Test: Mit dem Audi Q8 55 TFSI durch die Atacama Wüste und auf 4.500 Meter Höhe

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Mein Herz beginnt schneller zu schlagen, mein Kopf wird etwas dumpfer und ich bin nach wenigen Worten der Moderation schon völlig aus der Puste. Das mag vielleicht auch an der etwas einschüchternden Front des neuen Audi Q8 55 TFSI in Daytonagrau Metallic liegen – ist aber vor allem darin begründet, dass ich auf 4.500 Metern Höhe mitten in der chilenischen Atacama Wüste stehe. In dieser Umgebung fahren wir das neue SUV-Coupé der Ingolstädter über einige befestigte und unbefestigte Routen. Es folgt der höchste Fahrbericht in der Geschichte von AUTOmativ.de!


Der Audi Q8 ist das Phantom der Wüste

Mit welchem Auto würden Sie eine Wüste durchqueren? Amarok? Hilux? Ranger? Q8? Letzteres sicher nicht. Oder doch? Schließlich wird alles vom Audi Lifestyle erschlossen – selbst die Wüsten dieser Erde. Wie auch immer: ich habe diesmal – statt im Amarok – in einem Lifestyle-Offroad-Sportobjekt die trockenste Wüste der Welt befahren.

Galerie: Mit dem Audi Q8 durch die Atacama Wüste

Mit dem Audi Q8 durch die Atacama Wüste
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Von Weitem scheint es, als würden die neuen Audi Q8 wie Phantome durch die staubige und schier unendliche Geröllwüste gleiten. Die dunkle Außenhaut – völlig verstaubt und mit hell-beigem Sand überzogen – in Kombination mit den scharf gezeichneten und gleichzeitig hellen Leuchten sowie der dünnen und kalten Höhenluft ergibt eine mystische Atmosphäre. Denn die Akustik auf 4.500 Metern Höhe in Kombination mit der extrem trockenen Luft ist der in einem Tonstudio sehr nah: die Schallwellen kommen einfach nicht so schnell voran.

Auf den kilometerlangen Geraden zieht die Kolonne – begleitet von dumpfen Abroll- und Dämpfergeräuschen des Luftfederfahrwerks – eine kilometerlange Staubspur hinter sich her. Bis sie irgendwann am Horizont verschwindet. 

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Was von Außen im Kontext der weiten Landschaft relativ langsam und ruhig aussieht, ist an Bord deutlich aufregender und schneller. Ich fahre mit rund 120 Stundenkilometern über die unruhigen Staubpisten – natürlich mit großem Abstand zum Vordermann. Immerhin mussten schon 14 Frontscheiben in den vergangenen anderthalb Wochen ausgetauscht werden, weil zu dicht aufgefahren wurde.

Audi Q8 55 TFSI im ersten Fahrbericht in Chile San Pedro de Atacama 4.500 Meter AUTOmativ.de Benjamin Brodbeck 11 - Test: Mit dem Audi Q8 55 TFSI durch die Atacama Wüste und auf 4.500 Meter Höhe
Wie ein Phantom wühlt sich das schöne Biest durch das rund fünfzig Zentimeter tiefe Wasser in der chilenischen Atacama Wüste.

An Ruhe ist nicht zu denken, stattdessen ist höchste Konzentration gefordert. Und das fällt mir etwas schwerer als sonst, denn die Höhe von 4.500 Metern macht meinem Hirn – zumindest in den ersten Minuten der Gewöhnung – zu schaffen. Alles fühlt sich etwas dumpfer an. Und beim Aussteigen ist eine erhöhte Anstrengung erforderlich, um meinen Körper um das Auto zu bewegen.

Sein Konzeptfahrzeug war nahezu identisch mit der Serienversion

In Genf wurde letztes Jahr die Studie zum neuen Q8 mit dem Namenszusatz „sport concept“ vorgestellt. Es ist auffallend, dass sehr viel Ähnlichkeit zum Serienmodell besteht – und das ist großartig. Endlich mal ein Auto, das vom Konzeptstatus nahezu unverändert in die Serie überführt wird. Was viele nicht wissen (und ich in Genf auch nicht): der Serien-Q8 war damals schon fertig gezeichnet. Und auf Basis des Serien-Q8 hat das Audi Designstudio dann ein Konzeptfahrzeug entwickelt. Ungewöhnlich.

