Porsche Cayenne Turbo Coupé und Cayenne S Coupé im ersten Fahrbericht

Coupé oder eher Fastback? Wie auch immer man diese Karosserieform im Kreise der Q8, Urus, X6 oder GLE Coupé Fahrzeuge benennen mag: Das Cayenne Coupé wirkt auf den ersten Eindruck formschöner und sportlicher. Dies vermag mitunter an der flacheren Dachlinie sowie breiteren Spur hinten liegen, die jene 2,2 Tonnen schwere Karosserie satt auf den Asphalt drückt. Aber fährt es sich gegenüber dem normalen Cayenne auch noch sportlicher? Fahrbericht des Cayenne S Coupé sowie des 550 PS starken Cayenne Turbo Coupé!


Flacher, breiter, akzentuierter

Während sich an der Cayenne-typischen, bulligen Frontpartie nichts geändert hat, wurde ab der A-Säule des Schwaben-SUV dynamisiert. Sprich: Die Dachlinie des Porsche Cayenne Coupé ist um 20 Millimeter niedriger und die Frontscheibe steht – ähnlich den 911 Speedster-Versionen – flacher.

Galerie: Porsche Cayenne Coupé (2019)

Porsche Cayenne Coupé (2019)
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Porsche Cayenne Coupé (2019)

Darüber hinaus gibt es serienmäßig schon 20-Zöller, optional sogar bis zu 22 Zoll große Leichtbaufelgen in Platinum Seidenglanz (Grau matt).

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Ein durchaus stilvolles Menü à la carte de Porsche: 22 Zoll große Leichtmetallfelgen in Platinum Seidenglanz und die gelbe Keramik-Bremse für etwas über 8.000 Euro dahinter. In der Gesamtkreation stimmig: die in Lava-Orange lackierte Außenhaut.

Kein Schiebedach, dafür Carbon

Konsequente Sportlichkeit bei einem Geländewagen interpretieren die Stuttgarter offenbar auch mit einem nicht-flexiblen Dach: So ist zwar ein supergroßes Glasdach inklusive Rollo in jedem Cayenne Coupé Serie, zu öffnen geht es aber nicht. Überhaupt gibt es kein Schiebedach – dafür aber ein Carbondach, das den 2,2-Tonner zwar erleichtert, jedoch im Interieur stark verdunkelt. Eher GT2 RS Atmosphäre als Lichtdurchflutung also.

Das Carbondach ist übrigens Teil des 13.209 Euro teuren Leichtbau Sport-Pakets, das rund 20 Kilogramm einspart und aus Elementen, wie den 22-Zoll GT Design Rädern in Platinum Seidenglanz, dem Sport Design Paket, Lufteinlassgittern in Schwarz (matt) sowie Airblades in Schwarz (matt), der Teillederausstattung in Schwarz mit Sitzmittelbahn in Stoff mit klassischem Karomuster, einem Dachhimmel in Alcantara, dem Multifunktions-Sportlenkrad mit Lenkradkranz in Alcantara, Interieurteilen in Carbon sowie die Diffusorblende in Sichtcarbon besteht.

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Der Diffusor ist in Sicht-Carbon gehalten, die Endrohre verfügen über die Sportabgasanlage. Erkennungszeichen: Entweder silber oder schwarz, aber immer Doppelflutig.

Beim Cayenne S Coupé sowie beim Basis-Cayenne Coupé soll das Leichtbaupaket für eine um 0,1 Sekunden reduzierte Beschleunigung beim Standardsprint von 0 auf 100 Km/h sorgen (Cayenne S Coupé 4,9, Cayenne Coupé 5,9 Sekunden). Angesichts des Gesamtgewichts von rund 2,2 Tonnen ist es aber äußerst fragwürdig zu kommunizieren, dass durch die eingesparten 22 Kilogramm ein so schweres Fahrzeug eine Zehntel Sekunde schneller wird. Egal, denn das Auto ist trotzdem verdammt schnell – und die Werksangaben seitens Porsche ohnehin immer sehr konservativ. Das Sport Chrono Paket ist immer Serie.

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Eher Fastback als Coupé

Elegant und gleichzeitig gut nutzbar ist die Heckpartie des Cayenne Coupé. Nicht nur mündet die dynamische Dachlinie – die eigentlich eher an ein Fastback erinnert als an ein Coupé – geschmeidig in die Heckpartie und formt dieses satt und souverän; auch die Platzverhältnisse in der zweiten Reihe sind eher Loge als Parkett.

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Porsche macht es den Tunern und Veredelern schon schwer: Dieses Heck in dieser Konfiguration (mit all diesen Anbauteilen) könnte auch von TechArt stammen. Adjektive wie mächtig, monströs und satt beschreiben es am besten.

Durch die um 30 Millimeter tiefere Sitzposition aufgrund des fehlenden Schienensystems ist die Übersicht nach vorne und zur Seite gegenüber dem Normalo-Cayenne zwar eingeschränkter, dafür sitzt man noch mehr im Auto und fühlt sich von seiner Karosserie umschlossen.

Die Sitzbank hinten kommt serienmäßig mit zwei Einzelsitzen – ohne Aufpreis lässt sich aber auch der Sitzplatz in der Mitte legal bevölkern. Und im Leichtbaupaket enthalten sind die Teilledersitze mit Stoffmittelbahnen im Karomuster. Sehr geschmackvolle und nachhaltige Lösung!

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Die Materialqualität ist ausgezeichnet. Bis auf der Wählhebel, der optisch und haptisch nicht gefällt. Aber auch hier gibt es einen Ausweg: das Zauberwort auf der kilometerlangen Aufpreisliste heißt Porsche Exclusive.

