Lexus RX 450h Luxury im Test: Hybrid mit Jetski-Feeling und 313 PS

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Misstrauisch und böse schaut mich der Enkel des zweitgrößten Automobilherstellers der Welt beim ersten Annäherungsversuch an. Förderlich für das Vertrauen ist auch sein riesiger Diabolo-Kühlergrill nicht, der wahrscheinlich ganze Landstriche auf einen Schlag einsaugen könnte und im Schummerlicht zwischen den schmalen Augen im 16:9-Asia-Format hungrig funkelt. Die Legitimation, den asiatischen Luxus-SUV zu öffnen, trägt man stets in der Hosentasche. Beim berührungslosen Entriegeln dimmen die scharfen LED-Augen auf, das helle Leder- und Holzinterieur wird passiv angestrahlt. Ein riesiger, 12,3 Zoll-Monitor prangt auf dem Armaturenbrett, der eine farbenfrohe Begrüßung abspielt. Hallo Luxus. Hallo Lexus RX 450h.


Aus einer anderen Welt

Der Lexus RX 450h ist eine Komposition aus vielen verschiedenen Linien und Kanten, die aufwendig ins Karosseriekleid eingearbeitet wurden. Unseren deutschen Geschmack trifft das Design nur selten sofort; auch wenn man sich daran rasch gewöhnt. Und ich meine nicht „gewöhnen“ im Sinne von Akzeptanz, sondern vielmehr von Begeisterung.

Galerie: Lexus RX450h im Fahrbericht

Lexus RX450h im Fahrbericht
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Sein Diabolog-Kühlergrill ist sehr präsent - daneben verbreitern die schmalen Scheinwerfereinheiten in Voll-LED-Technik die Front zusätzlich und intensivieren die optische Masse des Erscheinungsbildes ..

Wer sich auch nach zwei Wochen intensiver Auseinandersetzung im Alltag nicht an die wandelnde Mischung aus Dynamik und Unruhe gewöhnen kann, darf zumindest akzeptieren, dass jene Form auch technisch begründet ist. Der cW-Wert von 0,33 kommt nämlich nicht von ungefähr. Die aerodynamische Optimierung sieht man nicht nur an der Front, sondern auch am Heck. Dort prangt ein großer Heckspoiler über der flach abfallenden Heckscheibe und eine scharfe, als auch lang gezogene Abrisskante sorgt für minimale Verwirbelungen.

Hochwertiges Interieur mit Yacht-Holz-Applikationen

Mein Lexus RX 450h Testwagen ist mit knapp 78.000 Euro einer der teuersten RX, der das Werk im kanadischen Ontario verlässt. Nicht einmal die F-Sport Variante ist teurer. Für ein Luxus-SUV mit hybridem Antriebsstrang – im Vergleich zum Wettbewerb – zwar kein Schnäppchen, aber für sein Angebot in Ordnung. Denn preiswert schaut es im Interieur nicht aus – im Gegenteil.

Ich sitze auf wohl geformten, beheiz- und belüftbaren Sitzen mit ausreichend Seitenhalt, bezogen mit feinstem Leder in Hellbeige. Als Kontrastfarbe für die Interieurumfänge ab Brusthöhe passen konsequent rotbraune Lederumfänge sowie Kunststoff-Applikationen dort, wo meine haptischen Sinne in der Regel nicht hinreisen. Die Mittelkonsole ist großzügig und spektakulär geformt – hochwertig mit lackiertem Yacht-Holz ausgeführt. Lediglich die Bedieneinheit der Mark Levinson-Musikanlage und der Klimasteuerung ist etwas Neunziger.

Die in der Luxury-Variante serienmäßige Top-Anlage mit 15 Lautsprechern klingt ausgesprochen fein und wohl strukturiert, arbeitet Höhen als auch Tiefen glasklar aus und fügt trotzdem alles zu einer stimmigen Komposition zusammen. Die Anlage hat so überzeugt, dass wir einen Teil des Abmischungsprozesses für ein Album meines Jazz Trios mit der Mark Levinson Anlage verbracht haben.

Der 12,3 Zoll große Bildschirm auf dem Armaturenbrett schwebt förmlich über den Elementen. Er erinnert an das Cockpit des BMW i3, pflegt aber einen deutlich ungewohnteren Umgang mit seinem Benutzer. Wie das genau funktioniert, haben wir im Video dargestellt.

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Im hinteren Abteil sitzt man ebenfalls auf weichem Leder. Die Kniefreiheit ist so gestaltet, dass das Attribut „luxuriös“ auf jeden Fall adäquat verwendet werden kann. Zudem kommt noch, dass nicht nur der Mitteltunnel wegfällt und man so einen ebenerdigen Fußraum vorfindet, sondern dass die Rückenlehne der Sitzbank elektrisch verstellbar ist. Lange Fahrten werden so zum absoluten Entspannungstrip. Nur die Massagefunktion fehlt.

