Der DeLorean DMC-12 kam nicht zurück in die Zukunft

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Wir müssen jetzt ganz stark sein: gestern, am 21. Oktober um 16:49 Uhr haben wir alle vielerorts auf die Rückkehr von McFly im DeLorean DMC gewartet, doch es passierte nichts! Selbst auf einer kalifornischen Autobahn, die McFly damals anvisiert hatte, erschien der Zeitmaschinen-DeLorean nicht. Doch wir wollen die Gunst der Stunde nutzen und die Geschichte des Filmautos DeLorean DMC-12 und dessen Erzeuger-Firma beleuchten. Denn interessanterweise half die Bekanntheit des Autos dem Unternehmen und dem Gründer, John Zachary DeLorean überhaupt nicht. Zudem ist die wahre Geschichte um das Auto auch nicht annähernd so romantisch wie im Film, sondern eher von Drogen und Dramen überschattet.


Wie die Welt im Jahr 2015 laut Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“ hätte aussehen sollen

Regisseur Robert Zemeckis hatte im Jahr 1989 – im zweiten Teil der Trilogie „Zurück in die Zukunft“ – ganz ausgefallene Vorstellungen von der Welt, und das nur 26 Jahre später.

Galerie: DeLorean DMC-12

DeLorean DMC-12
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DeLorean DMC-12

In seinen Prognosen und Gedankenspielen dabei waren fliegende Autos, die es zwar in Ansätzen gibt, aber doch noch nicht wirklich ausgereift, dann das Hoverboard und die Kleidung, die sich dem individuellen Träger anpasst. Doch in diesen Tagen baute die Stanford University einen DeLorean DMC-12 in ein autonom driftendes Fahrzeug um. Ein bisschen Zukunft aus dem Film ist also doch wahr geworden. Was dabei rauskommt kann man im obigen Video anschauen.

Die Zeitmaschine? Die gibt es tatsächlich. Also das Auto. Den DeLorean DMC-12.

Das futuristische Auto von John Zachary DeLorean war perfekt für den Film

Stilvoll und modern sollte das Auto für den Film aussehen. Italienische Fabrikate wie Lamborghini oder Ferrari wären für diese Rolle auch in Frage gekommen, waren aber der Öffentlichkeit schon bekannt. Vor dem Film war der vom italienischen Designer Giugiaro entworfene und aus einer gebürsteten Aluminium-Außenhaut gefertigte DeLorean DMC-12 vollkommen unbekannt – und die Firma auch schon längst pleite.

Aber langsam: der DeLorean DMC-12 war einer der größten Flops der Automobilgeschichte. Schlechte Verarbeitungsqualität, enttäuschende Fahrleistungen – vor allem der Motor war viel zu schwach. Doch eines wiegte viel schlimmer: die Dramen und negativen Berichte um die Entstehung des Autos und dem Kopf dahinter.

Das wilde Leben des Gründervaters wurde dem Auto zum Verhängnis

John Zachary DeLorean war Vize-Präsident von General Motors und ein Marketing-Guru. Unter seiner Führung entstanden Meilensteine des Automobilbaus, unter anderem zum Beispiel der Blinker, eingelassene Scheibenwischer, das erste Musclecar (Pontiac GTO) und geteilte Scheinwerfer.

Als er jedoch den versprochenen Chefposten bei GM nicht bekam, machte er sich mit seiner DeLorean Motor Company, kurz DMC, selbstständig.

DeLorean war ein Ingenieur, aber anscheinend kein guter. Also holte der Engländer die Sportwagen-Schmiede Lotus – damals mehr Formel 1-Rennstall als Serienhersteller – mit ins Boot, die den DeLorean DMC-12 entwickeln sollte. Der Widerspruch von Kleinserienhersteller in der Entwicklung zu geplantem Großserien-Sportwagen – der DeLorean ja werden sollte – brachte einen ewigen Zielkonflikt in die Firma – bis zum tragischen Ende.

Das Making Of des legendären Liqui Moly Werkstattkalenders mit einem DeLorean DMC-12:

John DeLorean war – wie eingangs erwähnt – ein Verkaufskünstler. Und so überzeugte er die britische Regierung mehrmals, ihm in der ohnehin schon Krisen-geprägte Region Nordirlands Fördergelder zu überweisen. Denn mit seiner Firma könne es mit der Region bald wieder aufwärts gehen, er brauche nur noch ein wenig Zeit – so DeLorean.

Stattdessen baute DeLorean sein Privatvermögen durch hohe Gehälter auf und saß mehr in Privatjets als im Büro. Als die Fördergelder irgendwann nicht mehr flossen, ließ sich DeLorean in einen Drogen-Deal verwickeln – nur um an frisches Geld zu kommen. Durch einen Beamten der US-Drogenbehörde, der ebenfalls in den Deal persönlich verwickelt war, wurde DeLorean nach einiger Zeit zwar freigesprochen, doch der Ruf der Firma war dadurch natürlich ruiniert und die Region um Nordirland noch ärmer.

Technik des DeLorean DMC-12

Das Zeitmaschinen-Auto hatte einen V6-Heckmotor von Renault mit 132 PS. Er schaffte eine Höchstgeschwindigkeit von 198 Km/h. Dass dies auch damals keine Supersportwagen-Werte waren und gegen Porsche und Co. nichts ausrichten konnten, erklärt sich von selbst. Dazu kamen noch Qualitätsmängel und ein sehr hoher Preis.

Trotzdem gab es einige Menschen, die aufgrund des Kult-Faktors unbedingt einen DeLorean fahren wollten. Und manche sind am Mythos „Zeitmaschine“ auch tatsächlich hängen geblieben, so dass es heute in Texas ein Werk gibt, wo weiterhin DeLorean DMC-Fahrzeuge gebaut werden.

Copyright Bilder: DeLorean.com

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 29 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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