Kia Rio GT-Line mit 48V-Mild-Hybrid und 120 PS! Aber kann er auch sportlich? Test!

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Wir hatten den facegelifteten Kia Rio mit 48-Volt-Mild-Hybrid in GT-Line-Ausführung mit 120 PS im Test. Außergewöhnlich für einen Kleinwagen ist das durchdachte Hybrid-Antriebssystem auf 48-Volt-Basis. Doch kann er so sportlich wie er aussieht? Oder ist er „nur“ effizient? Wir finden es im Fahrbericht heraus!


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Kia Rio als GT-Line mit frischem Design

Der Grundpreis des Kia Rio als 1,0-Liter-Mild-Hybrid mit 120 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe startet bei 23.700 Euro. Der Testwagenpreis belief sich auf 25.680 Euro. Als optionale Ausstattung war das Navigations- sowie das Technologie-Paket an Bord.

Kia Rio 1.0 T-GDI im Test (2021)

Kia Rio 1.0 T-GDI im Test (2021)
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Ein klar strukturiertes Interieur mit freistehendem 20,2-cm-Touchscreen und bequemen Sitzen erwartet die Passagiere.

Die Front des Kia Rio im neuen Modelljahr wurde geschärft: Die Nase ziert jetzt ein schmalerer Kühlergrill sowie tiefere und breitere Stoßfänger. Das prägende Element bei Kia Modellen ist immer der Kühlergrill in der Kia-typischen „Tigernasen“- Form, dessen hochglanzschwarze Abdeckung durch eine Chromzierleiste eingefasst ist. Auch die Nebelscheinwerfer und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen erscheinen im neuen Design. Darüber hinaus gibt es neue LED-Scheinwerfer und – auch nicht ganz unwichtig – zwei neue Außenfarben, die Perennialgrau und Bathysblau Metallic heißen.

Die vierte Generation des Kia Rio wurde etwas länger (4.065 mm, plus 15 mm; GT Line 4.070 mm) und ein bisschen gedrungener (1.450 mm, minus 5 mm) als der Vorgänger. Zum anderen wurde die Motorhaube verlängert: Der Frontüberhang und Radstand (plus 10 mm auf 2.580 mm) führt zu ausgewogeneren Proportionen.

Moderneres Interieur, digitale Einheiten

Im Interieur fällt sofort die digitale Instrumenteneinheit mit größerem Display (10,7 cm/4,2 Zoll; bisher 8,9 cm/3,5 Zoll) ins Auge. Auch wurde das Infotainmentsystem mit einem größeren Touchscreen ausgestattet (20,2 cm/8 Zoll; bisher 17,8 cm/7 Zoll). Technisch wurden Bluetooth-Mehrfachverbindungen hinzugefügt sowie eine Split-Screen-Funktion eingeführt. Das Navigationssystem kommt mit Online-Diensten UVO Connect (Kia Live und Kia UVO-App)

Unser Kia Rio Testwagen verfügte darüber hinaus über einen höhenverstellbaren Beifahrersitz und Parksensoren vorn.

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Über qualitative Anmutung lässt sich ja immer streiten. Insgesamt wirkt da Interieur des Kia Rio (GT-Line) auch recht hochwertig für die Kleinwagen-Klasse. Aber wenn während unseres Drehs Kunststoff-Teile der Innenspiegelaufnahme abfallen zeugt das natürlich nicht von allzu hoher Güte.

Dynamisches Fahrverhalten, kein Kleinwagen-Sportler

Im Kia Rio 1.0 T-GDI GT-Line mit 120 PS sitzt man gut. Der Überblick zu allen Seiten und in alle Richtungen ist überdurchschnittlich, der Sitzkomfort, die Ergonomie und die Sitzposition in Bezug zu Lenkrad und Instrumenten für diese Klasse überzeugt.

Unser Testwagen war mit dem optional erhältlichen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Zwar kommt der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 serienmäßig mit dem 48-Volt-Mildhybridsystem, aber nicht mit dem Doppelkupplungsgetriebe (Automatik). Serie ist tatsächlich ein nicht weniger interessantes, so genanntes „intelligente Schaltgetriebe (iMT)“. Es verfügt über eine elektronisch gesteuerte Kupplung („Clutch-by-wire“), die sowohl per Pedal als auch durch ein elektronisches Steuergerät betätigt werden kann. Wenn der Fahrer beim Ausrollen vor einer Kreuzung oder in anderen Situationen, in denen der Verbrennungsmotor abgeschaltet werden könnte, den Fuß vom Gas nimmt, entkoppelt das iMT den Motor eigenständig vom Getriebe. Wie gut das tatsächlich funktioniert wissen wir nicht. Aber Kia setzt damit als einer der wenigen Hersteller Benchmark.