Lexus RX 450h mit 313 PS Systemleistung

Beim Aufwecken der Aggregate durch Drücken des Start-Stopp-Knopfes hinter dem Lenkrad passiert erst einmal nichts. Klar – Hybrid. Kunden können sich zwischen einem Zweiliter-Turbo mit 238 PS und vier Zylindern oder dem Hybrid mit Dreieinhalb Litern, sechs Zylindern, zwei E-Maschinen und 313 PS entscheiden.

Bei letzterer Antriebskombination ist ein Elektromotor mit 167 PS und 350 Nm Drehmoment direkt an der Welle des Motors angeflanscht und unterstützt den Verbrenner mit Drehmoment. An der Hinterachse sitzt ein 68 PS starker Elektromotor. Da man die Leistung der einzelnen E-Maschinen – sofern sie nicht alle an die Radnaben montiert sind oder ihre Kräfte direkt auf die Räder wirken – nicht einfach addieren kann, sondern eine Prüfstandsmessung durchführen muss, kommt der Lexus RX 450h somit auf eine Systemleistung von 313 PS.

Das reicht, um in beeindruckender Art und Weise dem großen Diesel im 3er BMW auf der Autobahn Paroli zu bieten. Die große E-Maschine in Kombination mit dem V6-Sauger schiebt das 2,2 Tonnen-Koloss brutal voran. Zwar geht es von 0 auf 100 Km/h nur in 7,7 Sekunden – auf der Autobahn bei stets schon beschleunigter Masse ist der Durchzug jedoch unerwartet intergalaktisch.

Und er ist auch vom Feeling unterhaltend: nicht nur, dass Lexus einen speziellen mechanischen Soundgenerator entwickelt hat, sondern auch die Abgabe der Leistung für europäische Verhältnisse ungewohnt steuert: der Motor springt bei Vollgas sofort zu seiner Maximaldrehzahl. Eine Art Planetengetriebe steuert so die Kraftentfaltung von E-Maschine vorne und hinten in Kombination mit dem maximalen Output des Verbrenners. So fühlt es sich an, als würde man mit einem JetSki bei Vollgas über das Wasser gleiten – nur ohne Wasser. Bei 214 Km/h ist der Ritt – laut Tacho – vorbei.

Übrigens: bei rund 2.000 sehr zügig gefahrenen Kilometern auf Autobahnen nach Wien, auf Landstraßen und in der Stadt hat sich ein Durchschnittsverbrauch von rund 10 Litern eingestellt. Und das bei einem hohen Anteil an Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und für 2,2 Tonnen. Respekt. Die nächste Stufe ist jetzt Turboaufladung für den V6-Benziner.

Präzises, aber komfortables Fahrverhalten

Wankstabilisierung, ein adaptives Fahrwerk, verschiedene Fahrmodi und eine geschwindigkeitsabhängige Lenkung: was will man mehr. Und diese Komponenten zeigen auch, dass sie zusammenarbeiten können. Jede Kurve sitzt, jeder Lenkeinschlag trifft exakt den Kurvenradius. Und das ganze komfortabel und mit dem genau richtigen Lenkwiderstand.

Fazit und Preis zum Lexus RX 450h

 Optischer Eindruck  +++++
 Qualität Karosserie  +++++
 Qualität im Interieur  ++++
 Lenkung  ++++
 Fahrwerk  +++++
 Motor  ++++
 Raumangebot  +++++
 Digitales Bedienkonzept  +++
 Innovation  ++++
 Preis  ++++
 Gesamteindruck  ++++
   +++++ = Maximum

Klar, der optische Eindruck ist beim Lexus RX 450h sowas von streitbar. Entweder er gefällt einem oder er gefällt einem nicht. Am Anfang hat er uns nicht gefallen, jetzt finden wir ihn unglaublich interessant. Es ist immer das Gleiche: man muss sich mit den Dingen intensiv beschäftigen und auseinandersetzen.

Das Interieur ist komfortabel und hochwertig verarbeitet. Lediglich ein paar Oldschool-Kunststoffelemente gefielen uns nicht und störten das Gesamtbild. Das digitale Bedienkonzept ist nicht für jedermann einfach zu verstehen. Vor allem der mechanische Cursor ist sehr empfindlich – auch wenn man seinen Widerstand einstellen kann. Wir kamen damit gut zurecht, aber seien wir ehrlich: die optimale Bedienung ist das nicht. Hier ist iDrive und Co. klar im Vorteil.

Insgesamt ist der Lexus RX 450h ein Fahrzeug für Individualisten und Querdenker. Ein herausragend extrovertiertes Design trifft auf asiatischen Luxus und ein modernes Antriebskonzept. Und das zu einem vergleichsweise zahlbaren Preis. Gerne mehr davon!

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Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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