmarken bei Leserwahlen führender Fachmagazine Spitzenplätze belegten. Editionsmodelle wie der Knaus Live Wave Black Selection oder der Weinsberg Carasuite Edition Spicy unterstreichen den Trend zu attraktiven Ausstattungspaketen mit klar kommuniziertem Preisvorteil.

CMT 2026 als Stimmungsbarometer der Branche

Die CMT 2026 zeigte eine Branche im Umbruch. Zwischen Preisdruck, wachsendem Wettbewerb und technischer Weiterentwicklung suchen Hersteller nach neuen Wegen, um Kunden zu überzeugen. Rabatte und Sondermodelle spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie Innovationen bei Antrieb, Energieversorgung und Innenraumkonzepten. Mit steigenden Besucherzahlen, konkreten Kaufabschlüssen und einem breiten Angebot bestätigte die Messe ihre Bedeutung als zentrale Plattform zum Jahresbeginn. Die nächste CMT findet vom 16. bis 24. Januar 2027 statt – und dürfte erneut zeigen, wie sich Urlaub auf vier Rädern weiterentwickelt.

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Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 34 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen und Unternehmen zum Ausdruck.

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