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Die Farbe des Kia Rio Testwagens heißt „Schneeweiß“.

Der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 kann sowohl in der Schaltversion als auch mit dem optionalen Sieben-Stufen-DCT „segeln“. Dieses Abschalten des Verbrennungsmotors während der Fahrt ist bei Geschwindigkeiten von bis zu 125 Stundenkilometern möglich. Sobald der Fahrer Gas, Bremse oder Kupplung betätigt, springt der Motor auto- matisch wieder an. Aber das funktioniert logischerweise nur, wenn die Batterie geladen ist. In unserem Test hat der Kia Rio nicht immer in den Segelmodus geschaltet. Denn es war intelligenter, die Batterie mittels Generator (Lichtmaschine) erst einmal aufzuladen. Und dazu wäre auskuppeln und segeln kontraproduktiv. Aber: Wenn die Batterie geladen ist (das geht ziemlich schnell) funktioniert das Segeln sehr gut. Effizienz kann der Kia Rio 1.0 T-GDI als Mild-Hybrid in jedem Fall.

Aber kann er auch sportlich? Geht so. Die Schaltzeiten des Doppelkupplungsgetriebes sind recht lang und zögerlich. Man merkt dass die Abstimmung des Mild-Hybrid-Antriebsstrangs nicht auf Dynamik optimiert wurden, sondern ganz klar auf Effizienz. Spontane Gasbefehle setzt der Kia Rio nicht so gerne um und zögert oftmals. Das ändert auch kein anderer Fahrmodus.

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Neben der Elektrifizierung des Topmodells wurden auch die Verbrennungsmotoren überarbeitet. Der 1.0 T-GDI besitzt nun eine CVVD-Ventilsteuerung (Continuously Variable Valve Duration). Diese Technologie ermöglicht es, je nach Motorlast nahtlos zwischen verschie- denen Verbrennungszyklen zu wechseln, um in allen Fahrsituationen eine größtmögliche Effizienz zu gewährleisten.

Auch Lenkung und Fahrwerk spielen auf Landstraßen nicht optimal miteinander. Was auf Autobahnen ganz ordentlich und Spurtreu funktioniert, macht auf der Landstraße kaum Spaß. Aber es funktioniert gut – und vor allem: es fühlt sich alles sehr sicher an. Und darauf kommt es ja meistens an. Für diejenigen, die es interessiert: Vorne gibt es MacPherson-Federbeine, hinten waltet eine Verbundlenkerachse. Also alles Durchschnitt und in Ordnung.

Dass der Kia Rio 1.0 T-GDI 120 DCT kein Sportler ist, zeigen auch seine Leistungsdaten: Er verfügt zwar über mehr Drehmoment (200 Nm, bisher 172 Nm; plus 16 Prozent) und eine schnellere Beschleunigung (0-100 km/h: 10,3 Sek., bisher 10,5) als sein Vorgänger, richtige Rekordwerte sind es aber nicht. Vor allem wenn man mal zu den anderen Kleinwagen-Sportlern wie Abarth 500 oder VW up! GTI schaut.

Ebenfalls geupdatet wurden die Assistenzsysteme: Es gibt den Frontkollisionswarner, der neben Fußgängern auch Radfahrer erkennt, der Müdigkeitswarner beinhaltet einen Ablenkungswarner bei stehendem Verkehr und der Spurwechselassistent und Querverkehrwarner können jetzt eigenständig Bremseingriff durchführen (nur bei DCT-Versionen).

Daten und Fakten des Kia Rio Hybrid 1.0 T-GDI mit 120 PS

Serienmäßig kommt der Kia Rio mit Klimaanlage, Audiosystem, DAB+, beheizbare Außenspiegeln und Dämmerungssensor. Ab der Ausstattungsstufe „Spirit“ gibt es ein 20,2-cm-Touchscreen, eine Smartphone- Schnittstelle und LED-Scheinwerfer. Ab der „GT Line“ gibt es 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Sportlenkrad, Sport- pedale, Sitzbezüge in Stoff und Ledernachbildung und einen Smart-Key und aber der „Platinum Edition“ hat man eine Kunstlederausstattung und das Navigation inklusive UVO Connect. Optional für alle Linien gibt es ein elektrisches Glasschiebedach und eine induktive Ladestation.