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Ok, geht schon. Aber man kauft sich ja kein Auto für über 100.000 Euro, um dann einen „geht schon“-Wählhebel in der Hand zu halten. Praktisch trotzdem: Die Auflagefläche für die Hand, die das ruhige Bedienen des Touchscreens mit den Fingern zulässt.

Bisschen komisch hingegen ist die Einfassung der Carbon-Dekore im Cockpit. Wohl wissend um die Beschaffenheit der Carbon-Dekore aus früheren Zeiten, erscheint dieses neuartige Design komplex – und kompliziert. So ist das eigentliche Carbon-Dekor in einen Aluminiumrand eingefasst, der wiederum auf einem in Hochglanz-Schwarz gehaltenen „Grund-Dekor“ befestigt ist. Zeitlos? Keinesfalls. Eher überdesignt.

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Man kann’s auch kompliziert machen – und das Dekor in einen Alurahmen positionieren, der wiederum auf einem Grund-Dekor in Klavierlack liegt.

Cayenne S Coupé vollkommen ausgewogen

Einer meiner All-Time-Lieblingsmotoren ist der 2,9 Liter BiTurbo-V6 aus dem Audi-Regal, der im Cayenne S Coupé schlummert – und im nahenden Macan Turbo zum Einsatz kommt. Seinen ersten Einsatz feierte er im Audi RS5 – seitdem werden auch Panamera-Modelle damit ausgestattet.

Das Aggregat zeichnet sich im Cayenne S Coupé zwar durch einen schwächeren Sound, als im RS5 aus (weil das warme, satte und sonore Bollern beim Cayenne fehlt), jedoch erfüllt er genau die Ansprüche, die ein Porsche-SUV-Fahrer an sein Cayenne Coupé hat: Rasches Ansprechverhalten, Leichtfüßigkeit, Effizienz und Durchzugsstärke.

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Porsche Cayenne S Coupé oder Cayenne Turbo Coupé? Lavaorange oder Schwarz Uni? Leichtbau-Paket oder ohne? Lassen Sie gerne Ihre Meinung hier!

Cayenne Turbo Coupé mächtig – aber langweilig

Überhaupt fährt sich das Cayenne Coupé sehr leichtfüßig durch Kurvenpassagen. Der Achtgang-Wandler (in jedem Cayenne Coupé Serie) ist präzise abgestimmt und schaltet wie eine Doppelkupplung. Der Grund für den Verbau in den Cayenne-Modellen ist nach wie vor die bessere Dosierung der Kraft im Gelände bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Das Porsche Cayenne Turbo Coupé ist einfach nur brutal. 550 PS und 770 Nm bringt der 4.0 Liter BiTurbo-V8 auf alle vier Räder – in ungeschickt gewählten Drehzahlen tatsächlich mit einem kleinen Turboloch. Die Kurvenperformance dank flexibler Drehmomentenverteilung, Wankausgleich, Luftfederung und Hinterradlenkung ist wie im Bilderbuch – und selbst für routinierte Fahrer wie mich in ihrer Präzision kaum nachvollziehbar.

Wie der Konzernbruder fährt, lesen Sie hier. Wir waren mit dem Audi Q8 in der chilenischen Atacamawüste unterwegs.

Fazit Porsche Cayenne S und Cayenne Turbo Coupé

Den Basisbenziner mit 340 PS für rund 84.000 Euro sind wir nicht gefahren. Ich mag den Drei-Liter-Benziner nicht so sehr, weil er schon lange auf dem Markt ist und dem etwas kleineren 2,9-Liter-BiTurbo-V6 einfach nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann.

Die richtige und vernünftige Wahl ist auf jeden Fall das Cayenne S Coupé. Seine Leistung von 440 PS ist nicht spektakulär, jedoch mehr als ausreichend für schnelle Sprints und zügige Autobahnfahrten. Das ganze Auto wirkt durch dieses Aggregat agil und bewahrt seine typische Porsche DNA.

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Erstmal morgens die Post aus dem Drive-by-Briefkasten holen. Wie lässig.

Wie gewohnt ist das Cayenne Turbo Coupé mit 550 PS und 770 Nm Drehmoment absolut wuchtig. Auch wenn die Ausstattung des Testwagens (Basissitze mit aufgesetzten Kopfstützen, graues Leder, Uni-Schwarze Außenhaut) absolut langweilig war: die Fahrcharakteristik war es auch (reingelegt ;-)). Aber klar: Sicherheit und absolute Perfektion sind die Dinge, die man von heutigen modernen Autos erwartet. Aber für ein Auto, das über 150.000 Euro kostet und 550 Pferdestärken unter seiner Motorhaube hat, kann man doch ein bisschen mehr Nervenkitzel erwarten – oder etwa nicht?!

 Bewertung Porsche Cayenne Coupé S (2019)
 Optischer Eindruck +++++
 Qualität Karosserie +++++
 Lackqualität Karosserie +++++
 Qualität im Interieur ++++
 Sitzkomfort Cockpit ++++
 Sitzkomfort Fonds ++++
 Digitales Bedienkonzept +++++
 Raumangebot (bezogen auf das Segment) ++++
 Innenraumgeräusch / Dämmung ++++
 Lenkung +++++
 Spurtreue +++++
 Fahrwerk +++++
 Motor +++++
 Getriebeabstimmung ++++
 Innovation +++
 Preis +++
 Gesamteindruck ++++
 +++++ = Maximum

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 29 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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