Fahrbericht neuer VW Touareg 3.0 TDI (286 PS): Dynamischer Schwergewichtsleichtfuß

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Der neue VW Touareg punktet im ersten Test mit mehr Raum im jetzt volldigitalen Interieur, hochqualitativen Materialien, luxuriösen Ausstattungslinien, rund zwanzig Assistenzsystemen und fein abgestimmten Dynamiksystemen. Der VW Touareg mit 3.0 TDI Motor fährt sich dank fahrdynamischer Systeme – wie beispielsweise Luftfederung und Wankausgleich – agil, büßt aber Spontanität beim Antriebsstrang ein. Erster Fahrbericht.


 

Mächtiges Exterieur mit viel Chrom – oder mit Kontrasschwarz

Chrom bedeutet Luxus. Und luxuriös soll der neue VW Touareg nicht nur sein, sondern auch erscheinen. Ab Marktstart gibt es ihn in drei Ausstattungsvarianten: Elegance und Atmosphere. Beide unterscheiden sich ausschließlich im Interieur: während sich Elegance auf kühle Elemente und Farben fokussiert, gibt es in der Atmosphere-Linie warme Farbtöne und Holz-Dekore an Stelle von Aluminium.

Wem es zu viel funkelt und sein Interieur lieber dunkel halten möchte, bestellt sich für rund 3.000 Euro das R-Line Paket mit schwarzen Applikationen und sportlichen Sitzen. Die Felgen auf meinem Testwagen waren die 20 Zoll großen R-Felgen für 2.200 Euro Aufpreis. Bis 21 Zoll kann man derzeit bestellen.

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Der neue VW Touareg macht mit seinem Kühlergrill in Chrom mit integrierten Voll-LED-Matrix-Scheinwerfern schon ordentlich was her.

Das Heck ist schlicht gehalten und verzichtet beim neuen VW Touareg sogar auf flankierende Linien in der Nähe des Kennzeichens. LED-Rückleuchten gibt es mit dynamischen Blinkereinheiten beim IQ. Light dazu. Das Kofferraumvolumen wurde auf 810 Liter vergrößert.

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Der Touareg kann auch Offroad – und zwar besser als so manch‘ richtiger Offroader. Dank Luftfahrwerk und ausgezeichnetem Allradantrieb.

Optionales IQ. Light mit Matrix-LED ist faszinierend

Ab 30 Km/h fächert das optionale IQ. Light wie der Vorhang beim Kabarett auf und startet die Show mit einer beeindruckenden Sicht. Das Matrix-LED Licht bleibt fortwährend aufgeblendet, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Mittels einzeln angesteuerten LED-Elementen, die in sich wieder regulierbar sind, sodass Verkehrsschilder nicht mehr blendend reflektieren, werden andere Autos oder am Straßenrand stehende Lebewesen vom Lichtkegel ausgenommen.

Sollten sich Tiere oder Menschen am Fahrbahnrand befinden, werden diese kurz angeblinkt. Das IQ. Light kostet 1.870 Euro Aufpreis, lohnt sich aber definitiv.

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Das Interieur des VW Touareg ist eine Augen- und Haptikweide. Verzichtet man auf die Bildschirme (auf das Innovision Cockpit) sieht es allerdings etwas karger aus.

VW Touareg mit herausragendem digitalen Interieur – „Innovision Cockpit“

Das Interieur ist – ich nehme es vorweg: bis auf das Lenkraddesign – beeindruckend und ergonomisch sowie haptisch und qualitativ eine neue Klasse in der Volkswagen Interieur-Architektur. Zwar gibt es in Fußraumnähe – wie zum Beispiel am Handschuhfach – Elemente aus Kunststoff, doch die Sicht- und Berührungsflächen sind allesamt hochwertig.

Darüber hinaus gibt es optionale LED-Leuchtenbänder, die bis zu vierzig verschiedene Farben wiedergeben können. In das Armaturenbrett eingebettet gibt es das optionale Innovision Cockpit. Es besteht aus einem 15 Zoll großen Multimedia-Bildschirm und einem 12,3 Zoll großen virtuellen Cockpit hinter dem Lenkrad. Optisch sieht es wie eine Fläche aus, zur besseren Wartungsfähigkeit gibt es aber eine feine Naht zwischen den beiden Bildschirmen. Wie das digitale Cockpit aussieht und funktioniert, sieht man hier:

Die 286 PS und 600 Nm ziehen ordentlich, aber nicht übermäßig

286 PS und 600 Nm Drehmoment klingen nach einer Menge Power. Doch im rund zwei Tonnen schweren Touareg braucht es auch ordentlich Leistung, um das Koloss dynamisch die Serpentinen hochzujagen. So schiebt das High-Tech-SUV zwar ordentlich an, in die Sitze werden die Insassen aber nicht gedrückt. Von 0 auf 100 Km/h brauchte es bei meinen Tests auf der Autobahn rund sieben Sekunden. Die Werksangabe liegt allerdings bei 6,1 Sekunden.

Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 238 Km/h angegeben. Nur 235 Km/h werden mit der serienmäßigen Stahlfederung erreicht. Weniger Bodenfreiheit bei der Luftfederung führt zu einem niedrigeren Luftwiderstandsbeiwert von 0,32 und so zu einer erhöhten Endgeschwindigkeit. Bis 200 Km/h schiebt der V6 des VW Touareg gut an – ab rund 200 Km/h wird es allerdings zäh.