Die Heckpartie erinnert an die Grundstruktur des Lamborghini Urus: ähnlich scharf und ähnlich breit. Kein Wunder: beide Autos teilen sich die selbe Architektur.
Die Heckpartie erinnert an die Grundstruktur des Lamborghini Urus: ähnlich scharf und ähnlich breit. Kein Wunder: beide Autos teilen sich die selbe Architektur.

Audi Q8 Concept Autosalon Genf 2017 GIMS2017 AUTOmativ.de Benjamin Brodbeck - Test: Mit dem Audi Q8 55 TFSI durch die Atacama Wüste und auf 4.500 Meter Höhe

Die Front wurde für das Konzept noch etwas dreidimensionaler gestaltet – das Heck bekam zusätzliche Luftauslässe. Nur das Interieur unterscheidet sich von dem des Serien-Q8 deutlich. In die Serie zog das allseits bekannte Interieurdesign aus A6, A7 und A8 ein – nur ohne zweistufiges Armaturenbrett.

Möglicherweise können wir das Exterieurdesign der Studie für den kommenden RS Q8 im Hinterkopf behalten. So zumindest teilte Audi es mir mit – und es macht zudem noch Sinn. Siehe hier:

Ein SUV-Coupé ist cool

Keine Frage: der Q7 ist ein ordentliches Auto. Ein bisschen klobig ist er dennoch – und irgendwie passt er damit nicht so wirklich in das moderne Stadtbild. Auch wenn der Q7 praktischer ist, finde ich den Audi Q8 deutlich attraktiver. Nicht nur sind seine Dimensionen stimmiger (kürzer, breiter, flacher als der Q7), auch sein Fahrzeugkonzept erscheint mir einfach moderner und seine Optik deutlich frischer.

Ok, es sieht echt nicht wie 4.500 Höhenmeter aus. Aber Tatsache ist, dass sich die chilenische Atacama Wüste in großen Teilen über ein Hochplateau erstreckt, das auf rund 4.500 Metern liegt. Und: es geht noch höher. Um uns herum erstreckt sich ein Gebirgszug, der auch aktive Vulkane beinhaltet.
Ok, es sieht echt nicht wie 4.500 Höhenmeter aus. Aber Tatsache ist, dass sich die chilenische Atacama Wüste in großen Teilen über ein Hochplateau erstreckt, das auf rund 4.500 Metern liegt. Und: es geht noch höher. Um uns herum erstreckt sich ein Gebirgszug, der auch aktive Vulkane beinhaltet.

Die Komposition aus einer coupéartige Silhouette und einer nur leicht höher gesetzten Karosserie spiegelt den heutigen Zeitgeist besser wider, als die typischen SUV. Ist einfach so.

Offroad kann er, selbst mit 22 Zoll Felgen

Auch wenn in unserem Video aus Chile keine richtigen Offroad-Passagen gezeigt wurden heißt das nicht, dass wir nur über Schotterwege gefahren sind und ich das als Offroad bezeichne. Wir wurden vielmehr durch hartes Gelände überrascht – denn die eigentlich geplante Route war durch Schneeverwehungen gesperrt und wir mussten improvisieren. Bei dieser Passage ging es um’s Durchkommen; das Filmen oder Photographieren währenddessen war tatsächlich zweitrangig.

Keine Frage also: der Audi Q8 kann Offroad, selbst mit den 22 Zoll Felgen und den montierten Sommerpneus. Trotzdem kommt ein Q7, Touareg oder Cayenne ein Stück weiter im Gelände – auch klar.

Man kann es schade finden oder davon überzeugt sein, dass jeder neue Audi mittlerweile ähnlich fährt und von Innen gleich aussieht. Einerseits bedarf es so keiner Eingewöhnung oder gar Umstellung, andererseits fällt auch mir es zugegebenermaßen immer schwerer, fortwährend neue präzise Worte für die Fahreigenschaften der verschiedenen Modelle zu finden.

