Gibt es eigentlich den „wahren“ Porsche? – 70 Jahre Porsche Sportwagen

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Zum Jubiläum „70 Jahre Porsche Sportwagen“ war AUTOmativ-Redakteurin Ilona zusammen mit Porsche schon auf den Spuren des Mythos der weltberühmten Sportwagenschmiede. Kurz bevor die Geschichte nun zwangsläufig voranschreitet und das einundsiebzigste Porsche-Sportwagenjahr einläutet, haben wir uns vier ausgewählte Modelle ausgesucht und gehen damit der Frage nach, ob es eigentlich – und überhaupt – den „wahren“ Porsche gibt.


Mittelmotor, Heckantrieb – Heckmotor, Allrad – oder Heckantrieb?

Spätestens seit 1994 sind die Zeiten vorbei, in denen es nur einen Porsche Sportwagen gab. Freilich: weitere und andere Derivate gab es schon immer mal bei den Zuffenhausenern, denkt man zum Beispiel an die 924-,928-, 944-, 968-Modelle – oder geht ganz weit zurück und erinnert sich an die ursprünglichen 356 und den legendären 550 Spyder.

Man bemerke den Unterschied der jeweiligen Modellreihen-Gruppierung? Die erst genannten Modellreihen waren Transaxle-Modelle. Sprich: Frontmotor und Heckantrieb – das Getriebe kurz vor der Antriebsachse. Das Prinzip lief von 1975 bis 1995 – verschwand also im Jahr des Boxster. Zumindest verschwand es bei Porsche; AMG nutzt es heutzutage in deren Porsche-Gegner-Modellen GT und GT 4-Türer.

Bei unserer Rubrik „Porsche & Ducktails“ schreibt Tilman Brodbeck über seine Erlebnisse in vier Jahrzehnten Porsche. In diesem Dreiteiler geht es um die Hitzeerprobungen für 924-, 928- und 944-Modelle:

Die letztgenannten sind Heck- bzw. Mittelmotorsportwagen. Der erste 356 „Roadster Nr. 1“ hatte seinen 36 PS starken Vierzylindermotor von Volkswagen längs vor der Hinterachse verbaut. Und auch der 550 Spyder, mit dem später James Dean verunglückte, fuhr mit einem Mittelmotor-Konzept mehr als erfolgreich Langstrecken- und Bergrennen.

Erst später wurden die Porsche 356 zu Heckmotor-Varianten. Durch die familiäre Nähe von Volkswagen und Porsche teilten sich VW Käfer und Porsche 356 – später 911 – eine ähnliche mechanische Architektur.

Porsche feiert 70 Jahre Porsche Sportwagen:

Der ursprüngliche Porsche ist ein Mittelmotor-Sportwagen

Also ist der ursprüngliche Porsche eigentlich ein Mittelmotor-Sportwagen. Klein, leicht, wendig. Mit zwei Sitzen. Also eigentlich ein Boxster. Soll noch einmal jemand sagen, Boxster und Cayman seien Einsteiger-Porsche. Oder Frauen-Porsche. Oder gar: keine echten Porsche. Keine Ahnung hat dieser jemand – und davon viel.

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So stark er auch aussieht: streng genommen ist der 911 nicht der ursprüngliche Porsche.

Aber nicht zu vernachlässigen ist natürlich der 911. Sinnbildlich immer gleichgesetzt mit: der Porsche. Warum? Sollte er in den Achtzigern sogar einmal gänzlich eingestellt werden. Doch der damalige Vorstandsvorsitzende Peter W. Schutz wusste dies zu verhindern.

911er-Fans: dankt es ihm. Dankt es ihm in Ewigkeit, wenn ihr morgens Euren Sechser-Boxer anwerft und legt eine Denksekunde für Peter W. Schutz ein:

Spätestens seitdem kennt die Automobilgeschichte kaum ein anderes Fahrzeug, dessen Name – bestehend aus einer schnöden, zweckmäßigen Zahlenkombination (die Sache mit Peugeot, Sie erinnern sich?) – bei vielen Menschen schon Gänsehaut auslöst. Der eigentlich nicht-ursprüngliche Porsche hat es zur Legende geschafft. Das ist groß.

981, 718, 911 – welcher davon ist jetzt der „Wahre“?

Um das gleich vorwegzunehmen – und Sie können es sich denken: es gibt den einzig „wahren“ Porsche einfach nicht. Grundsätzlich gilt: nahezu alle Sportwagen, die Porsche auf die Beine bzw. Räder stellte – und nach wie vor stellt – machen Sinn, Spaß und erzeugen Gänsehaut.

Gut, es gibt ein paar Querelen, mit denen man sich so rumschlägt; rumpelige Vierzylinder-Turbomotoren im 718 zum Beispiel. Aber das ist Kritik auf höchstem Niveau.

Porsche 718 Boxster S und 981 Boxster GTS: Welchen wählen Sie?

Rein auf die Rundenzeiten bezogen ist der 911 natürlich nach wie vor schneller als ein 718. Muss er auch sein, weil teurer und von Natur aus höher angesiedelt. Porsche kann den 718 – so wie seinen Vorgänger 981 – nur in Ausnahmen an die 911er herankommen lassen. Diese Ausnahmen heißen GT4. Aber ziemlich sicher kann man einen Mittelmotor-Sportler schneller machen, als ein Heckmotor-Fahrzeug. Nicht ohne Grund hat Porsche bei den GT3 RSR-Fahrzeugen den Motor vor die Hinterachse verschoben.

70 Jahre Porsche Sportwagen 991.2 Carrera 4S im Fahrbericht Boxster 981 GTS 718 Boxster S AUTOmativ.de Benjamin Brodbeck Nordschleife Rossen 24 - Gibt es eigentlich den "wahren" Porsche? - 70 Jahre Porsche Sportwagen
Das charmante Technik-Paket bekommt man aktuell nur im 911: Hinterradlenkung, Wankstabilisierung und Allradantrieb gibt es nicht beim 718 Cayman GTS. Aber welcher macht mehr Spaß? Welcher ist schneller?

Wir steigen morgen noch einmal deutlich tiefer in die Materie ein. Denn wir waren mit einem Porsche 911 Carrera 4S mit Wankstabilisierung und Hinterradlenkung für zwei Tage auf der Nürburgring Nordschleife. Und als Vergleich hatten wir nicht nur die 911er-Zweirad-Version dabei, sondern auch einen 718 Cayman GTS. Die Unterschiede sind eindeutig – aber hängen immer davon ab, was man will. Morgen mehr!

Wie fährt sich die zweite Generation des Porsche 911 Carrera S?

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 27 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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