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Träge Achtgang-Wandlerautomatik

Zäh ist auch das Ansprechverhalten des VW Touareg V6 TDI. Aus dem Stand reagiert der Antriebsstrang zwar auf spontane Befehle, eben solche mag er bei Schaltwechsel beim Überholvorgang oder Herunterschalten vor engen Kurven nicht. Das deckt sich mit meinem kürzlich erfahrenen Gefühl des neuen Audi A7 mit selbigem Motor, Leistung und Antriebsstrang, der einen ebenfalls trägen Charakter hat.

Fahrbericht Audi A7 Sportback 50 TDI: Ist der Schöne auch der Interessante?

Ein Doppelkupplungsgetriebe ist für die größten der SUV tabu – nicht einmal die Sportskanone Cayenne verfügt über eines, lediglich der kleinere Macan kommt in den Genuss. Doch es macht auch Sinn: denn Schaltkomfort steht dem VW Touareg einfach besser als stramme Gangwechsel. Ein bisschen mehr Spontanität hätte ich in der Abstimmung aber dennoch erwartet.

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Luftfederung, Wankausgleich, Allradlenkung – braucht man das?

Eine Luftfederung ist bei den heutigen SUV der Schlüssel für eine EU-Zulassung. Denn mit einem hohen Stahlfahrwerk lassen sich keine aktuellen EU-Vorschriften mehr einhalten – mit einem niedrigen Stahlfahrwerk macht Offroad aber auch nicht mehr so viel Sinn. Mit anderen Worten: wer hin und wieder Mal Offroad unterwegs ist, kann auf die Luftfederung nicht verzichten. Sie realisiert nicht nur einen Höhenausgleich von über 70 Millimeter, sondern verfügt auch über adaptive Dämpfereinheiten. So kann das Fahrwerk sportlich, normal und komfortabel abgestimmt werden. Die jeweilige Spreizung ist deutlich.

Mit der Luftfederung einher geht meistens der Wankausgleich. Mittels Stabilisatoren werden so Wankbewegungen der Karosserie in Kurven ausgemittelt. So ist die Karosserie deutlich stabiler und neigt sich nicht mehr zum Kurvenäußeren. Das ist nicht nur angenehmer, sondern garantiert auch ein verbessertes Kurvenverhalten. Antwort: ja, zu empfehlen.

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Der Wendekreis in Parkhäusern kann durch die Allradlenkung auf Golf-Niveau reduziert werden. So sinkt der Wendekreis bei einem Touareg mit Allradlenkung um einen Meter auf 11,19 Meter. Ab einer Geschwindigkeit von 37 Km/h wirkt die Allradlenkung durch gleichgerichtetes Einlenken gleichzeitig beruhigend auf den hinteren Teil der Karosserie. So können Spurwechsel auf Autobahnen noch präziser und ruhiger bewerkstelligt werden. Wer sie bestellt, muss auch das Luftfahrwerk ordern. Fazit: Allradlenkung ist eine großartige Technik, dennoch verzichtbar.

Bis zu 20 Assistenzsysteme beim neuen VW Touareg, Weiterentwicklung von ACC

Es gibt rund 20 Assistenzsysteme, die dem Fahrer und den Insassen des VW Touareg das Leben leichter machen sollen. So gibt es zum Beispiel einen Kreuzungsassistenten, der nahenden Verkehr aus einer Entfernung von bis zu 80 Metern identifiziert und beobachtet. Darüber hinaus gibt es ein Sicherheitssystem, das den zurückliegenden Verkehr permanent beobachtet und das Auto – im Fall des Falles – auf den unvermeidbaren Crash vorbereitet. Die typischen Systeme, wie Park- und Umfeld- sowie Frontassist gibt es natürlich auch.

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Weiterentwickelt wurde das ACC. Ab sofort kann es auch in Baustellen auf der linken Spur LKW überholen. Es fährt vorausschauend und erkennt – sofern im Kartenmaterial vorhanden – weit vorausliegende Verkehrsschilder und passt die Geschwindigkeit automatisch und geschmeidig an. Auch erkennt es Kurven und Kreisverkehre und regelt die Geschwindigkeit entsprechend des Fahrmodus.

Der dazugehörige Lane Assist pendelt nicht mehr zwischen den Spuren, sondern findet immer die Mitte – auch in Baustellen mit gelber Markierung. Ein angenehmes System, dessen Entwicklung sogar ich schätze.

Fazit zum neuen VW Touareg 3.0 TDI (286 PS, 600 Nm)

 Optischer Eindruck  ++++
 Qualität Karosserie  +++++
 Qualität im Interieur  +++++
 Lenkung  ++++
 Fahrwerk  +++++
 Motor  ++++
 Raumangebot  ++++
 Digitales Bedienkonzept  +++++
 Innovation  ++++
 Preis  +++
 Gesamteindruck  ++++
   +++++ = Maximum

Überzeugt hat mich das Design – vor allem im Interieur. Digitale Bedienflächen mit großer Schrift und großzügiger Gestaltung erleichtern nicht nur die Ergonomie, sondern vermitteln höchste Qualität und Modernität. Als Reisefahrzeug ist der VW Touareg ideal – viel Platz, intelligente Assistenzsysteme und ein ruhiges Interieur entspannen die Insassen. Dynamik-Features wie Luftfederung und Wankausgleich sind absolut zu empfehlen, auf die Allradlenkung kann man verzichten. Das IQ. Light ist beeindruckend.

60.100 Euro kostet der neue VW Touareg mit 3.0 Liter großem V6 Aggregat und 286 PS Leistung. Unser Testwagen lag bei rund 100.000 Euro. Für einen ansprechenden Touareg muss man mindestens 85.000 Euro auf den Tisch legen.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 27 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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