Elektroautos für’s gute Gewissen? 5 Fragen und Antworten!

Fünf häufige Fragen und Antworten zu Elektroautos, Elektromobilität, Fertigung von Batterien und Abbau von Produktionsmaterialien – so gut und neutral, wie wir es bis Juli 2019 beantworten können. Es geht um die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos, wieso Elektroautos nicht so ökologisch sind, wie es manchmal scheint – und ob unser Stromnetz die Last überhaupt aushält.


1. Wie umweltfreundlich sind Elektroautos? 

Elektroautos gelten als „lokal emissionsfrei“, weil sie im Gegensatz zum Verbrennungsmotor keine direkten Emissionen erzeugen. Und das stimmt auch – direkt am Auto ist alles sauber. Allerdings entstehen bei der Stromproduktion für das Laden CO2-Emissionen sowie Schadstoffe. Elektroautos haben zudem einen „CO2-Rucksack“ schon gleich kurz nach Verlassen der Produktionshallen, der fast doppelt so groß ist, wie der von Autos mit Verbrennungsmotor. Ursache: Die energieaufwändige Produktion der Batteriezellen. Zudem werden diese meist in Asien produziert, wo der Strom aus der Produktion von Kohle- oder Atomkraftwerken stammt.

Im Fahrbetrieb baut das Elektroauto den Rucksack ab – je sauberer der Betriebsstrom und je höher die Fahrleistungen, umso schneller. Bei großen Batterien mit hoher Reichweite müssen allerdings bis zu 200.000 Kilometer zurückgelegt werden, bis man tatsächlich „öko“ unterwegs ist.

2. Gibt es genügend Rohstoffe? 

Laut Öko-Institut e.V. übertreffen die Vorkommen von Lithium, Kobalt, Nickel, Grafit und Platin den Bedarf deutlich. Engpässe könnte es aber geben, wenn die Förderstätten dazu nicht rechtzeitig erschlossen werden. Zudem müssen Umwelt- und Sozialprobleme gelöst werden, z.B. das Thema Kinderarbeit bei der Kobaltförderung.

Es ist aber Ziel der meisten Hersteller, den Anteil der sogenannten „seltenen Erden“, wie Lithium, Kobalt, Mangan, Nickel, Neodym, Dysprosium, Platin, Kobalt und Graphit in den Akkus zu reduzieren. Tesla geht hier mit gutem Beispiel voran, die anderen ziehen mit rund zwei Jahren Abstand nach.

Man hat an der Aufzählung der Rohstoffe schon gesehen: Ein Elektroauto ist deutlich rohstoffintensiver, als ein konventionell betriebenes. Die Abhängigkeit vom Erdöl beim konventionellen Automobil wandelt sich hin zur Abhängigkeit von seltenen Erden. Und diese werden zu 95 Prozent von China kontrolliert. Dabei sind die Minen in Afrika sowie die Abhängigkeit zu einem autoritären Staat das eine – Kinderarbeit und die schlechtesten Bedingungen für die Arbeiter dort mit mehreren zig Tausend Todesfällen im Jahr stehen auf der Tagesordnung.

In der letzten Zeit wurde auch immer öfter der Abbau von Lithium in der chilenischen Atacama-Wüste beleuchtet. Das ZDF tat dies, vor Kurzem auch die ARD. Weil man zum Lösen von Lithium viel Wasser benötigt (und das in der Wüste allgemein sehr knapp ist), sank innerhalb von zwei Jahren dort der Grundwasserspiegel von 1,50 Meter auf 0,50 Meter. Wer diesen absolut beeindruckenden Boden dieses Landes schon einmal besucht hat weiß um die Notwendigkeit von Wasser für die Lebensgrundlage der dortigen Bevölkerung.

3. Woher soll der Strom kommen? Können die Netze zusammenbrechen? 

Basierend auf der aktuellen Situation des Strommarktes in Deutschland sind mittelfristig keine größeren Probleme zu erwarten. Denn 10 Mio. Elektroautos würden einen zusätzlichen Strombedarf von ca. 5,6 Prozent bedeuten. Zudem können Effizienzsteigerungen und Energieeinsparungen zur Beleuchtung sowie in Gebäuden und Industrieanlagen einen Teil des Mehrbedarfs der Elektromobilität kompensieren.

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Die Gefahr der lokalen Netzüberlastung steigt aber mit der Anzahl an Elektrofahrzeugen. Aus diesem Grund wurde für Ladestationen zu Hause bis 11 kW eine Meldepflicht, darüber eine Genehmigungspflicht eingeführt. Damit können die Betreiber das Netz gezielt stärken, ausbauen und künftig Ladevorgänge koordiniert über die Nachtstunden verteilen. Es liegt also vieles an der Steuerung der Systeme.

4. Wohin mit den Antriebsbatterien? 

Batterien von Elektroautos sind Sondermüll – wie kleine Elektrogeräte, Altöl, Farben und vieles mehr aus dem täglichen Leben. Laut Batteriegesetz müssen Batteriehersteller bzw. -Händler diese zurücknehmen und verwerten. Technologisch gesehen sind Recyclingverfahren für Lithium-Ionen-Antriebsbatterien bereits heute verfügbar und möglich.

Dadurch können aus Antriebsbatterien bis zu 95 Prozent der relevanten Funktionsmaterialen Kobalt, Nickel, Lithium und Kupfer zurückgewonnen werden. Antriebsbatterien, die für ihren Einsatz im Fahrzeug nicht mehr leistungsfähig genug sind, können im „second life“ noch viele Jahre als stationäre Stromspeicher verwendet werden.

5. Wie hoch ist die Brandgefahr? 

Da die elektrischen Komponenten eigensicher ausgelegt sind, können Elektroautos im normalen Betrieb als sicher angesehen werden. („Erste Hilfe“ ist in der Regel ohne eine erhöhte Eigengefährdung möglich)

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Welche Fälle sind das? Kritisch kann es werden, wenn die Schutzmechanismen für die Batterie beeinträchtigt sind, etwa durch die mechanische Verformung infolge eines schweren Unfalles. Dann könnten einzelne Zellen durch innere Schäden überhitzen und die Antriebsbatterie infolgedessen Feuer fangen. Dieses Risiko ist aber vergleichsweise gering, da sich das Hochvoltsystem abschaltet, nachdem bei einem Unfall der Airbag auslöst.

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