Sogar springen kann der Audi Q8 – und bleibt dabei ruhig

Mit 140 Km/h fahre ich über Schotterpisten, die vom Streckenverlauf – dank Hügeln und kurzen Steigungen – an die Nordschleife erinnern. Immer wieder heben alle vier Räder kurzzeitig vom Boden ab – das Fahrwerk dämpft diese Sprünge exzellent, ohne Kräfte auf die Lenkung zu übertragen. Und das im Sport-Modus. Komfort ist nichts für mich – zu sehr schaukelt mir die Karosserie dabei. Und ich bin extrem empfindlich bezüglich der Reaktionen meines Magens. Im straffen Sportmodus fühle ich mich zu jeder Sekunde absolut sicher an Bord und merke tatsächlich nicht, dass wir die 140 Km/h deutlich überschritten haben.

Kein Wunder, das Aggregat arbeitet sehr leise. Motor- oder Auspuffsound ist nicht hörbar – es sei denn man dreht den Turbobenziner mit 340 PS oberhalb der viereinhalb-tausend Umdrehungen. Auf 4.500 Metern Höhe keine seltene Aktion, wenn man Leistung haben will – selbst bei der Zwangsbeatmung. Trotzdem hängt er spontan am Gas – auch er greift auf eine 48 Volt Mild-Hybridisierung zurück. Wie all seine Brüdern und Schwestern der Limousinenklasse. Alles gleich. Kennst Du ein Konzept, kennst Du alle. So ist es eben.

Audi Q8 55 TFSI im ersten Fahrbericht in Chile San Pedro de Atacama 4.500 Meter AUTOmativ.de Benjamin Brodbeck - Test: Mit dem Audi Q8 55 TFSI durch die Atacama Wüste und auf 4.500 Meter Höhe
Heck, Front, Seite – egal welchen Teil des neuen Audi Q8 man betrachtet: er gefällt einfach. Sein Design ist so ausgeglichen wie seine Fahrdynamik. Nur etwas mehr Power könnte er haben. Warten wir mal auf den SQ8 oder gar RSQ8.

Zwar geht es die meiste Zeit geradeaus, aber Schlaglöcher und größere Steine sind an der Tagesordnung. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrem A6 in vergleichbarer Geschwindigkeit über diese Pisten: nicht undenkbar, aber deutlich riskanter. Fahrzeughöhe und Bodenfreiheit hilft ohne Zweifel. Im seltenen Fall einer Kurve – die manchmal sogar asphaltiert sein kann – muss ich die Geschwindigkeit kaum reduzieren. Dank Allradlenkung und adaptiver Fahrwerks- und Elektroniksysteme regelt der Q8 auch auf rutschigen Untergründen die Kurvenfahrt dynamisch und präzise. Gefällt mir sehr gut.

Fazit zum neuen Audi Q8 55 TFSI (2018)

Nun, der Audi Q8 musste kommen. Meines Erachtens ist er eine der mit Abstand besten Entscheidungen der Ingolstädter. Er sieht nicht nur gut aus, sondern kann auch was: fährt sich sportlich, scheut sich nicht vor unbefestigtem Untergrund. Die Karosserie ist steif, die Fahrdynamiksysteme haben ein ausgesprochen hohes Niveau. Und im Interieur findet man sich nicht nur gut und schnell zurecht, sondern man blickt auch auf eine offene und freie Cockpit-Architektur.

 Bewertung Audi Q8 55 TFSI (2018)
 Optischer Eindruck  +++++
 Qualität Karosserie  +++++
 Lackqualität Karosserie  +++++
 Qualität im Interieur  +++++
 Sitzkomfort Cockpit  +++++
 Sitzkomfort Fonds  +++
 Digitales Bedienkonzept  ++++
 Raumangebot  ++++
 Innenraumgeräusch / Dämmung  +++++
 Lenkung  ++++
 Spurtreue  +++++
 Fahrwerk  ++++
 Motor  ++++
 Getriebeabstimmung  ++++
 Innovation  +++
 Preis  +++
 Gesamteindruck Audi Q8 55 TFSI (2018)  +++++
   +++++ = Maximum

Eine detaillierte und beeindruckende Photostrecke mit kurzweiliger Textbegleitung gibt es bei Sandra Schink – womenonwheels

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 27 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft bei Prof. Dr. Diez. Danach wechselte er an die Universität Wien, wo er Publizistik- und Kommunikationswissenschaften studierte und mit dem akademischen Grad 'Magister der Philosophie' abschloss. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de sowie zahlreichen weiteren Plattformen zum Ausdruck.

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