Wer eine andere Motorisierung bevorzugt hat die Wahl zwischen Turbobenzinern in zwei Varianten: 1.0 T-GDI 120 (88 kW/120 PS) mit Mildhybridsystem und intelligentem Schaltgetriebe (iMT) oder den 1.0 T-GDI 100 (74 kW/100 PS) mit 6-Gang-Schaltgetriebe. Beide gibt es optional mit 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe. Und es gibt noch den 1,2-Liter-Saugbenziner mit 84 PS und mit 5-Gang-Schaltgetriebe. Start-Stopp-System ist immer Serie.

Das sind die Daten und Fakten des Rio 1.0 T-GDI 120:

DATENBLATTKia Rio 1.0 T-GDI 120
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,07 m / 1,72 m / 1,45 m
Leergewicht (DIN)1.205 – 1.303 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen325 / 1103 Liter
MotorDreizylinder-Benziner mit Turboaufladung, 998 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschalter Serie, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe optional
Leistung88 kW (120 PS)
KraftstoffartSuper
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
max. Drehmoment200 Nm 2.000 – 3.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 s
Normverbrauch (innerorts, außerorts, kombiniert)4,9 / 4,3 / 4,5 l
Testverbrauch5,8 l
Tankinhalt45 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
125 – 122 g/km
EmissionsklasseEU 6 (AP)
Grundpreis23.700 Euro
Preis des Testwagens25.680 Euro

Fazit zum Kia Rio 1.0 T-GDI Mild-Hybrid

Der Kia Rio kommt – wie alle Modelle – mit 7-Jahre-Kia-Herstellergarantie (max. 150.000 km) und 7-Jahre-Kia-Navigationskarten-Update für werksseitig fest installierte Navigation sowie 7 Jahre kostenfreie Nutzung von UVO Connect. Das ist schonmal eine Ansage und auf jeden Fall ein starker Grund, sich mit einem Kia Rio zu beschäftigen.

Seine Fahrdynamik überzeugt aufgrund der sicheren Abstimmung – auch wenn der Fahrspaß durch das nicht ganz perfekte Zusammenspiel von Lenkung und Fahrwerk sowie einem etwas zögerlichen Doppelkupplungsgetriebe etwas zu kurz kommt. Dafür überwiegt in der Begeisterung sein intelligenter Antriebsstrang: Er funktioniert in nahezu allen Situationen fehlerfrei und sorgt für niedrige Verbräuche – und damit auch Emissionen.

Bewertung Kia Rio 1.0 T-GDI 120 7-DCT (GT-Line)
Optischer Eindruck++++Sportliche Optik, typische Kia-Front
Qualität Karosserie++++Gute Verarbeitung, gleichmäßige Spaltmaße und Fugen
Lackqualität Karosserie++++Gute Lackqualität, kaum Orangenhaut
Qualität im Interieur+++Viel Kunststoff im Interieur, aber hochwertige Verarbeitung
Sitzkomfort Cockpit++++Straffe Sitze, gute Auspolsterung, für längere Strecken gut geeignet
Sitzkomfort Fonds+++Für Kurz- bis Mittelstrecken ausreichend
Digitales Bedienkonzept++++Große Displays, vieles digitalisiert
Raumangebot (bezogen auf das Segment)++++Raumangebot liegt im Durchschnitt, großer Kofferraum – beim Mild-Hybrid keine Reserverad-Mulde
Innenraumgeräusch / Dämmung++++Ruhiges Interieur auch bei höheren Geschwindigkeiten
Lenkung+++Vermittelt Sicherheit, könnte aber strammer und präziser sein
Spurtreue++++Sicheres Fahrgefühl
Fahrwerk+++Könnte ebenfalls strammer und präziser sein
Motor++++Guter Durchzug, gute Dosierbarkeit, intelligenter Antriebsstrang mit gutem Drehmoment und Anzug aus niedrigen Drehzahlen
Getriebeabstimmung+++Getriebe mit „Gedenksekunden“, zögerliche Gangwechsel und Gasannahme
Innovation++++Mild-Hybridantrieb m Kleinwagensegment sehr innovativ
Preis+++Nicht supergünstig, dafür bietet er auch einiges
Gesamteindruck++++
 +++++ = Maximum

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 31 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.