Gottvater der Kompakten: Neuer VW Golf R meistert Spagat und Handstand – erste Fahrt

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Auf die Straße durften wir mit dem neuen VW Golf R auf der spanischen Ferieninsel Mallorca noch nicht – dafür aber auf den rund 1,5 Kilometer kurzen Rundkurs. Dort ist das Topmodell der neuesten Generation Golf ohnehin besser aufgehoben. Freilich schafft das R-Derivat den extremsten und emotionalsten Spagat zwischen der alltäglichen Straße und der Rennstrecke. Ein Meisterwerk der kompakten Sportler.


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VW Golf R absolutes Benchmark

Es gibt eine nicht allzu kleine Minderheit unserer sehr geschätzten Leserschaft, die unsere Berichterstattung über Derivate von Volkswagen als zu positiv einschätzt. Entscheidend dafür mag womöglich auch die, wie VW es nennt, Diesel-Thematik sein, die tatsächlich gerechtfertigten Unmut schaffte.

Doch wir unterscheiden: Konzernpolitik und -strategie ist das eine, die Autos, das Produkt das andere. Während die Abstände in der Elektrifizierung zu USA mit der neuen Generation e-Golf geringer werden, bleibt der Golf als – zugegebenermaßen teures – Produkt absolutes Benchmark in vielen Kategorien. Hier bedient er nämlich einige äußerst erfolgreich: von den übersportlichen Hothatches über die Elektro-Fraktion bis hin zum ganz normalen Alltagsauto. Mégane oder i30 können dem Golf in all ihren Ausführungen weder vom Qualitäts- oder Technologieniveau noch von der fahrdynamischen Abstimmung das Wasser reichen. Noch, denn sie sind auf einem guten Weg – verfolgen aber auch eine andere Preisstrategie.

Beeindruckende Mischung aus Sportlichkeit und Komfort

Zurück zum neuen VW Golf R: schon beim Einstieg umschließt einen das ganze Auto. Alles ist fest, nichts hat Spiel, die Sitzposition ist exzellent: sportlich und zugleich komfortabel. Der Widerspruch geht auf, denn das Interieur verfügt über ganz klar strukturierte und definierte, straffe Materialien, die sich den Extremitäten des Körpers fügen. Einzig die Seitenwangen könnten beim feurigen Kurvenritt über den Mallorca Circuit mehr Seitenhalt bieten, um das Fahrzeug noch entspannter durch die Spitzkehren zu führen.

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VW bläst beim Update des VW Golf R mehr Druck in den Lader: 1,4 bar sind es jetzt an Stelle 1,2 vorher. Das macht einen Leistungszuwachs von 10 PS auf 310 PS und eine Drehmomentsteigerung von 20 Nm auf 400 Nm. Ganz schön viel Kraft, die alle vier Räder mit samt Karosserie und Inhalt in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 Km/h beschleunigt. Das ist Carrera-Niveau.

Schieben mit dem Kopf – aber alles noch im Rahmen

Durch die Kurven krallt sich der neue VW Golf R – ganz gleich ob Variant oder normal – auf beeindruckende Weise, auch wenn man unbedingt damit rechnen muss, dass er lieber über die Vorderachse schiebt, als mit dem Heck auszubrechen. Reine Abstimmungssache – und in diesem Fall vernünftig. Dabei keinesfalls so extrem, wie zum Beispiel beim Alfa Romeo Stelvio Super.

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Geschaltet wird über ein aufpreispflichtiges Doppelkupplungsgetriebe (2.000 Euro), das schneller schaltet, als sein Sechsgang-Vorgänger. Wir sind absolute Technologiefreaks und verzichten deshalb auf den puristischen Handschalter. Sorry Mates.

Wer sich zu dem ganzen Alltags-Rennstrecken-Spektakel noch ein akustisches Klangerlebnis gönnen will, kann sich ab Herbst die sieben Kilogramm leichtere Akrapovic-Abgasanlage zulegen. Sie ist mit unglaublich teuer, aber genau so großartig. Vor allem beim Hochschalten unter Last. Vorerst nicht für den R-Variant erhältlich.

Und wer den Golf noch ein bisschen kerniger machen möchte, der kann sich auch beim Performance-Paket bedienen. Natürlich nur wenn man nach der Investition von 40.675 Euro noch etwas Kohle übrig hat.

Fazit von AUTOmativ

Optischer Eindruck  +++++
Qualität Karosserie  +++++
Qualität im Interieur  ++++
Lenkung  ++++
Fahrwerk  ++++
 Motor  +++++
 Raumangebot  ++++
 Digitales Bedienkonzept  ++++
 Innovation  ++++
 Preis  +++
 Gesamteindruck  ++++
 +++++ = Maximum

Der Golf R schafft den Spagat zwischen Alltag und Performance so gut wie kein anderer. Seine Optik vermittelt eine unvergleichbare Anziehungskraft und sein Motor (vor allem mit der optionalen Akrapovic-Anlage) ist ein Genuss. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Benjamin Brodbeck

Benjamin Brodbeck ist 26 Jahre alt und studierte Automobilwirtschaft. Momentan befindet er sich in seinem Magister für Publizistik an der Universität Wien. Neben seiner Tätigkeit als Jazz-Pianist bringt er seine Leidenschaft für und sein Wissen von Automobilen in Form und Sprache als Publizist bei AUTOmativ.de zum Ausdruck.

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